Bewertung

Review: #3.05 Arioch Cain (Nr. 50)

Eine weitere Woche, ein weiterer Name auf der Blacklist, der ausradiert werden kann. Dass der ganze "Blacklist"-Aufhänger sich mittlerweile überlebt hat und hinter der Liste keine Struktur steckt, wird nie deutlicher als dieses Mal. Der Name von Nr. 50, Arioch Cain, landete zwar irgendwie auf Reddingtons ominöser Liste, doch bis zu dieser Episode wusste Reddington noch nicht einmal, dass er existiert. Wie also konnte er überhaupt auf die Liste kommen?

"Every day she's out there is a day we could lose her."

Das cold open gehört dieses Mal ganz Raymond Reddington, der über einem leblosen Körper von Elizabeth Keen steht und Mr. Kaplan anweist, den Tatort zu reinigen. An anderer Stelle berichtet das Fernsehen über das Ableben der ehemaligen FBI-Agentin, während Ressler und das FBI schockiert die Neuigkeit aufnehmen. Einzig der Zuschauer weiß zu diesem Zeitpunkt, dass es gar nicht sein kann, dass sie tot ist, weil das die Serie komplett über die Klippe springen lies. "The Blacklist" kann ohne Elizabeth Keen nicht existieren.

Wie also kommt es zu der merkwürdigen Szenerie? Ganz einfach: Ein Serienkiller wurde auf Keen angesetzt, weil sie ja durch den Kabal nicht schon genug Probleme hat. Der ist nämlich nicht dafür verantwortlich, dass es neuerdings ein beachtliches Kopfgeld auf Keen gibt, sondern irgendein findiger Programmierer aus der einfachen Bevölkerung, der per Crowdfunding die vermeintliche Terroristin loswerden will und dabei sogar so genial ist, dass nicht einmal Aram ihm so einfach das Handwerk legen kann. Ja, die Geschichte klingt nicht nur auf dem Papier unglaubwürdig, sondern sie ist über weite Strecken vollkommen an den Haaren herbei gezogen, vor allem als am Ende der vermeintliche Mastermind hinter allem offenbart wird. Es ist nämlich in Wahrheit kein brutaler Gangster, sondern ein wütendes Teenagermädchen, das Keen die Schuld am Tod ihrer Mutter gibt, die bei den Orea Bombings ums Leben gekommen ist. Das ganze stinkt wirklich zum Himmel! Und zu guter Letzt appelliert Keen dann einfach ein bisschen an das Mädchen, die sofort all die Auftragsmörder zurückruft, indem sie die Seite einfach vom Netz nimmt.

Irgendwie passt der Fall auch nicht so recht in die aktuelle Episode, die trotz der abstrusen Geschehnisse um Keen und die Mordaufrufe via Internet durchaus zu unterhalten weiß. Zum einen ist die Geschichte um Donald Ressler durchaus interessant. Er wird gezwungen, vor einem Ausschuss auszusagen, in dem es um die Verwicklungen des Kabals und der CIA geht. Er macht dabei zum ersten Mal deutlich, dass er wirklich der Meinung ist, dass Keen unschuldig ist und die Chance bekommen sollte, ihren Namen reinzuwaschen. Allerdings sollte dies vor einer Grand Jury geschehen, weswegen er nichts unversucht lassen wird, sie zu finden. Dies soll jedoch nicht um jeden Preis geschehen.

Der Direktor kann vor dem Ausschuss sämtliche Informationen, die durch das Fulcrum an die Öffentlichkeit gelangt sind, entkräften, indem er klar macht, dass die Dokumente nur dorthin gelangten, weil Raymond Reddington sie veröffentlicht hat. Grund genug für die neue Beraterin des Präsidenten, den Direktor als personifizierte CIA dem FBI zur Seite zu stellen und Ressler zu zwingen, mit ihm zusammen zu arbeiten. Von nun an soll der CIA über alle Schritte der ehemaligen Task Force informiert werden und wenn Ressler nicht kuscht, dann wird er eben ersetzt. Konsequent, doch leider wird dies wohl dazu führen, dass das FBI von nun an noch weniger eine Rolle spielt. Vielleicht aber wird Ressler sich nun eher auf Keens Seite schlagen… ich bin mal gespannt, was sich hier noch tut.

