The Pitt - Review Staffel 1
Mit "The Pitt" hat Streamingdienst HBO Max eine neue Krankenhausserie auf dem Markt gebracht, was erst einmal für Stöhnen gesorgt hat, ist die Serienlandschaft doch schon mit Dramen dieser Art nahezu überschwemmt. Allerdings schwang sich das Format schnell zum Liebling auf und wurde zu einer preisgekrönten Serie, die man unbedingt sehen wollte. Dafür gab und gibt es gleich mehrere Gründe. Zum einen will man natürlich mitreden. Zum anderen wurde die Serie als Kombination aus "24 - Twenty Four" und "Emergency Room - Die Notaufnahme" bezeichnet, Noah Wyle hat eine Hauptrolle inne und John Wells ist an dem Projekt beteiligt. Reichen die Zutaten aus, damit die erste Staffel sehenswert ist?
Die Antwort auf diese schlichte, aber doch wichtige Frage ist ein glasklares Ja. Ja, diese Serie ist absolut sehenswert und völlig zurecht von Publikum und Kritikern gefeiert. Dabei hat man das Rad nicht unbedingt neu erfunden. Man hat aber das Vermächtnis von "Emergency Room" quasi weitergeführt, obwohl im Vorfeld beteuert wurde, dass "The Pitt" kein Spin-Off oder Revival der erfolgreichen NBC-Serie sei. Ehrlich gesagt ist es allerdings schwierig, keine Vergleiche zu ziehen, zumal Noah Wyle in beiden Formaten eine Hauptrolle inne hat bzw. hatte. Während er bei "Emergency Room" in den ersten Staffeln einen Medizinstudenten gespielt hat, der ein erfolgreicher Arzt wurde, ist Dr. Michael 'Robby' Robinavitch Leiter der Notfallaufnahme. Es fällt dadurch schon schwer, keine Vergleiche zu ziehen. Es bedeutet jedoch nicht, dass "The Pitt" kein eigenständiges Format ist. Das ist es, ist die Vorgangsweise der Erzählweise doch eine andere. Eine, die an die erfolgreiche Echtzeitserie "24" erinnert. Allerdings ist "The Pitt" soviel mehr, als eine Serie, die man leicht mit anderen vergleichen kann.
Die erste Staffel umfasst 15 Episoden, was einer Schicht in einer Notaufnahme entspricht. Anders als bei anderen Krankenhausserien enden die Episoden bei "The Pitt" mit einem Cliffhanger und werden nur allzu oft an derselben Stelle fortgesetzt. Ähnlich wie bei "Emergency Room" lernt man hier zunächst Charaktere kennen, die während ihrer Schicht versuchen, das Beste für ihre Patienten und Patientinnen zu tun. Dabei schlagen sie manchmal über die Strenge oder handeln zu vorschnell. Das Interessante an der Serie ist für mich, dass man direkt ins Geschehen geworfen wird, dabei aber kleinere oder größere Andeutungen gemacht werden, was sozusagen die Besonderheiten der einzelnen Charaktere sind und bekommt einige Hinweise darauf, bevor sich das Bild immer mehr zusammenfügt und man die Stärken und Schwächen der Charaktere erkennen kann. Zum einen ist da eben Dr. Robby, der Leiter der Notaufnahme. Angesehen von seinem Team, ein guter Mentor, versteht sich gut mit allem und hat eine unglaubliche Geduld und verfügt über viel Fachwissen. Doch innerhalb von wenigen Minuten erfährt man, dass er einen Verlust erlitten hat und das sich dieser genau zum Serienstart jährt, weshalb die leitende Schwester Dana Evans (Katherine LaNasa) ihm rät, sich den Tag am besten freizunehmen. Hier hat man einen weiteren Stein ins Rollen gebracht. Ein jeder von uns weiß, was Verluste mit einem machen können. Sie sorgen manchmal dafür, dass man emotionslos wird. Sie können jedoch auch dafür sorgen, dass man etwas dünnhäutiger wird und schnell(er) mal die Nerven verliert. Genau deshalb war es für mich so interessant, Robby in seiner Arbeit während seiner Schicht zu beobachten. Besonders auch, weil sich "The Pitt" nicht davor scheut, realistische Fälle wie auch den Alltag bzw. vielmehr das Treiben in einer Notaufnahme zu zeigen.

