Bewertung
Lucia Aniello

Girls' Night Out

"Excuse me, bitch? I'm a fucking sweetheart!"

Foto: Copyright: 2017 Sony Pictures Releasing GmbH
© 2017 Sony Pictures Releasing GmbH

Inhalt

Vier Freundinnen treffen sich Jahre nachdem sie in der Uni zusammen gewohnt haben, um den Junggesellenabschied von Jess (Scarlett Johansson, "Marvel's The Avengers") in Miami zu feiern. Doch Alice (Jillian Bell, "22 Jump Street"), Blair (Zoë Krawitz, "Die Bestimmung"), Frankie (Ilana Glazer, "Broad City") und auch Jess haben sich in vollkommen verschiedene Richtungen entwickelt. Als Jess' Freundin Pippa (Kate McKinnon, "Ghostbusters") aus Australien zu der Gruppe stößt und der vermeintliche Stripper das Zeitliche segnet, wird der gut geplante Trip zum heillosen Durcheinander.

Kritik

Auch wenn man bei "Girls' Night Out" zu Beginn noch ein bisschen Hoffnung hatte, dass der Film nicht so schlimm wird wie seine Prämisse, so verflüchtigt sich diese Hoffnung sehr schnell. Vier Freundinnen, die sich, seitdem sie nicht mehr in Universität sind, auseinander gelebt haben, und nun für den Junggesellenabschied einer von ihnen wieder aufeinander treffen. Soweit so gut, die Klischees und Stereotype sind somit schon einmal vorgegeben. Immer wieder im Verlauf von "Girls' Night Out", keimt Hoffnung auf, dass nach einer Szene, die nicht komplett grausam war, der Film sich auf eine qualitativ höhere Ebene bewegen wird, aber dem ist nur sehr selten so und auch immer nur für einen begrenzten Zeitraum.

Auch wenn sich die vier Protagonisten vom Anfang auseinander gelebt haben, so treffen sie in Miami aufeinander, um ein Partywochenende par exellence zu verbringen. Zunächst scheint das aufeinanderprallen der vier doch sehr verschiedenen Persönlichkeiten von Alice (Lehrerin, Mutter), Blair (Aktivistin), Frankie (Anwältin) und nicht zuletzt Jess (Politikerin) recht lustig zu werden. Doch als Jess' australische Freundin, die sie in ihrem Auslandssemester im Studium kennengelernt hatte, dazu kommt verhärten sich einige Fronten und gerade mit Alice ist nicht mehr gut Kirschen essen. Ein paar leicht rassistische Witze und ein erschlagener Stripper später, besteht "Girls' Night Out" nur noch aus Chaos.

Das Strandhaus, welches eine Wahlkampfunterstützerin von Jess freundlicherweise für das Wochenende zur Verfügung gestellt hatte, wird zum Tatort. Doch damit nicht genug – in unkontrollierbarer Panik, ganz nach dem Motto 'alles was schief gehen kann, geht schief', versuchen die fünf Frauen das einzig logische: die Leiche des Mannes, den sie ausversehen getötet haben, loszuwerden. Wer sich bis zu diesem Punkt im Film noch nicht von Klischees und Stereotypen erschlagen gefühlt hat, hat starke Nerven. Jede Szene, jeder Austausch zwischen den Charakteren ist lediglich eine weitere Anhäufung an absoluter Idiotie. Als "Modern Family"-Fan erlebt man zudem eine etwas verstörende Überraschung, als die Nachbarn des Strandhauses in die Handlung miteinbezogen werden: Ty Burrell, in "Modern Family" der liebenswürdige Familienvater Phil, spielt zusammen mit Demi Moore ("Empire", "3 Engel für Charlie – Volle Power") ein sexhungriges Paar, das vor Gelüsten nur so strotzt. Das nächste Mal "Modern Family" gucken wird nach "Girls' Night Out" sicherlich ein anderes Erlebnis sein.

Leider entwickelt sich die Handlung im ganzen Film absolut vorhersehbar, wenn man einfach damit rechnet, dass alles was schief gehen kann, dies auch tut. Da helfen auch knallende Sektkorken im Flughafen, die eine latente Panik auslösen, und der leider nur wenige Minuten dauernde Auftritt von Colton Haynes ("Teen Wolf", "Arrow") nicht mehr, den Film wenigstens ansatzweise zu retten. Am Ende des Films stellt man sich zum wiederholten Male die Frage, warum Scarlett Johansson "Girls' Night Out" gedreht hat, als in einer kurzen Szene ihre Fähigkeiten durchblitzen, und für einen kurzen Augenblick ihr Black Widow Alter Ego zum Vorschein kommt.

Fazit

"Girls' Night Out" ist ein Genrefilm, der an eine ganz bestimmte Zielgruppe gerichtet ist. Der Film wird gerne herangezogen, als '"Hangover", nur mit Frauen', wobei gesagt werden muss, dass es selbst als Feministin schwerfällt, diesem Film auch nur minimalen Mehrwert abzugewinnen. "Girl's Night Out" ist ein Film, den man vermutlich besser nur guckt, wenn man alle anderen Filme des Jahres schon geguckt hat und draußen schlechtes Wetter ist.

Jeanne Plaumann - myFanbase
29.06.2017

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