Bewertung

Review: #3.04 Der Dschinn (Nr. 43)

Ein weiterer Blacklister, ein weiterer Fall voller Absurditäten und menschlicher Abgründe, aber am Ende ist es doch zum ersten Mal eine Geschichte, die mich bewegt und aus irgendeinem Grund kalt erwischt. Denn mit dem Ausgang bzw. der Auflösung, wer sich hinter dem Djinn versteckt, hätte ich in dieser Art und Weise niemals gerechnet.

"Is it just me or is the human race armed with religion, poisoned by prejudice, and absolutely frantic with hatred and fear, galloping pell-mell back to the Dark Ages?"

Reddington wirft mal wieder einen vollkommen zufällig erscheinenden Namen seiner schwarzen Liste in den Ring, der ihm anscheinend irgendwie dabei helfen kann, den Kabal zu Fall zu bringen und riskiert am Ende viel, um an eine Seite eines mysteriösen Tagebuchs zu kommen, von dem wir leider nicht wissen, was der Inhalt ist. Soweit so normal. Die Suche nach dem Djinn ist dann nicht besonders spannend und doch wird mit der Fall wohl länger in Gedächtnis bleiben. Niemals hätte ich ernsthaft damit gerechnet, dass sich hinter dem kriminellem Mastermind der Perversitäten eine Frau verbirgt, die sich an ihrem Vater rächen will, der sie all die Jahre aus falsch verstandenem Stolz ignoriert und übergangen hat. Doch als Reddington am Ende ihre Geschichte offenlegt, da bin ich einen Moment vollkommen baff, den bei der Frau handelt es sich um einen homosexuellen Mann, der mit Gewalt von seinem Vater zu einer Geschlechtsumwandlung gezwungen wurde, weil dieser sich für die sexuelle Neigung seines Sohnes einfach nur schämte.

Natürlich ist das alles eine fiktive Geschichte, doch tief in meinem Inneren berührt mich das Schicksal des jungen Mannes. All die Berichte in den Medien über Ehrenmorde und Verstümmelungen von jungen Frauen, nachdem sie ihre Männer verlassen und diese sich in ihrer Ehre gekränkt fühlen, lassen selbst solch eine fiktive Geschichte möglich erscheinen. Und für einen ganz kurzen Moment hat man Verständnis dafür, dass solch ein misshandelter Mensch Rache üben will. Es scheint auch so, als hätte Reddington Verständnis für Nasim, die junge Frau, die einst ein junger Mann war, doch er liefert sie an das FBI aus und macht klar, dass auch für ihn gewissen Grenzen gelten. Oder er kümmert sich nicht darum, da sein Schicksal ihm zwar interessant erscheint, aber eben irrelevant für sein momentanes Unterfangen ist.

Man kann jetzt eine Diskussion lostreten, ob Reddington im Prinzip nicht ebenso ruchlos ist wie der Djinn, den er hier dem FBI überlässt, aber durch seine Verbindung zu Elizabeth Keen und seinen sehr starken moralischen Kodex erscheint er uns mittlerweile als eine Art Antiheld, dem wir so einiges Verzeihen können, weil er eigentlich niemals Menschen etwas antut, die nicht irgendwie Dreck am Stecken haben. Das rechtfertigt zwar nicht seine Mittel, aber es lässt ihn menschlich erscheinen.

In einem kurzen Augenblick, als Liz ihm gesteht, dass ihre tiefste Fantasie ist, dass sie gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihrer kleinen Tochter an der Hand durchs Leben geht, da blinzelt kurz eine Sehnsucht auf, die mal wieder die Frage aufwirft, in welcher Verbindung er eigentlich zu Liz steht. James Spader ist ein genialer Schauspieler und meist glänzt er in "The Blacklist" mit einem souveränen Auftritt und genialen One Linern. Doch es sind Szenen wie diese, in denen er mit einem Blick oder einer kleinen Geste den Zuschauer kurz vergessen lässt, dass er sich in einer fiktiven Welt befindet, die ihn zu einem solch besonderen Schauspieler werden lässt.

"The number will lead us to Reddington." "Thanks. All I wanted to hear."

