Bewertung: 7

Review: #6.19 Schmutziger Sieg

Foto: Christine Baranski, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Christine Baranski, Good Wife
© Paramount Pictures

Fälschungen in doppelter Hinsicht sind das dominierende Thema der neuesten "Good Wife"-Episode. Während sich also auf der einen Seite Alicia mit dem Vorwurf des Wahlbetrugs konfrontiert sieht, muss Diane erfahren, dass sie bei Carys Verteidigung mit gefälschten Beweisen argumentierte. Für beide Protagonistinnen hat dies weitreichende Folgen, die in Dianes Fall aber noch nicht vollends zum Tragen kommen.

Ziel erreicht und doch verloren. So lässt sich Alicias Lage wohl am besten zusammenfassen. Die Freude über den erlangten Wahlsieg war nur von kurzer Dauer und Alicia ist wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen und das mit einer besonders harten Landung. Natürlich gab es auch im Zuge des Wahlkampfs zahlreiche, politische Ränkespiele, aber dieser Verhandlungsmarathon mit all seinen mehr oder weniger dramatischen Kehrtwendungen war noch einmal eine viel größere Hausnummer. Ohne sich darin jemals ernsthaft zur Wehr setzen zu können, wurde Alicia hier zu einem Spielball degradiert, der erst das ganze Ausmaß des völlig undurchsichtigen Politikapparates zur Schau stellte. Alicia, die Idealistin, wenn auch im Laufe der vergangenen Wochen des Öfteren zum Erreichen des großen Zieles über ihren Schatten springend, verkam hier wirklich zu einer ganz kleinen Nummer und musste zugleich als Bauernopfer herhalten, denn an den Stellschrauben in der Partei und der Politik wurde doch einige Stufen höher gedreht.

Jetzt könnte man natürlich sagen, dass Alicia es doch hätte besser wissen müssen, denn schließlich hat sie auch mit und durch Peter schon Einiges miterleben dürfen. Ist sie also blauäugig in ihr Verderben gerannt? Ganz von der Hand weisen lässt sich das meines Erachtens nicht. Schon bei der Wahl ihres Anwaltes hätte sie sich besser an eine vertrauensvolle Person ihres Umfeldes, zum Beispiel Finn Polmar, verlassen sollen. Doch sie hat sich von einem ihrer Vorbilder blenden lassen und diesem ihr uneingeschränktes Vertrauen geschenkt. Das könnte man als naiv bezeichnen, doch passt es auch zu Alicias grundsätzlicher, idealistischer Einstellung. Wer glaubt auch schon, dass sich der eigene Anwalt gegen seinen Klienten stellen wird? Wobei dieser Einwand so natürlich auch nicht ganz richtig ist. Denn eigentlich hat Spencer Randolph ja nicht Alicia, sondern deren Unterstützer vertreten und handelte daher letztendlich auch in deren Interesse für das größere Ganze. Da ist es dann auch wahrlich kein Trost, wenn man zwar nicht gänzlich fallen gelassen wird, sondern auf eine andere Aufgabe zu einem späteren Zeitpunkt vertröstet wird. Dafür hat Alicia die eigene Kanzlei aber nicht aufgegeben. Sie verfolgte ein anderes Ziel und nun findet sie sich in ihren Augen vor dem Nichts wieder. Eine Rückkehr in die Kanzlei käme einer persönlichen Niederlage gleich und zudem ist es auch fraglich, inwiefern die ehemaligen Partner überhaupt noch gewillt sind, sie wieder in ihren Kreis aufzunehmen. Schließlich haftet nun in der Öffentlichkeit auch ein eher negativer Ruf an ihr, der der Kanzlei sicher keine gute Publicity bringen wird. Ihre Reputation ist beschädigt, auch wenn das in Politikerkreisen anders gesehen wird und sich in der Realität auch mit entsprechenden Beispielen untermauern lässt, bei denen "gestürzte" Politiker wieder aus der Versenkung aufgetaucht sind.

