Bewertung: 3

Review: #3.13 Die Sieben Wunder

Foto: Sarah Paulson, American Horror Story: Coven - Copyright: Frank Ockenfels/FX
Sarah Paulson, American Horror Story: Coven
© Frank Ockenfels/FX

Zu Beginn dieser Staffel war die allgemeine Zuversicht eigentlich noch ziemlich groß: "American Horror Story: Coven" hatte das Potential, so viel besser zu werden als das hanebüchene "American Horror Story: Asylum", es kam mit frischen Charakteren, neuen Ideen, tollen Darstellern, interessanten Ansätzen daher. Doch spätestens nach der ersten Hälfte der Staffel ging es mit all diesen positiven Faktoren steil bergab: Wüste Storylines, absurde Charakterentscheidungen, ein Wirrwarr an Storyelementen und letztendlich die schlichtweg langweilige Ausarbeitung verschiedener Geschichten, all das zog das Niveau von Woche zu Woche nach unten. Und mit diesem Finale bestätigt sich nun leider das, was sich während der letzten Folgen schon angekündigt hatte: Auch diese Staffel ist prinzipiell ein ziemlicher Flop.

"Behold the one true Supreme."

Denn mal ehrlich: Von einer stringenten Erzählstruktur, geschweige denn einem tatsächlichen Spannungsaufbau, kann bei dieser Staffel eigentlich keine Rede sein. Wo es bei "Asylum" bereits daran harperte, dass man zu viele abstruse und letztlich unnötige Nebenelemente einbaute, versagt auch "Coven" insgesamt kläglich. Und das wird mit dieser Finalepisode besonders klar. Was trug LaLaurie im Endeffekt zur Geschichte bei, außer, dass sie in netten Flashbacks herumspazierte, Sklaven die Eingeweide herausschnitt und zwischendurch mal als sprechender Kopf zu sehen war? Inwieweit war Marie Laveau, so wie anfangs dargestellt, eine tatsächliche Gefahr für die Akademie und was war eigentlich ihr Sinn und Zweck? Misty Days Tage im Schlamm sind im Nachhinein genauso sinnlos wie das Trara um die erzkonservativen Ramseys, Cordelias Familienwunsch genauso egal wie Spaldings abgefahrene Puppenzone. Zoe und Kyle haben noch nie jemanden interessiert und die Affäre zwischen Fiona und dem Axtmann evoziert auch nicht mehr als ein Schulterzucken. Ach ja, dann war da ja noch die Hexenjägerverschwörung. Auch egal. Denn eigentlich wollte diese Staffel im Endeffekt nur auf eines raus: die Krönung der neuen Supreme.

Dass sich Cordelia als neue Anführerin des Hexenzirkels herausstellt, ist letztlich eine müde Überraschung und leider ist auch die Inszenierung des Ganzen relativ spannungsfrei gestaltet (wobei ich mich immernoch nicht entscheiden kann, ob ich Stevie Nicks' Gesangseinlage großartig oder schrecklich finden soll). Warum spannungsfrei? Zum einen, weil man den Fehler gemacht hat, überall das Risiko herauszunehmen, dass den Charakteren tatsächlich mal etwas passiert – schließlich kann jeder irgendwie wiederbelebt, mit neuen Augen bestückt oder komplett neu zusammengeflickt werden. Zum anderen, weil man als Zuschauer so wenig Bindung zu den Figuren aufgebaut hat, dass es einem schnurzpiepegal ist, ob Zoe aufgespießt, Madison erwürgt oder Myrtle Snow verbrannt wird. Diese Charaktere bedeuten einem nichts und zudem haben wir sie ja auch schon des Öfteren ableben sehen.

So ist die Reaktion auf – Überraschung! – Fionas Rückkehr auch eher ein Augenrollen als tatsächliche Verblüffung. Fiona hat ihren Tod also nur vorgetäuscht. Gähn. Würden Jessica Lange und Sarah Paulson in dieser Abschiedsszene zwischen Mutter und Tochter nicht so gut aufspielen, wäre dies eine überflüssige Szene geworden. So aber bietet die letzte und einzige Umarmung von Fiona und Cordelia tatsächlich einen guten Abschluss für diese schwierige Mutter-Tochter-Beziehung, bei der man aber auch nie so wirklich emotional teilhaben konnte.

