Bewertung: 7

Review: #7.09 Juliet hat den Hosenanzug an

Foto: James Roday & Dulé Hill, Psych - Copyright: 2015 Universal Pictures
James Roday & Dulé Hill, Psych
© 2015 Universal Pictures

Es tut weh zu sehen, wie die Beziehung zwischen Shawn und Juliet langsam auseinander geht. Ich hatte ja immer noch ein kleines bisschen Hoffnung, dass sich alles irgendwie wieder einrenken wird, Shawn sich aufrichtig bei Juliet entschuldigt und sie ihm verzeiht, dass er sie all die Jahre angeschwindelt hat. Immerhin muss man sich mal ernsthaft vor Augen führen, dass jeder normale Mensch längst kritisch hinterfragt hätte, wie Shawn eigentlich tickt. Juliet ist eine intelligente, taffe Frau und dass man uns Fans glauben lassen will, dass sie nicht einmal ernsthaft in Erwägung gezogen hat, dass Shawn gar kein Medium ist.

"Hey, I think that you are amazing, and I mean that in a completely platonic - unless you don't want it to be platonic because I could make that happen right now - sort of way."

Gut, sei es, wie es sei. Juliet kommt über den Vertrauensbruch von Shawn nicht hinweg und verlangt von ihm, dass sie aus ihrem gemeinsamen Haus auszieht. Während die beiden so zusammen sitzen und ihre Sachen auseinander dividieren, könnte einem fast das Herz brechen. Shawn versucht alles mögliche, um das Unvermeidliche hinaus zu zögern und fängt sogar an, mit Juliet über das Sorgerecht für die Fruit Loops zu verhandeln. Man möchte zu diesem Zeitpunkt Juliet bei den Händen greifen und sie bitten, diesen wundervollen, witzigen und charmanten Kerl nicht einfach ziehen zu lassen, denn ganz ehrlich: was hat er denn getan? Ein bisschen herumgeblödelt und hin und wieder ein bisschen über die Strenge geschlagen. Aber Juliet konnte sich die letzten Jahren stets auf ihn verlassen. Er hat ihr nie Anlass gegeben, daran zu zweifeln, dass er sie wirklich von Herzen liebt. Und auch wenn sie jetzt im Moment wirklich glaubt, dass ihre gesamte Beziehung auf einer Lüge basiert, so ist es doch eigentlich nicht Shawns Fähigkeit gewesen, die sie zusammen gebracht hat.

Ich finde es schön, dass Shawn nicht bereit ist, aufzugeben. Er ist bereit, um seine Liebe zu kämpfen, selbst wenn er sich immer wieder einen Korb einfängt und sie krampfhaft versucht, ihn auf Abstand zu halten.

Ein wenig nervt mich jedoch die Tatsache, dass Juliet sich auf die Suche nach einer Mitbewohnerin begibt. Soweit ich mich erinnern kann, hat sie vor dem Zusammenzug mit Shawn auch alleine in dem großen Haus gewohnt. Wieso sie jetzt unbedingt eine Mitbewohnerin braucht, leuchtet mir einfach nicht ein. Natürlich ist es für die Episode von zentraler Bedeutung, denn der Fall der Woche spinnt sich um Juliets potentiell gefährliche neue Freundin, die ihre Identität stiehlt und am Ende auch noch ihr Leben in Gefahr bringt, weil sie ihren durchgeknallten Ex-Freund im Schlepptau hat. Mit dem Ende des Falls lässt man auch schnell wieder die Idee fallen, Juliet eine ernsthafte neue Freundin zur Seite zu stellen. Stattdessen öffnet man eine kleine Hintertür für Shawn.

"There are a lot of guys that blew it way worse than I did and got to keep their women, like Bill Clinton. From what I understand, even Maria Shriver is starting to thaw a little."