Nun stellt sich mir jedoch die generelle Frage, warum man nun die ganze Staffel darauf hingearbeitet hat, Alicia die Wahl gewinnen zu lassen, nur um am Ende quasi wieder am Anfang zu stehen. Dass die Politik ein hartes Geschäft ist, haben wir in der Serie auch schon wiederholt durch Peter gezeigt bekommen. Ja, der Wahlkampf hat auch bei Alicia eine Entwicklung vorgenommen, doch war das unbedingt nötig, sie dafür von der Kanzlei und damit auch für diesen langen Zeitraum von nahezu allen Kollegen zu entfernen? Die Veränderung an der Serie ist doch recht deutlich und möglicherweise haben das inzwischen auch die Autoren erkannt, die nun eine Art status quo von zu Beginn der Staffel wieder herstellen wollen, um doch noch einen anderen Kurs einzuschlagen. Das betrifft ja nicht nur Alicias Handlung, sondern auch den zweiten Erzählstrang dieser Folge. Doch dazu gleich mehr. Zuvor will ich noch ein Lob an die letzte Szene aussprechen, die mir trotz aller Vorbehalte gegenüber der Ehe von Alicia und Peter besonders gut gefiel. Dass Alicia trostsuchend in die Arme des auf sie zuhause wartenden Mannes fällt, passt einfach zu den beiden. Sie teilen mitunter das gleiche Schicksal und man kann auch nicht ganz von der Hand weisen, dass sich die beiden verdient haben. Zumindest kennen sie sich beide so gut, dass auch ihre zwischenzeitlichen Differenzen in Alicias schwerster Stunde in den Hintergrund rücken und Peter hier endlich einmal wieder den liebevollen Ehemann mimen kann. Ich will nicht so weit gehen und über eine Wiedervereinigung der Florricks spekulieren, aber in dieser Situation war das einfach stimmig umgesetzt und fühlte sich richtig an.

Einen (großen) Schritt zurück zum Staffelauftakt macht man auch in Sachen Cary. Vordergründig wird zwar Diane als mögliches Opfer der im Prozess eingesetzten gefälschten Beweise in Szene gesetzt, doch letzten Endes glaube ich ehrlich gesagt nicht daran, dass es ausgerechnet Diane sein wird, die gegen Lemond Bishop aussagen wird. Dafür gab es während der gesamten Staffel überhaupt keine Anzeichen. Stattdessen waren es entweder Cary oder Kalinda, die mit Bishop agieren durften oder besser gesagt mussten. Von dieser Konstellation würde auch die eindeutig größere Bedrohung ausgehen. Cary fühlte sich schon damals bedroht und bangte um sein Leben und Kalinda ist spätestens seit ihrem Bishop geschuldeten Gefallen ohnehin ständig in einer Situation, in der man Angst um sie und ihr Leben haben muss. In Bezug auf Diane bleibt für mich eigentlich nur eine Sache spannend, nämlich inwiefern sich das Vorenthalten der Wahrheit auf ihr Verhältnis zu Kalinda auswirken wird. Nun könnte man ja argumentieren, dass Diane sich der vermeintlichen Beweise eigenmächtig bedient hatte, doch entschuldigt dies in meinen Augen in keiner Weise den Versuch, Beweise zugunsten von Cary zu fälschen.

Bleibt also nun das Dilemma der Kanzlei und damit dreier Personen. Wer wird hier den ersten Schritt wagen und das Angebot von Geneva Pine annehmen? Nachdem für mich Diane bereits ausscheidet, bleibt es also an Cary und Kalinda. Letztere will sicher ihren Fehler wieder gutmachen, aber Cary wird meines Erachtens den Helden spielen und aufgrund seiner Gefühle (und möglicherweise auch Dankbarkeit) für Kalinda, die Aussage gegen Bishop tätigen. Darauf deutete ja auch seine Szene mit Geneva hin, wobei wir deren Entscheidung ja noch nicht kennen. So oder so, es wird spannend werden in den letzten Folgen vor dem Staffelfinale und über allem schwebt die Vorahnung, dass die Sache nicht gut enden wird. Nichtsdestotrotz müssen sich die Autoren durchaus den Vorwurf gefallen lassen, nicht besonders innovativ zu agieren, indem sie erneut auf die Aussage eines Kanzleimitglieds gegen Bishop bauen. Solange das aber spannend umgesetzt wird, kann ich bei dieser Einfallslosigkeit aber auch einmal ein Auge zudrücken.

Und auch wenn sich das in meiner Review vielleicht härter anhört, so hat mir die Folge insgesamt doch recht gut gefallen, weil sie vor allem spannend inszeniert und in der Verteilung der Handlungsschwerpunkte auch ausgeglichen erzählt war. Meine Kritik an der Wiederherstellung des Ausgangszustandes zu Staffelbeginn bleibt jedoch. Wie es nun genau bei Alicia weitergehen wird bleibt abzuwarten. In Sachen Cary, Kalinda und Lemond Bishop wird es aber mit Sicherheit spannend zur Sache gehen.

Jan H. – myFanbase

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