"Either crown me or kiss my ass."

Leider trifft diese Anteilslosigkeit auf durchgehend alle Charaktere in dieser Staffel zu. Wo die erste Staffel es schaffte, dass man mit den Harmons mitfieberte, und wo es in "Asylum" noch Figuren wie Lana oder Kit gab, denen man ein gutes Ende wünschte, so uferte "Coven" zu sehr aus, um wirklich ausgefeilte Charaktere bieten zu können. Für sich genommen waren die verschiedenen Storylines ja gar nicht schlecht – in eine einzige Staffel geworfen waren sie allerdings zu viel des Guten.

Nun schaffen es von den Charakteren nur Cordelia, Zoe, Queenie und Kyle lebend aus der Staffel (man beachte: drei von den vieren wurden bereits einmal für tot gehalten, wie also soll man angebliche Risiken irgendwie ernst nehmen?). Cordelia, anfangs noch zurückhaltend und im Schatten ihrer Mutter stehend, erlebte im Verlauf der Season tatsächlich so etwas wie eine Entwicklung, sodass ihre Krönung zur Supreme durchaus gerechtfertigt ist. Zoe und Queenie hingegen kamen nie über ihre Klischees – süßes Mädchen von Nebenan und zickige Powerfrau aus dem Ghetto – hinaus. Hier versagte die Serie leider komplett, auch nur ansatzweise eine Art von Komplexität zu erreichen. Über Kyle braucht gar kein Wort verloren zu werden, der war die meiste Zeit eh nur ein Zombie.

Womit wir zur tragenden Figur der Staffel kommen: Fiona. Keine Frage, Jessica Lange spielte auch dieses Jahr wieder großartig auf, auch wenn man um auffällige Ähnlichkeiten zwischen Constance, Jude und Fiona nicht herumkommt (Stichwort: selbstbewusste, elegante Frauen, die dem Alkohol nicht abgeneigt sind und eine komplizierte Beziehung zu Männern haben). Fiona bot mit Abstand das größte Facettenreichtum und war vor allem geprägt durch ihre Angst vor der Machtlosigkeit, dem Altern und dem Tod, den sie so vehement zu verhindern versuchte. Dass es nun ihre eigene Tochter ist, die ihr die Lebenskraft aussaugt, ist gewissermaßen Ironie des Schicksals und ein guter Twist. Das versöhnliche Ende zwischen Fiona und Cordelia im Diesseits wird mit dem Höllenszenario im Jenseits sehr gut konterkariert, wobei Fionas persönliche Hölle eigentlich noch viel zu milde für sie ausgefallen ist.

"Open the doors."

Mit Fionas Tod und Cordelias neuer Führung stehen der Miss Robichaux Akademie nun neue Zeiten bevor. Als Cordelia am Schluss vor laufender Kamera über die Existenz von Hexen redet, wird man als Zuschauer natürlich sofort zurückerinnert an das Staffel-2-Finale, bei dem die gealterte Lana über ihr Buch spricht. Leider fällt dieses Finale aber weitaus unspektakulärer aus. Die Akademie öffnet ihre Türen für die neuen Hexenmädchen, Cordelia ist die neue Supreme, Queenie und Zoe ihre Assistentinnen. Aha. Wie spannend.

#3.13 Seven Wonders besiegelt letztlich eine Staffel, die nach einer wirklich guten Anfangsphase wieder an fast genau denselben Problemen litt wie "Asylum": Die Überfülle an Storylines und Charakteren führte zum Schluss zu einer Orientierungslosigkeit der Geschichte, die mal hier, mal dort Akzente zu setzen versuchte, letztlich aber oft uninspiriert und geradezu langweilig wirkte. An was es gefehlt hat, ist tatsächliches Drama, tatsächliche Probleme und Risiken, die es zu bewältigen gilt, die so etwas wie Spannung hätten erzeugen können. So aber schließt dieses Finale die Staffel auf einem Niveau ab, das sie auch insgesamt hatte: einem ziemlich unterdurchschnittlichen.

Maria Gruber - myFanbase

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