Während die Geschichte um Liz und Red durchaus zu überzeugen weiß, ärgert mich ein wenig, dass ich in der letzten Episode nicht habe kommen sehen, dass Mr. Vargas kein Opfer von Mr. Solomon war, sondern mit ihm unter einer Decke steckte, um so an Informationen zu kommen, wie man Reddington aufspüren könnte. Anscheinend hat Solomon recht schnell erkannt, dass man mit Folter nicht sonderlich weit kommen wird bei Dembe, der lieber sterben würde, als seinen Freund ans Messer zu liefern. Also versucht man es auf diese Weise und Dembe durchschaut das Spiel leider nicht und fängt sich am Ende eine Kugel ein. Sein Schicksal bleibt am Ende komplett offen, doch ich gehe davon aus, dass die Menschen, die ihn im Auto gefunden haben, ins Krankenhaus gebracht haben oder wenigstens Hilfe geholt haben.

Ich bin wirklich gespannt, wie Reddington reagieren wird, wenn er erfährt, dass einer seiner Vertrauten ihm in den Rücken gefallen ist und einen guten Freund in ernste Gefahr gebracht hat. Noch spielt die ganze Sache nur eine kleine Nebenrolle in den Episoden, doch ich gehe davon aus, dass es spätestens zur Winterpause hier eine große Konfrontation geben wird, in der es zum ersten Aufeinandertreffen von Reddington und Solomon kommen wird, in dem Reviere abgesteckt werden und ernsthafte Drohungen ausgesprochen werden. Und vielleicht wird es auch das ein oder andere Opfer geben – auf beiden Seiten. Nachdem in der letzten Episode die Geschichte um Dembe ein wenig ins Hintertreffen geraten ist, so ist sie durch den Verrat von Mr. Vargas wieder etwas spannender und interessanter geworden.

Randotizen

  • Das FBI spielt dieses Mal nur eine sehr untergeordnete Rolle und Ressler kommt mal wieder zu spät zu allem, obwohl Reddington mal eben in Arams Wohnung auftaucht und eigentlich ständig dem FBI seinen und Liz' Aufenthalts steckt. Aber das hatten wir ja irgendwie erwartet, oder?
  • Arams Reaktion darauf, als er Liz aus seinem Badezimmer kommen sieht, ist wirklich herzerwärmend. Keine Vorwürfe, keine Vorhaltungen – einfach nur pure Freude, dass es ihr gut geht. Es zeigt wirklich sehr schön, in welchem moralischen Dilemma sich die Task Force befindet.
  • Auch Ressler zeigt kurz Zweifel. Zum wiederholten Male wird klar, dass auch er hin und her gerissen ist. Er will Liz helfen, sieht sich aber gezwungen, dies vorschriftsmäßig zu tun, indem er sie verhaftet. Dass er aber damit auch nicht ganz glücklich ist, zeigt der kurze Moment, als er das Foto des Djinn an die Ermittlungswand heftet.
  • Anders verhält es sich bei Samar Navabi, die der Meinung ist, dass Liz eine Entscheidung getroffen hat und nun mit den Konsequenzen zu leben hat. Hier frage ich mich natürlich, welche Daseinsberechtigung sie überhaupt noch in der Task Force hat. War sie nicht nur wegen Reddington dort eingeschleust worden? Gehört sie nun komplett dem FBI an oder arbeitet sie dort auf freiwilliger Basis?
  • Toms Geschichte muss sich noch entfalten, so dass ich momentan darauf verzichten will, näher auf sie einzugehen. Er tut, was er am besten kann, schlüpft in eine neue Rolle und macht sich auf die Suche nach Karakturt, der anscheinend sein Aussehen komplett verändert hat und irgendwo ein neues Leben angefangen hat. Man darf gespannt sein, wie es hier weitergeht.

Fazit

Eine stellenweise sehr intensive Episode, die durch ein vollkommen unerwartetes Ende zu überzeugen weiß, aber am Ende die Geschichte nicht wirklich weiterbringt. Aber es macht Spaß, Liz und Red dabei zuzusehen, wie sie durch die Geschichte hetzen, sich manchmal dabei näher kommen und Menschen das Handwerk legen. Von daher, alles richtig gemacht.

Melanie Wolff - myFanbase

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