Bewertung: 8

Review: #4.10 Die Verhandlung

Wir sind mit Hank Moody bereits an vielen Orten in Los Angeles gewesen: am Strand, in Buchläden, in Bars, an der Uni, in Villen, in Galerien, in Stripclubs, in Krankenhäusern und in Hotels. An den meisten dieser Orte hatte Hank Sex oder konnte eine Frau aufreißen, mit der er sich daheim zu vergnügen wusste. In dieser Episode bringt Hank uns jedoch zum ersten Mal in einen Gerichtssaal und damit an einen Ort, an dem ihn keine neuen Liebesabenteuer, sondern Konfrontationen mit seinen früheren Eskapaden erwarten. Die vielen Rückbezüge auf die erste Staffel sind großartig, zumal die wichtigsten Protagonisten von damals tatsächlich wieder mit dabei sind. Wir sehen Szenen, die sich kurz vor den Ereignissen der allerersten Folge abgespielt haben und die uns neue Informationen enthüllen. So gefällt mir das.

Die erste Person im Zeugenstand ist Charlie, der vor lauter Nervosität ein alles andere als gutes Licht auf seinen besten Freund wirft. Es ist schon ein wenig erstaunlich, dass Charlie so angespannt agiert, wenn man bedenkt, dass er nur wenige Episoden zuvor Marcy und Stu gerettet hat, als diese bei der Präsentation ihrer Serienidee fast vor Lampenfieber verglüht wären. Warum konnte Charlie diesmal nicht auch so souverän vor einem kritischen Publikum agieren wie damals bei dem Fernsehsender, zumal er auf die Verhandlung sogar vorbereitet war? Nun gut, die Angst, seinen besten Freund nur noch im Gefängnis besuchen zu können, mag eine Erklärung für das Nervenflattern sein. Charlie fällt auf die Frage, was Hank zu einem guten Freund macht, nur eine fragwürdige Anekdote ein, was überhaupt nicht hilfreich ist. Dass solche jugendgefährdenden Storys nicht alles sind, was man über die Freundschaft von Charlie und Hank sagen kann, zeigt die Szene in der Verhandlungspause: Charlie entschuldigt sich bei Hank, der seinem Kumpel jedoch überhaupt nicht böse ist und ihn tröstend in die Arme nimmt. An Abbys Gesichtsausdruck ist abzulesen, dass dies schon ein bemerkenswerter Moment ist, der zeigt, dass wir hier zwei Freunde haben, die einander so nehmen, wie sie sind, mit allen Schwächen und Fehlern.

Als nächstes muss Karen in den Zeugenstand und wird dabei von Abby ganz schön heruntergeputzt. Abby stellt Karen als eine Frau hin, die mit ihrem wankelmütigen Verhalten dem Mann, der sie liebt, dass Leben seit Jahren schwer macht. Natürlich wissen wir als Zuschauer, wie sich das alles wirklich abgespielt hat, wobei das Bild, das Abby da von Karen zeichnet, ja nicht komplett falsch ist. Karen hat auch ihre Fehler gemacht und Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die sich nicht unbedingt als moralisch einwandfrei bezeichnen lassen. Sie hat ihren Ehemann wenige Minuten nach der Trauung sitzen lassen, um doch noch mit dem Mann abzuhauen, der sich vor Sehnsucht nach ihr in einige Katastrophen gestürzt hat. Das allein spricht schon für sich. Karen ist längst nicht so verkorkst wie Hank, aber sie hat auch ihre dunklen Seiten. Andernfalls könnten sie und Hank sich niemals so nahe sein. Man kann Abbys Strategie, die Schuld so ein bisschen auf Karen abzuwälzen, schon verstehen. Irgendwas muss sie als Hanks Anwältin ja schließlich tun, um den gigantischen Bad-Boy-Stempel auf der Stirn ihres Mandanten zu übertünchen. Das ist nicht fein, aber aus taktischer Sicht sinnvoll. Die zwölf Geschworenen stellen einen Querschnitt der amerikanischen Gesellschaft dar und die ist bekanntlich in vielen Punkten eher konservativ. Da kann man schon mal versuchen, Karen als eine schlechte Lebensgefährtin und Mutter hinzustellen, um Hank zu entlasten.

Die größte Bombe lässt jedoch Bill platzen, den wir zum ersten seit #1.12 Der letzte Tanz sehen und der zu berichten weiß, dass sich Hank und Mia sehr wohl schon vor der legendären Begegnung im Buchladen getroffen haben. Damit scheint Hanks Verurteilung besiegelt. Natürlich sieht es jetzt so aus, als habe er bewusst mit der damals minderjährigen Mia geschlafen, um seinem Nebenbuhler Bill eins reinzuwürgen. Mias Aussage lässt aber wieder Hoffnung zu, denn sie macht deutlich, dass Hank bei diesem frühen Treffen so betrunken und überdies von der Sonne geblendet war, dass er Mia gar nicht richtig gesehen hat und sie folglich auch nicht wiedererkennen konnte. Trotzdem steht Hanks Schicksal auf Messers Schneide. Hank ist bislang von allen Seiten belastet worden und dass die einzige Person, die wirklich zu seinen Gunsten ausgesagt hat, sein vermeintliches Opfer ist, das damals noch minderjährig war, kann man auch anders interpretieren, nämlich gegen ihn.

Ich bin sehr gespannt auf die letzten beiden Episoden dieser Staffel, die uns vielleicht eine Antwort auf die Frage geben, ob Hank für seinen Lebensstil büßen muss, oder ob er eine weitere Chance bekommt, die nicht jeder an seiner Stelle erhält.

Maret Hosemann – myFanbase

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