Bewertung: 7

Review: #8.08 Bilder einer Ausstellung

Mit sehr großen Schritten nähern wir uns bereits dem Ende der offiziellen ersten Hälfte dieser Staffel, die bereits mit #8.09 Putting It Together zuende gehen wird. Und man darf gespannt sein, wie groß dieses Herbstfinale dieses Mal ausfallen wird, denn auf eine seit der dritten Staffel obligatorische sogenannte "Katastrophenfolge" verzichtet "Desperate Housewives" in ihrem letzten Jahr. Das hat die aktuelle Staffel auch gar nicht wirklich nötig, weil sowohl der Tornado als auch der etwas kleingeratene Flugzeugabsturz ein Witz gegen die Bedrohung waren, die momentan das Leben aller Hausfrauen zu zerstören droht: Chuck Vance!

There comes a time when we must expose our weaknesses...


Ja, nach wie vor gehört Chuck zu den Highlights dieser Staffel und nachdem er in der letzten Folge nur eine kleine Stippvisite eingelegt hat, ist er jetzt wieder vollends in der Wisteria Lane angekommen und die Vermutung, dass Chuck wohl die Rolle des Antagonisten in dieser Staffel einnehmen wird, dürfte sich spätestens nach dieser Episode als Tatsache bewiesen haben. Sowohl seine Szenen mit Bree als auch die Szene in der Galerie manifestierten zudem die Tatsache, dass Chuck nicht nur aufgrund der leidenschaftlichen Ausübung seines Jobs das Verschwinden von Alejandro aufklären möchte, sondern viel mehr, um sich an Bree rächen. Und wir alle wissen: Rache als Motiv lässt Storylines immer erst so richtig interessant werden. Vor allem wird das Ganze auch noch sehr ansprechend umgesetzt, denn Chucks Worte gegen Ende waren ebenso gehässig wie genial, während auch Bree in der Mitte der Folge richtig überzeugen konnte, als sie Chuck endlich einmal Paroli bot. Deren gemeinsames Spielchen bleibt also weiterhin spannend, da beide gleichwertige Gegner sind.

Natürlich stellt man sich irgendwo auch die Frage, weshalb es nicht einfach mal zu einer richtigen Aussprache zwischen Bree und Chuck kommt. Bree weiß schließlich, dass Chuck im Glauben ist, sie habe ihm während ihrer Beziehung die ganze Zeit nur irgendwelche Gefühle vorgespielt. Jetzt, wo Chuck langsam aber sicher hinter den Mord an Alejandro kommt, könnte Bree wohl mit offenen Karten spielen und versuchen, ihm klarzumachen, dass sie sich letztendlich nur von ihm getrennt hat, um ihre Freundinnen nicht in Schwierigkeiten zu bringen, echte Gefühle jedoch durchaus vorhanden waren. Aber irgendwo kann sich Chuck das ja eigentlich schon selbst denken, weshalb ich über sein Motiv doch etwas verwundert bin, nachdem er zu Beginn seines Auftauchens in der Serie noch recht vernünftig erschien.

Doch vielleicht läuft es auch genau darauf hinaus. Schließlich befinden wir uns gerade erst bei der achten Folge und Chuck steht schon kurz davor, die Geschichte um Alejandro komplett aufzudecken. Und natürlich, das ist praktisch zu 99% sicher, werden die Frauen nicht jetzt schon auffliegen. Somit darf man gespannt sein, wie sich die Sache mit Chuck entwickeln wird und dabei gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder Chuck wird tatsächlich Einsicht haben, sodass Bree ihn auf ihre Seite ziehen kann oder man entledigt sich Chuck in bester "Desperate Housewives"-Manier. Irgendwie wäre aber beides nicht so ganz nach meinem Geschmack, denn ein Antagonist wie Chuck tut der Serie wirklich gut, weshalb ich also weder auf ihn als Charakter, noch auf ihn als Gegenspieler verzichten möchte.

Schade übrigens, dass man in dieser Folge weder Mike noch Ben zu Gesicht bekommen hat. Denn nachdem sie in der fabelhaften letzten Folge #8.07 Die Leiche so schön in das ganze Geschehen miteingebunden wurden, hätte man wohl erwarten dürfen, dass man sich wenigstens nicht so ganz weglässt. Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb #8.08 nicht ganz die interessante Komplexität erreicht hat, wie die Vorgängerepisode.

When our secrets can no longer remain private ...

