Bewertung: 7

Review: #4.02 Der Präsident von Louisiana

Es ist (erfreulicherweise) kein Traum! Eric
hat tatsächlich das altehrwürdige Stackhouse-Anwesen erworben und betrachtet Sookie als im Kaufpreis inbegriffen. Während Sookie den Schock noch verdauen muss und sich sogar Hilfe suchend an Bill und Pam wendet, macht Eric es sich frech im Haus bequem, stellt sich im Kühlschrank Blut kalt und baut für sich einen sicheren Schlafplatz ein. Die Szenen, in denen Sookie entdeckt, dass sie praktisch schon mit Eric zusammenwohnt, sind göttlich. Am Ende dieser Folge bekommt das alles aber eine ganz neue Bedeutung, denn Eric wird Opfer eines Zaubers und verliert sein Gedächtnis. Nun kann er eine Zuflucht wie Sookies Haus wirklich gut gebrauchen.

Nekromantie

Nachdem Bill erfahren hat, dass der Hexenzirkel die Totenbeschwörung praktiziert, setzt er Eric darauf an, dass Problem zu lösen, denn Hexen, die Macht über den Tod haben, können für Vampire, die bekanntermaßen tot sind, schon sehr ungemütlich werden. Eric nimmt die Bedrohung aber nicht sonderlich ernst, was sich letztlich gnadenlos rächt. Durch Lafayettes Mitwirken gewinnt Marnie enorme Macht und Gefährlichkeit. Offenbar schlummert in dieser seltsamen Frau so einiges, das sich nun, mit Lafayette als eine Art Energiespender, mehr und mehr Bahn bricht. Auch wenn der Hexenzirkel im Prinzip aus Notwehr gegen Eric handelt, kann ich mir nicht vorstellen, dass von Marnie in Zukunft Gutes zu erwarten ist. Es scheint mir eher so, dass sie immer Höher hinaus will und es mit Ethik dabei nicht so genau nimmt.

Eric ohne Gedächtnis bietet natürlich viel neues Potential. Einerseits geht von ihm nun eine besondere Gefahr aus, da er nicht mehr weiß, was es bedeutet, ein Vampir zu sein, und keine Kontrolle mehr über seinen Blutdurst und seine Kräfte hat, doch andererseits kommen nun vielleicht Erics ursprüngliche Charaktereigenschaften zum Vorschein, seine ungefilterten Wesenszüge. Sein Wissen ist weg, was bleibt ist ... das werden wir sehen. Es ist zwar irgendwie schade, dass wir nun erst einmal nicht weiter erleben dürfen, wie Eric sich absichtlich in Sookies Leben drängt, aber zu sehen, wie Eric auf Sookie angewiesen ist und von ihr lernen muss, was es heißt, ein Vampir zu sein, kann auch ausgesprochen amüsant werden, wenn es denn so kommt.

Die Königin ist tot, es lebe der König!

Es gab gar keinen epischen Vampirkampf zwischen Sophie-Anne und Bill. Wir Zuschauer wurden ebenso reingelegt wie Sophie-Anne selbst, denn Bill hatte nie vor, sich mit ihr zu duellieren, er hat die Amerikanische Vampirliga eingeschaltet und es deren Soldaten überlassen, Sophie-Anne zu exekutieren. Bill bestätigt damit erneut, dass er mehr ein Politiker als ein Krieger ist. Er schmiedet Bündnisse und passt sich den Gegebenheiten an. Er steht schon seit vielen Jahren mit Nan Flanagan, der Sprecherin der Amerikanischen Vampirliga, in Kontakt und ist ein größeres Rädchen im vampirischen Getriebe, als wir bisher geahnt haben.

Wie sich herausstellt, waren bestimmte Vampire maßgeblich an der Entwicklung von True Blood beteiligt. Nan hat Bill bereits 1982 über die Bemühungen ihrer Leute, ein für Vampire nahrhaften Ersatzstoff zu produzieren und die alten Vampirmonarchien zu stürzen, informiert. Dass Vampire hinter der Entwicklung von True Blood stehen könnten, habe ich bislang nicht wirklich ins Auge gefasst, doch ist damit schon sehr viel verständlicher, dass die Vampire sofort an die Öffentlichkeit gegangen sind, nachdem True Blood auf den Mark kam. Es war keine spontane Entscheidung, die sich einfach durch die Umstände ergeben hat, sondern eine von langer Hand geplante Aktion der ominösen Vampirautorität. Aber was genau war die Triebfeder der obersten Untoten, True Blood zu erfinden und danach an die Öffentlichkeit zu gehen? Der Wunsch nach Bürgerrechten? Der Unwillen, sich weiter verborgen zu halten und ein Leben in Heimlichkeit zu führen? Oder steckt noch viel mehr dahinter?

