Bewertung: 5
LP

Desperados

Foto: Copyright: Netflix, Inc.
© Netflix, Inc.

Inhalt

Eine panische junge Frau namens Wesley (Nasim Pedrad) reist mit ihren widerwilligen besten Freundinnen Brooke (Anna Camp) und Kaylie (Sarah Burns) nach Mexiko, denn sie hat ihrem neuen Partner (Robbie Amell) eine wütende E-Mail geschrieben, die nach einem Missverständnis nun dringend gelöscht werden muss. Dabei bekommt sie unerwartet Hilfe von Sean (Lamorne Morris), der sie bei einem ersten Date hat sitzen lassen.

Kritik

Für "New Girl"-Fans ist "Desperados" natürlich ein Muss, immerhin zeigt es Pedrad und Morris in den zentralen Hauptrollen und sie haben mehrere Staffeln lang als Aly Nelson und Winston Bishop Seite an Seite gespielt und die längste Zeit davon ein Liebespaar, das die Herzen der Fans erreicht hat. Dass die beiden eine besondere Dynamik haben, ist nun offenbar auch den Verantwortlichen von "Desperados" aufgefallen, die beide erneut zusammen gecastet haben. Ich habe es sehr genossen, die beiden wieder zusammen zu sehen, zumal ihre Rollen völlig vertauscht waren, so dass es nicht wie ein Abklatsch ihrer Liebesgeschichte bei "New Girl" wirkte. Man hat ihnen in jedem Moment ihre neuen Figuren Wesley und Sean abgekauft. Hier ist nun Wesley völlig chaotisch, von jedem Fettnäpfchen gerne gesehen und einfach laut und exzentrisch. Dagegen wirkt Sean wie die Stimme der Vernunft, der durchaus schon mal von ihr überfordert ist, aber auch als trauernder Witwer genießt, dass sie selbst an ihrem tiefsten Punkt noch vor Lebensfreude strahlt. Ich fand diese umgekehrten Voraussetzungen wirklich großartig, zumal ihre Chemie vollkommen die gleiche war und definitiv das Herzstück des Films. Zudem habe ich Pedrad und Morris jeweils so noch nicht gesehen und ich denke, dass es auch ihnen gefallen hat, so andere Seiten zeigen zu dürfen und sich dabei dennoch auf einen eingespieltes Drehpartner verlassen zu können.

Inhaltlich hatte "Desperados" aber deutliche Auf und Abs. Neben der angesprochenen guten Chemie von Wesley und Sean, war es positiv und überraschend, mal Amell als Jared nicht in der zentralen Rolle des Liebeshelden zu sehen. Gleichzeitig ist damit auch ein Knackpunkt verbunden, denn abgesehen von Sean und Wesley sind alle anderen Figuren sehr knapp gehalten worden. Nicht nur Jared, sondern auch die besten Freundinnen Brooke und Kaylie. Nachdem sie sich im Streit von Wesley getrennt haben, bekommen sie auf einmal selbstständige Momente, in denen man deutlich merkt, dass sie auch eine eigene Geschichte zu erzählen haben, die man aber in wenigen Minuten dann nicht als auserzählt betrachtet kann. Da finde ich es konsequenter, Nebenfiguren Nebenfiguren sein zu lassen, aber so halb halb fand ich es eher unpassend.

Natürlich war mir von Anfang an bewusst, dass es eine Komödie werden würde, die eher mit Überspitzungen und Slapstick arbeiten würde, aber manchmal ist mir die Komik doch zu derb und tatsächlich unpassend geworden. Ich sage nur Genitalien eines Delfins. Das hat man sicherlich nicht zum ersten Mal im Fernsehen gesehen, aber der Film hat nur an einigen wenigen Stellen solch explizite Stellen, so dass auch hier wieder der Gesamteindruck entsteht, dass der Film kein durchgängiges Konzept hat. Mal wild, mal kitschig, mal zum Schlapplachen, mal total daneben. Nicht jede Art von Humor muss einem gefallen, aber hier waren gefühlt tausend verschiedene Geschmäcker verarbeitet. Dennoch hat "Desperados" auch schöne tiefsinnige Momente, gerade um die Trauer von Sean verwoben, die zu keinem Zeitpunkt ins Lächerliche gezogen wird. Oder eben Wesley, die immer Männer hinterherjagt, um vermeintlich ihr Glück zu erfüllen, um dann zu erkennen, dass sie mit ihren Freundinnen schon längst die wichtigste Stütze im Leben hat und der Rest ganz von selbst kommt.

Fazit

"Desperados" ist leider eine Komödie ohne klares Konzept, so dass im Bereich der Figurenkonzeption und des Humors starke qualitative Unterschiede zu beobachten sind. Das Herzstück des Films sind aber die aus "New Girl" bereits bestens vertrauten Nasim Pedrad und Lamorne Morris. Sie machen aus dieser sehr durchschnittlichen Komödie doch eine sehr charmante Unterhaltung, die man sich angucken kann.

Lena Donth - myFanbase
17.08.2020

Diskussion zu diesem Film