Bewertung: 6

Review: #7.03 Ein gefährlicher Plan

Sie hat den Bogen wirklich überspannt. Maxine Fortenberry, ihres Zeichens eine der intolerantesten, selbstsüchtigsten und hinterhältigsten Bewohnerinnen von Bon Temps, findet als besonders lautes und gewaltbereites Mitglied des Mobs den Tod durch die Hand von Violet. Es ist nicht wirklich überraschend, dass Maxine besonders früh scheitert an dem ultimativen Charaktertest, den die Bürger der Stadt gerade absolvieren müssen und bei dem sie zur Zeit hundsmiserabel (Sorry, Sam!) abschneiden. Wenn es darum geht, alle Wesen auf Erden zu achten, war Maxine so etwas wie ein hoffnungsloser Fall.

Das Misslingen eines Plans

Maxine ist aber beileibe nicht das einzige prominente Todesopfer in dieser Folge, auch Alcide wird die hochexplosive Stimmung zum Verhängnis. Er stirbt im Kugelhagel. Damit haben wir nach drei Folgen schon zwei Hauptcharaktere verloren - wäre der Cast nicht so groß, müsste man glatt befürchten, im Serienfinale gar kein bekanntes Gesicht mehr zu sehen. Alcides Tod ist tragisch für Sookie, die doch eigentlich mit ihrem riskanten Versuch, die H-Vampire zu ködern und deren Versteck zu ergründen, weitere Todesfälle verhindern wollte. Sookie und Bill haben diesen an sich gar nicht so dummen Plan nur leider suboptimal ausgeführt. Dass die H-Vampire mit Holly einen lebenden Snack mitschleppen würden, haben Sookie und Bill nicht kommen sehen. Das hat sie völlig aus dem Konzept gebracht. Holly ist zwar nun frei, scheint aber aufgrund der Hypnose nicht in der Lage zu sein, zu sagen, wo die H-Vampire nisten. Für die anderen Gefangenen wird die Lage nun noch brenzliger, denn die verbliebenen H-Vampire sterben, im wahrsten Sinne, vor Hunger und teilen sich ihre letzten Menschenrationen sicherlich immer weniger zurückhaltend ein.

Zurück zu Alcide. Ketzerisch könnte man sagen, dass durch seinen Tod der Weg zu Sookies und Bills Happy End ein großes Stück freier geworden ist. Tendenziell weist vieles, was wir in den bisherigen drei Folgen dieser Staffel gesehen haben, auf ein Liebescomeback von Sookie und Bill hin. Kurz bevor Alcide niedergeschossen wird, spricht Sookie gegenüber Bill etwas an, dass auch dem Zuschauer nicht verborgen geblieben ist, nämlich das Alcides Gefühle für Sookie immer stärker waren als ihre Gefühle für ihn. Dies hat mich stets daran zweifeln lassen, dass die beiden als Paar eine echte Chance haben. Im Grunde war Alcide nur Sookies dritte Wahl hinter Bill und Eric, für die sie einfach inniger fühlt. Die beiden Vampire gehen ihr viel mehr unter die Haut, nicht nur im positiven Sinne, aber Leiden gehört zu leidenschaftlicher Liebe ja durchaus dazu. Alcide war, wenngleich er sich auch einige Fehler geleistet hat, immer irgendwie "der gute Kerl", der im Vergleich zu den beiden Vampiren menschlicher, bodenständiger und zuverlässiger daherkam. Mit ihm konnte Sookie nach all dem Vampir-Liebes-Drama, Warlow eingeschlossen, ein weitestgehend normales Leben führen. Sie hätte sogar eine Familie mit Alcide gründen können. Doch tief in ihrem Herzen wusste sie, dass sie dies nie so glücklich gemacht hätte, wie es angebracht gewesen wäre. So sind für Sookie zwei Pläne gescheitert. Sie kennt das Versteck der H-Vampire immer noch nicht und sie bekommt keine Normalität in ihre Gefühlswelt.

Die Geschichte von Sylvie

Mon Dieu! Nun wissen wir, warum Pam den Ort Rhone in Frankreich nicht sonderlich schätzt und beunruhigt darüber war, zu erfahren, dass Eric sich dort aufhält. Rhone ist einer der düsteren Punkte auf Erics langer Zeitleiste, ein Punkt, der ihn mit seinen Schwächen konfrontiert hat und ihn Verletzlichkeit und Machtlosigkeit spüren ließ. Seine Überheblichkeit und sein Leichtsinn haben einer Frau namens Sylvie, die ihm wirklich etwas bedeutet hat, dass Leben gekostet. Er konnte nicht sie und Pam, sondern nur Pam retten, nachdem er die Autorität und deren Partner aus Japan, die damals das True Blood herstellten, provoziert hat.

Zu den Höhepunkten dieser Flashbacks gehören das völlig unerwartete Wiedersehen mit Nan "Kalt wie Eis" Flanagan und natürlich der französisch sprechende Eric. Très Bien! Unerwartete Wiedersehen gab es in "True Blood" natürlich schon so oft, dass sie eigentlich gar nicht mehr unerwartet sein dürften, aber diese Serie findet doch immer wieder jemanden, an den man überhaupt nicht mehr gedacht hat, oder sich sogar kaum erinnern kann, um den Zuschauer zu überraschen.

