Bewertung: 7

Review: #1.02 Sprechende Waschbären

Erste Zutat: massenhaft Screentime für Bryan Greenberg, zweite Zutat: eine idyllische Kleinstadt in Massachusetts, die Erinnerungen an Stars Hollow oder Tree Hill heraufbeschwört, und in der die Bäume ständig gelbe und rote Blätter tragen, dritte Zutat: allerhand kauzige Einwohner mit verschiedenen mehr oder wenig liebenswürdigen Marotten, vierte Zutat: stimmungsvoller Indie-Oldschool Rock und Pop-Hits. Mit "October Road" scheint uns eine Serie zu erwarten, die genau dem von "Gilmore Girls" und "One Tree Hill" verwöhnten Geschmack entspricht.

You have to expect a blowback

Nick, der sich nunmehr entschieden hat, in seiner Heimatstadt zu bleiben, anstatt in sein Jet-Set-Leben in New York zurück zu kehren, schlägt gegenüber seinen ehemaligen Wegbegleitern, die ein recht geruhsames, einfaches, aber gemütliches Leben gewöhnt sind, nicht selten einen etwas überheblichen Ton an, ohne allerdings jemals unfreundlich oder uncharmant zu sein. Seine Gestik und Mimik wirkt oft großspurig, und er tendiert dazu, den Besserwisser heraushängen zu lassen. Einige seiner alten Freunde sind zu gutherzig, um ihm dies übel zu nehmen, so wie Ikey, der sich von Nick über den Unterschied zwischen Pythagoras und Pegasus belehren lassen muss oder Owen, dem Nick einen gelegentlichen Blick in den Spiegel empfiehlt, um sich klamottentechnisch auf einen Stand zu bringen, der für seine Ehefrau ein wenig ansprechender wäre.

Eddie und Hannah wiederum lassen sich von Nick absolut nicht beeindrucken, weder von der Tatsache, dass er den Ort nicht wieder verlässt, noch davon, dass er einen Job am College von Knights Ridge ergattern konnte. Mit diesem Job wollte Nick Hannah im Handumdrehen dazu bringen, ihm die Wahrheit über Sams Vater zu enthüllen, denn nachdem der Junge ihm von seiner Erdnussallergie erzählt hat, will Nick alles daran setzen, herauszufinden, ob Sam sein Sohn ist. Dabei hat er allerdings nicht damit gerechnet, dass die Einwohner von Knights Ridge gegenüber Außenseitern, wie er nun einer ist, zusammenhalten. Denn Hannah kann die gesamte Gruppe von Kneipenbesuchern dazu bringen, sich selbst als Erdnussallergiker zu outen, egal ob dies der Wahrheit entspricht oder nicht, und Nicks Argumentation damit locker auflaufen zu lassen.

Sam gegenüber geht Nick erstaunlicherweise jegliches Selbstbewusstsein direkt flöten. Der Junge gibt gar nichts auf Nicks Kennenlernversuche, bei denen er versucht, sich als cooler Erwachsener darzustellen. Dadurch wirken Nicks Gesten beinahe nur noch unbeholfen. Dennoch fasst Sam Vertrauen zu Nick und nimmt dessen Angebot an, miteinander Baseball-Bälle zu werfen. Da allerdings Hannah Nick zwischendurch gebeten hatte, vorsichtig mit den Gefühlen des Jungen umzugehen, zieht Nick sein Angebot unmittelbar wieder zurück, als Sam bei ihm vor der Tür steht. Damit verletzt er den Jungen natürlich doch, und das wird es nicht sein, was Hannah von Nick gewollt hatte. Offensichtlich weiß er wirklich nicht, wie man mit Kindern umgeht, sogar sein kleiner Bruder Ronnie bestätigt ihm, dass dieses Verhalten nicht nur eiskalt, sondern "Iglu-kalt" war.

Auch die Dekanin des Dufresne-College lässt sich von Nicks jugendlich-frechem Charme nicht blenden und verweigert ihm ein ums andere Mal den Job, mit dem er bereits großspurig vor Hannah geprahlt hatte. Erst als Nick eine abendliche, völlig entwaffnend mitleiderregende Vorstellung eines Songs aus dem Oliver Twist-Musicals unter ihrem Fenster zum besten gibt, hat sie ein Einsehen und verspricht ihm den Job auf Probezeit, vor allem deshalb, um nicht in Versuchung zu kommen, die Schrotflinte ihres Exmanns herauszuholen, um Nick damit zur Ruhe zu bringen.

If you can't deliver the bacon, bring them the pig!

