Bewertung

Review: #1.08 Kein Weg zurück

Foto: Liza Weil & Tom Verica, How to Get Away with Murder - Copyright: 2015 ABC Studios; ABC/Nicole Wilder
Liza Weil & Tom Verica, How to Get Away with Murder
© 2015 ABC Studios; ABC/Nicole Wilder

Diese Episode steht voll und ganz unter dem Motto "Verrat" und man zeigt uns, wie wenig man den Personen, die einem am nächsten stehen, vertrauen kann. Dies ist einerseits sehr traurig für die Charaktere, andererseits bringt es in der Episode einige tolle Szenen hervor.

"Darcy wants to end it. I know I shouldn't be surprised. They never leave their wives."

Von den Flashbacks dieser Episode bin ich hellauf begeistert. Bisher war Lila für uns nur irgendeine Figur, die schon tot war, bevor die Geschichte richtig angefangen hat. Und obwohl sie schon die ganze Zeit über ein Gesicht hatte, hat man ihr erst in dieser Episode ein Stimme verliehen und uns ihre Gefühlswelt näher gebracht. Zuvor wusste ich nicht ganz, ob Lila eine manipulative Schlampe ist, die Sam mit voller Absicht verführt hat, oder ob die Affäre von ihm aus gibt. Diese Episode erklärt jedoch einiges und lässt die Sympathien für Lila höher schlagen. Das liegt in meinen Augen im Besonderen daran, dass man uns ihre Freundschaft mit Rebecca zeigt, bei der man schon in der letzten Episode versucht hat, sie ein klein wenig menschlicher, wärmer und liebevoller darzustellen. Das man uns nun Lilas Sichtweise schildert und dabei nicht nur ihre Verliebtheit und ihren Herzschmerz zeigt, sondern auch die tiefe Bindung, die sie offenbar zu Rebecca hatte, macht für mich den schönsten Teil der Episode aus.

Fragwürdig ist dabei lediglich, weshalb Rebecca, die doch eigentlich Lilas beste Freundin sein sollte, dann überhaupt mit Griffin geschlafen/ rumgemacht hat. Haben die beiden kurz zuvor ihre Freundschaft aufgekündigt? Wenn ja, aus welchem Grund? Wenn nicht, wie kann Rebecca da so etwas tun? Hier wirken für mich noch nicht alle Steinchen ganz stimmig, da sie sich in das Gesamtbild nicht recht einfügen lassen.

"You lied when you said you didn't sleep with her. You lied when you said you were at Yale the night she was killed. And I believed you like some fool."

Schon häufig habe ich mich gefragt, wie genau Sam eigentlich tickt und aus welchem Antrieb er handelt. Um Michaela zu zitieren: "See what happens when you use your brain instead of your penis?" Dieser Grundsatz scheint Sam fremd zu sein, da er nun endgültig als schwanzgesteuert und völlig berechnend abgestempelt wird. Nicht nur seine Frau hat Sam betrogen, in dieser Episode setzt man noch eins drauf. Er wollte anschließend auch Lila abservieren und ihr damit das Herz brechen und in den Gegenwartsszenen nutzt er Bonnies Schwäche für sich aus, indem er sie küsst und bittet, Annalise gegenüber Stillschweigen zu bewahren.

In der ersten Episode hatte man noch so etwas wie Mitleid mit Sam, da man nicht ganz verstehen konnte, warum er das Opfer eines Mordes geworden ist. Nun kann man aber mittlerweile vier Frauen aufzählen, die ihn für seine Taten gern hängen sehen würden. Ich bin positiv überrascht davon, wie gut die Autoren Sam von einem bedauernswerten Mordopfer zum Staatsfeind Nummer eins machen konnten.

Mit Bonnie kann man hingegen nur mitfühlen, das sie sich offensichtlich immer sehr zwischen ihren Gefühlen für Annalise und denen für Sam hin und her gerissen fühlte. Seit der ersten Episode zeigt man uns, dass sie etwas für den Mann ihrer Arbeitsgeberin empfindet und man war sich nie ganz sicher, wo ihre Loyalität liegt. Nun hat sie sich entschieden und will zu Annalise stehen, doch jene schlägt ihr quasi die Tür vor der Nase zu. Die Szene zwischen den beiden Frauen, die mit Bonnies Entlassung endete, war unglaublich intensiv und Liza Weil hat zum ersten Mal zeigen können, was in ihr steckt. Davon würde ich in Zukunft gern mehr sehen.

"Are you good for anything or can you only do your job when you're screwing evidence out of someone?!"

