Bewertung: 4

Review: #6.12 Todeszone

Foto: Claire Danes, Homeland - Copyright: 2017 Twentieth Century Fox Home Entertainment
Claire Danes, Homeland
© 2017 Twentieth Century Fox Home Entertainment

Vielleicht waren die Erwartungen zu hoch. Vielleicht war es aber auch einfach zu viel Inhalt für eine einzige Episode. Jedenfalls ist das Finale der sechsten Staffel von "Homeland" nicht auf dem Niveau, den der Rest der Staffel präsentieren konnte. Aber der Reihe nach.

"Stay down"

Die erste Hälfte des Finales bot die zu erwartende Spannung, weil das Leben von Keane in größter Gefahr ist und Carrie gemeinsam mit Quinn ihr Ableben zu verhindern sucht. Der Plan der Gegenseite ist bis zu einem gewissen Punkt eigentlich ziemlich clever, so ganz zufrieden bin ich doch nicht. Quinn alles anzuhängen erscheint mir zu kurz gedacht. Lange geplant kann es nicht gewesen sein, versuchte man ihn vor drei Folgen doch noch umzubringen. Wenn man die gesamte Organisation sieht, dann muss man McClendon schon eine echte Planungsfähigkeit absprechen. Auch ist es irgendwie sehr seltsam, dass sie zig Leute zur Verfügung haben, gegen Carrie und Keane dann aber nur zwei ins Feld ziehen und der Ausgang nicht weiter bewacht wird. Eigentlich hätten es Quinn, Carrie und Keane gar nicht bis zum Auto schaffen dürfen. Dass sind kleinere Details, die man mit mehr Zeit vielleicht hätte besser lösen können. (Beispielsweise hätte Quinn zwei Bewacher am Ausgang ausschalten können.) So bricht man es etwas einfach auf den Showdown herunter. Quinn fährt ein Selbstmordkommando, um Keane und Carrie zu retten. Ich fand Quinns Storyline in dieser Staffel wirklich gut, aber ich bin trotzdem froh, dass dieser arme Mann nun endlich seinen Frieden finden kann. Er hat zwei Staffeln lang fast nur gelitten. Jetzt stirbt er (endlich) den Heldentod. Leider wird diese Ehre dann aber nicht in Szene gesetzt. Nur ein kurzer Dialog mit Saul, der wenig über Quinn aussagt, und ein kurzer Trauermoment von Carrie werden dem Charakter nicht gerecht. Nun hätte zugegebenermaßen eine Beerdigung auch nicht wirklich gepasst, aber eine Ehrenmedaille oder Ähnliches wäre auch eine Möglichkeit gewesen. Letztlich hätte man dafür aber wohl keine Zeit. Schade.

"What I did was unforgivable, Saul, but I'm not sure it was wrong."

Interessant ist natürlich auch in dieser Episode Dar Adal, dem man Glauben schenken kann, dass seine Intentionen gegen seinen Willen übererfüllt werden. McClendon reichte es nicht, Keane wirklich in die Enge zu treiben. Er will sie sogar tot sehen. Diese Übertreibung ist nicht ganz nachzuvollziehen, zumal man über McClendon wirklich nicht besonders viel erfahren hat im Laufe der Staffel. Er ist als Militär eben nur für eine Entweder-Oder-Lösung. Graustufen gibt es nicht. Dar Adal versucht quasi noch zu retten, was zu retten ist. Irgendwie sorgt das alles dann aber dafür, dass es noch schlimmer wird. Keanes Überleben, an dem Dar Adal durchaus seinen Anteil hat, und die damit verbundenen negativer Erfahrungen sorgen dafür, dass sie nun doch eine harte Linie fährt und alles, was sie im Wahlkampf versprochen hat, gegenteilig umsetzt. Das hat man nun davon. Dar bietet das die Möglichkeit, sich selbst zu rechtfertigen. Unverzeihlich? Auf jeden Fall. Falsch? Eher nicht. Allerdings ist das Bild natürlich verzerrt. Nachdem, was man als Zuschauer in den letzten zwanzig Minuten erfährt, ist Keane nicht akzeptabel und man könnte Dar recht geben. Allerdings sind es eben nur die Reaktionen der Präsidentin auf Dars Aktionen. Sie ist also beeinflusst. Ihre ursprüngliche Idee war eine ganz andere. Dar macht es sich also recht einfach, um mit seiner Schuld gut leben zu können. Das macht den Charakter aber auch aus und in dieser Staffel konnte sich Dar voll entfalten.

