Simon Becketts Die Chemie des Todes - Review des Piloten

Foto:

Thriller und Krimis waren vor allem in meiner Jugend das bevorzugte Genre. Das hat sich inzwischen etwas gewandelt und dennoch gibt es immer noch die Autoren, bei denen ich wohl wirklich immer zuschlagen würde, um wenigstens auf eine Handvoll an Krimis/Thrillern auf das Jahr verteilt zu kommen. Einer dieser angesprochenen Autoren ist dabei definitiv der Brite Simon Beckett, der zwar auch schon vor David Hunter aktiv war, aber mich mit dem Auftakt der Hunter-Reihe, "Die Chemie des Todes", vollends begeistern konnte. In diesem Genre, wo die Schemata doch sehr ähnlich sind, ist es sicherlich eine Hausnummer, sich mit etwas Speziellem profilieren zu können. Beckett ist das mit seiner Hauptfigur gelungen, denn mit dem Berufsfeld des forensischen Anthropologen trägt Hunter vor allem über die Leichenbeschauung zur Lösung eines Falls bei und nicht durch stundenlange Befragungen oder Auswertung von Kameraaufnahmen etc. Ich empfand das schon damals als sehr ungewöhnlich und auch mehr als zehn Jahre weiter finde ich das immer noch sehr individuell. Im vergangenen Februar 2022 ist erstmals von einer Adaption die Rede gewesen, die mich doch gleich in positive Aufregung versetzt hat. Nach so langer Zeit rechnet man als Fan damit schon gar nicht mehr und ich habe innerlich sofort Ja! gesagt, weil ich einfach sofort Vertrauen hatte, dass die Vorlage sich für eine Serienadaption hervorragend eignen dürfte. Wie ist nun der Auftakt der sechsteiligen Serie gelungen?

Foto: Harry Treadaway, Simon Becketts Die Chemie des Todes - Copyright: Paramount
Harry Treadaway, Simon Becketts Die Chemie des Todes
© Paramount

Im Kurzen würde ich die Pilotfolge von "Simon Becketts Die Chemie des Todes" wohl mit folgenden Worten charakterisieren: Gemächlicher Einstieg, der aber den Besonderheiten des Buchs Raum gibt. Gerade mit Auftaktfolgen ist es oft eine Sache, wie diese konzipiert werden, weil sie die gewichtige Aufgabe erhalten, die Zuschauer*innen zum weiteren Einschalten zu bewegen. Bei einer sechsteiligen ersten Staffel sagt man sich vielleicht eher, dass man das mal eben durchschaut, dennoch war ich etwas überrascht, dass das Erzähltempo hier so deutlich gedrosselt wurde. Es passiert zwar rein vom Papier her genug, denn es wird die erste Leiche gefunden, wir lernen David Hunter (Harry Treadaway) und sein Trauma kennen und auch zu den anderen Figuren wie Dr. Henry Maitland (Lucian Msamatie) oder Jenny Krause (Jeanne Goursard) gibt es schon genug Szenen, um sie oberflächlich einschätzen zu können. Dennoch strahlt die ganze Episode etwas extrem Ruhiges aus, an keiner Stelle entsteht Hektik. Landschaftsbilder, die die Atmosphäre unterstützen, teilen sich den Bildschirm mit oft langen Szenen von Standaufnahmen. Gerade die letztere Technik hilft sehr gut, um aber eine sehr ungewöhnliche Stilistik zu unterstützen. Leichenbeschauung am Tatort ist in Krimis nicht selten, doch so intensiv und vor nichts zurückschreckend erlebt man es wirklich selten. Die gefundene Leiche ist in keinem guten Zustand, so dass sogar auf Anhieb keine Identifizierung möglich ist. Dennoch hält die Kamera voll drauf und sorgt so für eine schaurige Inszenierung, bei der die Abscheulichkeit des Verbrechens unterstützt wird. Aber diese intensiven Bilder sind vermutlich nicht für alle Gemüter etwas, von daher Vorsicht!

Partnerlinks zu Amazon

Die Unempfindlichkeit, was die Tatortbegehung angeht, eignet sich natürlich hervorragend, um Hunters ungewöhnliche Profession in Szene zu setzen. Wenn es darum geht, Verwesungsprozesse in all ihren Mikrodetails darzustellen, dann würde es natürlich nicht helfen, das alles in theoretischer Umsetzung aufzufangen, weil es sonst zu abstrakt bleiben würde. Wenn Hunter sich aber alles in seinen Details zu Gemüte führt und es dazu für Außenstehende (und Unwissende wie wir) erklärt, dann passt das harmonisch zusammen. Es gibt aber auch von Hunter gesprochene Voice-Overs, die ein wenig diese Theorie dann doch abbilden, aber die einzelnen Erklärungen sind wissenschaftlich verhältnismäßig simpel gehalten, weswegen ich sie als gute Ergänzungen empfunden habe. Teilweise habe ich aber auch sofort die Buchpassagen vor Augen gehabt, da Hunter genau so immer alles erklärt hat und das hat mich doch sehr erfreut. Zudem tragen die Voice-Overs mit ihrem Inhalt zu der Atmosphäre bei.

