Hexen und Hexerei in Film und Fernsehen

Hexen liegen im Trend. Die Zeiten, in denen wir Frauen mit magischen Fähigkeiten ausschließlich als hässliche Geschöpfe der Nacht kannten, die mindestens eine Warze auf der Nase haben, permanent von einer schwarzen Katze begleitet werden, auf einem fliegenden Besen durch die Lüfte gleiten und kleine Kinder ganz oben auf ihrer Speisekarte führen, scheinen weitgehend vorbei zu sein. Ein guter Beleg hierfür ist die Serie "Charmed Zauberhafte Hexen", aber es gibt noch weitere Beispiele, die im Folgenden vorgestellt werden sollen.

"Der Hexenclub"

Foto: Copyright: 1996 Columbia Pictures Industries, Inc. All Rights Reserved.
© 1996 Columbia Pictures Industries, Inc. All Rights Reserved.

Im Jahr 1996 brachte Hollywood-Regisseur Andrew Flemming einen Film auf die Leinwand, der die Hexerei als ein Symbol für die grenzenlosen, aber noch nicht aktivierten inneren Fähigkeiten junger Mädchen darstellt.

Im Mittelpunkt des Thrillers steht Sarah (Robin Tunney), die sich Zeit ihres Lebens als Außenseiterin gefühlt hat. Auch an ihrer neuen Highschool in L.A fühlt sie sich einsam - bis sie Nancy (Fairuza Balk), Bonnie (Neve Campell) und Rochelle (Rachel True) kennen lernt. Die Mädchen haben bereits auf Sarah gewartet, denn das Trio braucht noch ein viertes Mitglied, um seinen Hexenzirkel zu komplettieren. Nach anfänglichem Misstrauen nimmt Sarah an den heidnischen Ritualen ihrer neuen Freundinnen teil - und weckt damit Kräfte, die größer und böser sind, als sie es sich je hätte vorstellen können...

"Der Hexenclub" ist nicht nur ein okkulter Thriller mit ansehnlichen Effekten, sondern auch ein Porträt von Teenagern, die sich unverstanden und ausgeschlossen fühlen. Es geht um vier Mädchen, die den Weg von der völligen Hilflosigkeit zur berauschenden Macht beschreiten.

"Der Hexenclub" gibt zudem Eindrücke von "Wicca", einer heidnischen, Erdorientierten Religion, die in ihrer Symbolik die Erde als Mutter und den Himmel als Vater sieht. Die Mitglieder dieses Glaubens, den es in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Europa gibt, bezeichnen sich ganz selbstverständlich als Hexen.

"Sabrina - Total Verhext"

Die Idee, junge Mädchen durch (weiße) Magie aufblühen zu lassen, wurde schnell auch fürs TV entdeckt. Allerdings orientierte man sich noch sehr an dem Vorbild familiengerechter Serien aus den 1960er Jahre wie "Verliebt in eine Hexe", so dass die Serie "Sabrina - Total Verhext" (19962003) eine reine Sitcom wurde, in der Sex, Alkohol und Drogen schlichtweg verleugnet werden. Dies erklärt sich vielleicht auch aus der Tatsache, dass die Serie auf einem Comic aus dem Jahre 1962 basiert. Nichtsdestotrotz (oder gerade deswegen) wurde "Sabrina -Total Verhext" ein großer Quotenerfolg, der die Popularität moderner Hexen weiter vorantrieb.

Heldin der Serie ist Sabrina Spellman (Melissa Joan Hart), die an ihrem 15. Geburtstag erfährt, dass sie eine Hexe ist. Fortan wird sie von ihren beiden Tanten, der besonnenen Zelda (Beth Broderick) und der schrulligen Hilda (Caroline Rhea), in die Feinheiten der Magie eingeführt und lernt die Vor- und Nachteile einer Gabe kennen, die es ihr auch schon mal erlaubt, gemeine Mitschülerinnen in Ziegen zu verwandeln oder sich den passenden Begleiter für das Schulfest einfach zu backen.

"Sabrina - Total Verhext" spielt dabei ausgelassen mit den typischen Hexenklischees alter Märchen und Sagen, die über Europa auch in die USA gelangt sind. So besitzt Sabrina tatsächlich einen schwarzen Kater, bei dem es sich allerdings um einen verzauberten Hexer handelt, der sprechen kann, ziemlich verfressen ist und ironischerweise Salem heißt, also nach einer Stadt benannt ist, die im 17.Jahrhundert durch spektakuläre Hexenprozesse berühmt wurde. Auch der fliegende Besen darf nicht fehlen, nur dass Sabrina als moderne Hexe natürlich auf einem Staubsauger durch die Nacht reitet.

Insgesamt wird die Hexerei in "Sabrina - Total Verhext" als etwas Lustiges und Buntes dargestellt, das Spass macht und keine ernsthafte Bedrohung darstellt. Vor Hexen muss man sich demnach nicht fürchten, sondern will vielmehr mit ihnen befreundet sein.

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