Bewertung: 7

Mord im Orient-Express

Foto: Copyright: 2017 Twentieth Century Fox
© 2017 Twentieth Century Fox

Inhalt

Der berühmte belgische Detektiv Hercule Poirot befindet sich in Istanbul, als er gebeten wird nach England zurückzukehren, um dort einen Fall zu lösen. Poirot wählt den Orient-Express, um sich auf den Weg nach Großbritannien zu machen und während der Fahrt ereignet sich im Zug ein schrecklicher Mord. Der Kunsthändler Edward Ratchett wurde mit einem Dutzend Messerstichen getötet und nun ist es an Poirot, unter den Passagieren des Zuges den Mörder zu ermitteln. Es gibt viele Hinweise, die alle in unterschiedliche Richtungen deuten, doch als Poirot die wahre Identität des Toten aufdeckt, fügen sich die Puzzleteile zusammen.

Kritik

Als eingefleischter Fan der Kriminalgeschichten von Agatha Christie war diese Romanverfilmung für mich ein absolutes Muss. Gleichzeitig war ich mir nicht sicher, ob der Film dadurch nicht von vornherein dazu verdammt war, mich zu enttäuschen, denn auch wenn man für "Mord in Orient-Express" eine echte Starbesetzung zusammentrommeln konnte, ist man als Buchkenner immer ein wenig voreingenommen und hat große Erwartungen. Meine größten Zweifel galten der Hauptfigur des Hercule Poirot, der von Kenneth Branagh gespielt wurde. Aus den Büchern kennt man Poirot als einen sehr eigensinnigen, detailverliebten und akkuraten Mann, der durch Zurücklehnen seine kleinen grauen Zellen arbeiten lässt und ohne viel Zutun im Stande ist, seine Mordfälle zu lösen, da er die menschliche Natur bestens kennt. Auf den ersten Blick passte Branagh für mich als Poirot daher nicht, denn auch wenn er schon so einige Rollen gespielt hat, sehe ich in ihm stets Gilderoy Lockhart aus "Harry Potter und die Kammer des Schreckens". Zu meiner Überraschung machte man uns den Schauspieler als Poirot allerdings sehr schnell schmackhaft und unterstrich in den ersten Minuten des Filmes dessen Drang nach Perfektionismus und Synchronität, wodurch ich mich dann doch gut mit ihm anfreunden konnte.

Nachdem diese Hürde genommen war, konnten mich auch die meisten anderen Schauspieler in ihren Rollen überzeugen, da sie, bis auf wenige Ausnahmen, genau die Charakterzüge widerspiegelten, die einem aus dem Buch noch in Erinnerung waren.

Johnny Depp spielt das Mordopfer Edward Ratchett, den er genau so unsympathisch erscheinen lässt, wie man es als Buchkenner gern sehen möchte. Bisher habe ich Depp nur in Sympathieträger-Rollen gesehen, weshalb es umso spannender war, ihn nun einmal von einer anderen Seite zu betrachten. Es ist wirklich schade, dass Ratchett so früh aus der Geschichte ausscheidet, da Depp dadurch recht wenig zu tun hatte.

Auch die Verdächtigen haben mir sehr gut gefallen, besonders Judi Dench als Prinzessin Dragomiroff und Michelle Pfeiffer als Caroline Hubbard weckten Erinnerungen an die Romanvorlage. Nicht ganz so gut getroffen waren Mary Debenham (Daisy Ridley), Dr. Arbuthnot (Leslie Odom Jr.) sowie Graf (Sergei Polunin) und Gräfin Andrenyi (Lucy Boynton), denn bei diesen Figuren nahm man sich für meinen Geschmack etwas zu viel erzählerische Freiheit. Mary Debenham und Colonel Arbuthnot sind im Buch zwei waschechte Engländer und daher sehr verschlossen, was hier nicht der Fall war. Auch dass Poirot Debenham sehr in seine Ermittlungen mit einbezogen hat, wirkte nicht ganz stimmig, da man uns nicht erklärte, warum er ihr soviel Einblicke gewährte. Bei dem Grafen und seiner Frau wurde hingegen gleich zu Beginn der Geschichte eine Karate-Nummer mit eingebaut, die überhaupt nicht zum restlichen Film passte und auch die spätere Aggressivität des Grafen wirkte überspitzt.

Bei Dr. Aruthnot hat man zwei Figuren des Buches verschmelzen lassen, wodurch seine englische Distanziertheit verloren ging, was nicht recht ins Bild passte. Zum Ende des Filmes hin bedroht er den Ermittler dann außerdem, was mir ebenfalls nicht gefallen hat, da es so wirkte, als würde man die Geschichte künstlich aufpeppen wollen. Diesen Eindruck hatte ich auch, als einer der Verdächtigen plötzlich mit der Mordwaffe angegriffen wurde. Die Abwandlung aus dem Buch passte ebenfalls nicht zum Rest der Geschichte und es wurde auch nicht logisch erklärt, wozu der Angriff nötig war.

Die Gestaltung des Orient-Express hat mir sehr gut gefallen, denn automatisch fühlt man sich in eine längst vergessene Zeit zurückversetzt. Die damalige Art zu reisen ist nicht vergleichbar damit, heute in einen Zug zu steigen. Mit viel Liebe zum Detail hat man den Schauplatz des Verbrechens in Szene gesetzt, wodurch ich gleich Lust bekam, auch einmal eine Reise mit dem Orient-Express zu machen, der eher wie ein gemütliches Hotel als wie ein Verkehrsmittel wirkt.

Die Grundidee von "Mord im Orient-Express" blieb erhalten und Buchkenner werden mit dem Ausgang der Geschichte zufrieden sein. Ähnlich wie in der Romanvorlage gestaltet man die Erzählung so, dass Poirot schnell die wahre Identität des Opfers in Erfahrung bringt und die Lügen der Verdächtigen aufgedeckt, wodurch er das Gesamtbild erkennt. Schwachstellen weist die Erzählung in meinen Augen an den Stellen auf, an denen man sich zu sehr vom Buch entfernt hat, denn die Versuche, den Film Action-geladener zu machen, fügen sich nicht harmonisch ein.

Fazit

"Mord im Orient-Express" ist eine gelungene Romanverfilmung, die besonders durch ihre Starbesetzung glänzen kann. Die Geschichte wird spannend erzählt, lediglich die Passagen, die sich zu weit vom Buch entfernen, passen nicht ganz ins Bild. Insgesamt aber ein schöner Krimi mit einer unerwarteten Enthüllung.

Marie Florschütz - myFanbase
08.11.2017

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