Bewertung: 6

Review: #14.01 Fremder in einem fremden Land

Foto: Jared Padalecki & Jensen Ackles, Supernatural - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Jared Padalecki & Jensen Ackles, Supernatural
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Der Start in die 14. Staffel von "Supernatural" ist nach dem großen Plottwist des letzten Finales zwar etwas gemächlich ausgefallen, nichtsdestotrotz war #14.01 Stranger in a Strange Land eine solide Episode, in der Sam – wohl nicht zuletzt durch Deans Abwesenheit – so richtig strahlen konnte.

"What do you want?"

Beginnen wir trotzdem mit Parallelwelt!Michael, denn nachdem der Dean in #13.23 Let the Good Times Roll so heimtückisch in die Falle gelockt und seinen Körper übernommen hat, stand natürlich die große Frage im Raum, was Michael nun vorhat. Immerhin befindet er sich auf einer (für ihn) brandneuen Erde, und das auch noch in der perfekten Hülle. Apropos Hülle - dank dieses kleinen kreativen Kniffs darf Jensen Ackles nun einmal eine richtig neue Rolle spielen, jenseits von kurzen "Fall der Woche"-Persönlichkeitswechseln. Durch seinen Michael merkt man erst mal wieder richtig, wie viel Emotion Dean doch immer unter seiner coolen Fassade gezeigt hat. Denn jetzt fehlt genau das – das Gefühl, das Feuer, die Menschlichkeit, doch eindeutig. Michael ist zwar zielstrebig, wirkt mal einladend und charmant und dann auf einmal wieder bedrohlich, und trotzdem spürt man immer eine gewisse Distanz. Die gleiche kühle Distanz, die zum Beispiel auch Cas am Anfang hatte. Und auch wenn Michael wirklich fesch daherkommt in seinem Oldschool-Look – ich vermisse Dean mit seiner altbewährten Hemden-und-Jeans-Kombo.

Doch wer von Michaels Auftritt apokalyptische Zustände oder dramatische Machtdemonstrationen erwartet hat, wurde enttäuscht. Stattdessen kommt Michael überraschend gemäßigt daher. Trotzdem geht eine bedrohliche Ausstrahlung von ihm aus, etwas düsteres und mächtiges, was hinter der altmodisch-eleganten Fassade lauert. Natürlich darf auch nicht das nötige bisschen Eitelkeit fehlen, sieht sich Michael doch beinahe als göttlich an. Mit dieser Mischung aus versteckter Gefahr und großem Ego erinnert er einen fast an Luzifer – dabei könnten sie eigentlich nicht verschiedener sein. Wo Luzifer für seine emotionalen Ausbrüche bekannt war, geht Michael betont kalkulierend vor. Anstatt gleich loszulegen und die Erde seiner Untertan zu machen, sucht Michael erst einmal Verbündete. Auf der Mission, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Nur dass die Menschen dabei eine untergeordnete Rolle spielen. Die Geringschätzung, mit der Michael den Menschen gegenübertritt, zeigt nur, dass er eben doch ein Engel ist. Ersatz für sein großes Werk ist schnell gefunden: Vampire. Ob er damit Monster allgemein, oder eben die Vampire im Speziellen meint, steht noch offen, doch die Richtung ist klar: Eine Herrschaft der Monster, angeführt von Michael. Etwas verwunderlich ist das schon, immerhin bin ich fest davon ausgegangen, dass Michael eher nach einem Weg suchen wird, die himmlischen Heerscharen wieder aufzubauen. Schließlich hat er in der Parallelwelt ja auch mit den Engeln gekämpft. Aber anscheinend ist das nun nur eines der vielen Dinge, die er dieses Mal anders machen will. Wenn ihm Engel und Menschen zu armselig sind, schließt er sich eben den Monstern an. Es bleibt natürlich die Frage, inwieweit sich dieser Michael nun von Luzifer unterscheidet. Schließlich hat sich auch der von Himmel und Menschen abgewandt, um gemeinsame Sache mit den Monstern zu machen.

"There will be no new King of Hell. Not today, not ever."

