Bewertung: 6

Review: #5.03 Das Einfache im Wunderkind

Booth, der wieder etwas mehr wie Boothy wirkt, ein Fall, der das Team des Jeffersonian Instituts in eine Welt ähnlich der des 19. Jahrhunderts zurückkapituliert, und Diskussionen über Sex. Diese drei Punkte prägen die dritte Folge der fünften Staffel. Natürlich steht auch hier immer noch Booths Gedächtnisverlust zur Diskussion. Doch liegt der Fokus dieser Episode eindeutig auf dem Todesfall eines jungen Mannes Namens Levi.

I'm glad you did. I like it. It's... it's Boothy – Boothy? - There's a bones cyst at his femur. The result of the parasits echinococcus granulosus. It's extremly uncommon in the US. – Immigrant, Illegal. Sorry, no conjecture, just being Boothy.

Obwohl Booth Gedächtnisverlust und seine Gefühle für Brennan nicht im Zentrum dieser Episode stehen, ist an Kleinigkeiten immer wieder zu erkennen, dass Booth noch nicht wieder der Alte ist und sich immer noch mit seiner fehlenden Erinnerung auseinandersetzen muss. Zu Beginn der Folge scheint es mir fast so, als würde Booth sich am Tatort irgendwie überflüssig fühlen, und als wisse er nicht genau, was er jetzt zu tun habe. Obwohl er sich auch in der Vergangenheit nie mit Vermutungen betreffend Todesursachen zurückgehalten hat, zählt er jetzt eine nach der anderen auf.

Es scheint fast so, als freue sich Booth darüber, dass er und Brennan einen neuen Fall haben und im Gegensatz zu früher, als er sich oft bei den Funden der menschlichen Überresten geekelt hat, scheint er nun richtigen Spaß daran zu haben. Erst Brennans Erwähnung, dass es sich bei dem Opfer um einen Teenager handelt, lässt seinen Gesichtsausdruck wieder etwas ernster werden.

Brennan, welche von Booths Verhalten sichtlich irritiert und sogar ein wenig genervt ist, freut sich dann jedoch darüber, als sie bemerkt, dass er endlich wieder seine Cocky-Gürtelschnalle trägt. Booths Reaktion auf Brennans Bemerkung betreffend dieser Gürtelschnalle zeigt deutlich, dass er noch lange nicht wieder der Alte ist. Er gesteht ihr, dass er die Schnalle lange angestarrt und sich gefragt hat, wieso er so etwas tragen würde. Dabei wirkt er ziemlich verwirrt, was für mich wieder einmal zeigt wie gut David Boreanaz, die Situation in der sich Booth nach der Operation befindet, darstellen kann. Brennan, die über den Fortschritt ihres Partners glücklich zu sein scheint, sagt ihm, dass er so wieder etwas mehr wie Boothy wirkt. Ihre Reaktion zeigt deutlich, wie sehr sie den alten Booth vermisst, und wie froh sie ist, dass er Stück für Stück wieder zurückzukehren scheint.

Diese Verhaltensschwankungen zwischen dem Booth vor der Operation und dem Booth nach der Operation ziehen sich durch die ganze Folge hindurch. Es gibt nämlich immer wieder Szenen in denen Booth der Alte zu sein scheint. Beispielsweise als er intuitiv sofort spürt, dass Levis Vater nichts mit dem Tod seines Sohnes zu tun hat.

Please tell me this is about the case!

Clark hat mich in dieser Folge ausnahmsweise einmal begeistert. Seine Versuche, Brennan sowie auch dem restlichen Team klar zu machen, dass er hier eigentlich als Wissenschaftler angestellt und nicht zuständig ist, um sich irgendwelche Probleme zwischen Adoptivmüttern und Adoptivtöchtern anzuhören oder bei unglaublich heißen Temperaturen an den Bahngleisen entlangzulaufen, um mit dem FBI Team Knochen einzusammeln, haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Genauso wie seine ironischen Kommentare, die entweder vom Team nicht wahrgenommen oder von Bones nicht also solche zur Kenntnis genommen werden. Clarks Szenen waren für mich in dieser Episode wirklich erfrischend und haben sehr zu meiner Erheiterung beigetragen.

Our victim was a teenage boy, who died about two months ago, but according to the data he grow up in the early eighteen hundreds.

Der Fall in dieser Episode führt Bones und Brennan zurück in eine Lebensform des 19. Jahrhunderts. Zuerst kann sich das Team nicht erklären wie ein Opfer, welches scheinbar im 19. Jahrhundert gelebt hat, erst seit ungefähr zwei Monaten tot sein kann. Brennan findet dann jedoch heraus, dass der junge Mann Mitglied der christlichen Religionsgemeinschaft der Amischen war. Damit greift die Serie eine Lebensform auf, die eigentlich nur noch in den Vereinigten Staaten praktiziert wird. Wie nicht anders zu erwarten, weiß natürlich Brennan sofort über die Traditionen der Amischen Bescheid. Daraus ergibt sich für mich eine typische Brennan/Booth-Szene. Booth, der nicht nachvollziehen kann, wie jemand ohne Auto und Fernsehen leben kann, und Bones, die sofort Parallelen zum katholischen Glauben zieht. Jedoch merkt man meiner Ansicht nach auch hier, dass Booth noch nicht wieder zu seinem alten Ich zurückgefunden hat. Er gibt sich in der Diskussionen eher zurückhalten und gibt vor allem viel zu schnell auf, indem er Bones bittet nicht immer wieder damit anzufangen.

