Bewertung: 7

Review: #3.22 Liebe kann nicht sterben

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Connie Britton & Hayden Panettiere, Nashville
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Zum Staffelfinale packt "Nashville" einmal mehr jede Menge größere und kleinere Cliffhanger aus. Doch können diese überzeugen und die Weichen für wirklich entscheidende Veränderungen in Staffel vier stellen? Eine Bestandsaufnahme.

Die größte Dramatik entstand sicherlich rund um Deacons Operation, insbesondere mit dem Ende der Folge, als Caleb Rayna um ein vertrautes Gespräch aufgrund von Komplikationen bat. Zuvor wurde schon heftig daran gearbeitet, uns Zuschauern ein mulmiges Gefühl mit auf den Weg zu geben, da Deacon Alpträume von seinem eigenen Tod hatte. Ich bekam hingegen Alpträume, als Beverly freudig verkündete, nach der Operation in Nashville bleiben zu wollen. Rayna erging es da offenbar wie mir. Auf noch mehr Gezicke von Beverly in Richtung Rayna kann ich nun wirklich gut verzichten. Ich hatte anfangs ja tatsächlich noch die Hoffnung, dass Beverly mit ihrem Auftauchen doch noch zur Raison gekommen wäre und damit auch ihre Aversion gegen Rayna ad acta gelegt hätte. Weit gefehlt. Der Cliffhanger könnte aber auch mit dem Naheliegenden spielen und uns in die Irre führen wollen, denn schließlich birgt nicht nur die Operation von Deacon ein Risiko, sondern auch der Eingriff bei Beverly. Es besteht also durchaus die Wahrscheinlichkeit, dass die Komplikationen bei Deacons Schwester aufgetreten sind und Caleb zunächst lieber mit Rayna sprechen wollte, bevor er es ist, der Scarlett über ihre Mutter aufklären muss. Das ist zu diesem Zeitpunkt aber reine Spekulation von mir und wir müssen auf die finale Antwort bis zum Herbst warten. Ganz froh bin ich im Übrigen aber über Raynas Entscheidung, Deacons spontanen Hochzeitsplänen nicht nachkommen zu wollen. Das wäre mir an der Stelle einfach zu viel des Guten gewesen und Raynas Worte an Deacon waren am Ende richtig gewählt. Sie glaubt an eine gemeinsame Zukunft und eine Spontanhochzeit hat eben auch etwas von verlorener Hoffnung auf ein Happy End.

Bei Will gab es zwar keinen Cliffhanger im klassischen Sinn, dafür jedoch endlich sein lang ersehntes Outing in der Öffentlichkeit. Da war ich dann auch gern bereit, ihm noch einmal bei dem Versuch zuzusehen, die Wahrheit vor der Presse zu verheimlichen und damit auch Kevin vor den Kopf zu stoßen. Die Anwesenheit seines Vaters spielte da sicher auch eine nicht unerhebliche Rolle. Grundsätzlich muss man den Besuch des Vaters wohl als entscheidenden Auslöser für Wills mutigen Schritt werten. Die Figurenzeichnung des Vaters war mir zwar zu stereotypisch, erfüllte letzten Endes jedoch seinen Zweck. Nun freue ich mich in erster Linie erst einmal mit und für Will, dass er diesen Schritt gegangen ist und nun mit Kevin einen wirklich sympathischen Partner an seiner Seite hat. Gespannt bin ich jetzt aber auch, wie seine Fans das Outing aufnehmen und welche Auswirkungen das auf seine Karriere haben wird. Das wäre in dieser Handlung dann auch der kleine Cliffhanger, der für mich aber ziemlich zweitrangig ist, weil das eigentliche Ereignis in Form des Outings ja bereits stattgefunden hat.

Auch wenn ich zuletzt gebetsmühlenartig meine Kritik an der Handlung von Teddy geäußert habe, muss ich nun tatsächlich zugeben, dass durch die Einbeziehung von Tandy und deren Unterstützung von Raynas Label mit Korruptionsgeldern, doch eine gewisse Brisanz ins Spiel kommt, die nun ihre Schatten auf die kommende Staffel vorauswirft. Die in der finalen Szene nur im Hintergrund verkündete Verhaftung von Teddy im Fernsehen wird womöglich sehr schnell den Fokus auch auf Rayna richten. Dabei hängt es zunächst aber auch davon ab, inwiefern Teddy nicht doch noch gegen Tandy aussagt. Dass er seine Ex-Schwägerin und damit vor allem auch Rayna und seine Töchter aus dem Spiel halten will, halte ich im jedenfalls sehr zu Gute. Damit trägt er zumindest momentan noch die Verantwortung für sein eigenes Fehlverhalten, denn die Erpressung, um an das Geld für Natasha zu kommen, war ja nun wirklich kein Kavaliersdelikt.

