Bewertung: 7

Review: #2.13 Zur falschen Zeit

Foto: Connie Britton & Will Chase, Nashville - Copyright: 2013 Mark Levine
Connie Britton & Will Chase, Nashville
© 2013 Mark Levine

Die neuste Episode ist wieder einmal dermaßen vollgepackt, dass ich mir eine Konzentration auf ausgewählte Handlungsstränge gewünscht hätte. Die Geschichten um Juliette nahmen ohnehin schon einen sehr großen Platz ein. Dazu hätte eine noch intensivere Auseinandersetzung mit den recht unerwarteten Paarungen, die ähnliche Thematiken mit unterschiedlichen Herangehensweisen behandelten, zu einem noch runderen Charakterbild führen können. So kamen zwei weitere Handlungsstränge doch ziemlich kurz und fühlten sich zumindest in einem Fall einmal mehr einfach nur überflüssig an.

"You’re the closest thing I’ve got to family."

Mit diesen Worten, gerichtet an ihren langjährigen Weggefährten Glenn, kann Juliette bei ihrem Auftritt im Rahmen der Grand Ole Opry deutlich bei mir punkten. Die Anerkennung und der gezollte Respekt gegenüber Glenn waren einfach längst überfällig. Ich will Juliette gar nicht unterstellen, dass ihr das bislang nicht bewusst war. Es ist jedoch das erste Mal, dass sie dies mit Worten gegenüber Glenn zum Ausdruck bringt. Dass sie ihn dabei als Familie in der ihr eigenen Definition bezeichnet, ist dabei die größte Auszeichnung. Denn allen Demütigungen und Missfallensäußerungen zum Trotz harrte er, bis auf den kurzfristigen (Vertrauens-)Bruch in Staffel eins, immer bei ihr aus und füllte mit einer Art Elternrolle die Lücke, die Jolene bereits in Juliettes Kindheit hinterlassen hatte. Insgeheim hat Glenn sich damit und vor allem auch mit seinen oft sarkastischen Kommentaren einen kleinen Favoritenstatus unter den Nebencharakteren bei mir erarbeitet.

"I’ll see you at the end of the unemployment line."

Die Konfrontation von Juliette und Jeff bot gleich ein weiteres Highlight der Folge. Nach allem was wir bislang von Jeff gesehen haben, verwundert seine Forderung nach einer öffentlichen Entschuldigung von Juliette nicht wirklich. Aber Juliette wäre auch nicht Juliette, wenn sie seiner Anweisung klaglos gefolgt wäre. Nach den Demütigungen der letzten Zeit schien Juliette fast gebrochen zu sein, doch das Gespräch mit einem der großen der gegenwärtigen Country Music, Brad Paisley, besinnt sie sich eines Besseren, nämlich auf sich. Witzig, dass Brad Paisley, im wahren Leben der Ehemann von Kimberly Williams-Paisley alias Peggy Kenter, ausgerechnet jetzt eine Gastrolle spielte, wo Peggy doch gerade erst das Zeitliche segnete. Auf jeden Fall ein erneuter Coup der Serienmacher, einen Star dieses Kalibers verpflichten zu können. Aber zurück zu Juliette und Jeff. Nicht nur mit ihren Worten, vielmehr noch mit dem darauffolgenden Song bekommt Jeff eine Antwort, die sich gewaschen hat und die Kämpferin in Juliette wieder hervorholt. "Don't Put Dirt On My Grave Just Yet", der Songtitel steht quasi für sich selbst und im übertragenen Sinn ist es eine Kampfansage an alle Kritiker nach dem Motto "was mich nicht umbringt, macht mich nur noch stärker". Jeffs darauffolgende Kündigung an Juliette mag da kaum noch überraschen, wobei diese wohl auch nicht ganz frei von einem angegriffenen Ego ist. Doch den Triumph hat Juliette wohl auf ihrer Seite. Sie scheint sich mit dieser wieder gewonnenen Freiheit deutlich besser arrangieren zu können als Jeff vermutet hat. Zumal Juliette auch nicht Unrecht hat, als sie ihm vor Augen führt, dass er oder vielmehr das Label innerhalb kurzer Zeit damit nicht nur Rayna, sondern nun auch sie als großen Künstler verloren hat. Da konnte ich mir ein Lachen auch nicht mehr verkneifen, als sie ihn mit den Worten stehen lässt, sie würden sich in der Schlange der Arbeitslosen wieder treffen. Bravo Juliette! Interessant ist auch, wie sich inzwischen doch die Serienprämisse hinsichtlich der Rivalität von Rayna und Juliette verändert hat. Rayna spricht ihrer einstigen Rivalin sogar ein Lob für ihren Auftritt und ihren Kampfgeist aus. Wer hätte das noch zu Beginn der Serie erwartet?

"It’s not fun being Juliette Barnes anymore."

