Malice - Reviews
Miniserie

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In unseren Kritiken schildern unsere Autoren und Autorinnen ihren ersten Eindruck von einer Episode in Form einer kurzen Review. Nutzt die Gelegenheit, eure Meinung zu diesen Folgen kundzutun und mit uns über die Serie "Malice" zu diskutieren.

Episode 1

Foto: David Duchovny, Malice - Copyright: Prime UK; Yannis Drakoulidis
David Duchovny, Malice
© Prime UK; Yannis Drakoulidis

Eigentlich hat mich die Beschreibung zur Serie nicht wirklich gereizt. Reiche Leute im Griechenlandurlaub und ein seltsamer Nachhilfelehrer… da mich "The White Lotus" nicht so angesprochen hatte, wäre die Serie nie auf meine Liste gewandert, wäre da nicht David Duchovny, den ich seit "Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI" und später "Californication" einfach immer gerne sehe. Und gleich die erste Szene mit seinem Gute-Laune-Auftritt hat Lust auf mehr gemacht. Und sein Charakter Jamie Tanner macht mich auch sehr neugierig. Auf der einen Seite scheint er seine Frau (Carice van Houten) sehr zu lieben und irgendwie auch ein großzügiger Kerl zu sein. Auf der anderen Seite ist er schon auch sehr eklig zu seinen Kindern. Wie er sich seinem Sohn gegenüber verhält, wie enttäuscht er erst ist und wie genervt dann, als sich Dexter verletzt, war schon heftig. Und offenbar hat er auch noch einige Leichen im Keller, denn Adam, der sich als Nachhilfelehrer in das Familienleben einbringt, hat ja offenbar eine tiefsitzende Rechnung offen. Jack Whitehall spielt Adam wirklich hervorragend, denn obwohl man ihn von Anfang an als Verdächtigen behandelt und ja zwischen den Zeilen auch immer wieder klar wird, dass er nicht nur als Nachhilfelehrer vor Ort ist, gibt es schon einige sympathische Momente, die das gut kaschieren. So wird man lange Zeit nicht ganz schlau aus ihm, was sich dann mit dem Ende der Episode natürlich erledigt hat. Ich bin gespannt, wie man mit dieser Haltung nun weiter arbeiten wird. Es ist insgesamt klar, was er vorhat, nur warum, das ist die große und spannende Frage, die uns wohl noch ein wenig beschäftigen wird. Der Ansatz jedenfalls gefällt mir, auch wenn sein Unschuldsverhalten so eigentlich nicht mehr funktionieren sollte. Trotzdem hat er den Charme und die Cleverness, um sich hier weiter seinem Plan zu widmen. Kurzum, die derzeit zentralen Charaktere bringen viel Schwung und Neugier in die Serie, die anderen unterstützen gut, bleiben aber vorerst noch eher blass. Das Setting und der Erzählstil passen auch gut zusammen und so gibt es absolut keinen Grund, die Serie nicht fortzusetzen.

Episode 2

Foto: Malice - Copyright: Prime UK
Malice
© Prime UK

Die zweite Episode erledigt gleich zwei Dinge. Zum einen wird deutlich, dass Jamie Tanner ziemlich viele Feinde hat, bzw. ihn viele am liebsten nicht auf der Insel hätten. Zum anderen hat es Adam geschafft, Jamie mehr und mehr zu isolieren, indem nach und nach seine Leute gehen, er selbst aber bei Jamie immer mehr Zutrauen entwickelt und so seinen Plan offenbar immer besser umsetzen kann. Ich finde es von Jack Whitehall wirklich toll gespielt. Seine Miene spiegelt so viel Coolness, Abgebrühtheit, aber eben auch kalkulierte Freude wider. Jede Entwicklung wirkt auf der einen Seite zufällig, auf der anderen Seite aber komplett geplant. Ab und zu lässt er seine Absichten sogar durchblicken (wie beim Drehen des Videos), doch er ist so direkt und ehrlich in seinen Antworten, dass Jamie nicht in den Sinn käme, dass es stimmen könnte. Es ist ein perfides Spiel, aber so durchtrieben das wirkt und so kalt Adam auch sein mag, offenbar gibt es gute Gründe. Jamie Tanner hat nicht nur eine Überheblichkeit, die man sich mit viel Geld gerne aneignet, er ist auch nicht gerade gutmütig oder emphatisch sondern sucht eher seinen Vorteil aus allem und gibt nur ungern Fehler zu. Vielmehr schiebt er anderen die Schuld zu. So hat er es wohl mal zu viel Ruhm und Geld gebracht, doch auch das bröckelt jetzt nebenbei. Es ist eine insgesamt interessante Konstellation. Eigentlich müsste man Jamie verabscheuen, doch das vorweggenommene Ende und die Art und Weise, wie Adam offenbar auf Rache sinnt, drehen das etwas um. Ich bin sehr gespannt, wie man das weiterentwickeln wird.

