Bewertung

Review: #1.04 Die Mauern von Jericho

Eine sehr interessante Folge, die endlich mehr über den mysteriösen Robert Hawkins offenbarte. Weiter so. Dazu haben viele Menschen nach vier Tagen immer noch nicht begriffen, in was für einer Lage sie sich befinden. Dass es allein ums Überleben geht und dass man sich gegenseitig helfen muss, allen voran Skylar Stevens. Das Verhalten vieler Bürger in Jericho erschreckt einen dermaßen.

Wer ist Victor Miller?

An Victor Miller, einem schwer verstrahlten Mann, den Jake in der Apotheke findet, wird deutlich, was für Ausmaße die Angriffe und dieser Regen auf die Menschheit hatten. Ausgerechnet die beiden Sheriffs weigern sich, ihn anzufassen. Beide machen sich vor Angst bald in die Hose, vor allem Bill Kohler will sich die Hände nicht schmutzig machen. Bill lernt man in #1.04 Die Mauern von Jericho näher kennen, aber er ging mir derartig auf den Keks, da er mich an Gray Anderson erinnerte. Sympathiepunkte hat er nicht gerade gewonnen.

Miller wird von allen wie eine Attraktion angestarrt. Bonnies Angst und Verhalten fällt einem schon sehr auf, da sie sich immer noch große Sorgen um Stanley macht, da dieser in #1.02 Fallout in diesen Regen kam. Stan könnte genauso wie Miller aussehen. Sie vermutet das Schlimmste und in dieser Folge wird klar, dass sie großes Vertrauen zu Jake hat, da sie ihn bittet, auf Stan aufzupassen.

Als der Generator ausfällt, liegt Millers Leben in Gails Händen, so wollte es April. Sie wollte sich um das Baby kümmern, dabei beatmete es später die Mutter des Babys und nicht April. Man sah Gail buchstäblich die Angst an, dass sie sich möglicherweise von Miller anstecken könnte. Zu April muss ich sagen: Dem Baby ging's gut, es wurde nie erwähnt, dass es eine schlimme Krankheit hat. Ich glaube, es ist ein Frühchen - okay, die Situation kenne ich, da ich auch eines bin, aber das hätte Gail auch hinbekommen, da sie sich anfangs auch um das Baby gekümmert hat. Ein Strahlenkranker geht eindeutig vor. Es fiel schon sehr auf, dass sich April zu sehr und immer wieder um das Baby kümmerte. Ich kann es sehen, wie ich es auch will, aber für mich ist jeder Mensch gleich viel wert.

Bill Kohler findet Cheps Wagen und erwähnt, dass Victor Millers Ausweis im Wagen lag, worauf Robert Hawkins aufhorcht. Bei dem wundert mich echt nichts mehr. Es kam mir gleich so vor, als ob er Miller kenne, er es aber natürlich nicht vor den Sheriffs zugibt. Später im Krankenhaus bestätigt sich schließlich meine Vermutung. Tja seine Ansichten kommen mir seit Beginn der Serie vor, als ob er über die Angriffe etwas weiß. Ich meine, dass Miller sterben wird, damit hat er vermutlich Recht, da er schwer verstrahlt ist. Aber mich wunderte es doch stark, dass Jake, Eric, Jimmy und Bill auf folgendes nichts sagten:

Hawkins: "Er wird sowieso sterben, aber er könnte ein paar Leuten noch das Leben retten."

Die "Befragung" fand ich echt rücksichtslos. Vielleicht war sie nötig, eventuell nicht. Ich ziehe letzteres vor. Als Jake Miller das Adrenalin spritzt, bestätigte sich ein zweites Mal meine Annahme, dass Hawkins Miller kennt. Miller sieht man die Angst vor Robert Hawkins richtig an, doch dieser lässt sich nichts anmerken, da Jake mit im Raum ist, den er unter einen geschickten Vorwand schnell wieder loswird. Doch dann ging die Befragung ja erst richtig los. Wie Hawkins sich Miller zu Brust nahm! Das war echt nicht mit anzusehen. Endlich - in diesem Fall leider - offenbart Robert Hawkins sein wahres Gesicht.

