Bewertung: 5

Venom: Let There Be Carnage

Foto: Venom: Let There Be Carnage - Copyright: 2021 Columbia Pictures Industries, Inc. All Rights Reserved. | MARVEL and all related character names: © &  2021 MARVEL
Venom: Let There Be Carnage
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Inhalt

Eddie Brock (Tom Hardy) muss sich weiterhin an ein gemeinsames Leben mit dem vorlauten und launischen Venom gewöhnen, mit dem er sich einen Körper teilt. Hinzukommt, dass seine Karriere als Journalist in Scherben liegt und er die Trennung von Anne (Michelle Williams) immer noch nicht überwunden hat. Da kommt die Anfrage von Serienkiller Cletus Kasady (Woody Harrelson) genau richtig, der vor seiner Todesstrafe im Gefängnis verlangt, mit Eddie sprechen zu dürfen. Da zahlreiche seine Opfer immer noch nicht gefunden werden konnten, gewährt man von der Polizei diesen Wunsch in der Hoffnung, mehr über die Ablegeorte der anderen Leichen zu erfahren. Doch es kommt alles anders, denn als Eddie und Venom sich verkrachen, ist Kasady plötzlich auf freiem Fuß und beherbergt in sich den Symbionten Carnage.

Kritik

"Venom" ist 2018 als Geheimtipp in den Kinos gekommen, doch die Lust auf einen neuen Superheldenfilm, der vor allem auch eher düster ausgerichtet sein sollte, hat das Einspielergebnis damals zu einem riesigen Erfolg gebracht, der alle Erwartungen übertroffen hat. Dennoch war es nicht so, dass der Film ein breites positives Echo ausgelöst hat, denn gerade der Einstieg des Films hat sich als sehr zäh erwiesen und erst gegen Ende hin, war ein gutes Tempo gefunden worden, bei dem bewiesen werden konnte, was mit dieser neuen fiktiven Welt alles möglich sein könnte. Aber bei dem riesigen Gewinn, den Sony mit "Venom" machen konnte, ist es kaum verwunderlich, dass die Reihe schnell fortgesetzt werden sollte, zumal Venom auch eine sehr beliebte Comicfigur ist, zu der es genug inhaltliche Vorlagen gibt. Doch die Eile, möglichst schnell nachzulegen, das ist dem Film leider etwas anzumerken. Drehbuchautorin Kelly Marcel, die schon beim ersten Film am Drehbuch beteiligt war, zeigt sich hier alleinverantwortlich, hat aber offenbar mit Hauptdarsteller Hardy sich ein paar Ideen durch den Kopf gehen lassen und dabei ist nun "Venom: Let There Be Carnage" herausgekommen.

Im Gegensatz zu der ersten Verfilmung sind diesmal keine Anlaufschwierigkeiten festzustellen, da das Tempo durchaus durchgängig hoch ist. Zudem braucht es keine Erklärungsversuche zu den Symbionten mehr, alle sind nun aufgeklärt, weswegen es nur noch um die Handlung selbst gehen kann. Das ist erstmal positiv, doch das Drehbuch ist einfach dünn und unausgereift. Die Laufzeit des reinen Filmgeschehens beträgt noch nicht mal 90 Minuten, was wirklich sehr knapp ist. Speziell in diesem Genre hat man in den letzten Jahren eher beobachtet, dass bei den Laufzeiten alles ausgereizt wird, was geht. "Venom: Let There Be Carnage" bemüht sich in diese Richtung aber überhaupt nicht und macht stattdessen eine schnelle Nummer daraus. Da nicht immer alles langatmig verpackt werden muss, muss das ja auch nicht generell falsch sein, aber es lassen sich genug Stellen herausfiltern, an denen deutlich zu merken ist, wie dünn das Drehbuch ist. Deswegen ist die Kritik im vorangegangenen Abschnitt auch so bissig formuliert, weil es so leider wirklich wirkt, als hätten Marcel und Hardy mal schnell ein paar Ideen in einen Mixer geworfen und das genommen, was dabei herausgekommen ist.

Die Mängel des Drehbuchs kann man besonders bei den beiden neuen Bösewichten Kasady und Frances Barrison akas Shriek (Naomie Harris) feststellen. Mit Beginn des Films erleben wir zwar mit, wie die beiden sich kennen und lieben gelernt haben, aber weiterhin kommt kaum noch etwas Neues hinzu. Zu Frances gibt es tatsächlich nichts mehr, so dass sie einfach nur als treudoof Kasady gegenüber bezeichnet werden kann. Von Kasady gibt es noch ein wenig mehr, weil wir erfahren, dass er gleich zwei Familienmitglieder getötet hat, aber dennoch geht es psychologisch nicht weiter in die Tiefe. Das ist zum einen schade, weil das Genre immer von ausgereiften Bösewichten lebt, die auch in Erinnerung bleiben müssen und zum anderen ist Harrelson ein wirklich großartiger Schauspieler, der eine mögliche Tiefe des Drehbuchs problemlos hätte ausfüllen können. So darf er nur irgendwann noch hauchen, dass er mit Eddie einfach nur Freunde sein wollte, was auch immer das heißt und auch seine Beziehung zu Carnage hat sich nicht logisch erklärt. Denn erst waren die beiden eine perfekte Symbiose, doch Frances mit ihrem Schrei der Schallwellen verkörperte genau das, was Symbionten nicht vertragen können. Deswegen hat sich Carnage irgendwann gegen sie gerichtet, doch die Gegenwehr von Kasady war anschließend nicht konsequent genug, weswegen sich hier erneut Probleme im Drehbuch offenbarten, weil es immer unglücklich ist, wenn Figuren gegen ihren eigenen Charakter agieren.

