Bewertung: 8

Review: #10.22 Ein Abschied vom Abschied

Foto: Michael Grant Terry, Bones - Copyright: 2015 Fox Broadcasting Co.; Patrick McElhenney/FOX
Michael Grant Terry, Bones
© 2015 Fox Broadcasting Co.; Patrick McElhenney/FOX

Dieses Staffelfinale der zehnten Staffel wurde unter der schwierigen Bedingung geschrieben, dass es nicht nur ein Staffel- sondern auch ein Serienfinale sein könnte. Denn zu dem Zeitpunkt, an welchem die Episode gedreht wurde, wussten alle Beteiligten noch nicht, ob "Bones" für eine elfte Staffel verlängert wird. Die Autoren haben sich nun also den schwierigen Umständen gestellt und eine Episode kreiert, die mich als Fan, wäre es ein Serienfinale gewesen, nicht ganz aber sicherlich einigermaßen zufriedengestellt hätte.

"Look I'm just gonna say it. Last time we saw something like this..." – "it was Pelant"

Absolut passend sowohl für ein Serienfinale wie auch für ein Staffelfinale wurde der Fall der Woche gewählt, der den Serienmörder einbezieht, der in den letzten drei Staffeln eine große Rolle gespielt hat: Christopher Pelant. Für mich war Pelant von all den Serienmördern, die den Ermittlern von "Bones" während den zehn Staffeln Laufzeit das Leben schwer gemacht haben, der genialste und so passt es hervorragend, dass er auch noch nach seinem Tod in einem Mordfall eine Rolle spielt. Auch dass man den noch offenen Faden in Pelants Fall, nämlich der Verbleib von Hodgins Geld, aufgreift, hat mir sehr gut gefallen, habe ich mich nämlich in der Vergangenheit oft gefragt, ob die Ermittler das wirklich einfach so beiseite gelegt haben und sich nicht mehr darum kümmern.

So drehte sich der eigentliche Fall schließlich einfach darum, dass jemand hinter dem Geld her war und deswegen einen Mord begangen hat. Eigentlich ziemlich unspektakulär, durch die Beziehung zu Pelant, bei dem man nie weiß, ob er vielleicht doch nicht noch ein Trumpf im Ärmel hat, gestaltet sich aber alles sehr spannend und vor allem auch emotional, schließlich haben die Hauptcharaktere von "Bones" wegen Pelant ziemlich viel durchgemacht. So war es dann auch sehr aufmerksam von den Machern in dieser Episode vier Assistenten einzubinden und damit die Wichtigkeit von Pelant für die Serie zu betonen, aber dazu später mehr. Zuerst möchte ich noch schnell auf die Szene eingehen, in der Pelant erklärt, auch nach seinem Tod in der digitalen Welt noch zu existieren. Dieses Video, welches Angela Brennan abspielt, ist so typisch für Pelant, versucht er doch auch noch nach seinem Tod die Macht über seine "Opfer" zu haben und so die Oberhand zu gewinnen. Von daher war es sicherlich die richtige Entscheidung von Brennan, die ganze Sache abzubrechen und Pelants Wunsch somit nicht zu entsprechen. Schön fand ich, dass man mit dieser Entscheidung von Brennan wieder einmal aufzeigt, was für ein weiter Weg Brennan seit Anfang der Serie gegangen ist, indem sie nun eben das Wohl von sich, ihrer Familie und ihren Freunden über die Wissenschaft stellt und somit ein Mysterium ungelöst lässt.

"Daisy if you not busy, we can use a extra pair of eyes." – "Coming"

Die Schrecken welche Pelant in den letzten Jahren beim Jeffersonian Team und bei Booth verbreitet hat, wird durch den Einsatz mehrerer Assistenten in dieser Episode schön unterstrichen. Außerdem sieht man noch einmal die am längsten anwesenden und daher wichtigsten Assistenten zusammen bei der Arbeit, was, sollte die Folge das Serienende darstellen, sehr wichtig wäre, sind doch Daisy, Clark, Wendell und Arastoo, obwohl nur als Nebencharaktere gelistet, immer mehr als das gewesen und zwar für den Zuschauer als auch für die Handlung der Serie. So hat es mir einerseits sehr gut gefallen, dass die vier als sie gehört haben, dass Pelant irgendwie in den Fall involviert ist, sofort ihre Hilfe angeboten haben und ihre Zusammenarbeit auch reibungslos vonstatten ging.