Die Geschichten der anderen Hausfrauen wurden derweil gelungen um den Staffelarc drumherum gebaut, wobei es natürlich noch einmal richtig toll war, wie die Storyline um Susan am Ende fast alle Damen zusammenbrachte und der Geschichte um Alejandro neuen Schwung verlieh. Selbstverständlich war es sehr vorhersehbar, dass Susans aus dem Affekt heraus kreiertes Gemälde, welches Alejandros Begräbnis zeigte, früher oder später für mächtigen Ärger sorgen wird. Ebenso war es vorhersehbar, dass das in dieser Folge passieren würde, denn bereits nach kurzer Zeit dürfte klargewesen sein, dass Andre das Gemälde trotz Susans Widerwille dennoch ausstellen lassen würde. Die Vorhersehbarkeit von Susans Geschichte wurde jedoch wieder durch den Humor wettgemacht, der insbesondere gegen Ende, als Susan verzweifelt versuchte, das Gemälde irgendwie zu entfernen, richtig überzeugen und die meisten Zuschauer wohl nicht nur einmal zum Lachen bringen konnte. Und auch die anschließende gemeinsame Szenen zwischen den Hausfrauen war grandios, insbesondere mal wieder das Zusammenspiel zwischen Gaby und Bree. Hier wiederum stört es doch sehr, dass man nun auch zwischen Bree und Gaby einen Keil getrieben hat, doch dazu später mehr. Ergötzen wir uns viel lieber an der Tatsache, dass es so scheint, als sei dies die letzte Folge gewesen, in der wir Andre zu Gesicht bekommen haben. Der Charakter, der anfangs trotz seiner unsympathischen Art noch so interessant erschien, erwies sich nämlich schnell als richtig nerviger Zeitgenosse und die einzelnen, meist absolut belanglosen Geschichten zwischen ihm und Susan waren an Langeweile fast nicht mehr zu übertreffen. Ade Andre!

When our pain can no longer be ignored...

Auch bei Gabys Geschichte dominierte die Tatsache, dass man irgendwie schon die ganze Zeit vorhersagen konnte, was als nächstes Geschehen wird. Und das wiederum wurde dann teilweise auch nur noch dürftig umgesetzt. Zwar thematisierte man endlich einmal Carlos’ zunehmenden Alkoholkonsum, aber man zeigte fast nur, dass er langsam ein echtes Alkoholproblem zu entwickeln scheint, aber eben nicht weshalb. Natürlich ist uns Zuschauern und auch Gaby völlig klar, dass es sich dabei um die Auswirkungen von Carlos’ schlechten Gewissen handelt, aber die Autoren verpassen es total, die nötige Tiefe und den nötigen Ernst in die Geschichte mit einzubauen. Wieso ist es zum Beispiel so schwer, Carlos und Gaby endlich einmal ein intensives Gespräch auf den Leib zu schreiben, statt diese potentialreiche Story nur auf Gemotze seitens Gaby zu dezimieren und Carlos dessen Odysee praktisch alleine bewältigen zu lassen? Natürlich gab es hier und da Momente, in denen man merkte, wie sehr sich Gaby um Carlos sorgt und dass sie ihm gerne helfen würde. Doch solche Momente sucht man momentan genauso vergebens wie Niveau bei "Two and a half Men". Auch mit dem Ende konnte man nicht zufrieden sein. Zwar ist es schön, dass Carlos sich eingestanden hat, ein echtes Problem zu haben und in therapeutische Behandlung gehen zu müssen. Aber musste dafür extra ein Gespräch zwischen Carlos und dessen wichtigen Geschäftspartner von Nöten sein, der zufällig von Carlos’ Problem erfuhr und zufällig auch einmal Alkoholiker war? Wäre es nicht schöner gewesen, wenn Gaby selbst oder einer seiner Freunde ihn letztendlich auf die richtige Bahn gelenkt hätte, so wie es damals bei Bree in Staffel 2 der Fall war?

Der Rest der Geschichte, also Gabys Szenen in Carlos’ Firma, muss man hingegen weniger kritisch beäugen. Der Inhalt war zwar flach, denn Geoffreys wahre Intentionen hatte man schon aus zwei Kilometern Entfernung riechen können, aber dafür stimmte wenigstens auch hier wieder der Humor.

When our solitude can no longer be denied ...