Episode 3

Foto: Malice - Copyright: Amazon MGM Studios
Malice
© Amazon MGM Studios

Ich hatte ursprünglich gedacht, das die Serie komplett den Urlaub der Tanners betrachtet und somit auch durchweg in Griechenland spielt, aber Adams Plan ging offenbar weit über den Urlaub hinaus. Durch den fehlenden Reisepass muss Jamie zunächst länger auf der Insel bleiben und Adam darf sich als Kümmerer richtig ins Familienleben einbringen und weiterhin sehr viele Pluspunkte sammeln. Er macht das weiterhin sehr geschickt, obwohl er zwischendurch mit ein paar Bemerkungen auch Misstrauen säht. Braucht er den Nervenkitzel oder ist er sich zu sicher? Jules (Christine Adams) und Damien (Raza Jaffrey) hat er jetzt jedenfalls so weit gebracht, dass sie ihm auf die Schliche kommen. Und das scheint noch düsterer zu sein, als ich es vermutete. Ich dachte, Adam war durch Jamies Verhalten stark benachteiligt und musste eventuell auch leiden und jetzt sucht er eben Rache. Dass er aber offenbar auch schon früher zum Mord bereit war und das in letzter Konsequent offenbar wieder anstrebt (und es nicht zu einem Unfall kommt), ist schon krass. Da muss der Hass wirklich sehr tief sitzen und sicherlich haben seine gestorbenen Eltern auch damit zu tun. Jedenfalls zeigt diese Episode auf, dass der perfide Plan von Adam nicht störungsfrei durchlaufen wird. Allerdings muss man sich schon große Sorgen um alle Beteiligten machen, weil Adam offenbar auch bei den Kindern kein Risiko scheut und in Kauf nimmt, dass sie durch Drogen oder sonstiges auch zwei Schritte zu weit gehen könnten. Und auch eine Schlange ins Haus zu schmuggeln, den Hund zu vergiften usw. sind alles kleine Hinweise darauf, dass Adam bei all der gespielten Freundlichkeit eigentlich für Nichts und Niemanden Empathie zeigt. (Einzige Ausnahme ist eventuell Dexter). Auf der anderen Seite sammelt Jamie auch keine Sympathiepunkte, als er dann auch aus Griechenland zurück ist. Die Schulprobleme seines Sohnes löst er einfach mit Geld, mit seiner Ex-Frau scheint er auch kein gutes Verhältnis zu haben und man fragt sich, ob es der Reichtum ist, der ihn so gemacht hat oder ob das andere Gründe dafür gibt. Insofern hat man für die nächsten drei Episoden sicherlich noch viel zu erzählen.