Während Juliette also dieses Gefecht noch gewonnen hat, verspürt sie aber doch auch eine gewisse Müdigkeit. Sie ist es leid, die "alte" Juliette zu sein oder vielmehr sein zu müssen. Ihre Prioritäten haben sich verschoben und sie muss es auch niemanden mehr beweisen, solange sie selbst den Glauben an sich selbst nicht verliert. Ich bin wirklich gespannt, welche Juliette wir in Zukunft erleben werden. Braucht sie einfach nur eine Pause vom Musikbusiness, blüht sie jetzt erst richtig auf oder wird sie in ein tiefes Loch fallen? Zunächst einmal scheint sie aber ihre häusliche Ader gefunden zu haben. Sie kocht für Avery, der vielleicht besser daran tut, hier nicht den Vorkoster zu spielen. So skeptisch ich anfangs auch einer Beziehung von Juliette und Avery gegenüber stand, so überrascht bin ich inzwischen davon, dass dies bislang ganz wunderbar funktioniert. Es fühlt sich tatsächlich richtig an.

Lehrer und Schüler

Aber auch abseits der Juliette-Storyline tut sich Einiges. Allen voran kommt es hier zu zwei recht ungewöhnlichen Paarungen, die eine parallele Handlung durchlaufen. Auf der einen Seite erleben wir Scarlett im Zusammenspiel mit einem weiteren Gastauftritt von Liam, während es Gunnar überraschend mit Layla zu tun bekommt.

Mit Scarlett und Liam prallen zunächst einmal zwei Welten aufeinander. Die häufig von Selbstzweifeln geplagte und schüchterne Songwriterin, die plötzlich auf der großen Bühne steht und der selbstsichere, durchaus auch selbstverliebte Musikproduzent könnten unterschiedlicher nicht sein. Das verspricht per se schon mal eine interessante Konstellation. Ein wenig erinnert das natürlich auch an das erste Aufeinandertreffen von Scarletts Mentorin Rayna mit Liam. Rayna war zwar mit mehr Selbstbewusstsein ausgestattet, aber Liam hatte noch deutlich größere Vorbehalte in Sachen Country Music. Aber bei Liam zeigt sich einmal mehr sein Talent, wenn nicht sogar eine für ihn persönliche Herausforderung, indem es ihm auch bei Scarlett gelingt, ins Innerste seines Schützlings vorzudringen und dadurch die wahre Persönlichkeit ans Licht zu bringen, was sich vor allem positiv auf das Songwriting niederschlägt. Liams Methoden bleiben dabei unkonventionell und es lässt sich natürlich darüber streiten, ob er das Recht dazu hatte, persönliche Dinge aus Scarletts Tagebuch zu entnehmen. Aber grundsätzlich geht es ihm dabei ja auch gar nicht darum, persönliche Geheimnisse an die Öffentlichkeit zu bringen, als vielmehr die Person Scarlett, ihr wahres Ich, kennen zu lernen. Das führte auf jeden Fall zu sehr unterhaltsamen Szenen, in denen Michiel Huisman wieder einmal sein ganzes Können aufzeigen konnte. Ich bin wirklich über jeden Gastauftritt von ihm dankbar. Weniger gut ist jedoch die am Folgenende angedeutete Entwicklung einer möglichen Tablettensucht bei Scarlett. Sie mag ja einsam und mit ihrer Situation überfordert sein, aber allein schon von ihrer Charakteranlage her, dürfte gerade bei ihr doch eigentlich die Vernunft walten. Ich kann solchen Geschichten in Serien einfach nichts abgewinnen. Hoffentlich bekommen die Autoren da schnell die Kurve.

In der Parallelhandlung schlüpft Gunnar in die Rolle von Liam, indem er zum Lehrer für Layla werden soll. Ausgerechnet Layla, die Sängerin aus der künstlichen Retorte der Castingshows, will nun eigene Songs schreiben und wendet sich dafür hilfesuchend an Gunnar. Der ist ja nun grundsätzlich keine schlechte Adresse und Gunnar gibt prinzipiell in dieser Funktion auch keine schlechte Figur ab. Im Grunde genommen gibt er Layla die gleichen Ratschläge, die Scarlett von Liam erhalten hat, wenn auch anders vorgetragen. Die besten Songs kommen aus dem eigenen Ich, wenn etwas Persönliches verarbeitet wird, ein Thema, das einen selbst intensiv beschäftigt. Doch hier blockt Layla alles ab. Eine vielversprechende Ausgangsposition, die der bislang sehr oberflächlich als karrieregeile Bitch präsentierten Layla endlich ein ausgewogeneres Profil in Richtung einer Juliette Barnes verleihen könnte. Dagegen war ich von der Auflösung, dem Blick hinter ihre Fassade, dann doch eher enttäuscht. Sie ist also unglücklich, weil Sie ihr gesamtes Leben auf Geheiß ihrer Eltern führen musste, die sie zum Erfolg drängten. Zugegeben, in der Welt des Showbusiness ist das sicher ein vorkommendes Thema. Dennoch war mir das als Motiv jetzt einfach zu platt. Mal davon abgesehen, ist das jetzt auch keine Enthüllung oder besondere Eigenschaft, die mir diese Serienfigur sympathischer machen würde. Interessant war in diesem Zusammenhang aber noch Laylas Gespräch mit Will, dem sie unterstellte, er könne im Gegensatz zu ihr ein Leben führen, wie er es sich wünscht. Wie unrecht sie dabei doch nichtsahnend hat. Eine weitere Parallele zum Duo Scarlett und Liam hatte dann noch Gunnars Tipp an Layla, sie solle doch ein Tagebuch führen, um dies als Basis für Ihr Songwriting zu nutzen.