Andererseits ist es natürlich sehr witzig, wie Brennan sie alle auf die Probe stellt beziehungsweise ihnen die Verkündung der wichtigen Entdeckungen überlässt oder sie fast dazu zwingt genauer hinzuschauen, um genau dies zu bemerken, was sie schon längst gesehen hat. Das zeigt natürlich welche Fortschritte die Assistenten unter Brennan gemacht haben, führt dem Zuschauer aber auch vor Augen, dass Brennan durchaus ersetzbar ist, etwas an dem sie wie auch der Zuschauer ja lange gezweifelt hat. Dass sie schlussendlich "ihr " Labor auch mit gutem Gewissen in die Hände eines oder mehreren ihrer Hilfskräfte legen kann, zeigt wieder die extreme Wandlung von Brennan in emotionaler Hinsicht auf, denn auch wenn sie sicherlich immer noch überzeugt davon ist, dass ihr keiner ans Wasser reichen kann, so denkt sie zumindest, dass ein paar ihrer Schüler qualitätsmäßig schon ziemlich nahe an sie herankommen, sonst würde sie ihnen niemals ihr "Jeffersonian" einfach so abtreten, auch nicht zum Wohl ihrer Familie. Zu dem passt dann auch das Schlussbild der Episode hervorragend, als Booth und Brennan, nachdem sie sich von allen verabschiedet haben, das Jeffersonian verlassen und die Arbeit dort einfach weitergeht. Auch ohne Brennan.

"Shut up, Seeley Booth. There is no one better than you."

Ähnlich gestaltet sich das ganze auch beim FBI. Hier wird dieses Bild aber eben auf Booth' Charakterzüge zugeschnitten, etwas anders dargestellt wird. Im Gegensatz zu Brennan hat Booth niemals von sich behauptet unersetzbar zu sein und ich gehe davon aus, dass er auch Aubrey vollkommen zutraut seinen Posten zu übernehmen. Wie sehr er dem FBI aber fehlen wird, wird vor allem aus der Perspektive der emotionalen Seite dargestellt, vor allem in dem Gespräch zwischen Caroline und Booth, welches zu einer der besten Szenen der ganzen Episode gehörte.

Caroline ist einer meiner Lieblingscharaktere von "Bones" und eigentlich hätte ich mir immer gewünscht, dass sie eine etwas größere Rolle bekommt. Vor allem im Zusammenhang mit Booth kann sie vollkommen überzeugen, ist sie doch für ihn mehr als nur die Staatsanwältin mit der er zusammenarbeitet und er für sie auch mehr als nur der FBI-Agent, der die Beweise, welche sie für eine Anklage braucht, zusammenträgt. Zwischen ihnen herrscht eine tiefe Freundschaft, die manchmal sogar an ein Mutter/Sohn-Verhältnis erinnert. Dass Caroline die erste ist, der Booth seine und Brennans Entscheidung mitteilt, bestätigt diese Freundschaft, genauso wie Carolines Reaktion, die über Booth Weggang zutiefst traurig ist und zwar nicht weil sie mit Booth einen fähigen Ermittler verliert, sondern einen guten Freund.

Kurz möchte ich auch noch Cams Reaktion auf den Weggang von Booth und Brennan erwähnen, die mit der Entscheidung ihrer Angestellten etwas überfordert scheint, was auch vollkommen verständlich ist. Denn schließlich ist vor allem Brennans Kündigung schon so etwas wie eine Hiobsbotschaft. Schön, dass Cam dann auch ihre Hüllen fallen lässt und ihre Gefühle zeigt. Was mir ein bisschen gefehlt hat, war ein Gespräch zwischen Cam und Booth, schließlich waren die zwei mal ein Paar und bereits davor und vor allem auch danach sehr gute Freunde, das hätte man definitiv in die Folge einbauen müssen. Dafür war Brennans Ankündigung gegenüber Cam, dass sie das Jeffersonian verlässt umso süßer und hat aufgezeigt, dass das Jeffersonian auch für Brennan viel mehr als ein reiner Arbeitsplatz war.

"Make it go to a hundred charities, okay? Let them find a cure for the cancer that Wendell has. Pleas Angie" – "One condition." – "Okay" - We don't leave the Jeffersonian. You keep doing what you do."

Während Brennan und Booth die Entscheidung fassen das Jeffersonian zu verlassen, machen Hodgins und Angela ihre Auswanderunspläne nach Paris rückgängig. Eigentlich war mir das ganze Hin- und Her mit Auswandern und wieder nicht, dafür will jemand anderes weg, ein bisschen zu viel, doch schlussendlich hat es gepasst, dass Angela und Hodgins geblieben und Brennan und Booth dafür gegangen sind. Denn obwohl Brennan sicher ein großer Teil des Jeffersonian ist, ist es meiner Meinung doch eher Hodgins, der damit zu tiefst verbunden ist. Seine Arbeit ist für ihn seine Leidenschaft und er kann sie nur zu seiner Zufriedenheit ausführen, wenn ihm die geeigneten Apparate zur Verfügung stehen und er eine Vorgesetzte hat, die über seine diversen, manchmal unnötigen Experimente hinwegsieht.

Dass Hodgins mit dem Weggange vom Jeffersonian einen Teil von sich zurücklassen wird, wird nun endlich auch Angela klar und sie "opfert" ihre Träume für ihn. Ich denke aber in dem Moment in dem sie ihn bei dem letzten Experiment beobachtet hat, hat sie realisiert, dass sich ihre Träume verändert haben und er mit seiner speziellen Art sowie ihr gemeinsamer Sohn nun eben das wichtigste in ihrem Leben sind. Außerdem kann Angela der Kunst auch in den USA nachgehen und muss dafür nicht speziell in Paris leben. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass mir Angela von Staffel zu Staffel etwas unsympathischer wurde und ich das Gefühl hatte, dass sie regelrecht kaputtgeschrieben wurde. Sich in dieser Art für Hodgins zu entscheiden, hat sie mir wieder ein Stückchen nähergebracht und ich bin froh, dass Hodgins ein Teil des Jeffesonian bleiben darf.