Episode 4

Foto: Carice Van Houten & Jack Whitehall, Malice - Copyright: Prime UK; Yannis Drakoulidis
Carice Van Houten & Jack Whitehall, Malice
© Prime UK; Yannis Drakoulidis

Der Eindruck aus der letzten Episode bestätigt sich hier auf brutalste Weise. Nachdem Damien ziemlich geschickt herausfindet, wer Adam wohl wirklich ist und dass man ihm nicht vertrauen sollte, wehrt dieser sich auf heftigste Weise, indem er Damien nahezu totschlägt. Wenn ein Lügengebäude einstürzt, hat man meist nur noch die Möglichkeit zur Gewalt, wenn man irgendwie nicht auffliegen will. Dabei ist vor allem interessant, dass man als wissender Zuschauer die ganzen kleinen Zeichen sieht und entsprechend einordnen kann, die Charaktere selbst aber mit ihrem begrenzten Blick immer noch nicht wirklich glauben, dass Adam gefährlich sein könnte und daher auch ganz schnell die Halbbruder-Story glauben. Man kann sich schließlich gar nicht vorstellen, dass hier einer für die ganzen Zufälle wirklich verantwortlich ist und eigentlich ist es immer nur ein Moment für jeden. Wir Zuschauer sehen aber alle Momente. Adam ist insofern weiterhin beeindruckend, weil er offenbar an so viele Sachen vorher gedacht hat oder eben so gut improvisieren kann, dass ihm immer wieder etwas einfällt. Das Verhältnis mit Jules hilft ihm jedenfalls enorm, um wenigstens Zeit zu erhalten. Und auch wenn das Ende der Episode den Eindruck machen will, dass er nun auffliegt, so gehe ich doch davon aus, dass er nur eine Mahnung/Strafe fürs Telefonieren am Steuer gibt. Ansonsten war in der Episode interessant, Kit Tanner etwas besser kennen zu lernen, insbesondere, wie er mit dem angedrohten Ärger umgeht, dass er glaubt, Jamie mag den Hund mehr als seinen Sohn und dass es ihn offenbar immer gestresst hat, dass Jamie das Leben für ihn schon vorgeplant hat. Dadurch findet auch er Adams Worte und Gegenwart angenehm. Aber ich bin mir nicht sicher, ob Adam nicht notfalls auch Kit etwas antun würde.

Episode 5

Foto: Jack Whitehall, Malice - Copyright: Amazon MGM Studios
Jack Whitehall, Malice
© Amazon MGM Studios

Das ist mal wieder so eine Episode einer Serie, bei der man einfach nur froh ist, dass man nicht eine Woche warten muss, um weiter zu schauen. Natürlich spitzt sich die Lage kurz vor dem Finale zu. Adam macht es für die Familie Tanner immer ungemütlicher. Nachdem er sich bei der Polizei halbwegs geschickt rausreden konnte und die nicht mitbekommen haben, dass im Kofferraum jemand ist, hat sich Adam diesem Problem entledigt und den nächsten Zerstörungsschritt eingeleitet, indem er in Jamies Namen Mails schreibt, die ihn der sexuellen Belästigung schuldig machen. Er will Jamie also ruinieren und leiden lassen, weil ihm sein Lebenswerk davon schwimmt. Ein bisschen seltsam findet man es natürlich schon, dass immer noch niemand zumindest auf den Verdacht kommt, dass Adam seine Finger im Spiel hat. Immerhin hätte er Zugang zu dem Account haben können. Aber so ist das eben mit der Außenperspektive. Doch Adam hört nicht auf. Er sagt auch noch der Presse Bescheid, damit es für Jamie schnell eng wird. Dieser flieht mit der Familie in einen Kurzurlaub, doch auch das ist kalkuliert, weil in dieser Zeit das Haus ausgeräumt werden soll (auch wenn für mich dann nicht passt, dass er die Schlange freilässt, oder waren die Einbrecher von jemand anderem instruiert?). Jedenfalls spielt Adam sein perfides Spiel einfach weiter, obwohl seine Schwester misstrauisch wird und er mit jedem Schritt natürlich auch gefährlicher lebt. Interessant beim Gespräch mit seiner Schwester fand ich dabei, dass die Eltern sicherlich keine Heiligen waren und insbesondere der Vater sehr schwierig gewesen zu sein scheint. Das erklärt vielleicht ein bisschen den psychischen Zustand von Adam, erklärt aber weiterhin nicht, warum er es so auf die Tanners abgesehen hat. Da muss jetzt in der letzten Episode richtig viel passieren und ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht und wie Adam es aus der Nummer rausschafft. Immerhin wissen wir vom Beginn der Serie, dass er es bis in ein Flugzeug geschafft hat und noch nicht der Hauptverdächtige zu sein scheint. Man bangt aber schon mit, dass es für die Tanners insgesamt nicht so schlimm endet, wie es derzeit noch möglich ist. Insbesondere die Kinder sind ja nun wirklich unschuldig.

