Bewertung: 7

Review: #7.06 Karma

Ein schlafloser Tag. In dieser Folge kämpfen viele Vampire an verschiedenen Orten mehr oder weniger notgedrungen gegen die Müdigkeit an, die sie nach Sonnenaufgang befällt. Bill schlägt sich den Tag zusammen mit anderen an Hep V erkrankten Vampiren im Wartezimmer einer Anwältin um die Ohren, Jessica bleibt aus Sorge um Bill auf, Violet kann vor Wut über Jason nicht schlafen und zertrümmert stattdessen die Schlafzimmereinrichtung und Eric und Pam genießen einen schmerzhaften Exklusiv-Blick auf den Sonnenaufgang von Dallas, während sie einen Deal mit einem Feind machen. So ausgeprägte vampirische Tagesaktivitäten hat dereinst nicht einmal Marnie Stonebrook mit ihrer Zauberei bewirkt.

Kranke Welt

Die Begegnung mit den marodierenden H-Vampiren hat uns das Endstadium der Hep-V-Erkrankung vor Augen geführt, nun gewinnen wir Einblicke in das Anfangsstadium. Die meisten Vampire ziehen nicht sofort, nachdem sie infiziert wurden, mordend und plündernd durchs Land, sondern verhalten sich anfangs zivilisiert und versuchen, ihre Dinge zu ordnen und ihren Nachlass zu regeln. Angenehme Erfahrungen machen sie dabei nicht. Es muss für einen Vampir enorm desillusionierend sein, nach mehreren hundert oder sogar tausenden Jahren auf Erden plötzlich nicht mehr alle Zeit der Welt zu haben. Die Vampire sind nun darauf angewiesen, dass sich eine von Anti-Vampir-Gesetzen durchzogene Bürokratie beeilt. Wenn Menschen wie die Anwältin Madeline Kapneck dann auch noch das Leid ausnutzen und die kranken Vampire offen erpressen, ist deren Weg zum brutalen H-Vampir nicht mehr weit.

Bill erfährt dies nun am eigenen Leib. Er, der vor nicht allzu langer Zeit noch ein König und danach sogar eine Quasi-Gottheit war, muss nun Stunden in einem überfüllten Wartezimmer verbringen, um endlich zu einer Anwältin vorgelassen zu werden, die ihm 10 Millionen Dollar abknüpfen will und nicht den Hauch von Mitleid und Verständnis, von Respekt ganz zu schweigen, für ihn aufbringt. Bill lässt sich dies allerdings nicht gefallen und tötet die Anwältin. Wirklich gewonnen hat er dadurch freilich nichts.

Die interessante und tragische Situation der infizierten Vampire weist durchaus metaphorische Züge auf. In der Realität ist es nun einmal leider so, dass eine schwere Erkrankung für Menschen auch soziale Auswirkungen hat. Sie sind auf Hilfe angewiesen, um die sie oft mühevoll kämpfen und für die sie Entbehrungen, zum Beispiel finanzieller Natur, in Kauf nehmen müssen.

Gutes Blut, schlechtes Blut

Infiziert hat sich Bill, wie erwartet, bei Sookie. Dass bei Bill die Erkrankung viel schneller voranschreitet als bei anderen Vampiren, hängt vermutlich mit Sookies Elfenblut zusammen. Im Grunde hat er sich nicht mit normalem Hep V angesteckt, sondern mit einer mutierten Form. Sookies für Vampire bisher so reizvolle Blut, hinter dem Individuen wie Russell Edgington geradezu fanatisch her waren, ist nun also ganz besonders tödlich. Um die Ironie perfekt zu machen, stellt das Blut der Frau, die maßgeblich für das Desaster verantwortlich ist, die Heilung dar. Sarah Newlin trägt das Gegenmittel in sich. Damit hat Jason damals, als er sie verschonte, eine bessere Tat begangen, als er jemals für möglich gehalten hätte.

Das blonde Gift Sarah als brünettes Heilmittel ist aber nicht weniger fanatisch als früher. Sie betont zwar, sich geändert zu haben, aber ihre gesamte Rede an ihre Schwester Amber ist doch wieder typisch Sarah. Statt als Werkzeug Gottes, versteht sich Sarah nun als rettender Buddha. Nach dem Christentum stürzt sie sich jetzt auf den Buddhismus, verzerrt dessen Lehren und bezieht sie auf sich. Sie ist offensichtlich noch immer eine selbstgerechte Fundamentalistin, nur in einem neuen Gewand.

Beginn eines Rosenkriegs

Violet mag schon sehr lange leben, aber zwei Worte werden wohl nie zu ihrem Wortschatz zählen: Einvernehmliche Trennung. Die Vampirin hat keineswegs vor, Jason einfach vom Harken zu lassen und ihm und Jessica zu verzeihen. Dass sie Jessicas Schützling Adilyn und deren Freund und zukünftigen Stiefbruder Wade aufgabelt, dürfte der erste Schritt eines gemeinen Racheplans sein. Ich denke, wir werden nun das volle Ausmaß dessen erleben, wozu Violet fähig ist. Jason selbst ahnt dies noch nicht. Er gibt sich mit Violets kurzer Abschiedsnotiz zufrieden und ist erleichtert, sie los zu sein. Das völlig verwüstete Schlafzimmer weckt offenbar ebenso wenig seine Besorgnis, wie all die Erfahrungen, die er in den letzten sechs Monaten mit Violet gemacht hat. Ihr dominantes Auftreten, ihre Eifersucht und ihre Gewalttätigkeit gegenüber allen, die ihm dumm gekommen sind, scheint Jason vollkommen vergessen zu haben. Oder verdrängt. Fürs erste müssen Adilyn und Wade diese Naivität ausbaden, wobei die beiden Teenager durchaus auch eine große Portion Leichtsinn beisteuern. Sie haben definitiv zu wenig aus den letzten Ereignissen gelernt, oder aus Adilyns gesamtem Leben bisher.

Maret Hosemann - myFanbase

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