Bewertung
Gabriela Tagliavini

Christmas With You

Foto: Christmas With You - Copyright: 2022 Netflix, Inc.
Christmas With You
© 2022 Netflix, Inc.

Inhalt

Popstar Angelina (Aimee Garcia) muss feststellen, dass der Höhepunkt ihrer Karriere offenbar vorbei ist und dann verlangt ihr Plattenlabel auch noch einen Weihnachtssong von ihr, obwohl sie das Fest seit dem Tod ihrer Mutter nicht begeht. Da wird sie auf ein Video der jugendlichen Cristina (Deja Monique Cruz) aufmerksam, die ein Cover von ihr gesungen hat. Kurzerhand will sie diesen Fan in einer Kleinstadt besuchen, um gute Publicity zu erreichen. Unerwartet trifft Angelina aber auch auf Cristinas Vater Miguel (Freddie Prinze, Jr.), der selbst Musiker ist und der einen unfertigen Song hat, der in Angelina etwas auslöst und sie schöpft wieder Hoffnung…

Kritik

"Christmas With You" ist nach "Falling for Christmas" die zweite US-amerikanische Weihnachtsproduktion, die Streamingdienst Netflix 2022 veröffentlicht hat. Auch wenn solche Weihnachts-RomComs ohnehin immer ein sehr ähnliches Schema haben, so bietet sich hier ein direkter Vergleich erst recht an, denn es ergeben sich auf den ersten Blick doch einige Parallelen. Hier haben wir Popstar Angelina, dort haben wir die reiche Hotelerbin Sierra (Lindsay Lohan), hier haben wir den Telenovela-Star Ricardo (Gabriel Sloyer), dort haben wir den Influencer Tad (George Young), alle zusammen sind an ein Leben bei Social Media gewöhnt und wissen, dass Inszenierungen ein Teil des Geschäfts sind. Dann haben wir jeweils die alleinerziehenden Väter mit einer süßen Tochter, die zurückgezogen und bodenständig leben und den Protagonistinnen jeweils eine ganz neue Welt eröffnen. Nach dieser Ausgangslage entwickelt doch jeder Film seine eigene Handlung, aber es war schon auffällig, wie viele Parallelen sich gerade am Anfang aufdrängten, weswegen ich mich auch dem Vergleich auch nicht recht entziehen konnte und da muss ich doch klar sagen, dass "Christmas With You" in meinen Augen schwächer daherkommt. Auf den Film hatte ich mich speziell gefreut, weil Garcia für die Hauptrolle gewonnen werden konnte, die ich in "Lucifer" doch immer sehr mochte und die passenderweise für diese Hauptrolle auserkoren wurde, nachdem sie ihre Gesangskünste in der Musical-Episode von "Lucifer" unter Beweis gestellt hat. Leider ist Garcia für mich ein Grund, warum der Film nicht gefunkt hat, denn ihrer Figur hat sie nicht viel Wärme mitgegeben können.

Aber der Reihe nach. Ähnlich wie bei "Falling for Christmas" fand ich den Einstieg etwas zäh, weil der Blick in Angelinas Lebenswelt zäh, anstrengend und oberflächlich war. All das, was vermutlich ein Lachen entlocken sollte, hat meine Mundwinkel eher genau in die gegenteilige Richtung sich bewegen lassen und besonders schlimm war der Fake-Boyfriend Ricardo, der immer mit Entourage und immer live ankam, um dann seine Maske fallen zu lassen, wobei ich den Eindruck hatte, dass er selbst dann noch eine Rolle gespielt hat. Vor allem hat all das wahrscheinlich keinen Anklang bei mir gefunden, weil die Person und von mir aus auch die Popsängerin Angelina nur unzureichend charakterisiert wurde. Wir wissen, dass ihre Mutter verstorben ist, wir wissen, dass sie mal sehr erfolgreich war, aber ansonsten? Leider gilt für Miguel im Grunde dasselbe, den wir als sehr liebevollen Vater erleben und bei dem wir wissen, dass er ein musikalisches Talent hat, aber auch hier ist dann Endstation. Auch als die beiden Figuren dann später aufeinandertreffen und merken, dass sie beieinander etwas anklingen lassen, gibt es immer Ansätze für tiefsinnige Gespräche, wie beispielsweise über Angelinas frühere Alben und dann bricht es einfach wieder ab, obwohl es an der Stelle doch interessant gewesen wäre, was sie dort verarbeitet hat, um sie als Mensch zu begreifen. Da das der Film aber von Anfang an ausblendet, fiel es von da an schwer, den Gedanken der Oberflächlichkeit abzuschütteln.

