Bewertung: 7
Peter Sollett

Metal Lords

Foto: Adrian Greensmith & Jaeden Martell, Metal Lords - Copyright: 2022 Netflix, Inc.; Scott Patrick Green / Netflix
Adrian Greensmith & Jaeden Martell, Metal Lords
© 2022 Netflix, Inc.; Scott Patrick Green / Netflix

Inhalt

Die beiden Außenseiter Kevin (Jaeden Martell) und Hunter (Adrian Greensmith) sind schon lange miteinander befreundet. Letzterer hat eine riesige Leidenschaft für Heavy Metal und überredet daher Kevin, dass sie gemeinsam eine Band gründen, die Skullf**ker. Während dieser sich mit der Musikrichtung vertraut macht, sind sie auf der Suche nach einem Bassisten, doch das gestaltet sich schwierig. Kevin wird auf die Mitschülerin Emily (Isis Hainsworth) aufmerksam, mit der er sich hervorragend versteht, doch Hunter ist partout gegen sie als Teil ihrer Band. Je näher der Wettbewerb 'Battle of the Bands' rückt, desto mehr kochen die Konflikte hoch und auch ihre Freundschaft droht zu zerbrechen.

Kritik

"Metal Lords" ist ganz klar eine Hommage an Heavy Metal, was sich alleine daran zeigt, dass für Cameo-Auftritte die Musikgrößen Rob Halford, Kirk Hammett, Scott Ian und Tom Morello gewonnen werden konnten. Letzterer verwundert eher weniger, gehört er doch zum Produktionsteam des Jugendfilms, der damit ganz klar seiner Liebe für das Genre Ausdruck verliehen hat. Eben dieser Morello hat dann auch wahrlich keine unbekannten Namen für hinter der Kamera engagieren können, denn nicht nur hat D.B. Weiss das Drehbuch beigesteuert, sein "Game of Thrones"-Partner David Benioff hat ebenfalls an der Produktion mitgewirkt und auch beim Soundtrack ist ein bekannter Name des Fantasy-Epos von HBO zu finden: Ramin Djawadi. Hier ist also ganz schön groß für aufgefahren worden und dennoch ist Heavy Metal eigentlich so gar nicht mein Genre, weswegen es mich selbst etwas verwundert hat, dass ich hier eingeschaltet habe. Dennoch kann ich gleich vorweg nehmen, dass man wahrlich kein Fan von Heavy Metal sein muss, um "Metal Lords" etwas abzugewinnen. Es ist sicherlich genialer, wenn es haargenau das eigene liebste Musikgenre ist, aber der Film hat auf deutlich mehr Ebenen etwas zu bieten.

Dass man kein Heavy-Metal-Fan durch und durch sein muss, kann man auch daran ablesen, dass der Film durchaus mit zwinkerndem und vielleicht sogar kritischen Blick auf typische Klischees dieses Genres blickt. Das ist besonders deutlich an Hunter zu bemerken, der seit dem Zeitpunkt, an dem die Mutter die Familie verlassen hat, einen ungeheuren Hass auf die Welt entwickelt hat. Dank seines Vaters (Brett Gelman), der als plastischer Chirurg tätig ist, führt er eigentlich ein privilegiertes Leben, doch das kann er nicht wertschätzen, weil einfach ein Loch in seinem Leben entstanden ist, das nicht mehr zu flicken ist. Also wird der Vater selbst gehasst, alle Mitschüler*innen, die auf ihn hinabsehen, werden gehasst und da hat Kevin fast Glück, dass er schon solange mit Hunter befreundet ist und ihn immer mal wieder erden kann. Ansonsten geht Hunter mit seinen Gefühlen aber vollends im Genre Heavy Metal auf und hat darin die perfekte Lebenseinstellung für sich entdeckt, die er mehr und mehr Einfluss auf seinen Alltag nehmen lässt. Prügeleien, wilde Fluchtfahrten, zerstörte Geräte und viel Geschrei ist dann natürlich inklusive. Man merkt aber deutlich, dass Hunter sich nicht wirklich selbstreflexiv damit auseinandersetzt, denn die Abneigung gegen Frauen, weil niemand in dem Genre spontan ein prominentes Beispiel nennen kann, sowie die homophoben Andeutungen, die sind deutlich nachgeplappert, als wirklich die eigene innere Einstellung. Er versteckt sich aber auch gerne dahinter, denn Hunter ist getrieben von Verlustängsten nach seiner Mutter. Er ahnt zwar, dass der Band ein weiteres Mitglied gut tun würde, aber nicht nur Emily, sondern auch andere männliche Kandidaten haben keinerlei reelle Chance.