Hawkins: "Warum bist du zurück nach Denver gegangen?"

Miller: "Ich konnte sie doch nicht sterben lassen."

Hawkins: "Das war ein Fehler, weil wir jetzt einen Mann weniger haben…"

Miller: "Nein, niemand hat die Seiten gewechselt. Jemand hier ist ein Verräter."

Hawkins: "Weißt du auch wer? Los sag mir, wer es ist!"

Miller: "Du kennst…"

Irgendwie konnte man es ja ahnen, dass Miller nach diesem Verhör stirbt und das Timing von Jake war echt "klasse". Gerade als Miller stirbt, kommt er wieder in das Krankenzimmer. Jetzt frage ich mich allerdings, wer der Verräter ist. Miller hatte Angst vor Hawkins und was für eine. Ist Hawkins der Verräter? Aber warum sagte Miller zu ihm, dass Hawkins den Verräter kennt? Oder Jake? Er ist genauso geheimnisvoll wie Hawkins, doch Victor kannte ihn nicht und hatte auch keine Angst vor ihm. Vielleicht ist es sogar jemand, von dem wir es gar nicht erwarten, aber ihn bereits kennen, da Miller meinte jemand hier… sei der Verräter. Also ich komme zu keinem Schluss. Ja möglicherweise ist es auch jemand, den wir noch gar nicht kennen. Alles ist denkbar.

Eric und das ewige Hin und Her

Eric kommt mir sehr missliebig herüber, was vor allem an seinen Entscheidungen liegt. Er will Millers Leben opfern, damit das Baby in der Klinik überlebt. Auf einer Seite kann ich ihn in der Situation verstehen, dann wiederum nicht. Muss man nicht erst alles versuchen, ehe man den Kopf in den Sand steckt? Das tut er meiner Meinung nach sehr oft. Jake tut das Gegenteil, er sorgt dafür, dass Miller wenigstens noch einen Tag beatmet wird und kümmert sich gemeinsam mit Heather und Stan um den Generator. Die Aussage von Miller Sie werden kommen. macht es für alle nicht einfacher, vor allem Bill fängt an zig Eventualitäten vorzugaukeln.

Ziemlich dumm stand Eric ebenfalls da, als er April glücklich von seinem beschafften Benzin berichtet, dabei hatte Jake längst die Situation gerettet. Langsam stelle ich nicht nur Erics Entscheidungen in Frage, sondern auch seine Loyalität seinem Bruder gegenüber. Er sah nicht gerade begeistert aus, als er realisierte, dass Jake längst Benzin besorgt hatte. Doch warum macht er noch so viel Wind um seine Ehe und bemüht sich um sie, da kriselt es eh? Er lügt sich doch selber an. April ist doch nicht doof, die hat längst gemerkt, dass er sich von ihr distanziert. Und sein Gehabe, dass alles gut sei in seiner Ehe, finde ich langsam nervend und überfällig. Er soll endlich reinen Tisch machen, das ist besser für alle Beteiligten: April, Mary und auch ihn.

Arme, reiche Skylar Stevens

Muss ich Skylar Stevens verstehen oder sogar mögen? Genau! Nein. Also echt, ich weiß wirklich nicht, was in ihrem Hirn abgeht. Wahrscheinlich nicht viel… Will ich ehrlich gesagt auch gar nicht wissen. Sie bietet Allison für die letzte Tüte Chips aus Gracies Laden $ 20 und aus Dank darf Allison zu ihrer Party kommen. Das sagt wohl alles aus. Und dieses Hin und Her mit Dale, nur weil sie sich vor ihren reichen Freunden schämt - es nervt auf die Dauer. Sie kann doch einfach zu ihm stehen. Des Weiteren kapiere ich nicht, wie man in einem Ausnahmezustand eine Party geben kann! Für mich ist Skylar bisher einfach nur dumm. Von ihrer Trauer um ihre Mutter ist gar keine Spur mehr da.