Aber es gibt ja immer noch die kleine Verteidigungslinie der Menschen, angeführt von Sam. Der hat anscheinend die Leitung übernommen – und die steht ihm sehr gut. Dafür, dass nur drei Wochen vergangen sind, haben sie sich schon überraschend gut organisiert und eine richtige Basis im Bunker eingerichtet. Bis auf Bobby sind mir die Neuzugänge aus der Parallelwelt zwar nach wie vor recht egal, aber es ist schön, dass Sam bei seiner Rettung von Dean nicht ganz alleine dasteht. So sucht Castiel ähnlich verzweifelt nach Michael, wie Sam es tut. Es war schon etwas unlogisch, dass Cas die ganzen Dämonen in der Bar nicht bemerkt hat, aber naja. Irgendwie musste man Cas wohl gefangen nehmen. Ein Gutes hatte das Ganze, für Cas doch recht peinliche Debakel, nämlich eine ziemlich coole Ansprache von Sam. Dem reicht es endgültig mit dem Kampf um den Höllenthron, der seit Crowleys Ableben unbesetzt ist. Und es bleibt, wie es immer war: Mit einem wütenden Winchester legt sich kein Monster freiwillig an.

"You got me. You have all of us. You have a family."

Derweil hat Jack damit zu kämpfen, dass er nun auf einmal ohne seine besonderen Fähigkeiten auskommen muss. Also ist es für Jack mal wieder an der Zeit, an sich zu zweifeln. Glücklicherweise gibt es Sam, Cas und Bobby, die ihn schnell wieder auf die richtige Bahn bringen und ihn daran erinnern, dass er nicht alleine, sondern Teil ihrer Familie ist. Es ist schön, dass man diesen familiären Ton beibehalten hat, schließlich hat der uns in der letzten Staffel einige tolle Szenen beschert.

Eine richtige Überraschung gab es dann doch noch, nämlich Nick. Da hat man sich in der letzten Folge noch so betont endgültig von Luzifer verabschiedet, und dann ist Mark Pellegrino auf einmal eben doch noch da. Ich dachte erst, ich sehe nicht richtig. Irgendwie passt das vorne und hinten nicht. Will man uns weißmachen, dass Nick tatsächlich noch existiert? Immerhin wurde Luzifers Hülle ja schon mal zerstört. Klar, man hat sie in der Hölle wieder zusammengesetzt, allerdings bin ich davon ausgegangen, dass damit eben wirklich nur die Hülle gemeint war und nicht auch ihr menschlicher Teil. Nein, so ganz kann ich das nicht glauben. Die Alternative wäre natürlich, dass es nicht Nick, sondern Luzifer ist, der ihnen etwas vorspielt. Auch das gefällt mir nicht so recht. Ich könnte mir einen Mittelweg gut vorstellen: Es ist Nick, in dessen Unterbewusstsein noch Teile von Luzifer herumspuken. Ob das nun wirklich Luzifer ist, oder nur der böse Nachhall von jahrelangen Gräueltaten, das werden wir wohl bald herausfinden. Falls es tatsächlich Nick ist, braucht man sich auf jeden Fall nicht zu wundern, wie verstört er ist. Als Luzifers Hülle musste er im Laufe der Jahre einiges miterleben, was niemandem passieren will. Noch dazu, wo er schon bei seinem ersten Auftritt durch die Ermordung seiner Familie am Boden zerstört war. Ja, wenn das Nick ist, dürfte es auf jeden Fall sehr spannend werden, wie es mit ihm weitergeht.

Fazit

Der Staffelauftakt war zwar nicht allzu spektakulär, konnte aber mit starken Charaktermomenten und einigen potentiell vielversprechenden neuen Storylines punkten. Noch haben wir nicht viel von Michaels Plänen erfahren, doch seine Zusammenarbeit mit den Monstern zeigt deutliche Parallelen zu der Machtübernahme, die Luzifer damals geplant hatte. In der nächsten Zeit wird sich wohl herausstellen, ob man mit Michael einfach nur einen Luzifer-Ersatz gefunden hat, oder ob er seine ganz eigenen Motive bekommt.

Denise D. - myFanbase

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