Bewertung: 7

Review: #1.10 Alles kommt ans Licht

Foto: Taissa Farmiga, American Horror Story - Copyright: Robert Zuckerman/FX
Taissa Farmiga, American Horror Story
© Robert Zuckerman/FX

Es geht auf das Ende der Staffel zu. Nur noch zwei Episoden stehen uns bevor und man merkt es dieses Mal doch schon sehr. Schon die ansonsten eher unspektakulären Einführung vor dem mich immer noch verstörenden Vorspann war dieses Mal ausnahmsweise richtig interessant und wirft einen Blick auf das Leben der Familie um Constance, das sie jetzt einzuholen scheint. Gut. Zu erfahren, dass Tate für die Verstümmelung von Larry verantwortlich ist, kommt jetzt nicht unbedingt überraschend und eigentlich ist es auch nicht wichtig zu wissen, aber es zeigt sehr schön, wie verkorkst das Leben von Constance ist.

" I have long stopped asking why the mad do mad things."

Der Fall um den in zwei geteilten Travis schlägt hohe Wellen, nicht nur in der Presse, sondern auch bei der Polizei, die während ihrer Ermittlungen auf Constance aufmerksam wird und zu hinterfragen beginnt, wie viele Schicksalsschläge eine Frau ertragen kann, bis sie als Verdächtige erscheint. Und tatsächlich, wenn man so darüber nachdenkt, wie viele Menschen Constance in ihrem Leben verloren hat, dann ist das definitiv nicht normal. Gut, Tate und Travis hat sie nicht durch ihre eigene Schuld verloren und auch Adelaides Tod war ein Zufall, doch immerhin hat sie ihren Mann und dessen geliebte Moira um die Ecke gebracht, hat ihren Sohn Beau töten lassen und dafür gesorgt, dass Larrys Familie umgekommen ist. Es ist also nur recht und billig, dass sie für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden soll.

Leider kommt es am Ende nicht soweit, da Larry die Schuld für den Mord auf sich nimmt und sich einsperren lässt. Es wird dabei nicht ganz klar, warum er dies tut. Vielleicht ja, weil er keine Lust darauf hat, ebenfalls irgendwann in dem Haus zu landen. Vielleicht aber auch, weil er ehrlich bereut, was er seiner Familie indirekt angetan hat, immerhin hat er sich der Polizei gestellt, nachdem er das erste Mal seit deren Tod seine Familie wiedergesehen hat. Es bringt keinerlei Zusatznutzen für die Geschichte, dass Man Larry jetzt aus der Gleichung nimmt, da er ja leider nie eine entscheidende Rolle spielte in den Dingen die passierten. Er war ein Handlanger, mehr nicht. Und so kann man akzeptieren, dass er mit dieser Episode aus der Serie verschwindet, sollte er denn nicht wieder auftauchen.

"Hi, I'm Tate. I'm dead. Want to hook up?"

Das eigentliche Highlight der Episode, auch wenn man es irgendwie schon hat kommen sehen, ist die Eröffnung, dass Violet tot ist. Da ich immernoch damit rechne, dass diese Staffel für keinen der Hauptcharaktere gut enden wird, war es nicht unbedingt ein verstörender Twist, aber es verleiht der Episode eine Intensität, wie sie zuletzt in #1.05 Halloween - Teil 2 zu finden war.

Dass Violet nicht mehr unter den Lebenden weilt, hätte man in dieser Episode im Nachhinein vielleicht bemerken können. Es gab einige unmissverständliche Anzeichen dafür. Zum Beispiel als jemand von der Schulbehörde auftaucht und Ben darüber aufklärt, dass seine Tochter schon seit sechzehn Tagen nicht mehr in der Schule aufgetaucht ist. Oder dass wir Violet schon lange nicht mehr außerhalb des Hauses gesehen haben, sondern sie nur noch in Interaktion mit Tate. Der weiß natürlich, dass Violet tot ist, ist sich aber bewusst, dass Violet ihren neuen Zustand noch nicht registriert hat.

Und so versucht er, Violet zu überreden, Tabletten zu schlucken und sich das Leben zu nehmen, unter dem Vorwand, dass sie so für immer beieinander sein können. Und für einen Moment ist Violet gewillt, ihr Leben in seines zu legen, bekommt dann jedoch Panik und will das Haus verlassen. Und spätestens als sie das zweite Mal auf die Straße rennt, dort niemand ihre Schreie hört und sie dann urplötzlich wieder in Küche auftaucht, weiß man als Zuschauer, dass etwas mit ihr geschehen sein muss.

Tate erklärt ihr schließlich geduldig, was mit ihr passiert ist und ich muss zugeben, dass ich nicht mehr weiß, ob ich die Szene gesehen habe, in der Violet in der Badewanne die Tabletten geschluckt hat und Tate sie angeblich gerettet hat. Aber damit kann ich leben. Es ist eine interessante Wendung, die für Familie Harmon zur Zerreißprobe werden wird.

Ben macht in dieser Episode keine gute Figur, nicht nur weil er sich von einem Geist in schwarzem Lackoutfit überwältigen lässt. Das ist durchaus akzeptierbar, immerhin ist Tate um einiges jünger und kräftiger als er. (Hier würde ich gerne mit den Augen rollen) Aber gut, die Szene dient einzig und alleine dazu, ihn außer Gefecht zu setzen, damit er die wichtigen Moment zwischen Tate und Violet nicht ruiniert.

Alles andere hat er ja bereits ruiniert; seine Karriere scheint im Eimer (er hatte ja schon lange keinen Patienten mehr), seine Tochter entgleitet ihm immer mehr und er hat seine Frau auch noch in eine Anstalt einweisen lassen, in der er ihr vor kurzem noch vorgeworfen hat, sie hätte ihn hintergangen und solle nun in ihrer kleinen Hölle schmoren. Nun dackelt er reumütig zu ihr zurück und entschuldigt sich bei seiner Frau, die außer dem kleinen Wiedersehen in ihrer Zelle mit der restlichen Geschichte absolute keine Berührungspunkte mehr hat. Als Hauptdarstellerin muss Connie Britton sich wohl mittlerweile unglaublich ärgern, denn sie hat von Episode zu Episode immer weniger mit der Serie zu tun. Es wirkt so, als hätte man für sie einfach nichts mehr in petto. Sie sitzt jetzt bis zur Geburt ihre Zeit in der Irrenanstalt ab und pünktlich zur Geburt wird man sie irgendwie ins Haus bringen, wo dann das Kind auf die Welt kommen soll, das den Untergang der Erde einläutet. Oder auch nicht. Davon war diese Woche jedenfalls überhaupt keine Rede mehr.

Fazit

Es war seit langem die beste Episode, die "American Horror Story" zu bieten hatte. Sie war spannend, stimmungsvoll, gruselig, ekelig und sogar am Ende mit Violet und Tate ein wenig emotional. Vor allem aber war sie eins: sie war interessant. Auch wenn noch immer nicht ganz klar ist, worauf die Serie hinaus will, so bin ich doch bereit, mich auf die letzten beiden Episoden einzulassen und mich davon überzeugen zu lassen, dass Falchuck und Ryan Murphy einen Plan hatten und sich zwischenzeitlich einfach ein bisschen verzettelt haben.

Melanie Wolff - myFanbase

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