Bewertung: 5

Review: #5.02 Autorität gewinnt immer

Manchmal sollte man einfach nur das berücksichtigen, was man mit eigenen Ohren hört und mit den eigenen Augen sieht, statt unreflektiert etwas zu übernehmen, das andere behaupten. In der ursprünglichen Version meiner vorherigen Review habe ich den Werwolf J.D. fälschlicherweise als Alcides Vater vorgestellt, da ich irgendwo gelesen hatte, er sei dies. In Wahrheit hat natürlich nie etwas auf eine solche Verwandschaft hingedeutet.

Der König ist verspeist, es lebe der König!

Die Werwölfe sind immer noch damit beschäftigt, Marcus' Leichnam zu verzehren. Diese kannibalische Tradition macht uns die Werwölfe nicht eben sympathischer, aber wie heißt es doch so schön: andere Völker, andere Sitten. Alcide soll ebenfalls ein kräftiges Stück von Marcus abbeißen und danach seinen rechtmäßigen Platz als neuen Rudelführer einnehmen, weigert sich jedoch beharrlich. Da wir wissen, dass Alcide seiner eigenen Rasse sehr kritisch gegenübersteht und er überhaupt nur Debbie zuliebe in das Rudel eingetreten ist, überrascht seine Weigerung, den Werwolfgesetzen zu folgen und zum Leitwolf zu werden, nicht im Geringsten. Davon aber könnte ausgerechnet Russell Edgington profitieren, der ja bekanntlich seit Jahrhunderten die Tradition pflegt, sich mit Werwölfen zu umgeben und sie als seine Handlanger und Auftragsmörder einzusetzen. Ein Rudel, das einen neuen Anführer braucht, dürfte ihm da gerade recht kommen. Denkbar wäre auch, dass Alcide aus genau diesem Grund doch noch die Anführerrolle übernimmt.

Luna hegt ebenfalls den Wunsch, nach Marcus' Tod endgültig mit der Welt der Werwölfe abzuschließen, muss dann jedoch erkennen, dass ihre Tochter Emma ganz Daddys kleines Mädchen ist und zur Spezies der Werwölfe gehört. Wenn Marcus nicht gefressen worden wäre, würde er sich jetzt im Grab vor hämischem Lachen biegen. Emma als Werwolfswelpen im bunten Kinderschlafanzug zu sehen ist zwar ganz putzig, allerdings frage ich mich, wie es kann, dass bei ihr auch in Tiergestalt die Kleidung fast perfekt sitzt, während wir bisher immer gesehen haben, wie sich die Werwölfe, Werpanther und Gestaltwandler vor der Metamorphose entkleidet haben, bzw. ihre Kleidung dabei zerrissen wurde oder abfiel.

Die erste Nacht als Vampir

Taras erste Stunden als Vampir verlaufen nicht gerade friedlich. Da sich Pam nicht weiter für ihren Abkömmling interessiert, sind Sookie und Lafayette auf sich gestellt und müssen zum Mittel der Gewalt greifen, um Tara irgendwie unter Kontrolle zu bekommen. Letztlich nimmt Tara aber Reißaus. Es ist offensichtlich, wie wütend und verwirrt Tara über ihre neue Existenz ist und dass sie ihrer besten Freundin und ihrem Cousin das Gegenteil von Dankbarkeit entgegenbringt. Man kann dies Tara wahrlich nicht verübeln. Wir sehen zwar, dass sich Ex-Vampirhasser Steve Newlin von seinem Wechsel ins feindliche Lage gut erholt hat und recht zufrieden als Blutsauger zu sein scheint, was vielleicht etwas Hoffnung in Bezug auf Taras weitere Entwicklung macht, aber natürlich gibt es auch große Unterschiede zwischen Taras Erfahrungen mit Vampiren und Steves Vergangenheit in der Anti-Vampir-Fraktion.

Steve hat seinen Hass gegen Vampire immer öffentlich zur Schau gestellt. Er wurde reich und berühmt durch seinen Kreuzzug gegen die Blutsauger. Tara hingegen hat sehr persönlich-traumatische Erfahrungen mit Vampiren gemacht und ganz bestimmt nicht davon profitiert. Sie wurde erst von Franklin Mott entführt, bedroht und sexuell genötigt, später dann von Pam angegriffen. Tara hat einige blutige Taten von Vampiren hautnah miterlebt.