Foto: Harry Treadaway & Samuel Anderson, Simon Becketts Die Chemie des Todes - Copyright: Paramount
Harry Treadaway & Samuel Anderson, Simon Becketts Die Chemie des Todes
© Paramount

Ein konkretes Bild zu David Hunter hatte ich während der Buchreihe nicht vor Augen, weswegen ich sehr unbefangen an das Casting von Treadaway herangegangen bin. Dadurch konnte ich mich mit ihm wirklich sehr, sehr schnell gut anfreunden. Aber ich bin auch überzeugt, dass das ein recht objektiver Eindruck ist, weil Beckett selbst immer darauf geachtet hat, nicht zu viele physische Einzelheiten zu teilen. Im Grunde zählt dann sowieso mehr das Charakterliche und spätestens da fängt Treadaway genau das auf, was ich mir im Vorfeld auch erhofft habe. Da die Kamera mehr oder weniger an ihm klebt, gibt es genug Möglichkeiten, ihn kennenzulernen. Er ist eine in sich ruhende Persönlichkeit, was auch neu als Hausarzt niedergelassen ein großer Pluspunkt ist, da er so immer unaufgeregt auf seine Patienten einwirken kann. Seine Art ist aber natürlich auch bei klassischen Ermittlungsarbeiten angenehm, weil er sich nicht durch Polizei oder sonstige äußere Faktoren drängen lässt, sondern rein auf die Beweise vertraut. Neben dieser Art, wie er seinen Job ausführt, ist dieser Auftakt auch von Andeutungen zu seinem Trauma dominiert. David ist um Mitmenschlichkeit bemüht, indem er mit Henry speist oder im Pub einkehrt, aber es ist auch viel Schein, denn der Schmerz sitzt tief. In Rückblenden tauchen immer wieder Schnipsel von Frau und Kind auf. Auch wenn es nicht konkret gesagt wird, aber man spürt, von wie viel Schmerz diese begleitet sind. Deswegen hat er sich mit dem beruflichen Neuanfang auch den Lebenden gewidmet, um von den Toten loszukommen. Deswegen ist sein Widerwillen, als die Leiche von zwei Jungs gefunden wird, überdeutlich. Letztlich ringt er sich dennoch durch, der Polizei rund um McKenzie (Samuel Anderson) zu helfen, doch einfach ist das wahrlich nicht und die Gründe dafür, werden hier schon überdeutlich gezeichnet. Sie tragen aber selbstredend ebenfalls zur eher ruhigeren Gangart dieser Pilotfolge bei.

Als Buchfan muss ich sagen, dass ich mit der Umsetzung auf den ersten Blick sehr zufrieden bin. In der Namensgebung sowie kleineren Details hat es Abänderungen gegeben, aber ansonsten ist trotz großem zeitlichen Abstand zum Leseprozess sofort wieder etwas in meinem Kopf entstanden, was definitiv dafür spricht, dass der Kern der Geschichte transportiert wird. Nun muss sich zeigen, wie sich das Ganze wohl weiterentwickelt. Etwas mehr Tempo wäre sicherlich nicht schlecht, aber das kommt vermutlich auch von selbst, weil es bislang vor allem um die Vorstellung von David geht und ab jetzt auch der Fall unweigerlich mehr in den Mittelpunkt rücken wird.

Externer Inhalt

An dieser Stelle ist Inhalt von einer anderen Website (z. B. YouTube, Twitter...) eingebunden. Beim Anzeigen werden deine Daten zu der entsprechenden Website übertragen.

Externe Inhalte immer anzeigen | Weitere Informationen

Fazit

"Die Chemie des Todes" erweckt nach der Auftaktfolge den Eindruck, seinem literarischen Ursprung durch Simon Beckett sehr treu zu sein, was definitiv positiv ist. Zwar ist das Tempo noch etwas zäh, weil der Fokus zunächst auf Atmosphäre und Stilistik zu liegen scheint, aber auch diese Aspekte sind wichtig, denn sie tragen dazu bei, dass das Besondere aus der Reihe zu David Hunter sofort zu erkennen ist. Ich bin gespannt, wie es sich weiterhin entwickeln wird.

"Simon Becketts Die Chemie des Todes" ansehen:

Lena Donth - myFanbase

Zur "Die Chemie des Todes"-Übersicht

Kommentare