Viele fragen sich sicherlich, warum Annalise so blind ist und Sam die ganze Zeit über vertraut hat. Wie sich in ihrem Alltagsleben zeigt, kann Annalise nicht mit unvorhersehbaren Situationen umgehen und macht ihre Mitarbeiter zur Schnecke, wenn sie sie vor Gericht in alle Falle laufen lassen. Da sie bei Sam von niemandem zusätzliche Informationen bekommt, läuft Annalise bei ihm regelmäßig gegen eine Wand, kann damit aber überhaupt nicht umgehen. Ich finde es daher nicht verwunderlich, dass sie ihrem Mann die ganze Zeit über Glauben geschenkt hat, da niemand so offen war und sie mit der Nase auf seine Schuld gestoßen hat. Lediglich Nate hat bisher die Stimme erhoben und bei seinen Anschuldigungen gegen Sam konnte man sehr schnell sehen, dass Annalise schwer davon getroffen war.

"He is not a good man."

Verrat steht auch bei Laurel im Vordergrund, da jene sich nun auf die Affäre mit Frank eingelassen hat und Kan somit abgeschrieben zu sein scheint. Von der Chemie zwischen den beiden bin ich zwar recht angetan, doch wie sich ihre Beziehung in dieser Episode entwickelt hat, empfinde ich als etwas unoriginell. Ich hatte schon zuvor vermutet, dass man uns zeigen wird, dass Frank mehrere Eisen im Feuer hat, dennoch habe ich gehofft, dass man uns überrascht und eine andere Wendung zeigt. Doch mit dem Auftauchen von Franks Freundin wurde ich hier leider enttäuscht, da dies mehr als vorhersehbar war.

Weniger unzufrieden bin ich mit der neuen Zusammenarbeit von Rebecca und Nate. Ich hätte zwar nicht erwartet, dass Rebecca sich ihm so leicht anschließt, doch dies zeigt für mich, dass sie einen großen Hass auf Sam hat, was ihre Freundschaft mit Lila zusätzlich stärkt. Der Plan der beiden hätte jedoch etwas ausgereifter sein können und sollte in meinen Augen mehr Kniffe beinhalten. Dass Rebecca sich nun am Ende der Episode auf den Weg zu Sams Haus gemacht hat, um dort an seinen Computer zu kommen, weißt für mich zu sehr darauf hin, dass sie Sams Mörderin ist, was mir nicht sonderlich gefällt. Ich wünsche mir an dieser Stelle einfach etwas mehr Fingerspitzengefühl. Man hat uns zwar in der Vergangenheit gezeigt, dass jeder der Charaktere skrupellos ist, doch ein echtes Motiv für den Mord haben nur wenige.

"That burn you feel right now is not because of what I did, it's because of what he did. He lied to you, betrayed you, took advantage of your loyalty and trust. And that's unforgivable."

Während Connors Storyline brach liegt, konzentriert man sich am Rande etwas auf Michaela, die Besuch von ihrer Schwiegermutter in spe bekommt. Hier zeigt sich eine neue Seite an Michaela und man ist sich nicht mehr sicher, aus welchen Gründen sie Aiden heiraten möchte. Zuvor war bereits klar, dass sie den Luxus, den Aiden mit sich bringt, keinesfalls verachtet, doch nun stellt man in Frage, ob sie überhaupt an ihm interessiert ist. Genau das Gleiche hat man in der letzten Zeit bei jedem Charakter gemacht und dabei die aufgebauten Beziehungen nach und nach alle untergraben. Von einem Gefühl des Zusammenhaltes konnte man zwar noch nie reden, doch nun erkennt man langsam, wie ungesund das Verhalten der Charaktere unter einander ist. Niemand kann einem anderen vollends vertrauen, da jedem bereits bewiesen wurde, dass blindes Vertrauen einen nur in eine Sackgasse führt. Ich finde hier die Parallelen zu "Scandal" erstaunlich, da Shonda Rhimes es auch in dieser Serie nicht zulässt, dass sich eine gesunde Beziehung entwickelt.

"I'm so sorry." - "It's to late for apologies."

Obwohl der Fall der Woche gut zum Thema "Verrat" passt, war er der bei weitem schwächste Teil der Episode. Weder wurde anspruchsvoll geschauspielert, noch war die Geschichte so fesselnd, wie zum Beispiel in #1.02 It's All Her Fault. Hier müssen sich die Autoren dringend etwas anderes überlegen und vielleicht mit Handlungen arbeiten, die sich über mehrere Episoden erstrecken, um nicht in ein langweiliges Schema zu verfallen.

Fazit

Auch wenn die Flashbacks mit Lila sehr aufschlussreich waren und man Sam nun in eine Schublade einordnen kann, hatte die Episode einige Schwächen. Dazu zählen der Fall der Woche, die Lovestory zwischen Frank und Laurel und die offensichtliche Art, wie man Rebecca als Mörderin in Szene setzt.

Marie Florschütz - myFanbase

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