Bewertung: 9

Review: #6.07 Noch einmal mit Gefühl

Was für eine Folge! Und das nicht nur, weil es sich hier um eine einzigartige künstlerische Komposition handelt. Aber von Anfang an...

Musicals

Eine Folge eines Mystery-Dramas als Musical zu zeigen ist gewagt. Schnell könnte die Episode in triefenden Kitsch oder übertriebenen Pathos abrutschen, doch Joss Whedon hat sowohl mit dem musikalischen Arrangement, als auch mit der Textauswahl der einzelnen Songs ein glückliches Händchen bewiesen und eine phänomenale Episode geschaffen, die zwar viel Aufsehen erregt, aber 100%ig funktioniert. Erinnert man sich noch an Episoden wie "Das große Schweigen" oder "The Body" so weiß man, dass Joss Whedon prädestiniert dazu zu sein scheint, Grenzen auszuloten und normale Erzähltechniken auf den Prüfstand zu stellen. Aber Hintergrundmusik abzustellen oder eine Episode quasi als Stummfilm ablaufen zu lassen, ist die eine Sache. Seine Charaktere aber mitten in ein Musical zu werfen, ist eine ganz andere Herausforderung. Stimmlich kann sicher nicht jeder Darsteller überzeugen, vor allem Nicholas Brendon, Emma Caulfield und auch Sarah Michelle Gellar tun sich hin und wieder schwer, die Töne richtig zu treffen, aber Chapeau! dass sie überhaupt zum Micro gegriffen haben (anders als Alyson Hannigan z.B. die sich anscheinend nicht getraut hat). Wirklich begeistert haben mich Amber Benson und Anthony Steward Head, denen ich noch lange Zeit hätte zuhören können und auch James Marsters weiß zu überzeugen - auf seine ganz spezielle Art und Weise.

Die Songs haben allesamt eingängliche Melodien, von denen einige sich noch stundenlang im Ohr halten. Zu Beginn wirkt alles etwas fröhlicher ("I've got a theory", "Under your Spell" und "I'll never tell") verändert sich aber Schritt für Schritt in einen bedrückenden Seelenstriptease ( über "Rest in Peace" und "Standing" bis hin zu "Something to Sing About"), der das Ende vollkommen offen lässt. Wohin werden die Geschehnisse der Episode unsere Charaktere führen?

Der Inhalt

Doch nicht nur die Umsetzung der Episode kann überzeugen. Auch inhaltlich geht viel voran und etliche unausgesprochene Probleme der letzten Folgen werden aufgegriffen und für alle Charaktere sichtbar in den Raum geworfen. So wird Anya und Xander klar, dass sie ob ihrer bevorstehenden Hochzeit beide gar nicht mehr so sicher sind, dass der Gegenüber auch der Richtige ist. Was dies nur für beide bedeutet, bleibt offen, aber hier gibt es doch noch viel Gesprächsbedarf zwichen den beiden Turteltäubchen.

Giles erkennt derweil, dass Buffy sich zu sehr auf ihn verlässt und er nicht verantworten kann, dass sie sich nicht mehr weiterentwickelt. Zwar realisiert er, dass er über die Jahre eine Art Vaterfigur für sie geworden ist, erkennt jedoch auch die Notwendigkeit, Buffy alleine zu lassen, so dass sie selbst ihr Schicksal in die Hand zu nehmen vermag. Hier wird also ganz klar auf den Abgang von Anthony Stewart Head hingearbeitet, dessen Abwesenheit ein wirklich großes Loch im Cast hinterlassen wird, das steht für mich fest. Sollte Giles wirklich Sunnydale, die Scoobies und Buffy verlassen, so werden sie sich umgewöhnen müssen, denn Giles war immer der Fels in der Brandung, der die Scoobies zusammengehalten hat.

