Bewertung: 8

Review: #6.07 Mein Abend mit Marilyn

Foto: Madeleine Martin, Californication - Copyright: Paramount Pictures
Madeleine Martin, Californication
© Paramount Pictures

Bisher hatte die Staffel in erster Linie durch Humor und Skurrilität punkten können, nicht aber so sehr durch Handlungsfortführung, zumindest geschah nur wenig Bedeutungsvolles. Das war in dieser Episode endlich mal ganz anders. Nach überstandenem Rückflug kommen Hank und Charlie nach Hause und haben erst mal Familiäres zu regeln.

I'm partying like a rock star

Becca hatte sich Charlies Apartment für eine Party geliehen und dabei mal so richtig die Sau rausgelassen. Als Hank und Charlie schockiert nach Hause kommen, amüsiert sie sich auch noch mit ihrem wirklich nicht besonders attraktiven Freund, der die väterliche Liebe von Hank direkt im Unterleib zu spüren bekommt. Ich hätte wohl ähnlich reagiert, falls ich aus meiner Schockstarre rechtzeitig erwacht wäre. Das Problem ist einfach nur, dass sich Karen und Hank nun wirklich nicht beschweren können, weil sie nun mal ganz schlechte Vorbilder waren. Trotzdem sind sie es, die genau wissen, welch negative Auswirkungen ein solches Lotterleben haben kann und auch wenn man Becca durchaus zutraut, etwas verantwortungsvoller zu sein, so ist es nun mal auch Aufgabe der Eltern, die Kinder vor den eigenen Fehlern zu bewahren.

Hank kommt die Idee, Becca einfach mit der Extremvariante zu konfrontieren, doch das misslingt zunächst, weil Atticus ausgerechnet Besuch von Marilyn Manson hat. Becca ist also eher begeistert denn angewidert – bis zum geschickten Trick von Hank, seine Tochter einfach allein zu lassen mit dem Duo infernale. Atticus ist in jeder Szene einfach wieder wunderbar überzeugend und er kann als einer der Hauptnebencharaktere der Staffel schon jetzt mehr überzeugen als alle neuen Charaktere aus Staffel 5 (vielleicht mit Ausnahme von Tyler). Marilyn Mansons Gastauftritt war nett, aber auch nicht wirklich bedeutsam. Um Becca auf den richtigen Weg zu bringen, hat dieser Part allerdings sehr genutzt.

Eher im Weg steht sich mal wieder Hank selbst, der sich zunächst bestens mit Karen versteht, weil sie sich bezüglich Becca mal einig sind, er es aber wieder vermasselt, weil Nathalie sich seiner annimmt und eindeutige Avancen macht. Hank rettet sich mit seiner Lieblingsausrede. Er kann nichts dafür. Da macht er es sich natürlich viel zu einfach, auch wenn da auch etwas Wahrheit dahinter steckt. Karen sieht ihren Job aber zu unrecht in Gefahr, wie ich finde. So richtig weiß ich also noch nicht, was diese Szene gebracht haben soll.

It clearified things for me

Charlie hat durch sein Nahtoderlebnis nun den Willen, sein Leben endlich wieder ernst nehmen und sich mehr um seinen Sohn zu kümmern (und vielleicht Marcy wieder für sich zu gewinnen). Als er mit Charlie seinen Sohn ins Bett bringt, konnte man wohl eine der schönsten Szenen zwischen Charlie und Marcy der gesamten Serie erleben. Charlie ist endlich mal ehrlich und Marcy von ihren mütterlichen Gefühlen auch ein Stück weit überwältigt. Außerdem existiert da noch genügend Restliebe für Charlie um sich breit schlagen zu lassen. Doch für ein Happy End reicht es (vorerst) nicht.

Zunächst nahm diese Story nämlich wieder eine Richtung ein, die eigentlich auch nur Charlie widerfahren kann, und ihm schlussendlich auf die Füße fallen soll. Die erste Mutter, die er am Nachmittag trifft, ist ausgerechnet eine Hobbypornodarstellerin, die ihre eigene Homepage führt, wo sie Videos von sich mit anderen Männern zeigt. Charlie soll der neue, anonyme Protagonist sein, der ihr einen ordentlichen Facial verpasst. Man ahnte schon, dass Charlie diese wesentliche Anweisung nicht hinbekommen wird, weil er als Schnellschütze bekannt ist. Trishas Reaktion war wirklich herrlich. Viel besser ist die Amateurpornographieszene wohl in drei Minuten nicht darstellbar. Es war einfach nur herrlich und hatte die richtige Mischung aus Realitätssinn und Witz.

Nicht ganz nachvollziehbar ist allerdings, warum diese dreißig Sekunden ihren Weg ins Netz finden. Als kostenlose Vorschau ist es eigentlich nicht aussagekräftig für die Absichten der Website und lächerlich will man sich eigentlich auch nicht machen. Diese kleine Lücke bleibt also, aber da man Charlies Tag damit wunderbar vollendet und das mögliche Happy End vorerst unterbindet, siegt die Funktionalität in diesem Falle über die Logik.

Fazit

Mit der Fokussierung auf die zwischenmenschlichen Beziehungen aller Hauptcharaktere hat diese Episode nach langer Zeit mal wieder gezeigt, welche Möglichkeiten in der Serie stecken. Leider war es etwas viel Anlauf, aber in dieser Episode hat wirklich alles gepasst.

Emil Groth - myFanbase

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