Brennan beweist meiner Ansicht nach in dieser Folge und bei diesem Fall, für ihre Verhältnisse, viel Sozialkompetenz. Zwei Szenen waren hier für mich maßgebend. Die eine ist ihr Umgang mit Sara, der Freundin des Verstorbenen. Diese befürchtet, dass ihr Bruder an dem Tod von Levi in irgendeiner Weise beteiligt war. Aus diesem Grunde fällt es ihr natürlich besonders schwer beim FBI eine Aussage zu machen. Doch Brennan verhält sich der jungen Frau gegenüber unglaublich gefühlvoll, was sicher auch darauf zurückzuführen ist, dass Brennan genau weiß, wie es ist, wenn man zu Gunsten der Gerechtigkeit seine Verdächtigungen gegen ein Familienmitglied äußern muss.

Der zweite Punkt ist für mich die Schlussszene mit Levis Eltern. Da bei den Amischen Computer verboten sind, wollen die Eltern das Video ihres Sohnes zuerst nicht sehen. Doch Bones versichert ihnen, dass Gott, dies in diesem speziellen Fall ganz sicher gutheißen würde. Für mich zeigt sich hier, dass Brennan die Kultur und ihre damit verbundenen Einschränkungen der Amischen absolut respektiert. Sie weiß jedoch auch, wie wichtig es ist, dass sich die Eltern noch gebührend von ihrem Sohn verabschieden können und überrascht auch hier mit ihrer gefühlvollen Seite. Diese Szenen zeigen mir, was für eine enorme Entwicklung Brennan auf der sozialen Ebene durchgemacht hat.

Hey listen, Cam. Every Teenager goes through this. Think about what you've been through. – Me? Oh God!

Cam ist ein Charakter, der mir immer mehr ans Herz wächst. Ich freue mich jedes Mal auf die Szenen mit ihr. Auch in dieser Episode hat sie mich nicht enttäuscht. An ihre Rolle als neue Adoptivmutter muss sie sich erst noch gewöhnen und in dieser Episode wird sie mit einem der schwierigsten Elternprobleme konfrontiert. Nämlich damit, dass ihre Adoptivtochter Michelle darüber nachdenkt, mit ihrem Freund Perry zu schlafen. Anfangs fühlt sich Cam mit der Situation vollkommen überfordert. Doch genau diese Szenen wirken für mich absolut erfrischend und witzig.

Da ist zum Beispiel ihr anfängliches Gespräch mit Michelle, welche unbedingt eine Nacht mit ihrem Freund verbringen will. Obwohl Cam häufig als weltgewandte Frau auftritt, scheint ihr die wirkliche Bedeutung von Michelles Wunsch erst klar zu werden, als sie sieht wie sich ihre Adoptivtochter und deren Freund lang und intensiv küssen. Von diesem Zeitpunkt an versucht Cam sich mit der Situation auseinander zusetzten, dass sie in ihrer neuen Rolle, wohl auch das klärende Sexgespräch mit Michelle führen muss. Wie so oft wird in diese private Angelegenheit das ganze Team des Jeffersonian Instituts mit hineingezogen.

Natürlich diskutieren auch Bones und Booth darüber. Bei dieser Szene werden wieder einmal die unterschiedlichen Charaktereigenschaften der Beiden hervorgehoben. Brennan, die vor allem in Booths Augen, ein Spätzünder war, beschreibt dieses Erlebnis absolut rational. Booth dagegen spricht von Gefühlen, die man dabei haben sollte. Meiner Meinung nach eine sehr gelungene Szene um genau diese Unterschiede wieder einmal hervorzuheben, jedoch auch um zu zeigen wie offen Booth und Brennan inzwischen miteinander umgehen können. Die Gespräche zwischen Angela und Cam sind für mich auch immer wieder ein Highlight, so auch in dieser Folge. Angela, die es mit ihrer natürlichen, direkten und gefühlvollen Art immer wieder schafft ihrem Gegenüber Dinge vor Augen zu führen, die diesem helfen, das Problem anzugehen und zu lösen.

Schließlich erhält Cam in der Angelegenheit auch noch Unterstützung von Booth, wenn auch in einer etwas anderen Art. Doch meiner Ansicht nach in der typischen Booth Art. Er beschreibt sich gegenüber Michelles Freund als deren Onkel, der beim FBI arbeitet und ein ehemaliger Scharfschütze ist. Natürlich tut er dies mit der Absicht Perry einzuschüchtern und sein Plan scheint absolut aufzugehen. Perry wirkt am Schluss des Gespräches verunsichert, und es scheint fast so, als wäre das Thema Sex bei den beiden Teenagern nicht mehr so aktuell wie zu Beginn der Folge.

Fazit

Von der Spannung bezüglich des Falls her, war diese Folge sicher nicht die Beste. Auch schien es mir anfangs so, dass das Zwischenmenschliche etwas auf der Strecke geblieben ist. Zum Schluss musste ich jedoch feststellen, dass in dieser Beziehung doch einiges passiert ist. Denn es hat sich gezeigt, dass Booth auf dem Weg zurück zu seinem alten Ich ist, dass Bones eine enorme Entwicklung in ihrer Sozialkompetenz durchgemacht hat, und dass Cam auch ab und zu mal im privaten Bereich auf die Hilfe ihres Teams angewiesen ist.

Maria Schoch – myFanbase

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