Bewertung: 4

Review: #6.21 Nicht scheitern!

Foto: Julianna Margulies & Matt Czuchry, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Julianna Margulies & Matt Czuchry, Good Wife
© Paramount Pictures

Auch mit inzwischen einigem Abstand zu dieser Folge, fällt es mir nach wie vor schwer, ein klares Urteil zu fällen. Manche Begebenheiten lassen mich doch etwas ratlos zurück. Am meisten Schwierigkeiten habe ich aber wohl damit, dass diese zumindest einmal auf den ersten Blick doch recht ereignisarme Folge unmittelbar vor dem Staffelfinale platziert wurde. In einer recht wahllosen Reihenfolge will ich daher auf einige Punkte der Episode näher eingehen und vielleicht ergibt sich ja in der Niederschrift meiner Gedanken ein etwas klareres Bild und damit auch eine schlüssige Meinung, ob mich die Folge nun unterhalten oder doch eher gelangweilt hat.

Zunächst einmal ließen mich die Inszenierung und der Fall der Woche, der sich auf einen früheren, von Alicia betreuten Mandanten bezog, mächtig ins Grübeln kommen, ob es diesen Fall als eigenständige Folge in Staffel eins wirklich so gegeben hat oder ob dieser nun nur im Nachhinein von den Autoren erfunden wurde. Ohne das im Detail noch einmal nachgeprüft zu haben, bin ich letztendlich aber doch der Überzeugung, dass wir diesen noch nicht zu Gesicht bekommen haben und damit auch alle vergangenheitsbezogenen Szenen neu gedreht sein mussten. Eine Ausnahme bildete meines Erachtens aber ein Szene mit Alicia und Kalinda, die sich grundsätzlich aber auch gar nicht mit dem Fall an sich beschäftigte und daher aus dem Kontext gerissen, nun problemlos noch einmal verwendet werden konnte. Für mein Empfinden wurde sich aber immerhin recht viel Mühe gegeben, die rückblickenden Szenen auch entsprechend zu inszenieren, sei es nun in Bezug auf das Styling der Protagonisten oder eben im Look der Szenerie allgemein, die sich durch einen entsprechenden Farbfilter von den Szenen im Hier und Jetzt abhoben.

Etwas seltsam anmutend empfand ich jedoch die Szene der ehemaligen Freundinnen Alicia und Kalinda in der Bar, als es um das Thema "Lügen für den richtigen Zweck" ging. Ich bin mir nahezu 100%ig sicher, dass die Szene von Julianna Margulies und Archie Panjabi nicht gemeinsam, sondern voneinander separat gedreht wurde. Die Schnittfolge während ihres Dialogs war einfach zu seltsam und besonders auffällig war, dass beide nie zusammen in einem Kamerashot zu sehen waren, sondern lediglich im Wechsel über die Schulter des anderen gefilmt wurde. Das passt auch wieder zu der generellen Auffälligkeit, dass es zwischen den beiden Darstellerinnen hinter den Kulissen wirklich gekracht haben muss, denn wie schon einmal thematisiert, gibt es bestimmt schon seit zwei Jahren keine gemeinsamen Szenen der beiden mehr. Von daher wirkte dieser Versuch, unbedingt eine nicht recycelte Szene mit den beiden in der Folge haben zu wollen, am Ende dann doch etwas lächerlich, wenn man sich als Fan mit der Serie und insbesondere auch mit deren Schauspielern etwas tiefer auseinandergesetzt hat.

Der Fall an sich war meines Erachtens nur zweitklassig, fast schon langweilig. Ich kann es gar nicht so genau festmachen, woran das eigentlich lag. Womöglich daran, dass sich die entscheidenden Dinge doch außerhalb des Gerichtssaals in den Rückblicken verbunden mit den Tonbandaufnahmen abspielten. Mir hätte da eine direkte Auseinandersetzung vor Gericht besser gefallen. Wobei ich hier den Einsatz der noch unbedarften Anwältin auch wenig überzeugend fand. Das war allenfalls eine dürftige Variante anderer "Good Wife"-Charaktere, die letztendlich wenig Neues bot. Im King'schen Serienkosmos würde es mich dennoch nicht wundern, wenn uns die Figur noch einmal begegnen wird. Besonders nachhaltig ist sie mir jedenfalls nicht in Erinnerung geblieben. Ein weiterer Punkt, der mir in Zusammenhang mit dem Fall aber auch mit der Folge insgesamt missfiel, war die Einbindung der anderen Hauptfiguren aus dem Anwaltsumfeld. Den größten Anteil hatte sicher noch Cary, durch den immerhin noch ein paar kleine, nette Szenen mit Alicia entstanden, die noch einmal die Entwicklung ihrer persönlichen Beziehung Revue passieren ließ, angefangen beim einstigen Konkurrenzkampf um dieselbe Stelle bis hin zu ihrem freundschaftlichen Verhältnis, das auch über das Scheitern ihrer gemeinsamen Kanzlei hinaus noch wenigstens annähernd Bestand zu haben scheint. Zumindest empfand ich es als schöne Geste, dass Cary einen Teil seiner Unterlagen über den Fall persönlich bei Alicia vorbeibrachte. Das hat einfach Anstand und zeigt seine Anteilnahme an ihrem Leben und ihrer derzeitigen Situation. Da werde ich fast schon wehmütig, dass dieses "Experiment" leider scheitern musste. Diane und der Rest der ehemaligen Kanzlei durften dagegen allenfalls noch als Statisten herhalten. Zwischendurch hatte ich da wirklich das Gefühl, die Autoren wussten selbst nicht so genau, wie sie ihr Darstellerensemble sonst beschäftigen sollen.