Mir erschien es auch unlogisch, was Angelina bewogen hat, ihre Assistentin Monique (Zenzi Williams) anzutreiben, dass sie sie erst durch die Gegend fährt, um sie dann zu Cristinas Schule zu bringen. Selbst wenn Angelina auf gute Publicity aus war, warum dann bei Fans ansetzen, die sie als Follower ohnehin schon hatte? Es wirkte demnach sehr konstruiert, wie der Popstar in das Leben der Torres-Familie platzt. Dennoch wird der Film an diesem Punkt definitiv besser, denn hier entsteht mehr Gemütlichkeit, mehr Spaß, mehr Logik und somit allgemeiner Unterhaltungswert. "Christmas With You" ist nicht unbedingt voll von klassischen Weihnachtselementen, die man sonst so kennt. Zwar geht es in dem komponierten Lied um eine Botschaft zu Weihnachten, aber das ist auch eher im übertragenen Sinne zu verstehen, weswegen der Kontext gut passte. Der Film hat sich inhaltlich mehr auf den Quinceañera von Cristina fokussiert, was ich auch nicht schlecht fand, da man dem Film deutlich die lateinamerikanischen Wurzeln angemerkt hat. Das finde ich bei dem ausgewählten Cast aber auch nur logisch. Vielleicht wäre es ganz schön gewesen, typische kulturelle Bräuche zu Weihnachten einzuflechten, aber der Fokus lag eben auf der Geburtstagsfeier mit Brauchtumscharakter und den ganzen intensiven Vorbereitungen, da ein Quinceañera eine echte Show ist. Der Eindruck, dass Weihnachten gar nicht so wichtig ist, hat sich dann auch immer bei den Überblendungen gezeigt, wenn kurz klassische Weihnachtsmusik eingespielt wurde, um nach wenigen Takten abgewürgt zu werden. Die eigentliche Musik hatte dann mehr die typische Latino-Rhythmen sowie auch der geschriebene Song nachher einen tanzbaren Rhythmus mitbekam. Warum dann also nicht konsequent auf spanischsprachige Weihnachtslieder setzen? Davon gibt es mehr als genug und es hätte ein runderes Bild gegeben.

Was sind nun also die Highlights des Films? Es sind für mich leider zu wenige, aber so mochte ich Monique sehr gerne. Sie ist genauso Teil der oberflächlichen Showbusiness-Welt und dennoch hatte sie für mich eine sehr ruhige und angenehme Präsenz. Auch wenn sie zu Anfang Angelina schon mal angetrieben hat, dass sie nach New York zurückkehren müssen, hat sie doch vor ihr erkannt, was sie bei Familie Torres alles für sich gefunden hat. Sie hat ihr nie groß dazwischen geredet und akzeptiert, dass Angelina der Boss ist, aber gleichzeitig hatte sie eine Art, sie unauffällig in die richtige Richtung zu lenken. Die Beziehung von Miguel und Cristina war wirklich süß, auch weil es nicht typisch jugendlich darum ging, dass er ihr ständig nur noch peinlich ist, sondern weil er alles immer mit durchgezogen hat und ihr größter Fan war, weswegen sie auch umgekehrt sein größter Fan sein konnte. Dazu eingebunden noch Großmutter Frida (Socorro Santiago) und die beiden Tanten Conchi (Helena Betancourt) und Connie (Elisa Bocanegra) und der Familienverbund ist komplett. Auch wenn ein wenig mit Klischees gespielt wurde, es wirkte dennoch ehrlich und einladend. Die Präsenz von Prinze Jr. möchte ich auch allgemein noch einmal erwähnen. Ich glaube zwar, dass er nur wenig gutes Material geliefert bekommen hat, aber er war auch ohne großartige charakterliche Unterfütterung ein Ruhepol dieses Films. Zwar war die Chemie mit Garcia nicht vorhanden (die insgesamt glaube ich zu fokussiert auf den Popstar und nicht den Menschen Angelina war), aber hat dennoch mit seiner Mimik etc. etwas ausgestrahlt, was in den ruhigeren Momenten ein gewisses Extra gegeben hat.

Durchgängig überzeugend fand ich letztlich das Ende. Zum Glück! Denn es ist immer besser mit einem zufriedenen Eindruck einen Film hinter sich zu lassen. Den Endspurt läutete für mich Angelinas Gespräch mit ihrer Pop-Kollegin Cheri (Nicolette Stephanie Templier) ein, weil es die wichtige Botschaft beinhaltete, dass besonders Frauen in vielen Bereichen gegeneinander aufgehetzt werden, um sich als Konkurrentinnen wahrzunehmen, statt sich gegenseitig zu unterstützen. So überlässt Angelina Cheri, die sich ohnehin stets als ehrlicher Fan ihrer Arbeit geoutet hat, einen wichtigen Promoauftritt, während sie selbst Klickzahlen Klickzahlen sein lässt, um dann zum Quinceañera von Cristina aufzubrechen. Es ist ein bodenständiges und ehrliches Ende, der mit dem herrlichen Spaß der Veranstaltung aufwartet und so einige kritische Gedanken zwischendurch doch etwas wegbläst.

Fazit

"Christmas With You" ist für mich eine eher enttäuschende Weihnachtsproduktion und das mal nicht, weil mit zu vielen Klischees gespielt wird, sondern weil der Film insgesamt zu oberflächlich gestaltet wurde und dann an den entscheidenden Stellen nicht genug Antworten hatte, um ein wohliges Gefühl auszulösen. Das Ende ist löblich rund und steht für das, was hätte sein können.

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Lena Donth - myFanbase
08.12.2022

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