Bewertung: 7
Guillermo del Toro

Crimson Peak

Beware.

Foto: Copyright: 2015 Universal Pictures International All Rights Reserved
© 2015 Universal Pictures International All Rights Reserved

Inhalt

Als die junge Schriftstellerin Edith Cushing (Mia Wasikowska) den geheimnisvollen Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) kennen lernt und mit ihm in ein gespenstisches Anwesen in England zieht, verändert sich ihr Leben für immer. Das Haus und seine Bewohner scheinen ein grauenvolles Geheimnis zu haben. Sie ist hin und hergerissen von den Geheimnissen, die sie umgeben, der Liebe zu Thomas und der Frage danach, was auf Crimson Peak vor sich geht.

Kritik

In einigen Interviews zum Film beschrieb der "Crimson Peak"-Macher Guillermo del Torro ("Pans Labyrinth") eine Gothik-Romance und was soll man sagen? Man bekommt, was einem versprochen wird. Auch wenn es im Trailer noch überwiegend nach einer Geistergeschichte aussieht, ist der Film doch so viel mehr. Er zeigt die Abgründe, die sich in dem Anwesen der Sharpes auftun und mit Edith eine junge Frau, die unter allen Umständen herausfinden will, wieso der Geist ihrer Mutter sie vor Jahren vor Crimson Peak gewarnt hat.

Dabei verleiht del Torro "seinem" Genre des Gothic einen neuen Anstrich. Mich haben neben den schauspielerischen Leistungen der beiden Damen (dazu gleich mehr) besonders das eindrucksvolle Bühnenbild und die Kostüme überzeugt. Man kommt sich vor wie in einer Gothic Novel: Das Haus auf der Spitze eines Berges, der mit Schnee bedeckt ist, aus dessen Tiefe der blutrote Lehm des stillgelegten Bergwerks hervortritt. Dazu das Innere des Anwesens, das ganz klar als ein eigener Charakter des Films angesehen werden kann. Es scheint zu leben und sowohl mit Edith als auch mit dem Zuschauer kommunizieren zu wollen. Um diese Illusion zu erzeugen, werden eben nicht nur die im Trailer schon angedeuteten blutroten Geister verwendet, sondern vor allen Dingen Geräusche, die das Haus macht. Die Kostüme in "Crimson Peak" machen es einem dabei noch einfacher, in diese Welt einzutauchen. Die Kleider der Hauptdarstellerinnen könnten unterschiedlicher nicht sein: Während Ediths Gewänder eher unschuldig wirken, sind die dunklen Kleider von Lucille (Jessica Chastain) dunkel und bedrohlich.

Was die Stimmung von "Crimson Peak" angeht, so legt del Torro also gut vor; wer anstatt einer Gothic-Romance aber einen Horrorfilm vom Allerfeinsten erwartet, wird leider enttäuscht. Der Film wartet mit einer eindrucksvollen Besetzung auf: Tom Hiddleston ("Thor"), Mia Wasikowska ("Alice im Wunderland"), Jessica Chastain ("Zero Dark Thirty") und Charlie Hunnam ("Sons of Anarchy"). Bei einem solchen Aufgebot könnte man davon ausgehen, dass auch das Drehbuch so einiges im Petto hat; leider wird man, was das angeht, enttäuscht. Vieles ist im Laufe des Films sehr vorhersehbar und überrascht den Zuschauer nicht mehr wirklich. Auch wenn die Geister zu Beginn noch gruselig wirken, haben sie spätestens beim erneuten Auftreten im Haus irgendwann ihren Gruselcharme verloren. Allerdings denke ich, dass es del Torro auch nicht unbedingt um den Gruselfaktor ging, sondern vielmehr darum, die menschlichen Abgründe in seinem Film hervorzuheben. Leider gelingt ihm das im Laufe des Films nicht wirklich.

Weder Tom Hiddleston in seiner Rolle des Thomas Sharpe, noch Charlie Hunnam als Dr. Alan McMichael können sich wirklich in ihren Rollen hervorbringen. Für Schauspieler ihres Kalibers sind die Rollen doch recht flach gestaltet. Dafür spielen sich die beiden Damen des Films in den Vordergrund. Mia Wasikowska spielt die naive, ängstliche Edith wunderbar und verkörpert die Angst und Verwirrung mit Bravour. Sie schafft es durch ihre Blicke und Bewegungen die wenigen Spannungsmomente des Films zu erzeugen, in denen man einmal kurz den Atem anhält. Und vor Jessica Chastains Figur kann man sich von Beginn an nur gruseln. Die Blicke, die sie besonders Edith zuwirft, lassen einem das Blut in den Adern gefrieren. Keiner der beiden weiblichen Charaktere ist zu hundert Prozent das, was man auf den ersten Blick zu sehen bekommt und genau das ist es, was die Spannung des Films ausmacht.

Fazit

Wer sich eine Gothic-Romance gönnen will, ist im düsteren Look von "Crimson Peak" genau richtig. Will man allerdings reinsten Horror mit blutrünstigen Gestalten und ekelhaften Bildern sehen, sollte man dann doch besser zu Hause bleiben. Guillermo del Torro setzt in seinem neuen Film auf atemberaubende Bilder, ein tolles Bühnenbild und eine Story, die die Abgründe der menschlichen Seele in den Vordergrund drängen. Ein unterhaltsamer Film, der auf der Horrorebene aber noch etwas zulegen könnte.

Nicola Porschen - myFanbase
16.10.2015

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