Dale: "Warum benimmst du dich so, wenn andere dabei sind?"

Doch auf diese Frage konnte sie ihm keine akzeptable Antwort geben und schickte ihn lieber zum Teufel, was ja nichts Neues ist. Der Höhepunkt war allerdings, dass sie null Ahnung von dem Ausmaß der Angriffe hat und sich einen feuchten Kehricht um ihre Mitmenschen kümmert, als Hawkins und Jimmy Taylor bei ihr auftauchen und ihre Party beenden, weil sie zuviel Strom verbraucht. Dale ist natürlich enttäuscht und geht zurück in Gracies Laden, die ihn tröstet.

Gracie: "Du bist zehnmal so viel wert wie sie!"

Dale: "Sie ist kein schlechter Mensch."

Gracie: "Die sind anders als wir."

Sowohl Gracie als auch Dale haben mit ihren Aussagen Recht. Gracie trifft den Nagel sogar auf den Kopf und zehnmal ist noch untertrieben, aber Dale hat mit seiner Aussage ebenfalls Recht. Wenn beide, also Skylar und Dale, alleine zusammen sind, dann verhält sich Skylar so was von normal und keine Armut und kein Reichtum stehen zwischen ihnen. Sicher hat er das Verhalten von ihr seit langem durchschaut, was es für ihn als Außenseiter aber nicht einfacher macht. Ich persönlich bin froh, dass er in solchen deprimierenden Augenblicken Gracie an seiner Seite hat und nicht alleine ist.

"Du bist ein guter Mensch"

Als Stan, Heather und Jake das besorgte Benzin abfüllen wollen, war es zwar eine sehr kritische Situation, dafür sorgte schon Heather mit ihrer Panikmache, doch als Stan trotz der Gefahr einfach den Deckel vom Tank entfernte und trocken zu den anderen beiden sagte: Das war dumm, was? - Da sorgten die Bemerkung und Gesichter von allen schon für Lacher.

Jake bittet in Marys Bar um Hilfe, die verletzten Leute aufzusuchen, von denen Miller sprach, doch alle schalteten anfangs auf taube Ohren. Keiner will mit der Sache etwas zu tun haben und kümmern sich lieber um sich selbst, wie ich das hasse. Seine Wut darüber ist deshalb gut zu verstehen. Hey, das sind alles Nachbarn und in der Not sollten sie eigentlich zusammenhalten und helfen. Sollten! Es dauerte echt eine Weile, bis der Groschen bei einigen viel nach Jakes wutentbrannter Rede. Mary und Emily sind schließlich die ersten, die ihre Hilfe anbieten und auf einmal geht fast ganz Jericho mit. Was Worte doch oft anrichten können? Also, ich bin schon leicht ausgeflippt, als sich am Anfang jeder auf stur stellte und jemand tatsächlich zurückfragte: Was geht uns das an?

Bei einer Szene fiel mir dann bald die Kinnlade runter. Nicht nur Jake war über Emilys Ansicht verblufft und musste im Nachhinein lächeln, sondern auch ich. Es war zwar mal wieder eine Folge, in der sie nicht so oft auftauchte, aber wenn, dann widersprach sie sich in allem, was bisher geschah. Bisher wünschte sie Jake zum Teufel und auf einmal diese nette Geste von ihr. Ich hoffe, sie hat eingesehen, dass Jake sich geändert hat und sie sich in ihm getäuscht hat.

Emily: "Du bist ein guter Mensch. Du hilfst Leuten, die du nicht mal kennst."

"Es geht um unsere Menschlichkeit"

Johnston Green hält in der Kirche für die unbekannten Toten, die sie fanden, eine bewegende Rede. Für Unbekannte, die keiner kannte und die Kirche war proppenvoll. So was ist nicht selbstverständlich. Green bewies mit seiner Rede sehr viel Menschlichkeit, die sich hinter seiner Dickköpfigkeit die meiste Zeit versteckt.