"Your a bad dream. A President of the United States, who can't be controlled from within."

Keane führt nun also eine fürchterliche Herrschaft und kann alles damit begründen, dass man sie töten wollte und sie nun die Institutionen reinwaschen will, alles austauscht und niemandem vertraut. Man kann diese 180°-Wendung zwar nachvollziehen, aber ich finde es äußerst unsouverän, einfach einen Rundumschlag zu machen und den Einzelfall quasi gar nicht zu überprüfen. Ich hatte irgendwie auch nicht den Eindruck, dass Keane so engstirnig agiert und ihre Ideale wirklich komplett über Bord wirft ("What we do know is that everything that she said she would do was a lie."). Insofern erscheint diese gesamte Aktion seltsam und inhaltlich unausgegoren. Man nimmt sich zwar Zeit, um ein bisschen was zu erklären, aber man erklärt nicht die wichtigen Dinge. Carrie quasi auflaufen zu lassen, ist irgendwie überflüssig. Man hätte ihr Meeting, ihr Versprechen und das Jobangebot auch weglassen können. Keane hätte auch ohne all dies so agieren können. Mit dem Zeitsprung hätte man das auch nicht wirklich hinterfragt. Unverständlich ist hingegen, warum Brett O'Keefe immer noch auf Sendung ist, wenn er doch ziemlich klar zu den Verschwörern gehört? Es gibt Bilder, die zeigen, dass er mit Dar zusammen gearbeitet hat. Über Max müsste auch klar sein, welches Machtimperium er da aufgebaut hat. Warum spielt das in dieser Episode keine Rolle? Wieso kümmert sich Keane nicht darum? Konnte sie nun beweisen, dass man ihrem Sohn übel nachspielte? Das sind alles Fragen, die für mich entscheidende Bedeutung in der Staffel hatten und hier komplett unter den Tisch fallen. Das ist ärgerlich. Der einzige Sinn dahinter ist wohl, dass man das Thema Fake-News und Social-Media-Bots eventuell in der kommenden Staffel ins Zentrum rücken will. Trotzdem fehlt es in diesem Finale an einem adäquaten Umgang mit diesem interessanten Thema.

"Did I pass?"

An anderen Stellen wird dafür dann wieder unerwartet viel Screentime aufgewendet. Carrie erhält wahrscheinlich das Sorgerecht zurück. Ehrlich gesagt bin ich davon ausgegangen, weil alles andere irgendwie absurd wäre. Warum man dann die Sozialarbeiterin aber durch die Wohnung laufen lassen muss, statt Carrie einfach Post zukommen zu lassen oder den Gerichtstermin zu zeigen, kann ich nicht verstehen. Es wäre viel effektiver gewesen und hätte eben Zeit für andere Dinge freigeräumt. Auch hier hat man für meinen Begriff einen falschen Schwerpunkt gesetzt, zumal es Franny nicht mal zu sehen gibt.

Was man stattdessen wenigstens irgendwie hätte erwähnen können:

  • Was ist mit den Beweisen zur Unschuld von Sekou Bah? Wurde da für Gerechtigkeit gesorgt?
  • Welche Informationen hat Max preisgegeben? Was wurde aus dem ganzen Gebäude dieser dubiosen Firma? Konnte man noch alles räumen, bevor Keane ermitteln lassen konnte?
  • Wie hatte Saul den Anschlag wahrgenommen bzw. überlebt? Rob Emmons ist ja offenbar draufgegangen.
  • Was ist aus McClendon geworden? Hat er sich abgesetzt? Wurde er verurteilt?


Fazit

Diese Episode ist deutlich überladen. Sie bringt die Staffel erst mal spektakulär zu Ende, nimmt sich dann aber nicht die Zeit, alle Geschichten zu beenden bzw. zu erwähnen, setzt falsche Schwerpunkte und ist viel zu sehr damit beschäftigt, die Grundlagen für die nächste Staffel zu legen. Es ist verständlich, dass man dies auch tun wollte. So wie in diesem Finale wirkt es aber zu sehr übers Knie gebrochen und unausgereift. Es wäre angebracht gewesen, diese Episode mit Überlänge anzulegen, so wie es bei "The Walking Dead" gerne mal gemacht wird. Das hätte es vielleicht etwas entspannt oder mehr Zufriedenheit schaffen können. Es ist also leider kein würdiges Finale für diese Staffel geworden.

Emil Groth – myFanbase

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