Bewertung: 8
Jonathan Dayton & Valerie Faris

Little Miss Sunshine

Richard: "Oh my God, I'm getting pulled over. Everyone, just... pretend to be normal."

Foto: Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
© Twentieth Century Fox Home Entertainment

Inhalt

Ihr denkt, eure Familie sei verrückt? Dann wartet ab, bis ihr die Hoover Familie kennen lernt. Vater Richard ist auf der vergeblichen Suche nach dem Erfolg, in seiner Welt gibt es nur Gewinner und Verlierer. Wobei er sich selbst natürlich klar auf der ersten Seite sieht es nur leider nicht ist. Sein Sohn Dwayne hat vor neun Monaten ein Schweigegelübde abgelegt und kommuniziert wenn überhaupt nur noch mit Zeichen oder Papier und Zettel. Die kleine Olive ist ein pummeliger Sonnenschein, die von dem Gewinn des "Little Miss Sunshine"-Schönheitswettbewerbs träumt. Mutter Sheryl ist Kettenraucherin und hat soeben ihren Bruder Frank aus dem Krankenhaus abgeholt, einen renommierten Professor, der gerade versucht hat, Selbstmord zu begehen. Und der Großvater schnupft fleißig seine Drogen.

Als Olive es tatsächlich in die Auswahl des "Little Miss Sunshine"-Contests geschafft hat, setzen Richard und Sheryl trotz der Probleme alles daran, ihrer kleinen Tochter diesen Traum zu erfüllen. Schließlich enden alle sechs Familienmitglieder im VW-Bus und begleiten den kleinen Sonnenschein von Albuquerque bis nach Kalifornien. Auf diesem Roadtrip muss Familie Hoover so einige Hindernisse überwinden, aber vor allem eines: sich selbst.

Kritik

Was ist schon normal? Eine Familie, die aus einem erfolglosen Vater, einer gestressten Mutter, einem drogensüchtigen Großvater, einem suizidgefährdeten Professor, einem schweigenden Teenager und einer quirligen kleinen Wanna-Be-Schönheitskönigin besteht, sicherlich nicht. Doch gerade das ist es, was "Little Miss Sunshine" so faszinierend macht: Normal ist doch langweilig. Und was ist schon normal? Da werfen wir doch lieber einen Blick auf diesen abgedrehten Haufen namens Familie Hoover.

Abgedreht, aber realistisch könnte man die Charaktere dieses Films beschreiben und es ist beeindruckend, wie realistisch. Manch einer mag kritisieren, dass beispielsweise ein angesehener Professor, der wegen einer homosexuellen Beziehung zu einem seiner Studenten gefeuert wird und deswegen einen Selbstmordversuch hinter sich hat, zu viel des Guten ist. Doch ist es das? Nein. Und hier liegt eigentlich auch schon eine der zentralen Aussagen des Films: Egal was andere sagen, sei du selbst und tue das, was du tun willst oder wie Dwayne es treffend ausdrückt: "Do what you love. F*ck everything else."

Die zweite Kernaussage des Films hängt eng mit der ersten zusammen: "Losers are people who are so afraid of not winning, they don't even try," sagt der Großvater am Abend vor dem großen Tag zur kleinen Olive, die Angst davor hat, beim Schönheitscontest zu versagen. Eine wunderbare Szene unter vielen in "Little Miss Sunshine". Und davon lebt dieser Film: von den kleinen, aber feinen Szenen, die aus dem Leben gegriffen sind und zum Nachdenken anregen und rühren. So zeigt der schweigsame Dwayne seinem suizidgefährdeten Onkel Frank vor dem Schlafengehen einen Zettel, auf dem steht: "Don't kill yourself tonight." Obwohl jeder seine eigenen Probleme hat, obwohl diese Familie gebrochen ist, sorgt man sich letztlich dennoch um den anderen.

Doch "Little Miss Sunshine" ist nicht nur emotional, sondern vor allem eines: lustig. Das liegt zum einen an den außergewöhnlichen Charakteren des Films und den ausgefeilten Dialogen, zum anderen aber auch an der fantastischen Leistung des Casts. Neben den alten Hasen im Filmgeschäft wie Greg Kinnear, Toni Collette, Alan Arkin und Steve Carell sticht vor allem die Performance der beiden Jungdarsteller Paul Dano und Abigail Breslin heraus. Danos Darstellung des schweigenden Dwayne ist beeindruckend: Auch wenn er während des gesamten Films kaum Dialog hat, so schafft er es durch bloße Mimik und Gestik, seinem Charakter Dwayne Tiefe zu geben. Vor allem eine Szene, in der Dwayne einen Wutanfall bekommt und alles aus sich herauslässt, ist großartig gespielt von Dano. Seine Filmschwester Abigail Breslin die zum Zeitpunkt des Drehs neun Jahre alt war ist der kleine Star des Films: Man schließt die kleine Olive sofort ins Herz und muss immer wieder staunen, wie gut die kleine Abigail schon schauspielert.

Abgerundet wird der Film durch seine stellenweise wunderbar amüsante Situationskomik und sehr gut gewählte Kameraufnahmen, die "Little Miss Sunshine" etwas Einzigartiges verleihen. Allein Olives riesige Brille oder der gelbe VW-Bus bringen einen zum Schmunzeln; besonders der Bus sorgt für so einige geniale Szenen.

Fazit

"Little Miss Sunshine" überzeugt vor allem durch seine Story und seine wunderbaren Charaktere, die vom Castensemble großartig porträtiert werden. Dieser Film hat ein schlichtes Thema: das Leben in all seiner Verrücktheit und Problematik. Michael Arndt hat hier ein wunderbares Script geschrieben, das dank dem Regisseur-Ehepaar Jonathan Dayton und Valerie Faris auch hervorragend umgesetzt wurde. Sehenswert!

Maria Gruber - myFanbase
06.02.2007

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