Bewertung: 5
David Fincher

Zodiac - Die Spur des Killers

Finchers Fritze fincht frische Filme. Frische Filme fincht Finchers Fritze. David Fincher meldet sich nach fünf Jahren mit seinem neuen, auf einer wahren Geschichte basierenden Film "Zodiac" zurück.

Die Erwartungen sind hoch - ob sich ein Kinobesuch lohnt oder ihr lieber eine Runde Fische filmt, lest ihr gleich, ein paar Zeilen weiter unten.

Foto: Copyright: Warner Home Video Germany
© Warner Home Video Germany

Inhalt

Es war einmal in einem kleinen Teich namens Amerika. Genauer eingegrenzt, hinter den Algen, San Francisco. 1968 bis 1969, zu einer Zeit als Tüpfelbuntbarsche in Woodstock feierten und die sexuelle Revolution von Laich überschattet wurde, brachte ein gemeiner Blauwal (weiß Gott, wie der in den Teich passte) fünf Fische um. Zwei seiner Opfer überlebten.

Der Blauwal nimmt seinen großen großen Stift und schickt chiffrierte Briefe an den San Francisco Chronicle, in denen er sich als "Zodiac Killer" ausgibt und seine Taten ausführlich beschreibt.

"Hier spricht der Zodiac. Ich bin der Mörder des Taxifahrers drüben an der Ecke Washington Street und Maple Street gestern Abend, zum Beweis ist hier ein blutgetränktes Stück seines Hemdes. Ich bin derselbe Mann, der die Leute nördlich der Bucht fertiggemacht hat."

Goldfisch Paul Avery (Robert Downey Jr.) krallt sich als Erster den Fall. Er ist die Nummer 1 beim San Francisco Chronicle. Ganz Amerika zittert, als der Zodiac Killer ankündigt, er würde Schulkinder erschießen und eine Schulbusbombe legen. Zodiac ist zu einem Mythos geworden, er kann durch seine mit Tierkreiszeichen kodierten Briefe quasi nicht enttarnt werden. Er kündigt seine Taten an und prahlt hinterher mit ihnen.

Trotzdem, niemand schnappt diesen Irren. Robert Graysmith (Jake Gyllenhaal), Cartoonist beim SFC, opfert viel Zeit seines Lebens, um den Fall zusammen mit Inspektor David Toschi und Paul Avery zu lösen. Bis heute vergebens. Es gibt einen Hauptverdächtigen und viele Beweise, aber nichts Endgültiges.

Kritik

Das klingt vom Prinzip her nach einem Stoff, wie für Fincher geschaffen. Fincher selbst war zu der Zeit selbst noch ein kleiner Steppke und hat die Angst und den Mythos um "Zodiac" hautnah miterlebt. Neben seiner superben Filmographie also beste Voraussetzungen für einen weiteren Highlight-Film. Hat sich das Warten gelohnt?

Nein.

Der Film läuft geschlagene 158 Minuten. Die erste halbe Stunde ist wirklich beinhart. Die Morde des Zodiacs sind erschreckend authentisch. Die Morde hinterlassen einiges an Unwohlsein in der Magengegend.
Der Killer hält auf einer Landstraße eine Frau an und erklärt, ihr Hinterreifen sei nicht ganz in Ordnung.
Der Killer repariert den angeblichen Defekt.
Die Frau bedankt sich und fährt weiter.
Ein paar Minuten später, Reifenpanne.
Der Killer dreht um und lädt die Frau und ihr Baby zu sich ins Auto ein.
Sie steigt ein und so langsam bahnt ihr Schlimmes.
Der Killer fährt los.
"Zuerst werfe ich dein Baby aus dem Fenster und dann werde ich dich erschießen."
Unvorstellbare Grausamkeit.
Kaum zu glauben, aber darüber hinaus hat der Film nichts zu bieten. 130 Minuten Langeweile.

Zodiac ist ein Recherchethriller. Nach den Morden wird versucht herauszufinden, wer Zodiac ist. Das kann spannend, interessant und informativ sein, verhält sich bei "Zodiac" aber ungefähr so: "Ich glaube, wir sollten ein paar Zeugen verhören." "Okay, verhören wir die Zeugen und danach sollten wir Akten durchgucken." "Sehr gute Idee! Danach sollten wir noch mehr Zeugen verhören, noch mehr Akten durchgucken, eine rauchen und in der Gegend rumfahren." Das ganze wird mit einer handvoll schöner (visueller) Einfälle von Fincher gewürzt.

Für 158 Minuten ist das aber einfach zu wenig. Der Zuschauer spürt nach den Morden nichts von der Angst der Leute, nichts von dem Mythos oder Ähnliches. Auch als Psychogramm ist der Film nicht viel Wert. Robert Graysmith hat sich sein halbes Leben mit diesem Fall beschäftigt. Das bietet so viel Charakterprofil, zu merken ist im Film aber nichts davon. Jake Gyllenhaal spielt Graysmith und verkörpert Graysmith als eine Art kleiner, naiver Junge. Eine typische Rolle für ihn. Ein wenig mehr Obsession beim Spielen hätte wirklich gut getan! Er ist jetzt bei einem "erwachsenen Projekt" dabei. Immerhin eine Weiterentwicklung in seiner Karriere. Robert Downey Jr. spielt den alkoholkranken, mittlerweile verstorbenen Paul Avery. Downey spielt wirklich toll, aber ehrlich gesagt nicht so, als dass man es so nicht schon mal besser gesehen hätte.

Fincher zu Gute halten muss man, dass er bemüht war, den Film wirklich authentisch zu gestalten. So hat er an Originaldrehorten gefilmt. Und wenn Bäume, die in den 60er Jahren dort mal standen, heute nicht mehr dort stehen, dann hat er sie einfach einfliegen lassen. Respekt davor! Aber was wollte Fincher erschaffen? Einen Spielfilm oder eine Dokumentation? Als Spielfilm interessiert es einfach nicht. Auch nicht, sich hinterher selbst mit dem Stoff zu beschäftigen. Eine Doku mit Spielfilmelementen, quasi ein "David Fincher Werner Herzog" hätte sicher bessere Qualitäten gehabt. Doch sehr schön ist, dass Fincher auf HD gedreht hat. Immer mehr HD-Filme von großen Regisseuren kommen auf die Leinwand. Da freuen sich die Amateurfilmer, weil HD, im Gegensatz zum unbezahlbaren 35mm, eben erschwinglich ist.

Fazit

Ins Kino gehen oder nicht? Wer hinterher nicht bereit ist, sich mit dem Stoff zu beschäftigen, braucht sich diesen Film im Leben nicht ansehen. Fincher filmt zur Zeit seinen nächsten Film "The Curious Case of Benjamin Button" mit Brad Pitt in der Hauptrolle. Voraussichtlich 2008 im Kino und die Erwartungen sind wieder hoch.

René von Bork - myFanbase
29.05.2007

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