Die Regie ist diesmal von Andy Serkis übernommen worden, der damit Ruben Fleischer ersetzt hat, der wegen der drängenden Eile und anderen Projekten absagen musste. Der Hollywoodschauspieler hat zwar schon zweimal auf dem Regiestuhl gesessen, richtig erfahren ist er damit sicher nicht und dennoch merkt man ihm an, dass er dem Film seinen eigenen Stempel aufgedrückt hat, denn die Düsternis der Comic-Vorlage, auf die viele Fans in der zweiten Verfilmung deutlich stärker gehofft haben, ist endgültig verabschiedet worden, weil es doch über die knapp 90 Minuten hinweg sehr brav zugeht. Da sind sogar die finalen Kampfszenen vergleichsweise zusammengestutzt worden und auch sonst wirkt das Gehirnfressen der Symbionten echt harmlos. Ich persönlich brauche es nicht brutal, ich schaue die Filmreihe ohnehin tendenziell eher wegen des Humors, aber selbst ich kann feststellen, dass der zweite Film nun sehr glattgebügelt ist und wenig provoziert. Dass Serkis hier also seinen eigenen Stil durchgesetzt hat, ist damit nicht unbedingt als Kompliment zu verstehen.

Der Humor passt für mich zum Glück weiterhin, auch wenn das Miteinander von Venom und Eddie natürlich nicht mehr neu ist und dadurch erste Abnutzungserscheinungen zeigt. Dennoch ist der etwas unselbständige Eddie gepaart mit dem fordernden Venom, der auch eher wie ein Kind mit dem Kopf durch die Wand will, eine ansprechende Mischung, die immer wieder zu einigen Lachern einlädt. Die Beziehungskrise der beiden war für die zweite Verfilmung sicherlich erwartbar, weil es der Klassiker aus der Filmschatzkiste ist, aber es ergibt inhaltlich auch Sinn, da so der Gegensatz zu Kasady und Carnage besser betont werden konnte. Auch die weitere Einbindung von Anne und Dan (Scott Reid) ist geglückt, weil Williams die starke Anwältin, die ihre Männer allesamt im Griff hat, echt lustig spielt. Dazu eben Dan, der immer noch nicht recht weiß, in welch verrückter Welt er eigentlich lebt, der damit eigentlich gerne abschließen würde, durch seine Jetzt-Verlobte aber wieder reingezogen zu werden und dann auch zum heimlichen Helden zu werden. Hier zeigt sich, dass die Produktion die kultigen Elemente der Filmreihe durchaus ausfindig gemacht haben. Insgesamt ist es in diesem Drehbuch dann aber zu wenig, um vollends zu überzeugen.

Die Verfilmung zu "Venom" wird bekanntlich nicht von Marvel produziert und ist damit nicht offiziell Teil des MCU, doch es gab immer schon die Hoffnung, dass es irgendwann eine Verbindung geben könnte, die nun durch die Abspannszene, in der Eddie und Venom mitbekommen, wie Peter Parkers (Tom Holland) Identität entlarvt wird, bestätigt wird. Die Verbindung ist in dem inzwischen ebenfalls erschienen "Spider-Man: No Way Home" noch einmal bestätigt worden, auch wenn weiterhin unklar ist, was genau für die Zukunft beabsichtigt ist. Da das Interesse an "Venom" aber merklich abgekühlt ist und wahrlich nicht mit dem Hype um "Deadpool" (der ebenfalls auf eigenen Füßen stehen muss) zu vergleichen ist, ist es an dieser Stelle clever, auf Verbindungen zu setzen, die die Fans bei der Stange halten werden, denn ich bin nicht sicher, ob sonst die Haltbarkeit von "Venom" wirklich noch so langfristig wäre, wie sie aktuell geplant ist (mit noch zwei weiteren Verfilmungen).

Fazit

"Venom: Let There Be Carnage" ist eine Fortsetzung, die möglicherweise zu schnell auf den Markt getrieben worden ist, auch wenn doch gerade die Corona-Pandemie die perfekte Ausrede gewesen wäre, sich etwas mehr Ruhe zu gönnen. Das Drehbuch und sicherlich auch die Regiearbeit, die sich von der Vorlage stilistisch noch mehr entfernt, sind beide maximal als befriedigend zu bezeichnen. Zudem ist die Laufzeit echt knapp, so dass bis auf den weiterhin überzeugenden Humor nichts anderes groß zu überzeugen weiß. "Venom" hat eigentlich Potenzial ohne Ende, aber die filmischen Umsetzungen lassen weiterhin bei zu vielem zu wünschen übrig.

Technische Details

Seitenverhältnis: 16:9 - 1.85:1, 16:9 - 1.77:1
Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
Medienformat: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Studio: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Lena Donth - myFanbase
30.01.2022

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