Ein unmoralisches Angebot

Bleiben wir bei Steve. Er tritt wieder im Fernsehen auf und predigt nun das genaue Gegenteil von dem, was er früher verbreitet hat. Jetzt versucht er die Menschen davon zu überzeugen, dass auch die Vampire Gottes Geschöpfe sind und Anerkennung durch die Menschen verdient haben. Wer weiß, vielleicht hat sich Steve sogar freiwillig in einen Vampir verwandeln lassen, weil er nach dem Desaster mit Godric zu dem Schluss gekommen ist, dass er auf der Seite der Vampire mehr erreichen kann. Zuzutrauen wäre ihm das auch noch.

Steve bietet Jessica sogar viel Geld dafür, dass sie ihm Jason überlässt. Nachdem Jason in der vorherigen Staffel noch von lauter Werpanther-Frauen vergewaltigt wurde, ist er nun ein Verhandlungsobjekt zwischen zwei Vampiren. Wenn der Teenager, der in dieser Episode Jason die Schuld für die Trennung seiner Eltern gibt, da Jason einst mit der Mutter des Jungen geschlafen hat, dies wüsste, hätte er vielleicht sogar Mitleid mit Sookies großem Bruder. Jasons Vergangenheit als Kleinstadt-Cassanova fällt mehr als doppelt auf ihn zurück.

Jessica erfährt von Steve auch, dass Bill in Schwierigkeiten steckt und nicht länger der König von Louisiana ist. Sicherlich befindet sich Jessica momentan in einer interessanten und wegweisenden Situation. Zum ersten Mal in ihrem Vampirleben, bzw. in ihrem Leben überhaupt, ist sie ganz auf sich gestellt. Es ist kein Vater oder Macher da, kein fester Freund, niemand, der sie kontrolliert, beaufsichtigt oder ihr hilft. Stattdessen gibt es in Bon Temps nun mit Steve und Tara zwei Vampire, die jünger sind als sie. Möglicherweise erweist sich Jessica noch als wichtige Stütze für Tara.

Glaube. Macht. Blut.

Endlich erfahren wir mehr über die Vampirautorität, die von Roman angeführt wird, der mehrere Kanzler um sich hat. Wie sich zeigt, ist die Autorität sehr religiös geprägt. Sie glaubt an die Vampirbibel, welche besagt, dass Gott nicht etwa zuerst Adam und Eva geschaffen hat, sondern zunächst Lilith kreierte, eine Vampirin. Sie formte er nach seinem Ebenbild, während er Adam und Eva anschließend erschuf, um den Fortbestand der Vampirrasse zu gewährleisten. Die Autorität sieht es als absolute Notwendigkeit an, eine friedliche Koexistenz zwischen den Vampiren und den Menschen zu erreichen, damit die Vampire überleben können und das göttliche System funktioniert. Die Anhänger der Autorität sind so genannte "Mainstreamers". Es gibt aber auch eine Gegenbewegung, die "Sanguinista" genannt wird und der Überzeugung ist, dass die Vampire die Menschen beherrschen sollten.

Roman verdächtigt Bill und Eric, zur Sanguinista zu gehören, und will beide pfählen, erfährt dann jedoch, dass Russell noch lebt und auf der Flucht ist. Dies erschüttert die Autorität bis ins Mark, denn spätestens seit seinem legendären Fernsehauftritt ist Russell ihr Antagonist schlechthin. Russells unverhohlene Verachtung für die Menschen, sein fehlender Respekt gegenüber der Autorität und seine große Stärke sind Gift für die Ziele von Roman und seinen Leuten. Ich vermute daher inzwischen auch, dass Mitglieder der Sanguinista-Bewegung Russell aus seinem Betongrab befreit haben und gerade dabei sind, ihn wieder aufzupäppeln.

Nachdem ich im Vorfeld der fünften Staffel sehr gespannt auf die Vampirautorität war, bin ich mir nun eher unschlüssig, ob mich die ersten Eindrücke überzeugen oder nicht. Die starke religiöse Komponente habe ich nicht erwartet, das muss ich erstmal sacken lassen. Roman und seine Kanzler, darunter Salome, scheinen aber durchaus das Zeug zu faszinierenden Charakteren zu haben.

Die Foltermethoden der Autorität haben es in sich, wenngleich man sagen muss, dass Bill, Eric, Nora und der andere inhaftierte Vampir, Nigel Beckford, sehr unlogisch auf die UV-Strahlen reagieren, die da von der Decke auf sie abgefeuert werden. Die vier Vampire versuchen verzweifelt, sich mit ihrer Kleidung zu schützen, kommen aber nicht auf die Idee, sich unter das Bett zu flüchten, das jeder von ihnen in seiner Zelle hat, oder sich in das Bettzeug einzuwickeln. Neben dem Wolfswelpen im Schlafanzug ist dies meines Erachtens nach die zweite logische Ungereimtheit dieser Folge.

Maret Hosemann - myFanbase

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