DVD-Rezension: Flesh and Bone, Staffel 1

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Produziert für den US-Kabelsender Starz ging das Ballett-Drama "Flesh and Bone" ab dem 8. November 2015 im wöchentlichen Rhythmus auf Sendung, wurde aber parallel dazu auch ab dem ersten Ausstrahlungstag zum Binge-Watching angeboten. Obwohl die Mini-Serie, die ursprünglich auf mehrere Staffeln ausgelegt war, einige Nominierungen bei den Golden Globes 2016 ergattern konnte, wurde "Flesh and Bone" bisher nicht im deutschen Fernsehen ausgestrahlt, sondern war lediglich über diverse Streaming- Anbieter abrufbar. Von Moira Walley-Beckett ("Breaking Bad") entwickelt und mit Sarah Hay, Tovah Feldshuh und Damon Herriman in tragenden Rollen ist die Dramaserie nun aber seit dem 28. Oktober 2016 endlich auch im deutschen Handel auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Inhalt

Foto: Sarah Hay & Sascha Radetsky, Flesh and Bone - Copyright: polyband
Sarah Hay & Sascha Radetsky, Flesh and Bone
© polyband

Um endlich ihrer völlig kaputten Familie zu entfliehen und sich ihren Traum, eine große Balletttänzerin zu werden, zu erfüllen, packt die 21-jährige Claire Robbins (Sarah Hay) kurzerhand ihre Sachen und kehrt dem tristen Alltag in Pittsburgh den Rücken zu. In New York angekommen schafft es Claire, trotz einer großen Lücke in ihrem Lebenslauf, direkt beim ersten Vortanzen ein Engagement an der American Ballet Company zu ergattern. Doch während ihr Chef Paul Grayson (Ben Daniels) direkt das unheimlich große Potential erkennt, welches in Claire steckt, kämpft diese mit nagenden Selbstzweifeln und unter anderem mit dem Neid ihrer Mitbewohnerin Mia Bialy (Emily Tyra). Aber auch unter ihren anderen Kolleginnen findet Claire nicht wirklich Anschluss und erkennt schnell, dass Ballett kein Teamsport ist und man als Ballerina immer für sich alleine kämpft. Und die große Chance direkt in der ersten Saison vielleicht als Hauptbesetzung tanzen zu dürfen, entpuppt sich für Claire schnell mehr als ein Fluch, statt ein Segen. Als dann auch noch ihr Bruder Bryan (Josh Helman), der lange Zeit in Afghanistan stationiert war, plötzlich in New York auftaucht, werden alte Wunden und große Geheimnisse wieder aufgerissen, die Claire eigentlich vergessen wollte.

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Rezension

Foto: Sarah Hay & Sascha Radetsky, Flesh and Bone - Copyright: Myles Aronowitz
Sarah Hay & Sascha Radetsky, Flesh and Bone
© Myles Aronowitz

Obwohl ich zugegebenermaßen kein wirklicher Ballett-Fan bin und mich diese Art des Bühnentanzes nie wirklich angesprochen hat, ist es trotzdem ein Thema das mich schon immer mit seinem ganzen Drumherum fasziniert hat. Denn so wie es uns die Serie versucht zu suggerieren, ist es auch in meiner Vorstellung. Ein unheimliches hartes Pflaster zwischen Hochleistungssport und Kunst, bei dem jeder für sich alleine kämpft und man nur oberflächliche Freundschaften schließt, da jede Kollegin und jeder Kollege auch ein Gegner um den besten Platz im Stück ist. Doch "Flesh and Bone" beschränkt sich längst nicht nur auf den Hauptplot Ballett, sondern schneidet noch wahnsinnig viele andere Themen an, wie Einsamkeit, selbstverletzendes Verhalten, Existenzängste, Drogenmissbrauch, Essstörungen, sexueller Missbrauch oder auch Menschenhandel. Das alles macht aus "Flesh and Bone" eine unglaublich komplexe Serie, die sich natürlich auf das Thema Ballett fokussiert hat, aber im zentralen Punkt auch eine Geschichte über ein junges Mädchen mit einer völlig kaputten Seele ist. Leider führt gerade diese Vielfalt aber besonders im Mittelteil der Staffel auch oft zu Nebenhandlungen die hin und wieder etwas deplatziert wirken, wie zum Beispiel Sergei Zelenkovs (Patrick Page) Handel mit russischen minderjährigen Mädchen. Ansich eine durchaus spannende Geschichte, aber halt in der falschen Serie untergebracht. Stattdessen hätte ich mir einfach einen noch schärferen Fokus auf die Arbeit in der American Ballet Company gewünscht. Wie zum Beispiel eine noch deutlichere Zurschaustellung von Claires und Kiiras (Irina Dvorovenko) Rivalität oder mehr Szenen wie diese, als Paul Grayson die komplette Truppe, kurz vor Thanksgiving, bis zum Erbrechen immer und immer wieder das gleiche Stück proben lässt. Zudem muss ich auch sagen, dass die Serie gerade am Anfang meiner Meinung nach definitiv zu viele Sex-Szenen enthält, die einfach teilweise völlig überflüssig sind. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in einer Serie so viele nackte Brüste gesehen habe. Und es ist nicht so, dass ich da prinzipiell ein Problem mit habe, sondern einfach so, dass ich finde, dass die Serie es gar nicht nötig hat, damit Quote zu machen. Diese, ich nenne es mal, Busenblitzer wirken einfach teilweise völlig deplatziert und bringen weder den Plot voran, noch sind sie für die Story notwendig. Denn die vordergründige Storyline rund um die Welt des Balletts und Claires verkorkstes Seelenleben schafft es eigentlich problemlos die acht Episoden kurzweilig zu füllen und den Zuschauer bei der Stange zu halten. Letztendlich hat "Flesh and Bone" somit einige leichte Anlaufschwierigkeiten, holt aber in den letzten Episoden nochmal alles aus sich heraus und weiß gerade dann in den emotionalen Szenen mit herrlich ergreifenden und auch teilweise sehr bedrückenden Momenten unglaublich zu überzeugen.

