Lincoln Rhyme - Review des Piloten

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Mit dem Genre Krimi bin ich für mein Alter sehr früh in Kontakt gekommen, zu früh würden manche behaupten. Der logische Folgeschritt war dann die Hinwendung zum Thriller und dort war tatsächlich vor 15 Jahren etwa "Der Knochenjäger" von Jeffery Deaver meine erste Lektüre. Selbstverständlich habe ich daher auch den gleichnamigen Film konsumiert und neben Angelina Jolie war dieser großartig mit meinem Lieblingsschauspieler Denzel Washington besetzt. Ihr merkt also, dieser Thriller und ich haben eine besondere Beziehung. Dementsprechend bin ich natürlich hellhörig geworden, als eine Serie von NBC in Auftrag gegeben worden ist, die sogar auf der ganzen Thrillerreihe von Deaver beruht und somit das Universum sogar noch ausbreitet. Wenn man aber von einem Universum so fasziniert ist, dann steigen natürlich unweigerlich die Erwartungen. Kann sich die Neuinterpretation damit messen lassen?

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In der Filmumsetzung von "Der Knochenjäger" geht es ausschließlich um die Jagd nach dem gleichnamigen Serienverbrecher, der am Ende von 90 Minuten gestellt wird. Dies kann logischerweise nicht die Prämisse einer Serie sein, vor allem nicht die einer, die den Untertitel "Hunt for the Bone Collector" trägt. Daher werden die Ermittlungen gegen den Täter ein dauerndes Begleitthema sein, während ansonsten offenbar weitere Kriminalfälle behandelt werden. Ob das auf Dauer sinnvoll umgesetzt wird und unterhalten kann, wird abzuwarten sein. Die Pilotfolge ist jedenfalls gänzlich auf den Knochenjäger ausgerichtet, was auch notwendig ist, um seine Perfidität und Raffinesse in Gänze abbilden zu können. Brian F. O'Byrne ("The Magicians") als Knochenjäger kommt unscheinbar daher, aber man kann in vielen Szenen erahnen, welch kriminelles Potenzial dieser Mann hat. Er ist sicherlich ein spannender Charakter, dessen nähere Erforschung sich über mehrere Episoden hinweg lohnen wird. In dieser Grundstruktur erinnert man dann beispielsweise an Serien wie "Sherlock" oder "The Mentalist", wo Moriarty beziehungsweise Red John die Serie als Big Bad auf Dauer begleiten.

Ansonsten wird die neue Thrillerserie von NBC von zwei Figuren entscheidend mitgeprägt. Auf der einen Seite haben wir den titelgebenden Lincoln Rhymes, der von dem ehemaligen "Grimm"-Darsteller Russell Hornsby dargestellt wird. Dieser gilt als der beste Profiler von New York und verkörpert das entsprechende Selbstbewusstsein fast schon arrogant nach außen. Doch das wird ihm bitter mit einer Querschnittslähmung heim gezahlt, denn auf der Jagd nach dem Knochenjäger ist er einem ebenbürtigen Gegner begegnet. Fortan verläuft sein Leben gänzlich anders und erst mit der neuerlichen Sichtung seines Feindes nach drei Jahren erwacht wieder sein Kampfgeist. An obiger Stelle habe ich bereits erwähnt, dass mit Washington mein absoluter Lieblingsschauspieler genau diese Rolle verkörpert hat, dementsprechend hatte Hornsby nun in die größten Fußstapfen zu treten und natürlich gelingt das eher holprig. Er hat einfach nicht diese Präsenz, die einen bei jeder Darstellung an den Bildschirm fesseln kann. Schlecht ist sein Schauspiel aber wahrlich nicht. Bei ihm hoffe ich vor allem, dass er mit dem restlichen Cast eine Chemie entwickelt, die seinesgleichen sucht. Er hat eben eine eher untätige Figur zu spielen aufgrund der Querschnittslähmung, er muss über die Mimik und Gestik kommen und hier fehlt noch einiges.

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Dass hier noch einiges fehlt, merkt man daran, dass auf der anderen Seite die zweite Hauptfigur ihn locker an die Wand spielt. Arielle Kebbel, bekannt aus "Vampire Diaries" und zuletzt "Midnight, Texas", spielt die Streifenpolizistin Amelia Sachs, die eher zufällig in den Fall rund um den Knochenjäger hineingerät und durch ihr mutiges Sichern von Beweismaterial Lincolns Aufmerksamkeit weckt. Amelia ist ohne Frage das emotionale Zentrum des Auftakts. Sie hat ein trauriges Schicksal und kümmert sich schon lange um ihre jüngere Schwester Rachel (Courtney Grosbeck), während sie parallel auch ihre eigenen Träume vorantreiben will, wo ihr aber immer wieder Steine in den Weg gelegt werden. Die Zusammenarbeit mit dem berüchtigten Lincoln Rhymes ist ihre große Chance und sie ergreift sie nach einigem Zögern. Kebbel ist wirklich eine tolle Besetzung, da sie optisch wenig mit Jolie gemeinsam hat, drängen sich Vergleiche auch nicht so sehr auf, so dass sie genug Raum hat, ihre eigene Interpretation der Figur zu entfalten. Zudem wird sie gleich mehrfach an ihre emotionalen Grenzen getrieben, wodurch natürlich unweigerlich eine Verbindung zu Amelia entsteht. Sie wird man in Zukunft auf jeden Fall gerne weiterhin begleiten.

Der Pilot ist stilistisch wie ein zusammengestuckter 90-Minüter aufgemacht. Inhaltlich passieren in groben Zügen die Spannungsbögen, die auch der Film aufgeboten hat, nur dass man am Ende offener endet, um auch weiterhin Jagd auf den Knochenjäger machen zu können. Diese Ballung von Handlung, bei dem alle Knöpfe einer guten Unterhaltung fleißig gedrückt werden, wirkt zu viel, aber andererseits habe ich auch keinen Gegenvorschlag zu machen, wie man ansonsten in diese Welt hätte einführen können. Es musste einige Paukenschläge geben, aber das richtige Maß zu finden, ist immer schwierig. Gelungen ist auf jeden Fall die schaurige Atmosphäre, die erzeugt werden konnte. Sei es am Anfang, als Lincoln in die Falle läuft und der Knochenjäger unter freudiger musikalischer Untermalung seine Überlegenheit auskostet oder sei es am Ende, wo die Perfidität des Täters noch einmal unterstrichen wird. "Lincoln Rhymes" ist definitiv nicht nur einfach eine Krimiserie, denn sie kratzt ordentlich am Genre Thriller. Im nun kommenden Balanceakt zwischen anderen Fällen und der Jagd nach dem Knochenjäger hoffe ich nun, dass diese Atmosphäre erhalten bleibt und dass vor allem die Schauspieler enger zusammenwachsen und so aufspielen können.

Fazit

"Lincoln Rhyme: Hunt for the Bone Collector" presst für den Auftakt grob die Handlungen des Films "Der Knochenjäger" zusammen, passt sich dann aber eher der Buchreihe an, um andere Kriminalfälle mit dem anderen Haupttäter im Hintergrund anzugehen. Es ist durchaus eine kurzweilige Episode entstanden, voller Spannung und schauriger Atmosphäre. Schauspielerisch sticht Kebbel locker heraus und die Herausforderung wird sein, die anderen, vor allem Hornsby, auf ihr Niveau zu heben.

Lena Donth – myFanbase

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