Man könnte Bill als einen Doppelagenten bezeichnen, allerdings würde dies voraussetzen, dass er zumindest einer Seite treu ergeben ist, was aber nicht wirklich zutrifft. Er belügt Nan ebenfalls, um Sookie zu schützen. Die Frage ist nur, wie lange es ihm noch gelingt, Sookies Geheimnis vor der Vampirwelt zu bewahren, und wie sehr er überhaupt an diesem Vorhaben festhält, jetzt da die Kluft zwischen ihm und Sookie immer größer zu werden scheint. Als Sookie bei Bill war und erfahren hat, dass er nun König ist, konnte man deutlich spüren, wie fremd sie sich geworden sind. Bills Dasein als Vampirkönig, einschließlich treuer Gespielinnen, von denen er sich nährt, stößt Sookie ab. Als sie ihn damals kennen lernte, war er ein einsamer Vampir, der ein heruntergekommenes Haus bewohnt hat, nun ist er eine Autorität mit bewaffneten Leibwachen.

Making a Panther

Meine Antipathie gegenüber Crystal erweist sich in dieser Folge als begründeter denn je. Bei der Frau sitzen definitiv ein paar Schrauben locker. Um mit Jason zusammen sein zu können, aber dennoch den Fortbestand ihrer Werpanther-Rasse zu sichern, hat sie gemeinsam mit ihrem Bruder/Ehemann Felton die Idee ausgetüftelt, Jason zu verwandeln. Dessen Meinung zu diesem Thema ist dabei irrelevant. So fesseln Crystal und Felton den entsetzten Jason kurzerhand ans Bett und fallen in ihrer Panthergestalt über ihn her. Es ist zwar löblich, dass Crystal und Felton ihren Genpool erweitern wollen, denn das hat diese Sippe dringend nötig, aber doch bitte nicht so. Jason wird für seine Gutmütigkeit, aber in gewissem Maße auch Naivität, bitter bestraft. Er dachte, er könnte Crystal und die Menschen in Hotshot retten und hat sich damit so richtig in den Schlamassel geritten.

Wie auch immer Crystals und Feltons Aktion ausgeht, Jason kann nur verlieren. Entweder er wird tatsächlich in etwas verwandelt, oder er wird einfach "nur" sehr schwer verletzt. So oder so muss man sich Sorgen um ihn machen, nachdem wir noch in der Episode zuvor für ein paar Minuten einen sehr gereiften Jason erleben durften. Auf Hilfe von Andy darf Jason erst einmal nicht hoffen, denn der Sheriff lässt sich mit Vampirblut bestechen und ist in einem ziemlich erbärmlichen Zustand.

Familien

Arlene steigert sich immer mehr in die Angst hinein, ihr Söhnchen sei durch Renes Gene so etwas wie der Antichrist. So weit wir wissen, war Rene zwar ein mörderischer Mistkerl, aber kein übernatürliches Geschöpf, so dass die Angst, sein Nachkomme könnte etwas Böses in sich tragen, erst einmal nicht begründet scheint, aber ausschließen würde ich es dennoch nicht. Nicht bei dieser Serie. Irgendwie kann ich mir auch schwer vorstellen, dass die Storyline wirklich nur darauf hinausläuft, dass Arlene hysterisch ist.

Sam und Tommy kommen darin überein, dass sie versuchen wollen, an ihrer brüderlichen Beziehung zu arbeiten. Diesem Frieden traue ich aber wenig, schon gar nicht, nachdem Sams neue Freundin Luna uns bisher unbekannte Fakten über die Gestaltwandler verraten hat. Offenbar wird ein Gestaltwandler, wenn er einen anderen, aus der eigenen Familie stammenden Wandler tötet, zum Skinwalker und gewinnt die Fähigkeit, auch andere menschliche Gestalt anzunehmen. Es scheint mir jetzt nicht unbedingt weit hergeholt, dass dies Sam und Tommy betreffen könnte. Mörderische Brüderpaare haben schließlich eine lange Tradition, man denke nur an Kain und Abel oder Romulus und Remus.

Fazit

Diese zweite Episode der vierten Staffel bringt wichtige Entwicklungen auf den Weg, natürlich vor allem Erics Gedächtnisverlust, aus dem sich wirklich etwas machen lässt, und Jasons bissiges Wiedersehen mit Crystal, das hoffentlich gut für Jason und möglichst nicht so gut für Crystal und Felton ausgeht. Zudem gewinnen wir neue Erkenntnisse über Bill und seine Rolle in der Vampirwelt und über die Mythologie der Gestaltwandler. Es gibt noch keinen Grund, vor Begeisterung an die Decke zu springen, aber schlecht sieht es nicht aus.

Maret Hosemann - myFanbase

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