Bewertung: 3

Thunder Force

Foto: Thunder Force - Copyright: 2021 Netflix, Inc.
Thunder Force
© 2021 Netflix, Inc.

Inhalt

In einer Welt, die von Superschurken terrorisiert wird, hat die Wissenschaftlerin Emily Stanton (Octavia Spencer) eine Möglichkeit gefunden, normalen Menschen Superkräfte zu verleihen, damit sie sich dem Böse stellen können. Doch durch einen Unfall gelangt ihre frühere beste Freundin Lydia Berman (Melissa McCarthy), die mehr schlecht als recht durchs Leben kommt, an diese Kräfte. Notgedrungen muss sich Emily, die eigene Kräfte hat, mit ihr verbünden, um zum Superheldenteam 'Thunder Force' zu werden. Dabei müssen sie sich vor allem dem Bösewicht The King (Bobby Cannavale) stellen.

Kritik

Es gibt diese Filme, bei denen man vorab das Gefühl hat, dass sie großartig werden, aber wenn das genaue Gegenteil eintritt, dass man sich fast nicht traut, die empfundene Kritik auch niederzuschreiben. Zunächst einmal ist es so, dass sicherlich in den Ausgangsbedingungen von "Thunder Force" vieles richtig gemacht wurde. Mit Melissa McCarthy und Octavia Spencer sind zwei Schauspiellegenden erstmals gemeinsam gecastet worden, die für völlig unterschiedliche Fähigkeiten bewundert werden, aber die man sich zusammen ansieht und sagt: "Das passt!" Und dennoch habe ich mich zwischendurch bei dem Gedanken erwischt, wie viel lustiger es gewesen wäre, wenn McCarthy und Spencer die Rollen getauscht hätten und somit aus ihrer Komfortzone gezwungen worden wäre. Gerade McCarthy spielt Rollen wie Lydia immer und immer wieder. Deswegen mag sie das wie im Traum beherrschen, aber es hat leider keinen Überraschungseffekt mehr. Weiterhin sind Superheldenfilme immer noch ein sehr beliebtes Genre, ja regelrecht ein Selbstläufer und beide Darstellerinnen sind wahrlich nicht die Besetzungen, die man als erste im Kopf haben würde (was dann auch beim Ein- und Aussteigen aus dem Lamborghini grandios parodiert wurde). Auch Frauenpower ist für diese Filme immer noch nicht die Regel. Also warum ist "Thunder Force" dann so durchschnittlich geworden, wenn nicht sogar stellenweise noch schlechter?

Der offensichtlichste Aspekt für die Kritik ist sicherlich das schwache Drehbuch. Nach einer lax geschaffenen Ausgangslage mit den Superschurken geht es im Grunde nur noch darum, eine vermeintlich lustige Szene an die andere zu reihen. Bei alldem kommt nicht wirklich durch, ob der Film bis auf das Besiegen des Bösen noch eine andere Prämisse hat. Zudem verpufft jeglicher Überraschungseffekt, ehe er überhaupt seine Wirkung entfalten kann. Dass The King selbst Superkräfte hat? Klar wie Kloßbrühe! Dass Allie (Melissa Leo) zum Feind übergelaufen ist? Viel zu offensichtlich inszeniert. Und auch die Aufnahme von Tracy (Taylor Mosby) ins Superheldenteam, um die Frauenpower noch einmal zu intensivieren, war dann zu erwarten. Ob ich vielleicht einfach zu hohe Erwartungen an eine Komödie gestellt habe? Nein, ich denke nicht. Denn Zuschauer*innen zum Lachen bringen zu wollen, bedeutet auf der anderen Seite nicht, dass man sich inhaltlich mit dem Minimum zufrieden geben muss. Letztlich wird auch Spencer das während des Drehs bewusst geworden sein, denn aus der Unsichtbarkeitsfähigkeit von Emily wurde nahezu nichts gemacht. Hinter Lydia mit ihrer unheimlichen Kraft ist sie völlig verblasst. Von Team konnte daher oft eher weniger die Rede sein, denn eigentlich hat Lydia Emily nur ständig retten müssen. Das waren die Festspiele für McCarthy, was angesichts der Tatsache, dass deren Ehemann, Ben Falcone, das Drehbuch beigesteuert und die Regie übernommen hat, wenig überrascht. Aber eine Octavia Spencer hat definitiv mehr verdient!

Abschließend will ich noch auf die Form von Humor zu sprechen kommen, die in "Thunder Force" angewendet wird. Das lässt sich relativ einfach unter peinlich, peinlicher, am peinlichsten zusammenfassen. Einzelne Momente wie die angesprochenen Szenen mit dem Lamborghini oder generell die Idee hinter Jason Batemans Figur der Krabbe, die als Schurke lächerlicher nicht sein könnte, aber gerade dadurch ihren Charme entwickelt, die fruchten. Aber gerade die Szenen, die McCarthy beinhalten, was natürlich die meisten sind, waren einfach viel zu übertrieben. Eine Anti-Superheldenserie wie "The Boys" von Amazon Prime setzt als Stilmittel auch auf Übertreibung, aber gleichzeitig so bierernst, dass man belustigt und entsetzt gleichermaßen ist. Aber das kann ich diesem Film nun wahrlich nicht bescheinigen. Dass McCarthy keinerlei Scham kennt und für einen vermeintlichen Lacher jenseits aller Schmerzgrenzen geht, war natürlich bekannt. Aber ich denke nicht, dass es ihre Aufgabe ist, dass nur immer und immer wieder neu zu toppen. Denn mögliche Momente des Tiefgangs, Momente von Charakterentwicklung werden damit von Anfang an torpediert. Das ist mit der Erinnerung an deutlich tiefsinnigere Figuren in "Gilmore Girls" oder auch "Mike & Molly" eigentlich eine Entwicklung in die falsche Richtung.

Fazit

Ich hatte mich auf "Thunder Force" eigentlich gefreut, aber das Endergebnis tendiert leider eher zu 'verschwendete Lebenszeit'. Die Idee, die Besetzung, all das hatte ohne Frage Potenzial, aber es ist eine inhaltlich sehr dünne Umsetzung mit extrem flachem Humor rausgekommen, die für Schauspielgrößen wie Melissa McCarthy und Octavia Spencer eigentlich eine Schande sein müsste.

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Lena Donth - myFanbase
14.04.2021

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