Tara erfährt unterdessen, dass Willow sie verzaubert hat. Nicht nur, dass Willow einen Zauber benutzt hat, um Tara die Erinnerung an ihren Streit über die Magie vergessen zu lassen. Hier kommt noch etwas viel schwerwiegenderes zu Tage, was Tara in ihrem kurzen Liedabschnitt im Zauberladen auch anspricht. Willow weiß, was Tara durchmachen musste, als sie von Glory in Staffel fünf angegriffen wurde und sollte sich nun davor hüten, mit Taras Erinnerungsvermögen zu spielen. Dass ein solcher Vertrauensbruch durch ihre Partnerin sie tief kränkt ist verständlich und auch wenn Tara am Ende Willow tröstend zur Seite stand, bin ich mir sicher, dass der Vergessenzauber noch Konsequenzen haben wird. Tara wird dies nicht einfach unter den Teppich kehren, das hat sie im Zauberladen bereits angekündigt.

Spike gesteht inzwischen Buffy, dass er sich in sie verliebt hat und seine zwiespältigen Gefühle, die ständig zwischen Hass und Verehrung pendeln, ihn um den Verstand bringen. Und er macht auch klar, dass Buffy mit ihrer ständigen Anwesenheit diesen Zustand noch verschlimmert. Wenn sie sich schon nicht auf ihn einlassen kann bzw. will, dann soll sie ihn wenigstens in Frieden lassen und nicht alle Nase lang in seiner Gruft aufsuchen. James Marsters spielt die innere Zerissenheit von Spike sehr authentisch - Spike wirkt nicht wie ein verliebter Idiot, sondern wie ein Mann, der Jahrzehnte lang von einem Weltbild überzeugt war und nun mit neuen Gefühlen zurecht kommen muss.

Die größte Entwicklung macht schließlich Buffy durch. Sie beklagt immer wieder, dass ihr das Feuer ausgegangen ist, sie ihren Job nur noch widerwillig erledigt und keinen Spass mehr am Leben hat. Sie distanziert ihre Freunde und sucht ungewöhnlicherweise Halt bei Spike, den sie oberflächlich zwar hasst, in dem sie aber so etwas wie einen Verbündeten sieht, da er in etwa nachvollziehen kann, wie es ihr erging. Und so tut sie am Ende gut, ihren Freunden reinen Wein einzuschenken. Dass sie dabei nur sich selbst sieht und nicht das Leid ihrer Freunde, die ihren Tod genauso verarbeiten mussten, wie Buffy ihr erneutes Leben, ist verständlich. Für Buffy war die Aufopferung für Dawn gleichzeitig eine Erlösung von ihrem vom Kampf geprägten Leben. Sie hatte nun Frieden gefunden und wurde gezwungen diesen nun gegen ihr altes Leben voller Zwänge einzutauschen. Hier kann man ihr ruhig zugestehen, egoistisch zu sein.

Das Schwerste in dieser Welt, ist in ihr zu leben

Buffy ist also bereit für den Tod und zögert nicht, sich sofort in ihr Schicksal zu ergeben. Dass es ausgerechnet Spike ist, der ihr klar macht, dass das Leben nicht immer nur Zuckerschlecken ist, finde ich beachtlich. Während Giles, Willow und die anderen starr vor Schock sind, ist er es, der Buffy vor einer überstürzten Tat abhält. Als Dank erntet er am Ende einen leidenschaftlichen Kuss. Was ich davon halte, weiß ich nicht, denn für micht wirkte das alles in allem recht überstürzt. Aber wir werden sehen, wohin dies noch führen wird.

Am Ende der Episode fragen sich alle singend, wohin sie der Weg nun führen würde. Ob Buffys spektakulärem Geständnis am Ende werden alle angesprochenen Probleme erst einmal in den Hintergrund gestellt. Klar ist, dass jeder Einzelne über seine Situation nachdenken muss und nach diesem ereignisreichen Tag eine Menge offene Fragen geklärt werden müssen, was viel Stoff für zukünftige Episoden verspricht. Die Scoobies stehen an einem Scheidepunkt, denn das tabula rasa legt alle Karten auf den Tisch. Was die Charaktere daraus machen, wird ihr weiteres Leben von Grund auf verändern.

Fazit

Was anfangs so herrlich-fröhlich begann, endet in einer tief melancholischen und erschütternden Episode. Und das alles verpackt in ein Musical, mit Gesang und Tanz. Wahrlich ein Meisterwerk, das Joss Whedon da auf die (kleine) Leinwand gezaubert hat.

Bester Spruch der Folge: "I think this line's mostly filler". Diese Episode ist dies definitiv nicht!

Melanie Wolff - myFanbase

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