Bewertung: 8

Review: #1.01 Schall und Rauch

Foto: John Slattery & Jon Hamm, Mad Men - Copyright: Craig Blankenhorn/AMC
John Slattery & Jon Hamm, Mad Men
© Craig Blankenhorn/AMC

Willkommen in der Welt der Mad Men, der Werbeschaffenden der Madison Avenue in den 1960er Jahren. Es ist eine Welt, wie wir sie uns heute nicht mehr vorstellen können; ein Gesellschaftsporträt des viktorianischen Englands, an welches mich "Mad Men" doch mehr als einmal erinnert hat, das mir nicht fremder sein könnte. Die Frauen sind entweder Hausfrauen, leben in den Vororten und haben keine Ahnung vom Leben ihrer Männer, oder sie sind die Sekretärinnen dieser Männer, und, wie es hier zumindest wirkt, in stetiger Bereitschaft, falls einer der Herren Lust auf mehr hat. So wird die neue Sekretärin erst einmal zum Gynäkologen zwecks Verschreibens der Pille geschickt. Der belehrt sie dann noch in schönster Doppelmoral: Sie solle doch aber bitte bedenken das "solche" Mädchen kein Material zum Heiraten sind.

Ein weiteres Merkmal der 60er Jahre was uns "Mad Men" nahe bringt, ist der unverhohlene Rassismus, der offen gegenüber Schwarzen, aber auch Juden zu Tage getragen wird. Ich habe zwar die Befürchtung, dass diesbezüglich sich die Gedanken bei einigen noch nicht so stark verändert haben, aber diese freizügigen, markanten Sprüche bekommt man heute doch so nicht mehr zu hören. "Most Jewish guys work for the Jewish firms. Selling Jewish products to Jewish people".

I love smoking. My wife hates it. Readers Digest says it will kill you. Ladies love their magazines.

Die Eigenschaft der 60er Jahre, mit der der Zuschauer aber am Meisten konfrontiert wird, ist das ständige, allgegenwärtige Rauchen. Es wird geraucht beim Essen, im Bett, im Büro, sogar der Gynäkologe legt die Zigarette nur einmal kurz weg, als er die Untersuchung durchführt, um direkt danach einen tiefen Zug zu nehmen, einfach gesagt, immer.

Passend dazu, ist das Hauptthema dieser ersten Folge, dass die Agentur Sterling Cooper, die im Mittelpunkt von "Mad Men" steht, versucht, mit den Folgen eines Artikels umzugehen, der dieser Lebensweise ein Ende setzt. Es geht darum, dass Rauchen tödlich ist, und wie die Werbung mit dieser Aussage klarkommen soll. Ich persönlich hatte meinen Spass dabei zuzusehen, wie Don Draper versucht das Dilemma zu lösen. Ein Highlight war für mich das Meeting mit den Lucky-Strike-Verantwortlichen, in dem sich erst Hilflosigkeit breit macht, welche Don dann aber doch in letzter Sekunde mit einer Idee aus dem Stehgreif zerschlagen kann. Der Zynismus und die Skrupellosigkeit, die hier, sowohl von den Werbeleuten, als auch den Tabakherstellern, an den Tag gelegt wird, sind aus heutiger Sicht sehr unterhaltend, wenn auch erschreckend.

What you call love was invented by guys like me to sell nylons.

Kommen wir also zum Hauptcharakter der Serie, zu Don Draper, der ein Händchen für die Menschen hat, sei es beruflich oder privat. Wenn er will, wickelt er alle mit seinem Charme und seiner Überzeugungskraft um den kleinen Finger. Liest man das jetzt, könnte man vermuten er wäre eine Frohnatur, aber das Gegenteil ist der Fall. Wir sehen ihn in dieser Folge im ständigen Wechselspiel zwischen einer tiefen Melancholie und einem äußeren Erscheinungsbild, das vor Lebensfreude und unverhohlener Arroganz strotzt. Dieser Mann ist voller Widersprüche, einerseits weist er Pete Campbell sofort in die Schranken, als der Peggy, die neue Sekretärin, an ihrem ersten Arbeitstag in bester Machomanier anbaggert, andererseits wird er selbst aufs Übelste ausfällig gegen die jüdische Klientin, die ihn und seine Kollegen herausfordert, sie doch bitte genau so zu behandeln, wie all die anderen männlichen, nicht-jüdischen Kunden.

Und wir sehen ihn gleich mit drei verschiedenen Frauen in einer Episode. Anfangs mit seiner Geliebten Midge, die nach dem Motto "I don't make plans. And I don't make breakfast" lebt. Später dann mit Rachel Menken, der jüdischen Klientin, die er nach seinem Ausfall im Büro zu einem Drink einlädt, um sie wieder von sich und somit auch von Sterling Cooper zu überzeugen, was ihm auch beeindruckend gelingt. Und ganz am Ende können wir noch einen Blick erhaschen auf den Ehemann und Vater Don Draper. Wer dieser Mann ist und was er wirklich denkt, kann man von ihm aber nicht erahnen. Für mich macht dieses Geheimnis, diese Undurchdringlichkeit, die Don Draper umgibt, einen großen Reiz aus bei der Serie am Ball zu bleiben, und somit mehr über ihn zu erfahren.

He may act like he wants a secretary, but most of the time they're looking for something between a mother and a waitress. And the rest of time, well...

Die zweite Protagonistin, die wir in der ersten Folge etwas näher kennen lernen, ist Peggy Olson. Sie beginnt gerade ihre Arbeitsstelle als Don Drapers neue Sekretärin und wird von Joan Holloway, der Chefsekretärin, ins Büro eingeführt. Dabei bekommt Peggy, und mit ihr der Zuschauer, einen ersten Eindruck, wie die Welt bei Sterling Cooper, aber auch im Allgemeinen, funktioniert. Peggy ist mir von Anfang an sympathisch, und ich bin gespannt, wie sie ihren Weg im neuen Job gehen wird. Regelrecht schockiert war ich aber vom Ende der Episode, als Pete Campbell, der junge Kundenbetreuer, der gerade von seinem eigenen Junggesellenabschied kommt, bei Peggy zu Hause auftaucht, und sie sich auf ihn einlässt. Damit hätte ich kein Stück gerechnet, hat er sich ihr gegenüber doch vorher äußerst flegelhaft verhalten.

Pete Campbell ist auch der Mann, der mir bisher noch am unsympathischsten ist, sowohl im Umgang mit seinen kumpelhaften Kollegen, als auch mit seinem Vorgesetzten Don Draper. Aber mal schauen, wie sich sein Charakter so in den nächsten Folgen entwickeln wird.

Fazit

Die erste Folge von "Mad Men" hat mich vollkommen überzeugt. Beginnend bei einer sehr guten, realistisch wirkenden Ausstattung, über ein interessantes Thema, bis hin zu überzeugenden Darstellern in vielschichtigen Rollen, wurde einem hier alles geboten. Oftmals wird das langsame Erzähltempo der Serie kritisiert, da ich aber ein großer Fan von sorgfältig erzählten Storylines bin, habe ich daran nichts auszusetzen. 8 von 9 Punkten.

Cindy Scholz - myFanbase

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