Foto: Sarah Hay, Flesh and Bone - Copyright: polyband
Sarah Hay, Flesh and Bone
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Was die Serie zudem unglaublich sehenswert macht sind die überragenden Schauspieler. Neben Damon Herriman als Obdachloser Romeo oder Ben Daniels als Paul Grayson, kann sich dabei besonders die Hauptdarstellerin Sarah Hay als Claire Robbins unglaublich hervorheben. Es ist tatsächlich komplett unfassbar, dass Sarah, die seit 2010 an der Semperoper in Dresden tanzt, vor "Flesh and Bone" eigentlich überhaupt keine erwähnenswerte Schauspielerfahrung hatte. Nicht nur mit ihrer charismatischen Ausstrahlung, sondern auch mit ihrem wirklich großen Talent, verschiedene Facetten zu zeigen, schaffte es Sarah mühelos jeden verkorksten Winkel ihres Charakters hervorzuheben. Und somit ist es auch absolut kein Wunder, dass ihr die Rolle der Claire Robbins nicht nur Nominierungen für den Satellite Award und den Critics' Choice Television Award einbrachte, sondern auch für den Golden Globe Award 2016. Ich hoffe sehr, dass Sarah noch häufiger die Ballettschuhe an den Nagel hängen wird, um ihr schauspielerisches Können weiter auszuarbeiten. Auch den anderen Darsteller wie Emily Tyra, Sascha Radetsky, Raychel Diane Weiner oder Kar Will die alle hauptberuflich Tänzer sind, merkt man ihre fehlende Erfahrung in Film- und Serienbusiness kein Stück an. Zudem ist "Flesh and Bone" nicht nur wirklich außerordentlich gut besetzt, sondern überzeugt auch durch eine großartige Charakterausarbeitung und kann bis in die kleinste Nebenrolle absolut überzeugen. Auch die Kulissen rund um die Stadt die niemals schläft, New York, sind exzellent gelungen und spiegeln in Kombination mit einem herrlich passenden Soundtrack eine tolle Atmosphäre und Stimmung wider.

Specials

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Leider sind die Specials nicht wahnsinnig umfangreich und es ist auf der letzten DVD lediglich ein ca. 5-minütiges "Making Of" zu finden, welches sich hauptsächlich um die Entscheidung der Serienmacher dreht, die einzelnen Rollen nicht mit professionellen Schauspielern, sondern Berufstänzern zu besetzen. Das "Making Of" ist zwar relativ interessant, aber ich persönlich hätte mir bei so einer komplexen Serie noch mehr Hintergrundinfos bezüglich der Storyline und den Rollenprofilen diverser Charaktere gewünscht.

Technische Details

Erscheinungstermin: 28. Oktober 2016
FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit: ca. 480 Spielminuten (8 Episoden)
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
Sprachen (Tonformat): Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch

Fazit

Trotz einiger Kritikpunkte bietet "Flesh and Bone" absolut kurzweilig Unterhaltung und kann den Zuschauer die acht Episoden lang mühelos bei Laune halten. Mit einem großartigen Cast, einer absolut stimmigen Atmosphäre und einer unglaublich komplexen Story ist "Flesh and Bone" nicht nur für Fans des Balletts absolut sehenswert.

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Nina V. - myFanbase

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