Seine Entscheidung das Geld nicht zu behalten und es für gute Zwecke zu spenden, war natürlich eine wahnsinnig heroische Geste, die aber so typisch für Hodgins ist. Noch als er reich war, hat er sich eigentlich nie etwas aus dem Geld gemacht und hat immer und immer wieder betont, dass das wichtigste seine Freunde und seine Arbeit ist. In den wohlhabenden Kreisen in denen er sich aufgrund seines Geldes ab und zu bewegen musste, hat er sich nie wohl gefühlt, genauso wie sein Erbe für ihn manchmal eher eine Last war. Dementsprechend hat er seinem Geld auch nie groß hinterhergetrauert und war darüber hinweg, als er gemerkt hat, dass sein und Angelas Gehalt sehr gut für die kleine Familie reichen. Von diesem Standpunkt aus betrachtet ist die Entscheidung, das Geld wegzugeben für Hodgins ganz sicher die richtige und dass Angela sie einfach so akzeptiert, zeigt noch einmal schön auf, wie sehr sie ihn liebt.

"Bones we have to talk, I just feel like... look I know, that we are in the middle of a case here and everything, but what you were saying earlier... I just I... it's right, this is my last case"

Obwohl das Jeffersonian auch ohne Brennan und das FBI ohne Booth funktioniert, sieht dies bei der Serie "Bones" ganz anders aus. "Bones" ohne David Boreanaz und Emily Deschanel kann ich mir kaum vorstellen, von daher müssen die zwei, jetzt da es eine elfte Staffel geben wird, ganz sicher wieder zurückkommen. Ich bin gespannt wie die Autoren dies handhaben, genauso wie ich gespannt darauf bin, wie sich die zwei dann in die Hierarchie ihrer jeweiligen Arbeitsbereiche einfügen werden. Doch ich möchte mich hier eigentlich mit Spekulationen zurückhalten und mich in meiner Review auf diese letzte Folge der zehnten Staffel konzentrieren.

Ehrlich gesagt hätte ich mir nie vorstellen können, dass Booth und Brennan ihre Jobs verlassen, nicht einmal im Serienfinale. Doch jetzt da es soweit ist, finde ich es nicht einmal so abwegig. Die beiden haben in letzter Zeit viel durchgemacht, haben sich aber auch weiterentwickelt, sind als Paar stärker geworden und haben eine Familie die sich in nächster Zeit vergrößern wird. Ihre finanzielle Zukunft ist durch Brennans Vermögen gesichert, wieso sollen sie sich also nicht einmal aufeinander und auf ihre Kinder konzentrieren und diese genießen? Dass Booth so eine Entscheidung fällt, ist sicherlich nicht ganz abwegig, dass Brennan aber nicht nur einwilligt, sondern eigentlich sogar die Idee dazu hatte, war dann doch etwas überraschend. Andererseits haben die Autoren so schön aufgezeigt und unterstrichen, welche Entwicklung Brennan während den Jahren mit Booth gemacht hat, so dass der Bogen schön zu der ersten Folge, bei der sich Brennan rein für ihre Arbeit und für sich interessiert und immer nur rational vorgeht, gespannt wird.

Rein aus dieser Perspektive betrachtet, wäre das ganze eigentlich ein schönes Serienfinale gewesen. Es wird aufgezeigt, wie sich alle Charaktere weiterentwickelt haben, sei es bei der Arbeit oder im privaten Umfeld und auch die Kameraeinstellung zum Schluss war schön gewählt, so dass man sich vorstellen kann, dass Brennan und Booth zusammen mit ihren Kindern einer friedlichen Zukunft entgegen gehen. Leider ging aber alles ein bisschen zu schnell, denn während Angelas und Hodgins Weggang doch einige Zeit vorher vorbereitet wurde, fiel Brennans und Booth Entscheidung aus heiterem Himmel und wurde fast noch schneller umgesetzt, als sie gefällt wurde. So hatte man kaum Zeit schön auf die Reaktionen der einzelnen Charaktere und das Zwischenmenschliche einzugehen. Etwas was ich mir bei so einer langlebigen Serie bei einem Ende schon gewünscht hätte.

Fazit

Dafür, dass die Autoren mit dieser Episode einen Mittelweg zwischen Staffel- und Serienfinale finden mussten, haben sie dies hervorragend gelöst. Sie haben einen der wichtigsten Serienmörder "zurückgebracht", die Charakterentwicklung von Brennan schön thematisiert und die verschiedenen gefestigten Beziehungen aufgezeigt. Trotzdem wäre ich wohl bei einem wirklichen Serienfinale nicht ganz zufrieden gewesen, denn meiner Meinung nach hat so eine langlebige Serie wie "Bones" es mehr als verdient, sich auf das Ende angemessen vorbereiten zu können.

Maria Schoch - myFanbase

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