Mein Lieblingsgespann der Serie bilden eindeutig die Garrettmänner: Nick, Ronnie und ihr Dad. Nach der Beschreibung Ronnies durch seinen Vater im Piloten hätte man einen relativ stumpfsinnigen, verdrogten, gelangweilten Teenager erwarten können, das scheint jedoch nur der ruppige, aber liebgemeinte Umgangston zwischen Vater und Sohn zu sein. So sehen wir in dieser Episode auch eine amüsante Szene, als die Männer sich morgens über den Lärm der läufigen Nachbarskatze beschweren und Ronnie ein Gewehr holt, um sie ruhigzustellen. Der Vater sagt ihm, nur weil er ein Idiot sei, bräuchte er sich nicht wie einer zu verhalten und Ronnie nimmt ihm diesen Spruch überhaupt nicht übel. Überhaupt scheint Ronnie ein herzensguter Junge zu sein, der in allen Dingen das Gute sieht. Er nimmt seinem Bruder nicht übel, dass er zehn Jahre fort war, er ist froh, dass er nun da ist. Auch hilft er Nick bei der Suche nach einem alten Zeugnis, das ihn vor der Dekanin ins rechte Licht rücken soll, und bringt ihn auf die Idee, statt des "Bacons" aka das mittlerweile unleserlich gewordene Zeugnis, doch direkt das ganze "Pig" aka die Lehrerin selbst zu präsentieren. Ich könnte Ronnie permanent knuddeln!

Der Dad wirkt wie ein verschrobener, etwas kauziger Mann im mittleren Alter, der sich manchmal ein wenig weltfremd benimmt. Kein Wunder, dass Sam Nick gegenüber erwähnte, dass man sein Elternhaus als Spukhaus bezeichnet, wenn dort des öfteren Männer auf der Veranda stehen, die dem Zeitungsjungen (Sam) zurufen, er solle stehenbleiben, damit man ihn sich mal anschauen könnte oder Sams Katze zum Tierarzt bringen, um einen näheren Blick auf ihn werfen zu können. Mit diesem wunderlichen Verhalten, mit dem er auch Nicks Zorn auf sich zieht, will er aber im Grunde nur seinem Sohn die Zusicherung überbringen, dass Sam wirklich die Augen der verstorbenen Mutter von Nick und Ronnie hat.

Talking Racoon vs. Singing Coala Bear

Eddie würdigt Nick nach wie vor kaum eines Blickes, was sich allerdings schlagartig ändert, als er eine Chance wittert, es seinem alten Kumpel heimzahlen zu können, indem er sich an Aubrey ranmacht, die er mit Nick auf einer Bank hat sitzen sehen. Es ist wirklich zu schön, Eddie bei der Vorbereitung zu diesem "Angriff" zuzusehen, wie er verschiedene smarte, "studentenwürdige" Klamotten anprobiert, um am Ende doch bei seinem eigenen T-Shirt- und Holzfällerhemd-Look zu bleiben. Zu den Klängen von Thin Lizzys "Ladykiller on the loose" lässt Aubrey sich tatsächlich von seinem Charme erweichen und ist besonders entzückt von seiner Geschichte über den sprechenden Waschbär, der in seiner Scheune wohnt, und den er ihr zeigen will. Er verscherzt es sich bei ihr schlagartig, als sie herausbekommt, dass er sie nur um dieses Date gebeten hat, um Nick eins auszuwischen. Da kann auch sein rauer Charme sie nicht mehr beschwichtigen.

Eddie wird in dieser Folge allerdings etwas anderes klar. Janet ist eine Person, die ihn sehr gut kennt und einschätzen kann. Immer wenn er ein Date hinter sich gebracht hat, erfolgreich oder nicht, nimmt er mit ihr zusammen den letzten Absacker. Die ewigen weiblichen Eroberungen beginnen, ihn zu langweilen, und da fragt er Janet spontan, ob sie sich nicht gerne mal den singenden Koala in seinem Schuppen anschauen möchte. Davon ist er aber auch ebenso überrascht wie sie. Man könnte es nebenbei recht unpassend finden, dass er sie um ein Date bittet, kurz nachdem er bei Aubrey abgeblitzt ist, aber sein entwaffnendes Grinsen, wie das eines Jungen, der entdeckt hat, dass man Drachen steigen lassen kann, gepaart mit seinem leichten Silberblick tragen wunderbar über diese peinliche Situation hinweg.

Fazit

Mich hat die Serie bereits überzeugt! Soviel Screentime für Bryan Greenberg, der mit Kindern schon immer ein gutes Bild abgegeben hat, ist schon Grund genug einzuschalten, aber die Serie verspricht auch charmante Geschichten, ein bisschen Humor, ein bisschen Drama, das Rätsel um Sams Vaterschaft und interessante Charaktere, die im Einzelnen hoffentlich noch etwas mehr Tiefe bekommen werden.

Nicole Oebel - myFanbase

Diese Episode ansehen:


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier oder in unserem Forum mit anderen Fans von "October Road" über die Folge #1.02 Sprechende Waschbären diskutieren.