© John Johnson/HBO
Besonders in den USA sind die Notaufnahmen zu oft zu überfüllt und das amerikanische Gesundheitssystem ist ohnehin kaputt, was bei "The Pitt" in dieser Staffel gut aufgegriffen wird. Dazu gesellen sich noch wichtige Themen, die zum Teil noch immer ein Tabu sind oder besser gesagt, die eher beschönigt werden wie beispielsweise der Fall um einen Jugendlichen, der eine Alkoholvergiftung erleidet. Seine Eltern können nur schwer akzeptieren, dass ihr Sohn hirntot ist. Ich hatte eben schon die überfüllten Notaufnahmen angesprochen, in denen die Patienten und Patientinnen mehrere Stunden Wartezeit hinnehmen müssen und manchmal, da verlieren sie die Nerven und fordern sofortige Behandlung. Besonders in solchen Fällen ist das Personal dazu aufgefordert, zu beruhigen und diplomatisch vorzugehen. Doch manchmal bringt man die Menschen dann dazu, dass sie tätlich angegriffen zu werden – so wie Dana, die während einer Raucherpause von dem ungeduldigen Patienten Doug Driscoll (Drew Powell) niedergeschlagen wird. Hier wurde für mich deutlich, weswegen Darstellerin Katherine LaNasa für Preise nominiert wurde. Es sind zwar nur kurze, aber sehr intensive Szenen, in der die sonst so toughe Dana eine Seite von sich zeigt, die sich zwar stark zeigen will, aber am Staffelende hat der Angriff auf sie Spuren hinterlassen, die ihre weitere berufliche Laufbahn offen lassen. Ähnlich sieht es da auch mit Heather Collins (Tracy Ifeachor) aus, die ebenfalls im The Pitt tätig ist und mal eine Beziehung mit Robby hatte. Das ist es aber nicht, was diesen Charakter spannend und verletzlich macht. Es ist die Tatsache, dass sie ebenfalls nach einem emotionalen Verlust zunächst weiterarbeitet, sich dann aber Dana und später auch Robby anvertraut, der erkennt, dass sie erst einmal Zeit für sich braucht und sich damit ihr beruflicher Lebensweg ändern könnte. Ein ebensolches Beispiel ist auch der etwas arrogante Frank Langdon (Patrick Ball), der nicht nur mit seiner Art aneckt, sondern dessen Medikamentenmissbrauch ausgerechnet von jemandem im ersten Jahr entdeckt wird und Robby muss dadurch seine Konsequenzen für Langdon ziehen.
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Während bei dreien vom Personal die berufliche Weiterentwicklung noch in den Sternen steht, verfügt "The Pitt" aber auch über Studenten, deren Zukunft erst beginnt oder begonnen hat und die sich das ein oder andere Mal schwer damit tun, in einem Beruf zu arbeiten, welcher einiges von ihnen abverlangt und bei dem eigene Entscheidungen getroffen werden müssen. Zum einen haben wir da die selbstbewusste Trinity Santos (Isa Briones), die zwar selbst von sich überzeugt ist, dabei aber nicht arrogant wirkt, sondern vieles mit einem Spruch oder Augenzwinkern kommentiert, die sich aber auch nicht zu fein dafür ist, wichtige Dinge anzusprechen und die besonders zum Ende hin eine weiche und hilfsbereite Seite von sich zeigt, die besonders Dennis Whitaker (Gerran Howell) zugute kommt. Dennis Whitaker – auch bei ihm ist es schwer, ihn nicht mit John Carter zu vergleichen, wirkt er doch etwas naiv, unbeholfen und zu weich für den Job und dennoch kann man bei ihm eine gewisse Stärke erkennen, die sich einfach nur noch entfalten muss. Ähnlich ist es bei Victoria Javadi (Shabana Azeez), die allerdings in die Fußstapfen ihrer Eltern tritt, die selbst beide im Pitt arbeiten und wir machen hier und da Bekanntschaft mit ihrer Mutter (Deepti Gupta). Dann hätten wir noch Melissa King (Taylor Dearden), die im zweiten Jahr ist und über eine unglaubliche Intelligenz und Einfühlungsvermögen verfügt. Dearden spielt die Rolle der neurodivergente Assistenzärztin großartig, weil sie mit wenig Mimik, Gestik und Betonung es schafft, Melissa liebenswert und interessant zu gestalten und dabei noch ihre autistische Schwester Becca (Tal Anderson) glaubhaft einzubinden und ebenso die private Seite der Ärztin zu zeigen, die ähnlich wie bei Cassie McKay (Fiona Dourif) nachvollziehbar in ihre Arbeit eingebunden werden kann.
Neben den vielen Patientenfällen, war es besonders der Teenager David Saunders (Jackson Kelly), dessen Fall sich durch die Staffel zog und der für ein nervenaufreibendes und emotionales Staffelfinale sorgte. Der Teenager hat laut seiner Mutter Theresa Saunders (Joanna Going) eine Todesliste für Mädchen erstellt und nachdem er seine Mutter im Krankenhaus abgeliefert hat, verschwindet er spurlos und Theresa weigert sich, ihn einweisen zu lassen. Dramatischer wird alles in den finalen zwei Episoden der Staffel, als es beim jährlichen Pittfest zu einer Massenschießerei kommt, bei der auch Robbys Ziehsohn Jake (Taj Speights) und dessen Freundin Leah (Sloan Mannino) betroffen sind.
Fazit
Die erste Staffel macht schnell deutlich, weswegen "The Pitt" seit seinem Start in aller Munde ist und man es nur allzu gerne mit "Emergency Room" vergleicht. Die Serie wirft allerdings nicht nur einen kritischen Blick auf das (amerikanische) Gesundheitssystem. Man schafft es auch, die verschiedenen Schicksalsschläge einzubinden und dafür zu sorgen, dass die Patientinnen und Patienten nicht nur vom Personal verstanden werden, sie sorgen auch dafür, dass ein Vertrauensverhältnis und gleichzeitig eine Weiterentwicklung der Charaktere stattfinden kann. Ich bin schon wahnsinnig auf die zweite Staffel gespannt.
Die Serie "The Pitt" ansehen:
Daniela S. - myFanbase
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