Dark Blue - Review, Staffel 1

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Bei all den Crime-Procedurals, die derzeit die Fernsehlandschaft pflastern und mit etlichen Spin-Offs aufwarten, ist es immer wieder faszinierend, wie Autoren neue Aspekte im Kampf gegen das Verbrechen finden, aus denen schließlich eine Serie erwachsen kann. Bei "Dark Blue" handelt es sich dementsprechend um Undercover-Agenten, deren Arbeit man beobachten darf. Eigentlich bin ich kein Fan von Procedurals, da mich zusammenhängende Handlungsstränge immer schon mehr angesprochen haben und ich die Tatsache, dass man bei Procedurals auch ruhig einige Episoden verpassen kann, dementsprechend immer wieder gerne wahrnehme, weswegen ich einfach keine Begeisterung aufbringen kann. Ich muss also zugeben, dass ich eher aus einem Missverständnis heraus bei "Dark Blue" eingeschaltet hatte, denn ich hatte angenommen, dass man die Undercover-Einsätze über mehrere Episoden, wenn nicht sogar über die ganze Staffel ziehen würde und somit eher eine Crime-Serie wie "24 Twenty Four" konzipiert hat. Trotz dieser Fehlannahme meinerseits, hat mich die Serie dennoch angesprochen und ich blieb am Ball ein wenig zu meiner eigenen Verwunderung.

"I need you because of who you are, not who you were and not who you pretend to be."

Foto: Dylan McDermott, Dark Blue - Copyright: TBS/Darren Michaels
Dylan McDermott, Dark Blue
© TBS/Darren Michaels

Ein Grund weiterhin am Ball zu bleiben, war definitiv die Tatsache, dass die Autoren versuchten den Charakteren gleich Profil zu verleihen und dies vor allem mittels der Erfahrungen bei ihren Undercover-Aufträgen auch noch vertiefen konnten. Uns wurden also keine farblosen Charaktere präsentiert, von deren Leben man so gut wie gar nichts mitbekam, weil die Serie sich mehr auf die Fälle der Woche konzentrierte, sondern ganz im Gegenteil. Schon innerhalb der ersten Episoden werden die Charaktere unheimlich greifbar und durch ihre Arbeit wird ihnen immer mehr Tiefe verliehen. Somit bleibt natürlich auch eine kleine Romanze am Arbeitsplatz aus, die man jedoch für mich sehr gut umgesetzt hat, da man nicht den offensichtlichen Weg eingeschlagen ist, sondern die Sache spannend hielt und dadurch wieder ein Stückweit mehr Charakterarbeit leisten konnte.

Foto: Logan Marshall-Green, Dark Blue - Copyright: TBS/Richard Foreman
Logan Marshall-Green, Dark Blue
© TBS/Richard Foreman

Überzeugen konnte bei den Darstellern vor allem Dylan McDermott, als nicht immer ganz sympathischer, aber durchweg interessanter Boss der Undercover-Gruppe. Sowohl bei den Einsätzen, als auch im Umgang mit seinen Kollegen, nimmt man ihm jede Sekunde ab und die ruhigen und emotionalen Szenen seines Charakters bringt er mit einer faszinierenden Intensität herüber. Auch die anderen männlichen Hauptdarsteller können in ihren Rollen bestehen, wobei hier erwähnt werden sollte, dass Logan Marshall-Green sich entgegen meiner Erwartungen wirklich in die Rolle einfinden konnte und nicht nur als gutaussehendes Aushängeschild der Serie fungiert. Nicki Aycox hat es für mich leider nicht immer geschafft zu überzeugen, bzw. ihre Performance so zu gestalten, dass man sie nicht einfach durch einen ähnlichen Typ hätte austauschen können. Dennoch ist ihr Charakter wohl der interessanteste in der Serie, was nicht zuletzt an ihrer kriminellen Vergangenheit liegt, die immer wieder in der Serie thematisiert wird.

"Make the deal. Never get close to the family. You know that."

Foto: Omari Hardwick, Dark Blue - Copyright: TBS/Richard Foreman
Omari Hardwick, Dark Blue
© TBS/Richard Foreman

Die Fälle waren an sich sehr nett gestaltet, jedoch ist es ein wenig schade, dass man pro Episode jedes Mal einen einzigen Fall behandelt hat. Dadurch hat man als Zuschauer selten ein Bild davon bekommen, wie anstrengend die Arbeit eines Undercover-Agenten wirklich sein kann. Zwar hat man dies immer wieder durch Andeutungen der Charaktere mitbekommen, jedoch wäre es von Vorteil gewesen, wenn man zumindest einen Fall über mehrere Episoden hätte laufen lassen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, dass man sein eigenes Leben vollkommen ausblenden und seine sozialen Beziehungen aufgeben muss, um ein komplett anderer Charakter zu werden. Ab und zu schlug dies zwar durch, vor allem bei Ty und dessen Interaktion mit seiner Frau, genauso wie bei seiner Familienplanung, allerdings wäre da mehr wünschenswert gewesen und ich hoffe, dass man dieses Stilmittel in der zweiten Staffel nutzen wird, um so noch ein wenig mehr auf die Charaktere eingehen zu können.

Foto: Nicki Aycox, Dark Blue - Copyright: TBS/Richard Foreman
Nicki Aycox, Dark Blue
© TBS/Richard Foreman

Auch für die Fälle selbst ist es zeitweise ein wenig schade gewesen, dass sie binnen einer Episode abgeschlossen werden mussten, denn manche von ihnen hatten das Potenzial auch über weite Strecken bestehen zu können. Zumindest wäre es wünschenswert, wenn man Bezug auf vergangene Fälle nehmen würde, eventuell durch den gleichen Mittelsmann oder eben durch die Tatsache, dass einer der 'großen Fische' nicht geschnappt wird. In der ersten Staffel haben wir dies zwar noch nicht zu Gesicht bekommen, aber eventuell wird sich das in der kommenden Staffel noch ändern.

Fazit

Überraschenderweise ist "Dark Blue" ein Crime-Procedural, das mich seit langem mal wieder begeistern kann. Die Fälle sind unterschiedlich, interessant und vor allem leisten sie in jeder einzelnen Episode Charakterarbeit. Genau dies macht "Dark Blue" für mich zu einer sehenswerten Serie, die zwar noch einiges verbessern kann, aber für mich auf jeden Fall aus dem Wust an Crime-Serien heraus sticht und zumindest beim männlichen Cast ein gutes Händchen bewiesen hat.

Annika Leichner - myFanbase

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