Eine Frage, die mich beschäftigt, ist, wie gut das bisher nie erwähnte Sylvie-Kapitel überhaupt ins Gesamtbild passt. Dieses Kapitel eignet sich definitiv als Grundlage für Erics Abneigung gegen die Vampirautorität, die wir in der fünften Staffel erlebt haben, und man könnte auch Erics Skepsis gegenüber Beziehungen zwischen Vampiren und Menschen aus diesem Erlebnis in Frankreich herleiten, andererseits ist es dann nicht ganz stimmig, dass das Thema Sylvie in besagter fünfter Staffel überhaupt keine Rolle gespielt hat. Hinzukommt, dass Pam des Öfteren Unverständnis für Erics große Sookie-Obsession gezeigt hat, so als wäre dies etwas, was sie noch nicht bei ihm erlebt hat. So sagt sie in Episode #4.12 Zeit der Entscheidung zu Ginger: "Ich bin mit Eric zusammen seit über 100 Jahren, ich habe zugesehen, wie er Supermodels und Prinzessinnen verführt und abserviert hat, wenn er fertig mit ihnen war, wie kann jemand mit dem Namen Sookie ihn mir wegnehmen?". Zu dieser Aussage passt das Kapitel Sylvie eher nicht. Was wir da von Pam hören, lässt nicht vermuten, dass er mal in eine Frau verliebt war, die er absolut nicht verlassen wollte und für die er sogar bereit gewesen wäre, sich selbst zu opfern.

Pam geht in dieser Folge auch endlich darauf ein, dass sie Taras Vernichtung gespürt hat, aber richtig befriedigend ist das nicht. Willa wird gar nicht erwähnt. Irgendwie ziehen Willa und Tara schlechte Eltern ja magisch an.

Immerhin gelingt es Pam, Erics Kampfgeist neu zu entfachen, indem sie ihm offenbart, dass Sarah Newlin noch lebt. Damit gibt es immer noch jemanden, an den sich Eric für Noras Tod und den Schlamassel mit dem Hep V rächen kann. Rache ist ein kaltes Gericht aus Blutwurst, das Lebensgeister weckt. Die Angelegenheit gewinnt eine zusätzliche Brisanz dadurch, dass Sarah bereits verfolgt wird, undzwar von den Japanern, die damals Sylvie getötet haben und die es wohl nicht so toll finden, was Sarah aus dem True-Blood-Geschäft gemacht hat.

Eine neue Seite

Bisher wussten wir über Reverend Daniels nur, dass er schon einmal verheiratet war, seine Frau aber für Lettie Mae verließ. Das klang wenig christlich und moralisch. Nun erfahren wir jedoch die tieferen Hintergründe, die ein anderes Licht auf den Reverend werfen. Seine Ehe war, als er Lettie Mae kennen lernte, ein Scherbenhaufen, da er und seine Frau den Tod ihrer jüngsten Tochter nicht verkraften konnten. Es steckt also mehr als ein simples "Ich liebe jetzt eine andere Frau" dahinter. Insgesamt macht der Reverend in dieser Episode zum ersten Mal einen richtig sympathischen Eindruck. Er wirft Willa zwar aus seinem Haus, aber er füttert sie immerhin vorher noch mit seinem Blut und macht ihr deutlich, dass er ihr keine Schuld gibt, sie aber für seine Frau eine zu große Versuchung ist. Damit hat er Recht. Wer weiß, was Lettie Mae sich noch alles antun würde, um Willa zu überzeugen, ihr wieder Blut zu geben.

Happy Pills

Die absoluten Downer dieser Folge, um im Drogen-Jargon zu bleiben, sind für mich Lafayette und James. Den beiden erneut dabei zu zusehen, wie sie sich in andere Sphären schießen, ist schlicht langweilig. Ihre Freunde kämpfen gerade in einem Zweifrontenkrieg gegen H-Vampire und bewaffnete Bürger und die beiden dröhnen sich nur zu und nehmen das Tempo aus der Handlung. Dabei ist es auch mehr als offensichtlich, dass sie sich körperlich näher kommen werden, es wird nur noch hinausgezögert. Ein schlechter Trip!

James Klage, dass Jessica ihn kaum wahrnimmt, ist sicherlich nicht ganz unbegründet, da sie andere Prioritäten hat, z.B. der Schutz von Adilyn, andererseits zeigt James auch wenig Bemühen, Jessica zu unterstützen. Oder überhaupt herauszufinden, wo sie gerade steckt.

Als Zuschauer macht man sich Sorgen um Jessica, da mit ihr etwas nicht stimmt. Ihre Selbstheilungskräften lassen nach, was vermutlich ein erstes Symptom für Hep V ist, so zumindest würde ich es interpretieren. Wir haben noch sieben Episoden vor uns, es können also noch viele Hauptcharaktere aus dem großen Cast sterben.

Maret Hosemann - myFanbase

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