Alleine diese Beschreibung zu Hunter zeigt schon deutlich, dass "Metal Lords" definitiv eine tiefergehende Ebene hat. In manchen absurden Szenen (der Humor beispielsweise mit den Würge-Szenen sowie dem offenen Bein beim Wettbewerb war nicht wirklich meins) mag man das kaum glauben, aber definitiv wird auf unaufdringliche Art und Weise sehr gute Charakterarbeit geboten. Das gilt gleichermaßen für Kevin und Emily. Er ist ein wenig der Guide für diesen Film, denn er hat zwar ein Grundinteresse an Heavy Metal, aber dennoch ist es auch für ihn eine neue Welt, die er musikalisch erst erkunden muss. Gegenüber Hunter ist er auch definitiv der natürliche Sympathieträger des Films, weswegen es leicht ist, sich mit ihm durch die Handlung treiben zu lassen. Es wird auch deutlich, dass er eigentlich der Außenseiter ist, aber dass Hunter es sich eben auf die Fahne geschrieben hat, sich für sie beide gegen die Mobber zu stellen, was umgekehrt natürlich die Aufmerksamkeit erst recht auf sich zieht. Deswegen ist es für Kevin auch die größere Herausforderung, dass er sich alleine zu behaupten lernt. Hunter war immer der Dominante, der alles entschieden und sich überall in den Vordergrund gedrängt hat, aber je mehr sich Kevin mit der Musik findet, desto mehr findet er auch sich selbst und schließt eigene Freundschaften. Noch sehr unbeholfen und plump, aber er lernt es. Mit diesen Gegensätzen der besten Freunde ist dann auch eine gute Entwicklung zu beobachten, denn einseitig geht niemals lange gut und je länger der Film fortschreitet, desto mehr verliert Hunter die Kontrolle, was wiederum Kevin beweist, dass er nicht nur ihn braucht, sondern genauso auch umgekehrt. Es ist schön, wie simpel die Freundschaft der beiden dadurch betont wird und dass Hunter vor allem lernt, dass loslassen nicht immer gleich auch verlieren bedeuten muss.

Zuletzt haben wir noch Emily, an der besonders deutlich das Thema mentale Gesundheit angegangen wird, denn auch wenn keine konkrete Diagnose erwähnt wird, wird mehrfach betont, dass sie auf Medikamente angewiesen ist, um ihre Emotionen und vor allem aggressives Potenzial unter Kontrolle zu halten. Kevin erwähnt auch, dass er Medikamente nehmen muss, so dass es ein wenig ein roter Faden des Films ist, der schließlich auch darin gipfelt, dass Hunter in der Therapie landet. Auch wenn es leider nicht konsequent auch bei Emily angegangen wurde, aber es wurde deutlich, dass es auch im Vorverurteilung bei psychologischen Diagnosen ging, denn als Hunter seinem Therapeuten Troy Nix (sehr passend besetzt mit Joe Manganiello) gegenübersitzt, der ebenfalls eine Karriere in Heavy Metal hinter sich hat, kommt schnell zur Sprache, dass Hunter vielleicht viel zu verarbeiten hat, aber dass er nicht gleich in einer Therapie begleitet werden muss. Vielmehr ist die Botschaft, wirklich miteinander zu reden und das wird eben auch bei Emily deutlich, die in Kevin einen aufmerksamen Freund gewinnt, der sie keinesfalls verurteilt, wenn sie gerade mal wieder ein Instrument vernichtet hat. Zudem sind die Musiksessions der beiden wirklich schön geworden, auch weil unterstrichen wurde, dass Musik eine universale Sprache ist, die eigentlich gar keine Genres kennen muss. Auffällig ist bei den drei Hauptfiguren auch wieder, dass es keine Hochglanzproduktion ist, sondern dass es wirklich einfach Jugendliche sein dürfen und das ist doch eine schöne Botschaft an die Zielgruppe.

Fazit

"Metal Lords" hat im Bereich Humor und Nebenschauplätze durchaus gewisse Baustellen, die sich aber gut verschmerzen lassen, wenn man bedenkt, dass es gerade für die jugendliche Zielgruppe eine wirklich authentische Darstellung geworden ist. In dem teilweise auch etwas übertriebenen Setting blitzt der thematische Tiefgang immer durch und weiß definitiv auch zu berühren. Zudem die gute Nachricht zum Schluss, man muss kein Heavy-Metal-Superfan sein, um sich musikalisch auf diese Reise einlassen zu können, weil es sehr universell verpackt worden ist.

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Lena Donth - myFanbase
02.05.2022

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