Das galt irgendwie auch für Grace, Zach und Jackie. Vor allem die beiden Letztgenannten hatten schon länger keinen Auftritt mehr und da dachten sich die Autoren wohl, dass man den Leerlauf in der Handlung, dann noch mit ein paar Szenen mit den Familiengesichtern füllen könnte. Das war letztendlich aber sehr schade, weil ich gerade Jackies Einsatz in dieser Art und Weise für verschwendet hielt. Dass man sich wieder einmal mit der etwas angeschlagenen Beziehung von Zach und seiner Mutter beschäftigen wollte, will ich dagegen sogar lobend honorieren, grundsätzlich wurde aber doch zu wenig daraus gemacht und der vermutlich als Gag gedachte Moment, in dem Alicia gerade Zachs Zimmer ausgeräumt hatte und sich dieser eben genau in diesem Moment zum Besuch ankündigte, war mir dann auch zu platt und konstruiert.

Etwas mehr zu tun hatte dagegen Matthew Goode. Ich freue mich immer auf Szenen mit Finn, weil ich ihn als Charakter doch sehr angenehm und sympathisch finde. Zugegeben, er ist mitunter auch etwas langweilig und zu lieb, ohne Ecken und Kanten, aber das stört mich eher wenig. Dafür jedoch umso mehr, dass seine Rolle auch nur noch darauf getrimmt zu sein scheint, Alicia aufbauenden Zuspruch zu geben, anstatt auch einmal ein etwas eigenständigeres Profil oder gar eine eigene Handlung zu bekommen. Das könnte sich aber nach dem Cliffhanger der Folge nun vielleicht ändern. Eine gemeinsame Kanzlei von Alicia und Finn hätte durchaus etwas für sich. Meines Erachtens müsste man dann nur damit etwas aufpassen, ihre persönliche Beziehung untereinander dann auch einmal final zu definieren. Das "will they, won't they" Konzept funktioniert für mich seit Alicia und Will nicht unbedingt ein zweites Mal. Entweder setzt man dann voll auf die Karte mit den beiden als Liebespaar (inklusive eines Konflikts mit Peter) oder lässt es bei einem rein freundschaftlichen Verhältnis und verzichtet zukünftig auf diese unterschwellige Anziehung der beiden in ihren gemeinsamen Szenen.

Zu Alicia selbst lässt sich gar nicht viel sagen. Ohne Job und ohne Wahlkampf geht es ihr wie vielen anderen auch, ihr ist langweilig. Ein kleiner und guter Gag war da auch noch die Szene, in der Sie mit der Weinflasche vor der Uhr stand und auf den Moment wartete, wo es sich ihrer Meinung nach geziemt, ein Glas Wein trinken zu dürfen. Nicht dass sie noch dem Alkohol verfällt. Aber Spaß beiseite. Alicia ist Leerlauf gar nicht mehr gewohnt und daher ist der ausgebrochene Aktionismus in Sachen Wohnungsumbau auch nicht verwunderlich. Ebenso wenig die Tatsache, dass sie in der Öffentlichkeit zurzeit lieber nicht erkannt werden will. Finn hat hier aber recht: wir leben in einer schnelllebigen Welt und die Schlagzeilen von gestern interessieren heute oder spätestens morgen schon niemanden mehr, weil bereits der nächste Skandal oder ähnliches parat steht. Es war dann auch schnell klar, dass Alicia den Fall natürlich übernehmen wird. Dieser war damit der erste Schritt in die neue Unabhängigkeit, inklusive der neuen Einstellung, nur die Fälle anzunehmen, die ihr am Herzen liegen und eben nicht die großen Brocken aus der Wirtschaft zu betreuen. Das ist wie gesagt alles nachvollziehbar, aber für den Moment auch etwas undurchsichtig im Hinblick auf die weitere Ausrichtung der Serie. Denn mit solchen Fällen fällt mir im Augenblick eine Verbindung zu Diane und Co schwer und man wird sich zukünftig ja wohl kaum vom halben Main Cast trennen wollen. Wie das meines Erachtens mit Finn aussehen könnte oder besser müsste, habe ich ja bereits erläutert.

Fazit

Zusammenfassend bleibt auch näherem Hinsehen nicht viel haften von dieser Folge, die über weite Strecken auch mit dem Fall der Woche nicht zu fesseln wusste. Lediglich das Ende lässt einen ersten Rückschluss darauf zu, wie es womöglich zukünftig mit Alicia und damit der Serie weitergehen könnte. So unmittelbar vor dem Staffelfinale war das alles in allem aber doch ziemlich enttäuschend. Es bleibt dabei, in der zweiten Staffelhälfte geht "Good Wife" leider ein wenig die Luft aus.

Jan H. – myFanbase

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