Das Gefühl, wieder am Anfang zu stehen, habe ich leider Gottes inzwischen bei Juliette und Avery. Dass sie ein Problem mit ihrer Tochter hat, ist ja unverkennbar und auch wenn sie zumindest für einen Moment selbst vor sich erschrocken ist, als sie mit der Glaskugel um sich warf, so war dies noch nicht der entscheidende Auslöser zur Selbsterkenntnis, dass sie Hilfe benötigt. So hat Avery für mich völlig richtig gehandelt, Cadence aus diesem Umfeld herauszunehmen. Dass Juliette aber auf sein Ultimatum, ihre Beziehung oder ihre Karriere, keine Entscheidung treffen konnte oder diese gerade durch ihr Schweigen doch kundtat, lässt uns nun mit den Scherben einer über einen langen Zeitraum mühsam aufgebauten Beziehung zurück. Es fühlt sich an, als wären wir wieder beim Status quo zu Beginn der Staffel, als Juliette schwanger war und Avery nach ihrem Seitensprung mit Jeff nicht mehr an ihre Liebe glauben konnte. Und wo gerade der Name Jeff fällt: Juliettes Wunsch nach einer Zusammenarbeit mit ihm (hoffentlich nicht das Aus für Glenn), ist für mich eine reine Trotzreaktion, weil Rayna ihren Forderungen nicht nachkommen wollte. Manchmal muss man sich bei ihr wirklich die Frage stellen, ob man es mit einer erwachsenen Frau und nun Mutter oder einem 12-jährigen Teenager zu tun hat. Jeff und Juliette sind auf jeden Fall eine explosive Mischung, die auch Einiges an Drama für Staffel vier verspricht, wenn ich da nur an die möglichen Reaktionen von Rayna oder Layla denke.

Layla bekommt die Abhängigkeit von Jeff leider Gottes auch gar nicht gut. Die Schwankungen in ihrem Verhalten von naiv und dämlich bis hin zu vernünftig und konsequent sind einfach zu groß. Ihren eigenen Weg hat sie immer noch nicht gefunden. Die von Jeff ausgesprochene Kontaktsperre hätte ich mir an ihrer Stelle nicht so einfach gefallen lassen. Und dass der kürzlich von ihr ohne große Überprüfung unterschriebene Vertrag mit Jeff zu dessen Gunsten ausfällt, überrascht mich und wahrscheinlich alle anderen Zuschauer nicht wirklich. Ich frage mich aber inzwischen immer häufiger, ob Jeff mit Layla nur spielt oder ob es nicht doch einfach seine, wenn auch kranke, Art von Liebe zu ihr ist. Laylas Reaktion auf seine angeblichen Verlustängste, als sie mit dem Golfschläger auf sein Auto losging, waren für mich jedenfalls symptomatisch für ihre labile Verfassung. Dass nun mit Juliette auch noch eine weitere Konkurrentin in ihrem Umfeld auftaucht, auf die Jeff vermeintlich mehr Augenmerk in Sachen Management legen wird, gefährdet zumindest ihre eigene Karriere bei Raynas Label. Wie gesagt, hier gibt es jede Menge Konfliktpotential für die neuen Folgen im Herbst.

Einfach nur langweilig ist unterdessen die Situation bei Scarlett und Gunnar. Es ist meines Erachtens doch recht offensichtlich, dass die Autoren die beiden wieder vereinen wollen. Zwei Dinge stören mich an dieser Tatsache besonders. Zum einen habe ich an der Wiederauflage ihrer Beziehung unter den aktuellen Umständen einfach grundsätzlich kein Interesse, weil es sich nur im Kreis dreht. Der Zauber, der die beiden in Staffel eins umgab, fehlt mir außerdem gerade völlig. Zum anderen haben sich die Autoren mit der Rückkehr von Kiley und der Einführung von Caleb auch ein kleines Eigentor geschossen. Gunnar und Kiley haben für mich einfach keine Chemie, da hilft auch die ehemalige Jugendliebe nicht. Und Caleb bleibt weiterhin zu blass, als dass man hier eine ernsthafte Konkurrenz für Gunnar ausmachen könnte. Da hilft auch keine künstlich erschaffenes Drama, indem nun Scarlett angeblich schon bereit dafür ist, bei Caleb einzuziehen. Die Szene auf dem Krankenhausdach am Ende der Folge lässt hier doch recht eindeutig einen anderen Rückschluss auf die weitere Entwicklung zu. Vermutlich wird man die Paarung Scarlett und Gunnar nun aber trotzdem noch eine Weile hinauszögern. Außerdem kann in diesem Zusammenhang auch der Ausgang der Operationen von Deacon und Beverly noch eine wichtige Rolle spielen.

Fazit

Man kann dem Staffelfinale nun wirklich nicht vorwerfen, uns nicht jede Menge Drama, große Gefühle und spannende Cliffhanger geboten zu haben. Das lässt sich rückblickend auch weitgehend für die komplette dritte Staffel sagen, die wirklich Vieles richtig gemacht hat, an vielen Stellen das Erzähltempo angezogen hat und mit mutigen Entscheidungen zu überraschen wusste. Auch wenn ich nicht alle davon, sowohl im Staffelfinale als auch während der kompletten Season, für mich persönlich gutheißen will, fühlte ich mich jedoch durchgehend gut unterhalten. Auffällig war für mich im Finale, dass sich doch recht viele Handlungsstränge rund um Rayna konzentrieren: Deacons Operation, Teddys Verhaftung, der drohende Konflikt mit Jeff in Verbindung mit Juliette und Layla. Da wird wirklich jede Menge Unheil auf sie zukommen. Ich bin aber mindestens genauso gespannt darauf, wie es mit Will weiter gehen wird und freue mich jetzt schon auf den Herbst und mehr von "Nashville".

Jan H. – myFanbase

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