FBI: Most Wanted - Review des Piloten

Foto:

Wer Dick Wolf und sein Team kennt, der weiß, dass seine Quotenhits gerne in zahlreichen Spin-Offs münden. So war es schon bei "Law & Order" und so war es später auch beim Chicagoverse. Da sein neuster Streich, "FBI", in Zeiten, wo die Quoten zugunsten des Streamingkonsums immer mehr ins Bodenlose fallen, einen achtbaren Erfolg aufzuweisen hatte, ist es nur wenig verwunderlich, dass auch hier nun ein Ableger entstanden ist: "FBI: Most Wanted". Hierin kümmert sich das Team um die meistgesuchten Verbrecher des FBI, so dass sie auch nicht unbedingt an einen Ort gebunden sind, sondern flexibler agieren müssen. Bei "Criminal Minds" ist ähnlich verfahren worden, doch die Ableger "Criminal Minds: Team Red" und "Criminal Minds: Beyond Borders" haben keine lange Überlebensdauer gehabt. Was Wolf anpackt, gelingt dafür nahezu immer, auch bei "FBI: Most Wanted"?

Das Team von "FBI: Most Wanted" ist durch einen Backdoor-Pilot in der Mutterserie eingeführt worden. Dies ist normalerweise eine sinnvolle Methode, um anzutesten, ob der neue Inhalt beim Publikum ankommt. Die Macher haben es aber als Entschuldigung genommen, um das Team nicht erneut einzuführen. Dies finde ich etwas fahrlässig, da man es so versäumt, neue Zuschauer willkommen zu heißen. Zudem sind recht viele Minuten zu Beginn der Episode auch ganz dem Täter gewidmet, so dass auch hier unterstrichen wird, dass es sich für viele nicht wie die erste Folge einer Serie anfühlt, sondern wie eine Fortsetzung, über die man schon alles weiß. Ich selbst habe den Backdoor-Piloten gesehen, daher war der Einstieg für mich in Ordnung, für Fremde wird es sich eher sperrig angefühlt haben.

Externer Inhalt

An dieser Stelle ist Inhalt von einer anderen Website (z. B. YouTube, Twitter...) eingebunden. Beim Anzeigen werden deine Daten zu der entsprechenden Website übertragen.

Externe Inhalte immer anzeigen | Weitere Informationen

Auch wenn ich die fünf Teammitglieder also schon kannte, ist dieses "Kennen" in einem extrem oberflächlichen Sinn gemeint. Daher ist es schade, dass nun auch die zweite Episode, in der man diesen Figuren begegnet, nicht viel dafür tut, Bindungen zu erzeugen. Im Zentrum des Geschehens steht eindeutig Julian McMahon als Jess LaCroix, der Leiter des Teams. Bei ihm darf man in sein Privatleben eintauchen, das davon geprägt ist, dass er seine Ehefrau verloren hat und seine Tochter Tali (YaYa Gosselin) alleine großziehen muss. Aber auch in den Ermittlungsarbeiten fällt ihm nicht nur wegen seiner Leitungsfunktion der Fokus zu. Das ist sicherlich klug gedacht, denn McMahon ist im Cast eindeutig der größte Name und er hat eine schauspielerische Präsenz, die einen einnehmen kann. Diese Stärke wird gnadenlos ausgenutzt, aber auf Dauer darf man sich auf ihm nicht ausruhen, denn so werden keine erfolgreichen Serien gemacht. Erste persönliche Andeutungen gibt es nur noch bei Kellan Lutz als Ken Crosby. Der ehemalige Soldat hat mit Aggressionsproblemen zu kämpfen und scheint auch ansonsten eher der Player zu sein, dem vielleicht manchmal die Ernsthaftigkeit seines Jobs nicht im vollen Ausmaß bewusst ist. Nun wird es die Aufgabe der Serie sein, die restlichen drei Teammitglieder dem Zuschauer auch noch näherzubringen.

Etwas seltsam finde ich den Fall der Woche, mit dem hier eingestiegen wird. Wenn man den Untertitel "Most Wanted" hat, dann denkt man eher an die Schlimmsten der Schlimmsten, also Serientäter oder besonders brutale und bestialische Täter. Mit Justin Brock (Henry Thomas) hat man einen Ersttäter, der seine Frau eher aus der Situation heraus tötet. Warum jetzt ausgerechnet diese Einheit hier eingreifen muss? Unklar. Zudem fällt es mir schwer nachzuvollziehen, dass solche Täter tatsächlich unter die Bezeichnung "Most Wanted" fallen sollen. Es ist ein Fall, der, wenn er sich in New York ereignete hätte, auch problemlos vom Team der Mutterserie "FBI" hätte bearbeitet werden können. Hier fehlt mir die klare Abtrennung der Zuständigkeiten. Dennoch ist der Fall der Woche gelungen. Es war eine spannende Unterhaltung mit einem interessanten Täterprofil, in dem es einige Wendungen gab. Es ist sicherlich nichts "Neues", aber Crimeserien erfinden sich selten neu. Die Fans dieses Genres wollen das aber auch genauso, denn die Unterschiede machen eben die Teams aus und hier muss die Serie dringend noch nacharbeiten.

Fazit

"FBI: Most Wanted" gibt sich durch den Backdoor-Piloten in der Mutterserie "FBI" wenig Mühe, Zuschauer in die Gegebenheiten des Teams einzuführen. Auch die Charakterarbeit bleibt blass, hier ist die Fokussierung ganz klar auf Julian McMahon als Teamleiter, der die Serie auch problemlos tragen kann. Nur wird das auf Dauer nicht reichen. "FBI: Most Wanted" muss sich in den kommenden Episoden auf die Basics konzentrieren.

Lena Donth – myFanbase

Zur "FBI: Most Wanted"-Übersicht

Kommentare