Bewertung: 8

Review: #7.04 Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Dies ist die 49. Episode von "True Blood", die ich reviewe. Das erwähne ich nicht, damit mir nach der nächsten Review ein Jubiläums-Blumenstrauß zugeschickt wird (wenngleich ich einen solchen natürlich nicht ablehnen würde), sondern, um herauszustellen, dass auch jemand, der sich schon oft mit einer Serie beschäftigt hat, noch immer Dinge übersehen, vergessen oder falsch interpretieren kann. So habe ich bei meiner vorherigen Review überhaupt nicht bedacht, dass Sookie ja Hollys Erinnerungen wieder freilegen kann, wie sie es schon einige Male bei becircten Menschen getan hat, zum Beispiel bei dem Bauarbeiter Doug. Somit ist ihr riskanter Plan, sich zum Köder zu machen, kein so großer Fehlschlag gewesen, aber dass macht Alcide selbstverständlich auch nicht wieder lebendig.

Des Weiteren hatte ich spekuliert, dass Jessica womöglich an Hep V erkrankt ist, was eine falsche Interpretation war. Der Grund für Jessicas körperliche Schwäche ist keine Ansteckung mit der Seuche, sondern ihre Weigerung, sich einen Menschen zu suchen, der sie nähren kann, da sie nur Adilyn beschützen will. Jessicas Unwillen, Nahrung zu sich zu nehmen, und die Versuche ihrer Angehörigen, sie dazu zu bringen, endlich wieder zu essen, erinnern nicht zufällig an die Situation von Magersüchtigen. Diese intensiven Szenen reihen sich ein in viele starke Momente, die diese Episode zu bieten und sie zur bisher stärksten der siebten Staffel machen. Auch Lafayette und James hinterlassen einen viel besseren Eindruck als zuletzt.

Die Freunde von einst

Das überraschende Wiedersehen mit Nan Flanagan in der Folge zuvor, wird diesmal noch getoppt durch das Wiedersehen mit Hoyt, Jackson und Terry. Will diese letzte Staffel etwa das Kunststück vollbringen, alle ehemaligen Hauptcharaktere mindestens einmal auftreten zu lassen? Das wäre phänomenal und würde zu dieser Serie passen, aber ich denke eher nicht, dass das klappt. Trotzdem finde ich es stark, wie die Ehemaligen hier eingebaut werden. Da Hoyt-Darsteller Jim Parrack sogar wieder im Hauptcast auftaucht, nehme ich an, dass er bald nach Bon Temps zurückkehrt, um seine Mutter zu beerdigen. Das könnte sehr interessant werden, da Hoyt ja nach wie vor vieler wichtiger Erinnerungen beraubt ist. Ich habe ihn seit seinem Weggang nach Alaska nicht vermisst und denke, dass er zum richtigen Zeitpunkt gegangen ist, bevor die Storyline um ihn und Jessica nur noch quälend wurde, aber nach der vergangenen Zeit und den Dingen, die seitdem geschehen sind, auch mit Jessica, bin ich gespannt, was kommt.

Richtig emotional gestaltet sich das Wiedersehen mit Terry, der seiner im Sterben liegenden Frau Arlene erscheint. Dank ihrer telepathischen Fähigkeiten kann Sookie dieses Treffen mitverfolgen, was dem Ganzen einen besonderen Reiz verleiht. Arlene bekommt noch einmal die Chance, sich von Terry zu verabschieden, der ihr sagt, dass sie glücklich werden soll. Dieses Glück könnte den Namen Keith tragen. Der Vampir rettet Arlene mit seinem Blut und ist das erste, was sie sieht, als sie aufwacht, nachdem Terry sie "losgelassen" hat. Das ist nicht unbedingt eine subtile Einleitung einer Romanze, aber allein schon die Tatsache, dass Arlene nie besonders gut mit Vampiren klar kam und diese zwar nicht verabscheut, aber ihnen doch misstraut hat, würde ein Näherkommen zwischen ihr und einem Vampir zu einer interessanten Thematik machen. Arlene war nie einer der besonders intoleranten Bürger von Bon Temps, wie ihre Freundschaft mit Sookie beweist, dennoch könnte sie ein gutes Beispiel dafür sein, dass sich der etwas verengte Horizont eines Menschen durchaus erweitern lässt und Vorurteile überwindbar sind. Es steht außer Frage, dass Bon Temps ein solches Vorbild dringend gebrauchen könnte.

