Nightflyers - Review des Piloten

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In die heiße Phase der Wartezeit auf die finale Staffel von "Game of Thrones" liefert Netflix ganz raffiniert die komplette erste Staffel der Science-Fiction-Serie "Nightflyers", die ursprünglich auf dem US-amerikanischen Sender Syfy ausgestrahlt wurde und die lose auf der gleichnamigen Novelle von George R. R. Martin beruht, die 1980 einzeln respektive 1985 in einer Kollektion veröffentlicht wurde. Martins Umfang der Involvierung in den kreativen Prozess ist jedoch nicht mit der von "Game of Thrones" zu vergleichen, da er aufgrund enger Vertragsbedingungen mit dem Sender HBO zu mehr gar nicht befugt war.

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Da ich wie auch schon bei "Game of Thrones" die Buchvorlagen nicht gelesen habe, konnte ich auch jetzt bei "Nightflyers" sehr unbedarft an die Serie herangehen, da mich keine großen Erwartungen erfüllt haben. Dennoch war bei mir eine gewisse Skepsis vorhanden, da eine zehnteilige Serie und eine Novelle alleine vom Papier her schon einen ganz anderen Umfang haben. Diese Diskrepanz spiegelt sich meiner Meinung nach auch in dem Tempo der Auftaktfolge wider, da man sich wirklich viel Zeit nimmt, um die einzelnen Figuren etwas näher einzuführen. Zwar ist die Charakterstudie nicht intensiv, da eher an der Oberfläche gekratzt wird, aber es gibt auch einen recht großen Cast, so dass man eher Fokussierungen vorgenommen hat. Es gibt auch genug spannende Höhepunkte und dennoch drängt sich das Gefühl auf, dass die Serie möglicherweise inhaltlich aufgebläht wird und sich vielleicht eher für eine Miniserie geeignet hätte.

Foto: Eoin Macken & Maya Eshet, Nightflyers - Copyright: 2018 Syfy Media, LLC; Bernard Walsh/Syfy
Eoin Macken & Maya Eshet, Nightflyers
© 2018 Syfy Media, LLC; Bernard Walsh/Syfy

Diese Vermutung leite ich auch daraus ab, dass in der ersten Episode schon sehr deutlich aufgezeigt wird, wohin die Reise gehen wird. Auch das Ende der ersten Staffel scheint mit der Auftaktszene verraten, so dass scheinbar nur noch die große Frage bleibt, wie es zu diesem Ende gekommen ist. So erleben wir ein Raumschiff, das mit zahlreichen Wissenschaftlern seine Reise angetreten ist, jedoch ereignen sich mysteriöse Dinge an Bord, weswegen die einzelnen Passagiere offenbar nach und nach sterben, bis am Ende noch zwei übrigbleiben, von denen sich eine auch noch das Leben nimmt. Somit ergibt sich für mich nur die eine spannende Frage, was für den Tod der einzelnen Figuren verantwortlich ist und ansonsten wird man sich darauf einstellen können, dass man als Zuschauer episodenweise mitverfolgt, wie ein Charakter nach dem anderen den Löffel abgibt. Innovativ klingt für mich anders, auch wenn es natürlich sehr an "Game of Thrones" erinnert, wo Martin auch schon nicht zimperlich mit Charaktertoden umgegangen ist.

Ich bin wahrlich kein Science-Fiction-Experte, aber wenn ich Bücher, Serien und Filme aus diesem Genre konsumiere, habe ich immer große Freude daran, die futuristischen Welten zu erkunden. Die Handlung spielt im Jahr 2093, in unserer schnelllebigen Zeit also Lichtjahre entfernt, umso überraschender fand ich in den ersten Sendeminuten, dass die dargestellte Welt so vertraut wirkte. Jedoch wird mit diesem Eindruck nur gespielt, da sich nach und nach in kleinen Überraschungsmomenten offenbart, dass wir uns in einer zukünftigen Welt befinden. Zum einen ist inzwischen belegt, dass es andere Lebewesen im Universum gibt und Ziel der Expedition ist es, mit diesen einen Erstkontakt herzustellen. An der Expedition nimmt auch Melantha Jhirl (Jodie Turner-Smith, "The Last Ship") teil, die genetisch perfektioniert wurde und daher die ideale Zuarbeiterin für Expeditionsleiter Karl D'Branin (Eoin Macken, "The Night Shift") ist. Der wiederum knabbert immer noch an dem Tod seiner Tochter, weswegen er sich immer wieder digitalisierte Erinnerungen aufs Auge projiziert.

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Der Kapitän der Nightflyer derweil, Roy Eris (David Ajala, "Supergirl"), erscheint nie in Fleisch und Blut, sondern lässt eine Projektion zu der Crew sprechen. Die geschlechtsambivalente Lommie (Maya Eshet, "Teen Wolf") hat einen Neuro-Port in ihrem Arm implantiert, über das sie ständig mit den Computersystemen der Nightflyer kommunizieren kann. Zuletzt gibt es noch die sicherlich faszinierendste Figur, den Telepathen Thale (Sam Strike), der von der Crew aufgrund seiner Fähigkeiten sehr gefürchtet und für die unheimlichen Begebenheiten an Bord verantwortlich gemacht wird. Er wird neben D'Branin sicherlich am meisten in den Fokus genommen und das lohnt sich aufgrund seiner Komplexität sicherlich auch am ehesten. Auf der zwischenmenschlichen Ebene werden einige wenige Ansatzpunkte für den Fortgang der Serie geliefert. So ist Agatha Matheson (Gretchen Mol, "Boardwalk Empire"), die als auf Telepathen spezialisierte Psychiaterin mit an Bord ist, offenbar mal mit D'Branin verbandelt gewesen und Eris zeigt größeres Interesse an Jhirl, die sich wiederum Lommie annähert. Dennoch entsteht bei mir eher der Eindruck, dass diese charakterlichen Interaktionen hinter den Science-Fiction-Elementen und dem Abschlachten der einzelnen Figuren hintenanstehen wird.

Fazit

Hartgesottenen "Game of Thrones"-Fans kann ich verraten, dass "Nightflyers" nicht die Serie ist, die die Wartezeit auf April gefühlt verkürzen wird, da die Serien dafür zu unterschiedlich sind. Gemein ist ihnen höchstens, dass mit dem Tod von Figuren nicht zimperlich umgegangen wird, ansonsten erwartet einen eine langsam erzählte Science-Fiction-Serie, die ein paar interessante Aspekte aufweist, die aber ansonsten eher den Eindruck macht, dass eine knappe Vorlage künstlich aufgebauscht wird.

Lena Donth - myFanbase

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