Bewertung: 7
David Ayer

Herz aus Stahl

"Ideals are peaceful. History is violent." - Wardaddy

Foto: Copyright: 2014 Sony Pictures Releasing GmbH
© 2014 Sony Pictures Releasing GmbH

Inhalt

April 1945, Deutschland: Die amerikanischen Truppen rücken immer weiter vor und der Krieg ist schon fast vorbei. Um den letzten Widerstand auszulöschen, wird Sergeant Don 'Wardaddy' Collier (Brad Pitt) und sein eingespieltes Team (u.a. Shia LaBeouf, Michael Peña und Jon Bernthal) mit seinem Sherman-Panzer "Fury" an vorderster Front ausgesandt, um dem Nazi-Regime endgültig den Garaus zu machen. Was Wardaddy allerdings nicht gebrauchen kann, ist der Neuankömmling Norman Ellison (Logan Lerman), der seit acht Wochen in der Army ist und durch sein Unvermögen das Leben der Crew gefährdet. Als die "Fury" weiter in feindliches Gebiet vordringt, werden sie vom Feind überrascht.

Kritik

Regisseur und Drehbuchautor David Ayer ist für seine actiongeladenen Filme bekannt. Auch "Herz aus Stahl" enthält viel Action, unterscheidet sich aber gehörig von seinen bisherigen Projekten wie "End of Watch" oder "Street Kings". Denn der Kriegsfilm dient nicht zur Unterhaltung, sondern zur Reflektion.

Im Übrigen, und das kommt nicht oft vor, ist der deutsche Titel fast noch besser gewählt als der Originaltitel des Films. Man begleitet fünf Soldaten in der "Fury" durch den Zweiten Weltkrieg, die auf engstem Raum das Schrecklichste zu Gesicht bekommen. Um zu Überleben, müssen sie ein Herz aus Stahl haben und zu den Verursachern der Gräueltaten werden. Von der ersten bis zur letzten Minute findet man sich in einer absolut düsteren Atmosphäre wieder und die Schauplätze sind zu jeder Zeit authentisch gewählt. Die Kriegsszenen sind nüchtern und brutal, die Dialoge derb und die Schusswechsel und der damit grausige Anblick unzähliger Menschenopfer werden dem Zuschauer nicht oft erspart. "Herz aus Stahl" ist unter anderem auch ein Actionfilm, aber die gut gelungenen Effekte sind nur selten richtig genießbar, denn mit der Action kommen die Leichen und diese werden mit solch einer Selbstverständlichkeit auf den Bildschirm gebracht, dass man das Blut und den Dreck fast selbst auf der Haut zu verspüren glaubt. Egal, wie oft man dieses dunkle Kapitel in Bildern gesehen hat, in "Herz aus Stahl" wird man aufs Neue geschockt.

Und durch diesen Horror begleitet man fünf Soldaten, allen voran Brad Pitt als Don 'Wardaddy' Collier. Er allein hätte den Film mit seiner unglaublichen Präsenz tragen können. Sein Charakter könnte vielschichtiger nicht sein, denn obwohl er als harter Kerl und Anführer des Panzertrupps agiert, hat der Krieg tiefe Narben bei ihm hinerlassen. Pitt ebenbürtig ist Logan Lerman, der schon lange nicht mehr der Junge aus "Percy Jackson - Diebe im Olymp" ist, sondern mit diesem Film eine neue, erwachsene Seite von sich zeigt. Mit Norman kann sich nicht nur der Zuschauer am besten identifizieren, sondern dieser Charakter ist auch enorm wichtig für die Geschichte, da er als Frischling alles hinterfrägt und Skrupel zeigt, Menschen zu ermorden. Er ist die Identifikationsfigur, die eine nachvollziehbare Wandlung durchlebt und am Ende nicht mehr dieselbe ist. Die Szenen zwischen Norman und Don sind die emotionalsten und erschütternsten, denn Don muss, um das Leben seiner Crew und Normans Leben zu beschützen, dem Jungen die wahre Seite des Kriegs zeigen. Die anderen Charaktere werden in den Hintergrund gedrängt, doch jeder von ihnen ist wichtig für den Film und jedem Charakter gebührt sein eigener Moment. Besonders Shia LaBeouf schafft es, durch seine Blicke und wenige Worte neben Pitt und Lerman zu brillieren.

Durch den Fokus auf die fünf Charaktere sind die Kampfszenen nicht einmal die stärksten des Films. Es ist der Damenbesuch von Norman und Don, der zu der besten Szene des Films zählt und die Auswirkungen des Kriegs auf damals und heute zeigt. Das Schicksal der Überlebenden und Frauen rückt oftmals durch die vielen Menschenopfer in den Hintergrund. Und noch etwas hat der Film seinen Vorgängern aus Amerika voraus: Hier wird nicht etwa der Patriotismus und der heldenhafte Amerikaner mit der weißen Weste großgeschrieben; stattdessen vermischen sich Gut und Böse und die Unmenschlichkeit des Krieges wird auf beiden Seiten angemessen dargestellt.

Leider hat man am Ende des Films doch zu viel gewollt und das effektreiche Finale wirkt doch sehr unglaubwürdig und zu sehr aufgedreht. Genau hier legt man sich selbst den großen Stein ins Weg, der die Qualität des Films etwas schmälert. Es wirkt einfach zu übertrieben, wie die fünf Männer eine Kreuzung in ihrer Panzermaschine zu halten versuchen und 200 bis 300 Deutsche niedermetzeln. Hier wäre weniger mehr gewesen und den bisher vermiedenen Kitsch hat man sich leider bis zum Ende aufgehoben. Das Ende allein macht zwar nicht den Film kaputt, aber verhindert eine Höchstpunktzahl und vielleicht sogar eine eventuelle Oscarnominierung.

Fazit

Wer unterhaltsame Action sucht, ist hier Fehl am Platz. Regisseur David Ayer zeigt die Gräueltaten des zweiten Weltkriegs auf, ebenso nüchtern wie authentisch und ohne Verschönigung und verlangt den Zuschauern dabei einiges ab. Dafür bekommt man einen hervorragenden Cast und viel Stoff zum Nachdenken mit auf den Weg gegeben.

Tanya Sarikaya - myFanbase
08.01.2015

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