Bewertung: 7
Zal Batmanglij

East, The

Wir sind The East. Es ist uns egal, wie reich ihr seid, wir wollen, dass alle Schuldigen den Terror ihrer Verbrechen erleben. Es ist einfach, wenn es nicht euer Leben ist, wenn es nicht euer Zuhause ist. Aber wenn es eure Schuld ist, sollte es nicht so einfach sein, nachts zu schlafen. Besonders wenn wir wissen, wo ihr wohnt. Lügt ihr uns an, lügen wir euch an. Spioniert ihr uns aus, spionieren wir euch aus. Vergiftet ihr uns, vergiften wir euch.

Foto: Copyright: 2013 Twentieth Century Fox Home Entertainment
© 2013 Twentieth Century Fox Home Entertainment

Inhalt

Eine Gruppierung namens "The East" hat es sich zur Aufgabe gemacht, Wirtschaftskonzerne für ihre Umweltschändung zu bestrafen. Die ehemalige FBI-Agentin Sarah (Brit Marling) wird von ihrer Chefin Sharon (Patricia Clarkson) angeheuert, sich verdeckt in die Gang einzuschleusen und sie auffliegen zu lassen. Fest von ihrer Aufgabe überzeugt, gelingt Sarah der Einstieg in "The East" und bald lernt sie den Anführer Benji (Alexander Skarsgård) kennen. Je mehr Zeit sie mit der Gruppe verbringt, desto mehr versteht sie ihre Sicht der Dinge. Doch bei einer geplanten Attacke auf ein Pharmaunternehmen kommen bei Sarah Zweifel auf. Sharon macht weiter Druck und Sarah riskiert, ihre Tarnung auffliegen zu lassen. Dabei wird sie selbst mit der Frage nach dem richtigen Handeln konfrontiert und muss sich für eine Seite entscheiden.

Kritik

"The East" ist der perfekte Beweis dafür, dass ein Öko-Thriller nicht immer laut und krachend sein muss, um spannend zu sein. Der Film erzählt von den Missständen der heutigen Gesellschaft und dem Wunsch nach Vergeltung, was die Frage aufkommen lässt, ob man am Ende nicht genau so schuldig ist wie die Übeltäter, die man bestrafen möchte.

Die Thematik und der Twist sind von der ersten Minute an spannend. Besonders zu Beginn schnellt die Spannungskurve in die Höhe, als Sarah sich in "The East" einschleust und ihrem Vorhaben auf die Schliche kommt. Doch schon bald verschmelzen die Grenzen zwischen Opfer und Täter und der Film versteht es auf wunderbare Weise, einen Öko-Thriller aus der Sicht mehrerer Beteiligter zu erzählen und zu werten, ohne aufdringlich mit der Holzhammermethode die Message zu vermitteln. In vielen nachdenklichen Momenten wächst nicht nur die Sympathie für "The East", sondern auch gleichzeitig das Dilemma, wie weit man die Grenze überschreiten und nach Selbstjustiz streben darf. Man erwischt sich selbst dabei, wie man bei den cleveren Rachefeldzügen von "The East" einerseits Genugtuung für die Umweltsünder empfindet und andererseits die fragwürdigen Aktionen verurteilt. Die Stärke des Films ist dabei die schmale Gratwanderung zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch.

Brit Marling ist seit "Sound of my Voice" und "Another Earth" eine Offenbarung und pflegt mit Regisseur Zal Batmanglji eine enge Bindung. Sie ist bisher in allen seinen Filmen die Hauptdarstellerin gewesen und auch hier überzeugt sie mit ihrer Mimik, Gestik und einer sensiblen Darstellung ihres Charakters. Genau wie Sarah ist man hin- und hergerissen zwischen den Parteien und der Frage, wie weit man gehen darf, um Verbrechen aufzudecken. Marling stellt die smarte Undercover-Agentin auf der Suche nach Gerechtigkeit tiefsinnig dar und gleichzeitig kann sich der Zuschauer mit Sarah identifizieren und die Hinter- und Beweggründe von "The East" kennen lernen.

Zudem harmoniert Marling prächtig mit Alexander Skarsgård ("True Blood"), der genau das Gegenstück zu ihr darstellt. Immer besser versteht man Benjis Motive und Denken und das Prinzip seiner Gruppierung. Positiv überrascht ist man von der Chemie zwischen Sarah und Benji und obwohl man ahnen kann, in welche Richtung es mit den beiden geht, wird ihre immer stärker werdende Zuneigung füreinander Schritt für Schritt glaubhaft aufgebaut und am Ende mit einigen Wendungen komplett undurchsichtig gestaltet. Im Gegensatz zu vielen anderen Actionthrillern trifft hier das Klischee einer 0815-Beziehung nicht zu. Mit starken Gruppenszenen und ultimativen Vertrauensbeweisen wird "The East" durch Darsteller wie Ellen Page, Toby Kebbell und Patricia Clarkson komplettiert. Jeder von ihnen bekommt seinen eigenen Moment, um zu glänzen. Der Regisseur nimmt sich viel Zeit für die Charakterarbeit und es macht sich dementsprechend bezahlt. Der Filmtitel stellt nicht umsonst die Gruppe in den Fokus.

Leider baut der Film gegen Ende hin etwas ab und die letzte große Aktion entpuppt sich als nicht ganz so spektakulär wie erhofft. Die Auflösung erscheint etwas zu einfach, obwohl der richtige Weg gewählt wurde und teils im Abspann die Geschichte zu Ende erzählt wird. Dennoch hätte man das Ende intensiver gestalten können und noch mehr auf den Konflikt und die Beziehung zwischen Sarah und Sharon eingehen können. Das schmälert aber den Gesamteindruck kaum, denn "The East" unterscheidet sich in seiner besonderen Machart von anderen gewöhnlichen Thrillern und animiert nach dem Ende zum Reflektieren.

Fazit

Es hätte nicht viel gefehlt, um aus "The East" ein Glanzstück zu machen. Auch wenn der Film gegen Ende etwas abbaut, ist er durch die fesselnde Thematik und glänzenden Schauspielern sehr sehenswert.

Tanya Sarikaya - myFanbase
16.11.2013

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