Im selben Radius hätte man im Übrigen auch den Ausgang von Lynettes Geschichte in dieser Folge erschnuppern können. Ja, auch hier war es praktisch von Vorneherein klar, dass Tom Lynette nicht bewusst die Blumen zuschickte und deren Hoffnungen daher früher oder später wie Seifenblasen zerplatzen würden. Und vor allem am Ende haperte es dann gewaltig an Originalität, als die Autoren mit der Szene, in der sich Lynette unter dem Bett versteckte, als Tom und Jane das Appartement betreten, sowie mit Toms Erklärung einer vor Jahren abgeschlossenen Dauerlieferung von Blumen an deren Jahrestag, mächtig in der "Schon mal gesehen"-Kiste rumwühlten.

Ganz so schlecht, wie ich es hier darstelle, war die ganze Storyline natürlich nicht. Im Gegenteil, die Szene, in der Lynette klar wurde, dass sie ihre Ehe vielleicht zu früh aufgegeben hat, könnte wegweisend für den Rest der Staffel sein und ihr Bemühen, Tom in dessen Appartement zu überraschen, war wirklich rührend. Herzzerbrechend dann hingegen die letzte Szene, die, trotz all der Vorhersehbarkeit und Klischees, einfach nur nahe ging und man vor allem mit Lynette richtiges Mitleid hatte – und zudem von Felicity Huffman sehr toll gespielt wurde.

But sometimes we feel so alone that a weaknesses we thought we'd overcome suddenly becomes too long to fight.

Bevor sich die Serie mit der nächsten Episode bereits aus dem Jahr 2011 verabschieden wird, müssen wir uns mit der Tatsache konfrontiert sehen, dass die Hausfrauen die zukünftigen Folgen wohl allen Anscheins nach im Alleingang durchstehen müssen. Denn nachdem sich in der letzten Folge bereits Susan und Lynette von der Gruppe abgewandt haben, ist jetzt auch die Freundschaft zwischen Bree und Gaby nur noch ein Trümmerhaufen. Und das ist einfach nur bedauerlich, schließlich machen die beiden zusammen mit am meisten Spaß. Außerdem hatte ich mich aufgrund des gemeinsamen Geheimnisses schon gefreut, dass wir endlich wieder öfter die Damen zusammen sehen werden. Natürlich ist es irgendwo auch absehbar gewesen, dass die ein oder andere unserer Protagonistinnen sich von der Gruppe abwenden wird, doch dass jetzt jede Hausfrau im Alleingang unterwegs ist, wirkt doch ein wenig zu gezwungen inszeniert und weiß nicht wirklich zu Gefallen. Dazu kommt dann auch noch die Tatsache, dass Bree von den anderen als Sündenbock abgestempelt wird, auch von Gaby, die allerdings am dankbarsten für all das sein müsste, was Bree für sie und Carlos gemacht hat. Mit den Entwicklungen zwischen den Hausfrauen kann man momentan also nur bedingt zufrieden sein und hoffentlich normalisiert sich das Verhältnis zwischen den vier Titelcharakteren bald wieder.

Interessant war jedoch noch mal die letzte Einstellung der Folge, die man wohl als Auswirkungen der Zurückweisungen ihrer Freundinnen betrachten darf: Bree greift wieder zum Alkohol, was bei einer ehemaligen Alkoholikerin definitiv kein gutes Zeichen ist. Und auch wenn ich nicht will, dass es mit Bree jetzt total bergab geht, glaube ich doch an einige witzige und interessante Szenen, wenn sich Bree nun wirklich wieder dem Alkohol zuwidmet.

Fazit

Letzten Endes leidet #8.08 Suspicion Song vor allem unter der Tatsache, dass die vorherige Episode aufgrund der zahlreichen unvorhersehbaren Entwicklungen so überaus positiv herausstechen konnte. Dort war der Verlauf der Folge nämlich von einigen überraschenden Momenten geprägt, während die Geschichten hier allesamt viel zu gradlinig und vorhersehbar erzählt wurden. Zwar war die Episode im Ganzen betrachtet, insbesondere dank der gelungenen Szenen mit Chuck und den ein oder anderen richtig witzigen Momenten, durchaus sehenswert und unterhaltsam, knüpft aber nicht an die Qualität der letzten beiden Episoden an. Dennoch macht vor allem Chucks sich erhärtender Verdacht, unsere Damen könnten etwas mit Alejandros Verschwinden zu tun haben, sehr viel Lust auf das kommende Herbstfinale und es wird interessant sein zu sehen, ob wirklich alle Charaktere heil in 2012 ankommen werden.

Manuel H. - myFanbase

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