Paarung Nummer drei

Revidieren muss ich zunächst einmal meine Meinung was Luke und seine Unterstützung für Raynas Unabhängigkeit von Edgehill Records anbelangt. Ich war bislang nicht davon überzeugt, dass er völlig hinter Raynas Alleingang steht. Doch mit seiner NASCAR Werbeaktion und dem vermittelten Kontakt zu einem einflussreichen Handelsunternehmer hat er nun eindeutig das Gegenteil bewiesen. Das macht ihn mir auf jeden Fall schon sympathischer, auch wenn ihm noch ein wenig das eigenständige Profil mit mehr Tiefe fehlt. Dafür hat Luke meines Erachtens mit der NASCAR Klientel ziemlich ins Schwarze getroffen. Schließlich ist das ein amerikanischer Motorsport, der ebenso traditionell wie die Country Music vor allem in Süden der USA verwurzelt ist. Um das ganze etwas authentischer wirken zu lassen, haben die Autoren mit dem NASCAR-Piloten Austin Dillon auch gleich noch einen echten Champion der Nationwide Series 2013 zu einem Gastauftritt verholfen. Doch der Werbeauftritt für Rayna droht zu verpuffen, weil Jeff bereits daran arbeitet, die Regalflächen im Handel für ihre Albumveröffentlichung zu boykottieren. Das stellt Rayna vor ein großes Dilemma. Soll sie zugunsten ihres eigenen Erfolgs und ihrer eigenen Karriere das Angebot annehmen, Juliettes Album-Plätze im Handel einzunehmen? Oder soll sie ihre einstige Intim-Feindin vor diesem Affront bewahren und zugleich auch ihre Tochter Maddie zufrieden stellen, der Juliette einst eine große Hilfe war und inzwischen eine Freundin geworden ist? Es spricht zwar für Rayna und ihren Charakter, dass sie sich für Letzteres und damit ihr Gewissen entscheidet. Dennoch droht hier natürlich eine große Gefahr für ihren beruflichen Erfolg. Als selbständige Geschäftsfrau muss man vielleicht auch einmal unpopuläre Entscheidungen treffen. Schlägt Raynas Album nicht ein, steht sie möglicherweise vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens.

Und dann war da noch…

Etwas undurchsichtig wird inzwischen Tandys Rolle oder vielmehr ihr Rückzug in die Isolation eines Motelzimmers. Ihren ursprünglichen Plan, als Kronzeugin gegen ihren Vater auszusagen, hat sie wohl in einer Mischung aus Angst vor oder eben auch um Lamar über den Haufen geworfen und flüchtet vor dem FBI. Das war mir dann doch etwas zu konstruiert. Genau wie die Offenbarung, dass die Beweise gegen Lamar vor Gericht nicht verwendbar sind, weil Tandy bereits nicht mehr für Lamar arbeitete, als sie in deren Besitz gelangte. Warum das dem FBI bei seinen Befragungen nicht früher aufgefallen war, ist mir schleierhaft. Im Prinzip ist es mir aber auch total egal. Der Handlungsstrang ist eigentlich total überflüssig und hat allenfalls noch etwas Potential in sich, weil Rayna noch immer nicht über Tandys Verrat von Lamar Bescheid weiß. Hier sehe ich durchaus noch Gewitterwolken über den beiden Schwestern aufziehen, was natürlich auch Auswirkungen auf ihre Zusammenarbeit bei "Highway 65" haben könnte. Dass Teddy nach wie vor auf einem Kreuzzug gegen Lamar aufgrund des Todes von Peggy ist, macht dieses Kapitel auch nicht spannender. Immerhin ist er aber auf der richtigen Spur was Tandy angeht. Ob er seine Ex-Schwägerin wohl bei Rayna anschwärzen wird?

Fazit

Ein erneut starker Auftritt von Juliette und die sehr schön umgesetzte Idee mit den parallelen Handlungsverläufen der Paarungen aus Scarlett und Liam sowie Gunnar und Layla dominierten die Folge und hinterließen einen positiven Gesamteindruck. Der konnte durch die Story um Tandy und Teddy nur geringfügig getrübt werden. Rayna könnte mit ihrer Rücksichtnahme auf Juliette und Maddie einen großen Fehler hinsichtlich ihres Labels begangen haben, während sie sich aber der Unterstützung von Luke nun endgültig sicher sein kann.

Jan H. – myfanbase

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Diskussion zu dieser Episode

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