Bewertung: 8

Review: #6.06 Im Angesicht des Todes

Foto: David Duchovny, Californication - Copyright: Paramount Pictures
David Duchovny, Californication
© Paramount Pictures

Wenn man glaubt, dass man bei "Californication" bereits alles erlebt hat, dann finden die Autoren natürlich noch einen Weg um alles bis dato gewesene noch mal zu toppen. Zur Halbzeit der Staffel jedenfalls kann die Serie mal wieder mit Skurrilität absolut unterhalten, auch wenn dies weiterhin zu lasten der Handlungsfortführung ist.

I'm living the life of an artist

Die Episode startet zunächst ganz gemächlich mit einem Dialog zwischen Hank und Becca. Diese hat wirklich vor ihren Entschluss umzusetzen, geht nicht mehr zur Schule und fragt ihren Vater Dinge, die man als Vater wohl niemals beantworten möchte. Aber das hat Hank nun mal von seinem Lebensstil. Da muss er jetzt durch. Ich hoffe nur, dass man für Becca einen Weg findet, der Hank zu schaffen macht, Becca aber trotzdem noch in einem guten Licht dastehen lässt, sie also ihr Leben lebt, ohne sich total daneben zu benehmen. Denn einen richtigen Absturz in Richtung Sex, Drugs & Rock'n Roll passt für mich einfach nicht zu Becca.

I've got nothing

Die eigentliche Handlung spielt dann aber im Flugzeug, denn Hank und Charlie fliegen mit Atticus und Anhang nach New York und Atticus braucht dringend Inspiration, um Songs für das Musical zu schreiben. An Inspiration fehlt es dann an Bord nicht, denn der sehr bequem eingerichtete Privatjet ist mehr eine Spielwiese denn ein Beförderungsmittel. Und natürlich geht es an Bord in erster Linie um Sex und Drogen. Atticus' Frau Nathalie versucht Hank zu bezirzen, doch der widersteht mal mit Anstand, auch wenn der Bodyguard von Atticus es ihm auch nicht schwer macht, zu widerstehen. Doch es finden sich noch weitere Frauen ein. Die Gesellschaft wird durch Faith und die verfeindete, nun befreundete Witwe Trudy komplettiert. Hank lässt sich die Gelegenheit natürlich nicht entgehen, bei Faith weitere Punkte zu sammeln. Aber es gibt Konkurrenz, denn auch Atticus erhofft sich von Faith Inspiration. Es ist einfach nur herrlich, mit welcher Selbstverständlichkeit Atticus seine Frau unter Drogen setzt, um mit Faith seine Ruhe haben zu können.

Jedenfalls haben sich ziemlich nachvollziehbar, alle wichtigen Beteiligten der Atticus-Storyline hier an Bord versammelt und da mindestens die Hälfte standardmäßig abgefuckt ist, sind alle Grundlagen gegeben für beste "Californication"-Unterhaltung.

Jesus

Charlie hat mit seiner Flugangst zu kämpfen, wird aber bestens von Trudy abgelenkt, die gleich die Vorzüge von Charlies Genital erörtert. Ab jetzt kann man den Zähler für das Wort "Fuck" anstellen, denn in den nächsten Minuten wird möglicherweise ein Weltrekord in der Nutzung aufgestellt. Doch es wird ja noch viel besser. Die Maschine gerät in Turbulenzen und es schalten so ziemlich alle ihr Gehirn aus. Trudy lässt die Urne ihres Mannes fallen und zieht sich die Asche als Line rein. Danach missbraucht sie Charlie regelrecht, während Atticus Zuflucht in der Musik findet und die Stewardessen mit dem Bodyguard rummachen. Zugegebenermaßen darf man in der panischen Todesangst ruhig die Sau rauslassen, aber man kann sich nicht wirklich sicher sein, ob dieses Szenario nicht auch bei bestem Flugwetter zustande gekommen wäre. Die Szenerie ist jedenfalls herrlich abstrus, vollkommen abgefahren und somit einfach nur zum Lachen. Zum Teil aus Scham, zum Teil aus Ungläubigkeit und zum Teil, weil man einfach auch nichts anderes machen kann.

Mitten in dieser Szenerie gibt es aber auch einen ganz entscheidenden Moment. Hank versucht Karen anzurufen, hat aber kein Netz. Hier zeigt sich, dass Hank im Herzen ein ganz anderer Mensch ist, als der Hank, den wir doch ziemlich oft zu Gesicht bekommen. Hank und Karen gehören zusammen und die absolut absurde Szenerie bekommt eine tiefe Symbolik. Während alle vollkommen ausrasten und Atticus endlich eine Idee für einen Song hat, denkt Hank an seine Herzdame und findet gute Worte von Faith, die immer beeindruckter von Hank ist und dies mit einem romantischen Kuss deutlich macht. Was ich allerdings sehr schade finde, und die regelmäßigen Leser werden schon ahnen, worauf ich jetzt anspiele, ist Hanks Verhalten nach der sicheren Landung. Ich kann zwar absolut nachvollziehen, dass Hank sich diese Gelegenheit nicht nehmen lässt, zumal Faith wirklich sympathisch ist, doch gerade weil hier auch noch eine emotionale Bindung vorhanden ist, finde ich das, kurz nachdem er verzweifelt versuchte, Karen anzurufen, aus meiner Sicht einfach nicht passend. Aber das ist wohl einfach eine Seite des Charakters Hank, die ich nie nachvollziehen können werde.

Fazit

Die Fixierung auf einen Handlungsort hat sich durchaus bewährt und konnte eine sehr kuriose Episode nach sich ziehen, die in erster Linie beste Unterhaltung bieten konnte. Trotzdem ist mir nach einer halben Staffel eigentlich noch nicht genügend Handlungsförderndes passiert.

Emil Groth - myFanbase

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