Episode 6

Foto: David Duchovny, Malice - Copyright: Amazon MGM Studios; Prime Video
David Duchovny, Malice
© Amazon MGM Studios; Prime Video

Das war also der große Showdown. Ich bin auch zwei Tage nach dem Schauen des Finales noch unschlüssig, was ich davon halten soll. Adam reist nach Griechenland der Familie hinterher, während Jamie versucht Zuhause irgendwie den Skandal zu unterdrücken, den Adams Mails in seinem Namen verursacht haben. Mir ist nach wie vor schleierhaft, dass Adam nicht mal kurz als Verdächtiger ausgemacht wird, weil er die einzige fremde Person im Haus war, die Zugang zum Rechner hätte haben können. Auch für den Einbruch hatte er die nötigen Daten. Es ist schon krass, wie sehr er sich als Vertrauensperson in die Familie eingepflanzt hat, obwohl alles Unglück mit seinem Auftauchen begonnen hat. Jedenfalls kann Adam Jamie beunruhigen, sodass auch dieser nach Griechenland reist und hier zeigt, wie wichtig ihm seine Familie ist und wie viel Angst er um sie hat. Das wurde bei seinem Verhalten nicht immer klar, aber diese Episode hat das sehr deutlich gemacht. Das Adrenalin hat ihn dann aber etwas überwältigt. Dass er im Angesicht von Adam tatsächlich glaubt, ihn zu kontrollieren und mehrfach niederzuschlagen, ohne dass das Konsequenzen haben könnte, ist schon etwas sehr naiv gewesen. Er sollte doch gemerkt haben, dass Adam sich nicht wirklich wehrt. Der Rest ist dann kaltblütig und sehr clever von Adam, weil er die geschürten Hass auf der Insel genutzt hat, ihm den Tod von Jamie zu vollenden, ohne direkt verdächtigt zu werden. Dafür segelt er zufrieden der Sonne entgegen und die Serie bleibt es schuldig, ob man ihn wirklich zur Strecke bringt. Und ich finde schon, dass er es verdient hätte und nicht damit durchkommt. Bei allem Hass auf Jamie, weil der angeblich die Firma seines Vaters ruiniert habe, muss man auch eingestehen, dass Jamie auch Argumente hatte. Adams Sicht ist also sehr einseitig und subjektiv und in Anbetracht der Tatsache, dass auch seine Schwester nicht so viel von ihrem Vater hielt, darf man zumindest mal inne halten und überlegen, ob Jamie nicht inzwischen genug bestraft wurde. Dass er es also wirklich durchzieht, ist krass. Und so fühlt man sich am Ende der Serie nicht wohl mit der Tatsache, dass er es weiterhin immer wieder schafft, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Am Ende noch unbedingt erwähnenswert fand ich das Gespräch von Jamie und seinem Sohn Kit. Auch hier hat man gemerkt, dass Jamie eigentlich herzensgut ist und seine Kinder über alles liebt. Für Kit bin ich froh, dass er diesen Moment noch bekommen hat, Jamies Tod schmerzt mich dadurch aber umso mehr. In mir bleibt ein Gefühl zurück, dass eine zweite Staffel möchte, in der man mitansehen kann, wie nach und nach alles für Adam zusammen bricht. Auf der anderen Seite macht das wahrscheinlich dann auch keinen Spaß und füllt keine Staffel. Unter dem Strich bleibt also eine sehr interessante Miniserie, die zeigt, wie kaltblütig Menschen sein können, wenn sie sich im Recht sehen. Und wahrscheinlich ist es Absicht, dass man als Zuschauer kein Happy End verspürt.

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Emil Groth - myFanbase

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