Bewertung: 5
Martin McDonagh

7 Psychos

"Und was machen wir währenddessen im richtigen Leben?!"

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Inhalt

Der Drehbuchautor Marty (Colin Farrell) schreibt an einem Drehbuch, in dem es um sieben Psychopathen gehen soll. Von diesen Charakteren hat er sich allerdings erst zwei ausgedacht und seine Motivation zum Schreiben scheint bald zu schwinden. Seinem Freund Billy (Sam Rockwell) gefällt diese Idee jedoch sehr gut und so unterstützt er ihn, wo er nur kann. Da dieser sein Geld aber damit verdient, mit seinem Kollegen Hans (Christopher Walken) Hunde zu entführen und diese gegen den Finderlohn zurück zu geben, läuft die Situation bald aus dem Ruder. Als sie nämlich den Hund des Gangsterbosses Charlie Costello (Woody Harrelson) kidnappen, stellt sich heraus, dass sie die falsche Person bestohlen haben und Charlie macht sich auf die Jagd nach den Entführern. Marty, Billy und Hans müssen mit dem Hund vor Costello fliehen, was Marty allerdings dabei hilft, mit seinem Drehbuch voran zu kommen.

Kritik

Mit "7 Psychos" bin ich wieder an einen Film geraten, der definitiv die Geister spalten wird und ich wusste erst nicht, was ich von diesem halten sollte, als ich den Kinosaal verließ. Deshalb versuche ich hier mal, ganz objektiv an diese Kritik heranzugehen.

Was mir gut gefiel, waren zum einen die Charaktere Marty und Hans. Colin Farrell kann den Drehbuchautoren ohne Inspiration, aber mit erkennbaren Prinzipien gut spielen und er ist die Figur, mit der man sich in dem ganzen Meer aus verrückten Idioten am besten identifizieren kann - eben aus dem Grund, weil er am menschlichsten und auch am realsten wirkt. Die meisten anderen Charaktere lassen in dem Punkt leider zu wünschen übrig und wirken ganz und gar nicht natürlich, sondern vielmehr, als seien sie mit einem zu dicken Stift gezeichnet worden. Bei einigen Figuren funktioniert das trotzdem noch ganz gut und einer von diesen ist Hans, der sich als einer der sieben Psychopathen herausstellt, die sich Marty, mehr oder weniger, ausdenkt. Natürlich ist auch seine Hintergrundgeschichte, dem freigelassenen Mörder seiner Tochter auf Schritt und Tritt zu folgen, nicht gerade ernst zu nehmen, aber irgendwie kann man doch ganz gut damit leben, Hans in dieser Form in dem Film zu haben. Auch wenn man gern gewusst hätte, wie er überhaupt vom Racheengel zum Hundeentführer geworden ist, passt er recht gut zu Marty und es soll in dem Film nun wirklich nur um die Taten der Psychopathen gehen und nicht darum, große Charakterentwicklungen aufzuzeichnen. Von daher ist das schon in Ordnung.

Was mir außerdem gefiel, war die Idee der sieben Psychos an sich. Diese können mitunter mit wirklich spannenden Geschichten aufwarten und man wünscht sich während des Schauens, dass die sieben wirklich einmal aufeinander treffen würden - gerne auch, ohne sich gegenseitig umzubringen. Aber da viele davon Fiktion oder bereits verstorben sind, ist die Begegnung natürlich nur bei den Gedankenspielen des/der Autors/Autoren möglich. Das war soweit ganz gut gemacht und gebührend durchdacht; den Teil der Handlung mochte ich gern.

Ansonsten muss ich aber bemängeln, dass mir persönlich der ganze Rest der Geschichte um den entführten Hund zu realitätsfern war. Ich kann wunderbar mit gut platziertem schwarzen Humor leben, aber eine Verfolgungsjagd mit jeder Menge Toten zu veranstalten, nur weil ein Hund verschwunden ist? Also bitte, das geht wirklich zu weit! Zwar kann Woody Harrelson durchaus einen Gangsterboss spielen und allein schon seine Anwesenheit in einem Film verspricht etwas, worüber man schmunzeln kann, doch diesmal hätte er gern zu Hause bleiben können. Nicht mal ein Woody Harrelson kann mir noch eine nachvollziehbare, wenn auch etwas schräge Handlung vorspielen und das ist eigentlich so ein Punkt, der für mich sehr wichtig ist und vorhanden sein muss. Mich regt es furchtbar auf, wenn etwas in sich nicht schlüssig ist und das ist bei "7 Psychos" der Fall. Nein, bei so etwas bin ich wirklich kleinlich.

Auch die Figur des Billy hat mir nicht gefallen, auch wenn Sam Rockwell eigentlich dafür prädestiniert ist, irgendwelche Spinner zu spielen - man denke da nur an Zaphod Beeblebrox aus "Per Anhalter durch die Galaxis". Da passte aber die gesamte Geschichte und die Umgebung zu seiner Figur, was hier nicht der Fall ist. Hier ist Billy leider ein Charakter, der in sich unausgegoren und in einer völlig falschen Welt zu leben scheint. Er ist definitiv der Charakter, der am meisten zu wünschen übrig lässt und der mich gegen Ende des Filmes eigentlich nur nervte.

Fazit

Ich bin mir sicher, dass viele "7 Psychos" lieben werden - ich gehöre allerdings nicht dazu. Mich hat es zu sehr gestört, dass die Hälfte des Filmes keinen erkennbaren Sinn gemacht hat und deshalb ist für mich dieser Teil der Handlung einfach nur vergeudete Zeit gewesen.

Luisa Schmidt - myFanbase
16.12.2012

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