Green: "Die einen geliebten Menschen verloren haben, mögen bitte aufstehen. Und wer einen geliebten Menschen vermisst, sollte bitte auch aufstehen. […] In dem Kampf, den wir vor uns haben, geht es nicht nur ums Überleben, es geht um unsere Menschlichkeit."

Es erschreckte mich allerdings, dass bei seinen Worten sämtliche Kirchenbesucher aufstanden. Selbst die beiden Sheriffs, über die ich nicht viel weiß, nur über Jimmys Familie, die im #1.01 Pilot vorgestellt wurde. Bei den meisten Leuten konnte ich den Verlust einordnen, wie bei Dale, Emily, der Familie Green oder den Richmond-Geschwister. Zum ersten Mal erschien sogar die Familie Hawkins gemeinsam in der Öffentlichkeit und auch diese stand auf. In der Kirche wurde einem so richtig klar, jede Person dort erzählt gewissermaßen eine Geschichte…

Familie wider Willen

In dieser Folge studiert Hawkins mit seiner Familie eine Geschichte ein, was ich mittlerweile abartig von ihm halte. Zum ersten Mal sieht man auch seine Kinder Allison und Samuel, wobei mir sofort Allisons Hass gegenüber ihrem Vater auffällt. Darcy, seine Frau, hat sich wohl mit allem abgefunden. Im Vergleich zu den ersten Episoden tut sie das, was ihr Mann will, als ob sie genauso mysteriös wäre wie er. Vielleicht ist sie es auch, doch ich bezweifle es. Für mich sieht das alles schon wie Terror in der eigenen Familie aus - nur irgendwie ohne Ausweg. Die einzige, die es schafft, Hawkins Konter zu geben, ist seine eigene Tochter.

Allison begeht natürlich absichtlich Regelverstöße und geht auf die Party von Skylar. Hawkins will seiner Tochter begreiflich machen, dass sie die gesamte Familie in Gefahr gebracht hat, weil sie auf der Party war. Doch meiner Meinung nach sagt Allison jetzt, auch wenn sie eingeschüchtert scheint, zu allem Ja und Amen, damit sie ihre Ruhe vor ihrem Vater hat und da kriegen sie die Drohungen von ihm auch nicht klein. Ich halte Allison gegenwärtig für die Person in der Familie - von Robert abgesehen -, die den stärksten Willen hat, da sie die Regeln ihres Vaters bricht und mit ihm anfängt zu streiten, ganz im Gegenteil zu Darcy.

Die Folgen schließen immer mit Hawkins ab, die Familie macht mich mit ihren Geheimnissen fertig. Langsam glaube ich bei Hawkins an einer Verschwörung oder so was annäherndes. Den liebevollen Dad kaufe ich ihm ebenfalls nicht ab, als er wieder anfängt Samuel nach seinem Lebenslauf abzufragen. Aber Hawkins erhielt endlich mal eine Antwort, die ihn sprachlos macht und die er verdient hatte. Ja, man sah sogar, dass ihm die Aussage seines Sohnes einen Stich ins Herz versetzte. Mit Sicherheit hat er eine andere Antwort erwartet. Ich bin kein schlechter Mensch, aber das war mal nötig. Kinder sagen immer die Wahrheit, auch wenn sie wehtut.

"Hawkins: Wer wird immer auf dich Acht geben?"

Samuel: "Mami."

Fazit

Die Folge konzentrierte sich auf Robert Hawkins und einen alten Bekannten von ihm: Victor Miller. Die Story um beide war sehr interessant und aufschlussreich, da man eine Art Bestätigung bekam, dass Hawkins etwas geheim hält. Aber ob es der Wahrheit entspricht, wird sich zeigen. Auch die anderen Storys gefielen mir, die Episode war in keiner Weise langweilig, da sie fließend erzählt wurde und bei allen Storys ein Schuss Adrenalin zu spüren war. Im Vergleich zur Vorgängerfolge konnte sich "Jericho" wieder verbessern, was mich freut.

Dana Greve - myFanbase

Die Serie "Jericho - Der Anschlag" ansehen:


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