"I want everyone to know what happened here today."

Das Highlight der Folge ist jedoch das erste Aufeinandertreffen zwischen Reddington, Keen und Solomon. Mir hätte es ja gefallen, hätte Reddington den Verrat von Mr. Vargas durchschaut und wäre auf das Treffen vorbereitet gewesen. Stattdessen läuft er ihm mehr oder minder schutzlos in die Arme und muss beinahe mitansehen, wie Keen von ihm aufgeschlitzt wird. Solomon stellt zwar kurz in Frage, warum Reddington so erpicht darauf ist, Keen zu retten und wirft noch einmal doe Frage in den Raum, ob es sich bei den beiden um ein Vater-Tochter-Gespann handelt, doch wirklich an Antworten ist er nicht interessiert.

Mir ist zu diesem Zeitpunkt nicht klar, wer Solomon ist. Ist er der Kopf des Kabal und agiert er aus eigenem Antrieb oder steht jemand noch größeres hinter ihm, der Reddington an den Kragen will? Zweifelsohne ist er ein sehr interessanter Charakter, gerade weil er eine solch besonnene Art auf der einen und eine so unberechenbare Art auf der anderen Seite besitzt. Er gleicht quasi Reddington, nur steht er eben ihm gegenüber. Doch er kam aus dem Nichts und ist für den Zuschauer überhaupt nicht greifbar. Einen Moment lang scheint es so, als wüsste Reddington, wer Solomon ist, denn er spricht ihn mit Vornamen an, als er an ihn appelliert, Elizabeht am Leben zu lassen. Andererseits müsste er, wenn er Solomon kennt, doch auch wissen, dass er ein großes Tier beim Kabal ist. Es ist einfach in dieser Episode ein wenig der Wurm drin, was Logik betrifft.

Glücklicherweise ist das Treffen nicht das letzte gewesen. Solomon ist der einzige, der entkommen kann, als Dembe in die Geiselnahme hereinplatzt und um sich schießt und so seinem Freund aus der Patsche hilft. Das kommt zwar vollkommen aus dem Nichts und ist etwas zu komfortabel, als dass es wirklich überraschen könnte. Eine gute Sache hat das ganze jedoch – Dembe und Red sind wieder vereint und es ist immer wieder fantastisch zu sehen, wie nahe sich die beiden Männer sehen. Man kann die Erleichterung und gleichzeitig auch die Sorge in Reddingtons Gesicht sehen, als er den schwer verletzten Mann in die Arme nimmt.

Randnotizen

  • Aram als Vernehmungsbeamter, der aus einem Verdächtigen ein Geständnis herausbringt, was nicht einmal Samar Navabi schaffte – ja, auch solche Sachen gibt es.
  • Überhaupt gehören Aram die witzigsten Szenen. Wie er Ressler umarmt ist wirklich unbezahlbar. Nur seine andauernden Anschmachtungen von Navabi gehen allmählich etwas auf den Keks, vor allem da nicht klar wird, ob es nur eine Schwärmerei ist, er sie gern hat und ob sie seine eventuellen Gefühle vielleicht erwidert. Hier sollte einmal ein Schritt nach vorne gemacht werden.
  • Die Geschichte um Tom werde ich auch dieses Mal in der Review unter den Tisch fallen lassen, einfach weil sie für den Fortgang der Geschichte noch immer keine Relevanz hat und nicht absehbar ist, was er vor hat, um Karakurt ausfindig zu machen.

Fazit

Auf der einen Seite ist die Episode spannend inszeniert, auf der anderen Seite gibt es einfach zu viele Löcher in der Geschichte, um sie wirklich genießen zu können. Es wirkt so, als suche man nach Mitteln und Wegen, die ganze Sache um den Kabal weiterhin in die Länge zu ziehen. Das ist manchmal gut gelöst (wie in letzter Folge), manchmal aber auch eine kleine Zerreißprobe für die Nerven, wenn es nicht wirklich weitergeht. Hoffen wir, dass wir bald ein paar Antworten bekommen, auf welche Fragen auch immer...

Melanie Wolff - myFanbase

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