Als Juliet und Shawn am Ende miteinander sprechen, da beginnt sich das Blatt für den smarten Schwindler zu wenden. Juliet hat zum ersten Mal mitbekommen, wie Shawn arbeitet und zwar ohne das ganze übersinnliche Dingens. Sie muss einsehen, dass er ein hervorragender Ermittler ist, der zwar mit unkonventionellen Methoden arbeitet, aber am Ende genau ins Schwarze trifft. Und während Shawn schließlich mit seinem neuen Mitbewohner Woody telefoniert, da blickt Juliet ihm nachdenklich hinterher. Ihr Blick verrät, dass sie Zweifel daran bekommt, dass Shawns "Lüge" tatsächlich so gewichtig ist, dass sie die Beziehung beenden sollte. Man hat das Gefühl, als erkenne sie langsam, dass die ganze Sache vielleicht gar nicht so tragisch ist und Shawn seinen Fehler erkannt hat und wieder gut machen will.

Aber mal ehrlich? Hat Shawn tatsächlich erkannt, was er falsch gemacht hat. Er hat sich noch nicht einmal ernsthaft bei Juliet entschuldigt. Er versteht einfach nicht, was Juliet so sehr verletzt hat und spielt herunter, dass er einen ganz wunden Punkt bei ihr getroffen hat. Und wäre das nicht schon schlimm genug, so reibt er ihr seine Lüge bei ihren gemeinsamen Ermittlungen immer wieder unter die Nase. Jedes Mal, wenn Juliet genervt die Augen verdreht, wünscht man sich, er würde sich umdrehen und den anderen auch endlich gestehen, dass die ganze Sache mit dem Medium absoluter Bockmist ist. Aber dann hat man ja wieder die ungeklärte Fragestellung, was passieren wird, wenn Shawns Lüge vor allen auffliegt – ist dann die Serie zu Ende, weil die gesamte Prämisse der Serie hinfällig ist. Wie sollte man dann erklären, dass Shawn überhaupt noch für die Polizei arbeitet. Nein, das Geheimnis muss wenigstens noch Karen Vick und Carlton Lassiter gegenüber aufrecht gehalten werden, auch wenn es lächerlich ist, denn gerade letzterer hatte Shawn ja noch nie geglaubt, dass er wirklich übersinnliche Fähigkeiten hat.

Was auch ein bisschen komisch wirkt ist die Tatsache, dass Shawn anscheinend keine Möglichkeit hat, irgendwo Unterschlupf zu finden. Er kann nicht zu Gus und will nicht zu seinem Vater zurück, Lassiter hat schon gar keinen Bock ihn bei sich aufzunehmen und eine eigene Wohnung sich zu suchen ist anscheinend erst recht nicht möglich, weiß der Geier warum. Am Ende landet Shawn dann bei Woody, der noch massenhaft Platz in seinem Wohnwagen hat. Auch hier muss man sich einfach vor Augen führen, dass die ganze Sache mit der Wohnungssuche nur dazu dient, um Lacher zu generieren und Kurt Fuller in die Episode zu integrieren. Versteht mich nicht falsch – ich liebe Woody, vor allem in Interaktion mit dem restlichen Cast, doch dass Shawn wirklich nirgendwo unterkommen kann, das ist unrealistisch. Wahrscheinlich ist eher, dass alles darauf hinaus läuft, dass er und Juliet sich innerhalb weniger Episoden wieder versöhnen und er dann zurückzieht zu ihr und den Fruit Loops.

Fazit

Selten gab es bei "Psych" eine Geschichte, die sich über solch lange Strecken gezogen (jetzt schon die dritte Episode!) hat. Es tut der Serie ganz gut, den Fokus auf die Hauptcharaktere zu lenken und anders als in der Episode zuvor gelingt es den Autoren, das Drama möglichst gering zu halten und den Humor wieder in den Vordergrund zu rücken, denn das ist es ja letztendlich, was "Psych" ausmacht. Ich will kein 08/15-Drama, denn das findet sich Zuhauf in anderen Serien. Ich will Leichtigkeit, Witz, Charme, skurrile Ideen, abgedrehte Charaktere und einfach nur Spaß. Also lasst uns alle zusammen hoffen, dass der Spuk bald vorbei ist, Juliet und Shawn wieder zueinander finden und wir endlich wieder das "Psych" sehen können, das wir kennen und lieben gelernt haben.

Melanie Wolff - myFanbase

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