Vor der Schlacht

In der vierten Staffel gab es die Schlacht um das Moon Goddess Emprium, dem Esoterik-Shop von Marnie Stonebrooks, nun entbrennt die Schlacht um das Fangtasia. Doch bevor diese beginnt, erfahren wir aus Rückblicken erst einmal die unerwartete Geschichte des Nachtclubs. Wer hätte gedacht, dass Ginger die Idee zum Fangtasia hatte, das vorher eine Videothek mit umsatzstarker Porno-Abteilung war? Sicherlich niemand, nicht einmal Ginger selbst, die von Pam becirct wurde, damit diese die ganze Idee als ihre eigene ausgeben kann. Ein ganz heimtückischer Fall von Diebstahl geistigem Eigentums - in mehr als einer Hinsicht. Wir wissen zwar nicht, ob dies das erste Mal war, dass Ginger becirct wurde, aber es war bekanntlich nicht das letzte Mal und hat aus der wissbegierigen, einfallsreichen Studentin mit der Zeit einen hysterischen Hohlkopf gemacht. Im Kern ist diese Geschichte natürlich traurig, aber Ginger war schon immer ein Charakter, der für schräge Unterhaltung gesorgt hat. Sie ist im weitesten Sinne "True Blood"s Renfield. Die Figur Renfield aus Bram Stokers "Dracula", dem Vorfahr aller Vampirgeschichten, stand unter der Kontrolle des berühmten Vampirgrafen und verfiel so dem Wahnsinn.

Erics Rückkehr ist für die um Alcide trauernde Sookie sowohl ein Trost als auch, aufgrund seines Zustandes, ein neuer Schock. Daran, dass zwischen Sookie und Eric noch immer eine starke Zuneigung besteht, lässt das Wiedersehen der beiden keinen Zweifel. Weniger positiv fällt Willas Reaktion auf Erics Heimkehr aus. Sie ist verständlicherweise ausgesprochen wütend auf ihren Macher, der sie im Stich gelassen hat, und würde ihm gerne ein paar Takte erzählen, aber wie es nun einmal so ist, wenn der Vater "Später!" sagt, dass passiert es auch erst später. Oder gar nicht. Es ist aber immerhin erfreulich, dass Eric und Pam in dieser Episode mal wieder deutlichere Anzeichen dafür zeigen, dass ihnen Willa und Tara wichtig sind/waren, wenn auch bei weitem nicht wichtig genug, um ihnen oberste Priorität einzuräumen.

Die Schlacht um das Fangtasia

Der Kampf um das Fangtasia gegen die H-Vampire wird für Sookie, Jason, Sam und ihre Vampirverbündeten erheblich durch den antidemokratisch "gewählten" Bürgermeister Vince und einige seiner Anhänger erschwert, die mit einer "Nach uns die Sintflut"-Taktik angreifen, ohne jede Rücksicht auf das Leben der Gefangenen. Die H-Vampire werden schließlich allesamt von ihrem Leid erlöst und auch die Vince-Truppe verzeichnet Verluste. Wie viele genau, ist nicht ersichtlich, aber zumindest Vince dürfte nicht überlebt haben. Welche Auswirkungen hat dies auf den Mob von Bon Temps? Bringt es die Leute wieder zur Vernunft, dass die von ihnen verteufelten "Freaks" die Verschleppten befreit haben, während Vince und Co. alles verkomplizierten, oder führen die Todesopfer zu einer weiteren Verschlechterung der Stimmung?

Diese eine Bande H-Vampire ist gestoppt, aber die Seuche an sich bleibt eine Gefahr für die Zivilisation. Eine Gefahr, die alle betrifft. Speziesübergreifend.

Maret Hosemann - myFanbase

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