Bewertung: 7

Review: #6.05 Kein sicherer Ort

Foto: Claire Danes, Homeland - Copyright: 2017 Twentieth Century Fox Home Entertainment
Claire Danes, Homeland
© 2017 Twentieth Century Fox Home Entertainment

Die fünfte Episode der sechsten Staffel von "Homeland" beschäftigt sich natürlich intensiv mit den Nachwehen des Anschlags, wobei hier ausgerechnet Carries Wohnung und damit Peter in den Fokus gerät. Dabei entsteht dann doch eine sehr intensive Episode.

"The recording, where did you get that?"

Der eher analytische Teil der Episode beschäftigt sich natürlich damit, dass man Sekou sofort als Attentäter sieht und die kürzliche Freilassung damit hohe Wellen schlägt. Agent Conlin ist natürlich alles andere als gut auf Carrie zu sprechen, die sofort in Streit gerät, weil sie ihren Kontakt nicht preisgeben will. Von diesem erfährt sie dann überraschenderweise, dass er die Aufnahme, die zu Sekous Freilassung geführt hat, gar nicht bereitgestellt hat. Seine erste Reaktion passte für mich nicht in dieses Schema, aber im Anschluss ist er sehr deutlich. Diese kleine Wendung wirft natürlich sehr viele Fragen auf. Wer wollte Sekou dann freikriegen? Offenbar hatte jemand großes Interesse daran, einen Anschlag zu verüben und diesen Sekou in die Schuhe zu schieben. Allerdings ist dieser, glaube ich, nur eine gute Gelegenheit gewesen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass es hier eigentlich darum geht, Carrie vor Probleme zu stellen. Warum sonst sollte man ihre Wohnung beobachten. Auch ist es etwas seltsam, dass die Bombe von Sekou kaum Opfer gefordert hat, also eigentlich im falschen Moment gezündet hat. War das Zufall, wegen einer roten Ampel zu viel, oder doch geplant, weil es eben doch um Carrie geht? Ich bin äußerst gespannt, was sie mit ihren Ermittlungen in der nächsten Zeit herausfinden wird.

"You want me to babysit her?"

Damit Carrie sich überhaupt um die Notlage kümmern konnte, musste sie Peter mit der Betreuung von Franny beauftragen. Das ist schon ein sehr großer Vertrauensbeweis. Ich weiß nicht, ob ich mich das getraut hätte. Es war natürlich die schnellste und damit einfachste Lösung und Peter hat ja durchaus Bindung zu Franny aufgebaut. Warum man Franny aber nicht zu einer Freundin bringen konnte, die auch nicht in die Kita gehen konnte, bleibt offen. Nun hätte das Babysitten natürlich ganz normal laufen können, wenn die Presse nicht riesigen Stress gemacht hätte. Die Dreistigkeit der Journalisten ist schon heftig. Ich fand Peters Aggression da am Anfang sogar gut. Nur die Treppe hätte er die Reporterin nicht runterschubsen dürfen. Danach wurde es natürlich krass. Peter ist in seiner ganz eigenen Welt. Leider misstraut er auch der richtigen Babysitterin. Das ist ein wenig das Ärgerliche an der Storyline. Immerhin war die Absprache, dass Peter so lange auf Franny aufpasst, bis die eigentliche Betreuung kommt. Dass er da in seiner Rolle als bedingungsloser Beschützer bleibt, finde ich eher unlogisch, aber es ist natürlich auch nicht einfach, sich in Peter hineinzuversetzen. Dass dann so ein Idiot einen Stein wirft, macht alles noch schlimmer. Peters Reaktion ist da zwar überzogen, aber eigentlich hat der Typ auch nichts anderes verdient. Trotzdem trägt es nicht zur Entspannung der Lage bei. Aber das scheint ein generelles Problem in der wohl auch durch das Attentat aufgeheizten Stimmung.

"If you enter the building, people will die."

Auch die Polizei, die dann in Erscheinung tritt, weiß nicht wirklich, wie man die Szenerie deeskalieren könnte. Dass man dann auch Carrie nicht anhört, ist ein großer Fehler. Da kann man der Polizei schon mal Fahrlässigkeit vorwerfen. Sie ist die einzige Person, die weiß, wer da in ihrer Wohnung ist und wie man mit ihr sprechen könnte. Da der Einsatzleiter macht lieber sein Ding, fährt das ein Mal gegen die Wand und will sich auch dann noch mal profilieren. Carrie kann Peter quasi gerade so das Leben retten. Irgendwie hätte ich hier noch eine Szene erwartet, wo sie den Einsatzleiter richtig zur Schnecke macht, aber sie will sich dann natürlich auch erst mal um ihre Tochter kümmern und sich selbst sortieren. Das war ein durchaus anstrengender und ereignisreicher Tag.

"I want to talk to my chief of staff."

Politik wird in dieser Episode natürlich auch noch betrieben, wobei dies etwas skurril wirkt. Erst mal ist da ein total nerviger Moderator, der der Episode einen Rahmen geben kann. Ich muss schon sagen, dass ich die schauspielerische Leistung enorm schwach fand. Ich konnte dieses Anklagen der kommenden Präsidentin nicht ernst nehmen, weil sowohl der Ton als auch die Visage absolut lächerlich wirkten. Ich habe es dem Schauspieler einfach nicht abgenommen. Das wirkte wirklich aufgesetzt und inhaltlich war es auch eher plump und unreflektiert. Das ist allerdings leider sehr aktuell.

Elizabeth Keane wird erst mal in Sicherheit gebracht, weil man glaubt, dass der Anschlag ihr gegolten haben könnte. Skurril dabei ist, dass man so vollkommen isoliert und auch ihre engsten Vertrauten nicht zu ihr durchlässt. Das mutet schon sehr konspirativ an. Da Dar Adal hier seine Finger im Spiel hat, habe ich schon den Eindruck, dass man Keane nicht schützen sondern handlungsunfähig machen will, damit sie dann politisch alternativlos in seinem Sinne agieren muss. Nur so macht dieser pöbelnde Moderator in diesem Kontext Sinn. Insgesamt ist dieser Teil eher unspektakulär, ich könnte mir aber vorstellen, dass es zumindest vom Ereignis her noch von Bedeutung sein könnte.

Fazit

Die vielen kleinen Puzzleteile lassen sich langsam zusammensetzen. Noch sind die Lücken riesig, aber man bekommt durch alle Ereignisse langsam ein Gefühl für die gesamte Lage. Die Episode war in jedem Fall intensiv und hat dafür gesorgt, dass mir Peters Anwesenheit in der Staffel immer mehr gefällt.

Emil Groth - myFanbase

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